AKW-Streit Strengere Vorschriften, längere Laufzeiten

Die Regierung hat sich offenbar auf einen Atom-Kompromiss geeinigt: Alte AKW sollen durch schärfere Vorschriften schnell vom Netz, neuere dagegen noch Jahrzehnte laufen.

Weniger Atommeiler, längere Laufzeiten: So lautet nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ( SZ ) die Kompromissformel, die die Bundesregierung im Streit über längere Laufzeiten für die deutschen Kernkraftwerke gefunden hat. Dabei hätten die Koalitionäre eine für beide Seiten "gesichtswahrende Lösung" gefunden, schreibt die Zeitung und beruft sich dabei auf Regierungskreise.

Dreh- und Angelpunkt des Konzepts seien neue Sicherheitsstandards, die zusammen mit der Vergabe neuer Strommengen den Energiekonzernen auferlegt werden sollen. Somit könnten zwar alle 17 Reaktoren zusätzliche Strommengen für sechs oder acht Jahre erhalten. Gleichzeitig müssten die Alt-AKW aber abgeschaltet werden, da es sich für die Betreiber kaum lohne würde, diese sicherheitstechnisch nachzurüsten.

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Die Folge davon: Schon im kommenden Jahr könnten die ersten "zwei oder drei" Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Welche das sein könnten, sei aber noch offen. Ungeklärt sei auch noch, ob überhaupt ein fester Zeitpunkt für das Abschalten der letzten Reaktoren genannt werde.

Im Gegensatz zu älteren Atommeilern könnten bei dieser Lösung neuere Kernkraftwerke sogar länger laufen, als es die ihnen zugeschriebene Strommenge zulässt. Dies liegt am bestehenden Atomgesetz, wonach die Betreiber ohne Probleme Laufzeiten von älteren auf neuere Anlagen übertragen können. Die von Bundesumweltminister Norbert Röttgen geforderte "moderate" Verlängerung könnte so zu weitaus längeren Laufzeiten einiger AKW führen.

Die beteiligten Ministerien , also das Ressort von Umweltminister Röttgen (CDU) sowie das Wirtschaftsministerium unter dem FDP-Politiker Rainer Brüderle, wollten sich zu den Spekulationen nicht äußern. Die Entscheidung werde erst dann fallen, wenn das gesamte Energiekonzept der Bundesregierung stehe, hieß es in der SZ . Das Konzept soll im Herbst verabschiedet werden, eine Vorentscheidung trifft das Kabinett bereits Ende September. Zuvor wollen Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Berechnungen zum künftigen Energiemix vorlegen.

 
Leser-Kommentare
    • CM
    • 09.08.2010 um 10:35 Uhr

    Unsere Regierung hat seit der Wahl nichts zustande gebracht, außer für Lobbyisten.

    Hier ist also das nächste Beispiel, wie die Regierung gegen den erklärten Willen des Volks Entscheidungen trifft, die noch den nachfolgenden Generationen Schaden zufügen.

  1. EON, RWE etc geben ein anschauliches Beispiel dafür, wie Privatisierungen funktionieren.
    Der Bürger wird solange abgezockt, wie die Politik es erlaubt.
    Am Beispiel des Atomstroms müsste die Politik nur die Kosten von Transport und Endlagerung des atomaren Anfalls auf die Erzeuger abwälzen - dann würde der Markt da Thema schon regulieren.

  2. .. SPD oder die Grünen zu wählen.
    Hier zumindest gibts eine klare Trennlinie zwischen den Parteien und nicht nur die selben Hüte in anderer Verpackung.

  3. Der Rot/Grüne Kompromiss sah ja vor, dass die AKWs früher abgeschaltet werden, sie dafür aber die neuesten Sicherheitsvorschriften nicht mehr umsetzen müssen. Wenn sie jetzt länger laufen sollen, ist deren Umsetzung eine Selbstverständlichkeit. Insofern wird das neue Kanninchen aus einem sehr alten Hut gezaubert.

    Diese Sicherheitsvorschriften wurden nie ratifiziert, stellen aber eigentlich nur den Stand der Technik dar, sind also nichts Besonderes. Sollten sie aber tatsächlich 1:1 umgestzt werden, müssen wohl alle AKWs abgeschaltet werden.

    Da machen es selbst die AKW-gläubigen Schweden besser. Die wollen zwar neue Kraftwerke bauen, schalten aber die alten konsequent ab.

  4. Was wär denn mit Thorium? Dadurch kann Uran abgebaut werden...dann wär Gorleben usw. Geschichte.

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    • Loki45
    • 09.08.2010 um 19:14 Uhr

    Wie mir bekannt ist, wurde die Kernforschung in Deutschland quasi eingestellt. Ich glaube nicht, dass irgend ein Institut am Flüssigfluorid-Thorium-Reaktor forscht oder arbeitet!

    Fazit
    Fassen wir zusammen, das Konzept des Thorium-Reaktors hat entscheidende Vorteile:

    - Es ist sehr viel sicherer als die bisher bekannte Kern-Reaktor-Technologie, sogenannte "GAU"s sind dann nicht mehr möglich
    - Es entstehen rund 1.000 Mal weniger radioaktive Abfälle, die zudem nach 300 Jahren ungefährlich sind
    - Es besteht die Möglichkeit, bestehende radioaktive Abfälle mitzuverbrennen
    - Es ist unmöglich, Uran oder Plutonium für den Bau von Atombomben abzuzweigen
    - Thorium, der Ausgangsstoff für den Brennstoffkreislauf, ist sehr viel günstiger und weltweit häufiger als Uran

    Wer Realist ist und sich in der Energiewirtschaft auskennt weiß, die Leistungslücke von 12 ... 15.000 MW, die durch vom Netz gehende, veraltete Kraftwerke in den nächsten Jahren entsteht, wird nicht duch Alternative Energie abgedeckt werden können.

    Die Losung: "Wozu Kraftwerke - bei uns kommt der Strom aus Steckdose" ist zwar witzig, aber in der Realität muss der Strom vom Kraftwerk erst mal in die Steckdose kommen!

    Ich meine, es werden sich alle damit abfinden müssen, dass es noch die nächsten Jahrzehnte Kern-Kraftwerke und andere Kraftwerke geben wird!

    • Loki45
    • 09.08.2010 um 19:14 Uhr

    Wie mir bekannt ist, wurde die Kernforschung in Deutschland quasi eingestellt. Ich glaube nicht, dass irgend ein Institut am Flüssigfluorid-Thorium-Reaktor forscht oder arbeitet!

    Fazit
    Fassen wir zusammen, das Konzept des Thorium-Reaktors hat entscheidende Vorteile:

    - Es ist sehr viel sicherer als die bisher bekannte Kern-Reaktor-Technologie, sogenannte "GAU"s sind dann nicht mehr möglich
    - Es entstehen rund 1.000 Mal weniger radioaktive Abfälle, die zudem nach 300 Jahren ungefährlich sind
    - Es besteht die Möglichkeit, bestehende radioaktive Abfälle mitzuverbrennen
    - Es ist unmöglich, Uran oder Plutonium für den Bau von Atombomben abzuzweigen
    - Thorium, der Ausgangsstoff für den Brennstoffkreislauf, ist sehr viel günstiger und weltweit häufiger als Uran

    Wer Realist ist und sich in der Energiewirtschaft auskennt weiß, die Leistungslücke von 12 ... 15.000 MW, die durch vom Netz gehende, veraltete Kraftwerke in den nächsten Jahren entsteht, wird nicht duch Alternative Energie abgedeckt werden können.

    Die Losung: "Wozu Kraftwerke - bei uns kommt der Strom aus Steckdose" ist zwar witzig, aber in der Realität muss der Strom vom Kraftwerk erst mal in die Steckdose kommen!

    Ich meine, es werden sich alle damit abfinden müssen, dass es noch die nächsten Jahrzehnte Kern-Kraftwerke und andere Kraftwerke geben wird!

  5. Nachdem was ich hier gelesen habe:
    http://gruppen.greenpeace...
    sehe ich jede Verlängerung als Verbrechen, bei dem mir Angst und Bange wird.

  6. Eine kleine - aber einflussreiche - Minderheit verdammt die Mehrheit, Kosten und Risiken zu tragen, die die Mehrheit eben ablehnt!

    Wie ist bitte diese Tyrannei und unserer "Demokratie" überhaupt denkbar?!!

    Wenn zukünftig Gorleben als Endlager benutzt wird und dann den Menschen in der Norddeutschen ihr Grundwasser vergiftet wird - wer wird dafür haften? Wenn die Verseuchung sich im Laufe von Jahrzehnten bis Hannover und Hamburg zieht? Ist das dann eine klinische Studie zum Thema, "wie viel Atommüll verträgt der Mensch"?

    Die ganze Korruption und die Seilschaften machen eine neutrale, objektive, wissenschaftliche Untersuchung der Thematik unmöglich. Wo ein Ernst Albrecht den Gorleben aus ungeklärten POLITISCHEN und PRIVATEN Gründen auf Platz 1 der "wissenschaftliche" Liste der Endlager manipuliert, da kann man sicher sein, dass das Endlager niemals das halten wird, was man sich davon erhofft.

    Wer bitte zwingt die Atom-Konzerne dazu, Rücklagen zu bilden, um ihren Müll im Zweifelsfall wieder heraus zu holen? Niemand. Das Geld ist ausgegeben und in 50, 100 oder 500 Jahren wird sich kein Mensch mehr an RWE oder e-on erinnern. Aber wenn die Menschen dann verrecken, weil der Atommüll sie vergiftet, den wir heute tatsächlich aber achtlos und unverantwortlich in die Natur kippen - wer haftet dann?

    DIE ATOMENERGIE "RENTIERT" SICH NUR, weil andere zum Tragen der Risiken und unkalkulierbaren Kosten VERDAMMT WERDEN, als diejenigen, die HEUTE entscheiden und PROFITE KONSUMIEREN.

    Y.S.

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    • Rolf28
    • 09.08.2010 um 13:38 Uhr

    Wir sollten umdenken und unser Staatssystem in "Lobbykratie" umtaufen! Wenn das erstmal offiziell ist, regt sich vielleicht auch keiner im "demos" mehr auf, weil die Unterschiede zwischen Ideal- und tatsächlicher Politik nicht mehr so verdrießlich groß sind...

    Wann sind eigentlich alle Parteispender von Schwarz-Gelb ausbezahlt? Was erwartet uns noch?

    • Rolf28
    • 09.08.2010 um 13:38 Uhr

    Wir sollten umdenken und unser Staatssystem in "Lobbykratie" umtaufen! Wenn das erstmal offiziell ist, regt sich vielleicht auch keiner im "demos" mehr auf, weil die Unterschiede zwischen Ideal- und tatsächlicher Politik nicht mehr so verdrießlich groß sind...

    Wann sind eigentlich alle Parteispender von Schwarz-Gelb ausbezahlt? Was erwartet uns noch?

  7. Nachdem überhaupt nicht geklärt ist, was in Zukunft mit dem atomaren Abfall geschehen soll, halte ich eine solche Entscheidung -wenn sie denn umgesetzt werden sollte- für völlig inakzeptabel. Wir versündigen uns an den zukünftigen Generationen, die dann, wenn wir den Globus für immer verlassen, sich mit diesem "lebensgefährdenden Problem" auseinander setzen müssen. Insofern sollte das Thema mit viel mehr Ernsthaftigkeit behandelt werden. Energiesparen wäre als Erstes mal angezeigt, denn für die meisten Menschen kommt Strom halt einfach aus der Steckdose, und es ist ihnen auch völlig egal, unter welchen Bedingungen das geschieht. Die Regierung tut m.E. alles dafür, sich selbst das Wasser abzugraben.

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