Bundesregierung Merkel will Geld aus Atomsteuer für Haushaltssanierung

Umwelt- und Finanzministerium streiten sich, wofür die geplante Brennelementesteuer verwendet werden soll. Die Kanzlerin hat sich nun klar auf eine Seite geschlagen.

Rund 2,3 Milliarden Euro verspricht sich die Bundesregierung durch die Erhebung einer Brennelementesteuer, die die vier großen Energiekonzerne bei einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke pro Jahr zahlen sollen. Doch wohin das Geld fließen soll, ob in die Sanierung des maroden Bundeshaushalts oder in die Investition Erneuerbarer Energien, darüber gibt es Streit.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen und Finanzminister Wolfgang Schäuble sind nicht nur unterschiedlicher Auffassung darüber, wenn es um den Zeitplan für die geplante Atomsteuer geht. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, legte das Umweltministerium sein Veto gegen Schäubles Vorhaben ein, die Einnahmen komplett für das Sparpaket zu verwenden. Vielmehr müssten die Erlöse in erneuerbare Energien und die Steigerung der Energieeffizienz investiert werden. Das sehe auch der Koalitionsvertrag vor.

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Nun hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Zank der beiden CDU-Politiker eingeschaltet und sich klar auf die Seite Schäubles gestellt. "Die Brennelementesteuer dient der Haushaltskonsolidierung ", ließ sie über Regierungssprecher Steffen Seibert verbreiten. Noch nicht entschieden ist nach seinen Worten allerdings, ob dieser Beitrag der Atomwirtschaft von 2,3 Milliarden Euro tatsächlich in Form einer Brennelementesteuer erfolgt. "Derzeit gehen wir davon aus, dass das eine Brennelementesteuer ist", sagte Seibert. Es gebe aber Verhandlungen über Alternativen. Welche Lösung zum Tragen komme, werde bis zur entscheidenden Kabinettsitzung über das Sparpaket am 1. September entschieden.

Der Haushaltsexperte der Unionsfraktion, Norbert Barthle (CDU), beharrte darauf, die Steuer als zusätzliche Einnahmequelle für den Haushalt zu verwenden – unabhängig von einer Laufzeitverlängerung. Allerdings müsse, wenn die Atomkraftwerke länger am Netz bleiben dürften, weiteres Geld für die erneuerbaren Energien bereitgestellt werden, verlangte Barthle. "Das ist mit den 2,3 Milliarden Euro im Rahmen des Sparpakets nicht abgegolten. Das kommt hinzu."

Im Streit um den Zeitplan für eine Lösung in der Atomsteuerfrage bekam Röttgen Unterstützung vom Energiekoordinator der CDU-Bundestagsfraktion, Thomas Bareiß (CDU). Er sei wie der Minister dafür, dass sich die Regierung die Modalitäten der Abgabe erst am 28. September zusammen mit dem Energiekonzept kläre, sagte Bareiß. Das Bundesfinanzministerium dagegen will bis zur Kabinettssitzung am 1. September geklärt wissen, ob es eine Brennelementesteuer oder eine Vertragslösung mit den Atomkonzernen gibt.

Um Röttgens Atompolitik ist in der CDU seit geraumer Zeit ein heftiger Streit entbrannt . Vor allem aus Baden-Württemberg kamen in der Vergangenheit Attacken in Richtung Umweltminister, da dieser anders als die Landes-CDU die Restlaufzeiten für Atomkraftwerke nur moderat verlängern will. Erwartungsgemäß kam daher die Kritik des Stuttgarter Generalsekretärs Thomas Strobl an Röttgens Terminplanung für die Atomsteuer. "Der Vorgang beweist einmal mehr: Röttgen ist unzuverlässig", sagte Strobl. Er rechne "sehr bald" mit einem Machtwort der Kanzlerin. Zuvor hatte bereits Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU), der vor einer Landtagswahl im kommenden Jahr steht und in dessen Bundesland vier Atomkraftwerke stehen, Röttgen mehrfach angegriffen .

Der Bremer CDU-Vorsitzende Thomas Röwekamp hingegen verteidigte den Minister. "Norbert Röttgen ist unverzichtbar", sagte er. "Was ihn beschädigt, schadet uns." Röwekamp zeigte sich überzeugt, dass sich Röttgen mit seinem Kurs in der Energiepolitik durchsetzen werde.

 
Leser-Kommentare
  1. Ach Herr Schäuble wartet nurnoch auf seinen Fakelaki. Vorher wird sowieso nicht ernsthaft verhandelt...so kennen und lieben wir ihn...

    • joG
    • 20.08.2010 um 12:09 Uhr

    ...wie es aussieht, wenn ein Staat den Betrieb existierender Anlagen zu untersagen um dann zum Weiterbetrieb Steuern zu verlangen. Das hört sich nach russischen Verhältnissen an.

  2. 3. Klasse

    Blöd, wenn man einen Umweltminister hat, der ernsthaft versucht seinen Job zu machen. Und dann hat man da noch einen rechtskräftigen Vertrag der ihm den Rücken stärkt. oh weh...

    arme Stromkonzerne. da kommts noch knüppeldick ;)

    Die sollten ihre Drohung wahr machen und sofort die AKWs abschalten. :)

    • cljk
    • 20.08.2010 um 12:43 Uhr

    Endlich mal wieder ein Politiker mit eigener und vernünftiger Meinung

  3. 5. ~ 1024

    Wer, bitte schön, kann außerhalb der Politik die Politiker noch irgend wie ernst nehmen? Das Possenspiel um die Brennelementesteuer ist das Meisterstück in der Sache Vertrauensabbau.

    Zuerst wurde sie in ein Sparpaket aufgenommen, wo sie sogar als Gegenargument für eine Kritik sozialer Unausgewogenheit benutzt wurde, um Haushaltspläne für eine Zukunft schön zu rechnen. Dann setzt man sich mit den Steuerzahlern in diesem Fall an einen Tisch und fragt sie, ob sie die Steuern auch zahlen wollen. Als Angebot verknüpfen einige es mit Zugeständnissen, die selbst wieder Kosten verursachen. Trotzdem streitet man nun über den Verwendungszweck dieses Nicht-Existenten, nicht einmal Absehbaren, als wäre es gar nicht Teil eines Spar- und Haushaltsprogramms gewesen. Die einen wollen das Mehr, das nur ein Weniger vom Minus war, an anderer Stelle verwenden, andere möchten ein Mehr von anderswo als Ersatz für das verringerte Minus.

    "Würdest du mir 1 Euro geben?"
    "Ich weiß nicht, vielleicht wenn du darauf verzichtest, dass ich dir morgen den Euro wie verabredet wieder gebe, den du mir gestern gabst."
    "Na gut, mal sehen. Aber prinzipiell schon?"
    "Klar."
    "Dann hätte ich also nicht nur 3 Euro in der Tasche, sondern prinzipiell 4. Von 4 Euro kann ich mir das Buch kaufen. Oder das Hemd."
    "Und was ist mit deinem Minus von 7 Euro auf der Bank?"
    "Nichts, das ist ja auf der Bank. Hauptsache, ich kann jetzt herum erzählen, dass ich mir ein neues Buch und ein neues Hemd leisten kann, wenn ich will."

  4. Warum streiten sich die beiden Minister eigendlich, Glaubt jemand Ernsthaft das die Brennelementesteuer kommt.Diese getöse soll doch nur von dem Grund ablenken warum diese Steuer nicht kommt. Und statt dessen eine Abgaben Regelung, und diese paar Milliarden holt sich die Atomlobby über die Strom Börse vom Kleinen Verbraucher wieder. Ich wünschte das Ich im Irrtum bin. Was ich Leider nicht Glaube.

  5. Die Energiekonzerne flankiert von weiteren Wirtschaftsverbänden machen auf breiter Basis Front gegen die Energiesteuer.
    Es geht aber nicht um die Brennelementesteuer. Hier wird die Machtfrage in unserem Land gestellt. Sind wir eine parlamentarische Demokratie mit einer funktionierenden Legislative oder sind wir eine von den Energieriesen käufliche Bananenrepublik?
    Die Anzeigenserie der Energiekonzerne ist ein direkter Angriff auf unsere parlamentarische Demokratie in Form von Erpressung. Deshalb kann es nur eine Antwort geben. Ich schrieb es schon an anderer Stelle. Entmachtung durch Enteignung der Energieriesen.

  6. ...letztlich wird die Brennelemente-Steuer kommen und dann im Durchlaufverfahren an den Endverbraucher weitergegeben. Das ist genau das gleiche Spiel wie bei den Photovoltaik-Anlagen, dem Erneuerbaren Energien-Gesetz und der Ökosteuer.

    Im Augenblick liegen auf jedem Euro Stromrechnung 41 Cent Steuern und Abgaben. Dann wird dieser Teil sich eben erhöhen. Kein Aktionär wird auch nur einen Cent Dividende einbüßen.

    Ähnliches wird in Brandenburg passieren. Dort hat man gerade die Windturbinen als Geldquelle entdeckt. 3500-5000 Euro Abgaben pro Jahr und Turbine sollen erhoben werden. Auch hier darf man schon einmal raten, wer die letztlich zahlt.

    Diese ganze Mär vom allestragenden Staat ist ein reines Lügengebilde und ich hoffe inständigst, insbesondere im Namen der Kinder, dass dieses Lügengebilde so schnell wie möglich kollabiert, damit man neu starten kann, mit realen Zahlen, mit dem was ist und nicht mit dem, was man gerne hätte.

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