Schleswig-Holstein Beschleunigter Generationswechsel in der CDU
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Habituelle Probleme mit dem Seitenscheitelträger

Zwar wird in Schleswig-Holstein gemunkelt, dass es mit Wissenschaftsminister Jost de Jager durchaus eine Alternative zu Boetticher als künftigem Ministerpräsidenten gebe. Zumal letzterer in der Fraktion nicht unumstritten ist. Gleichwohl: Im Landesvorstand fiel die Entscheidung für den jetzigen Fraktionschef ohne Widerrede. Und wenn er erstmal Landesvorsitzender ist, hat er nun mal auch die besten Chancen auf die Spitzenkandidatur.

Mit den anderen CDU-Aufsteigern Ahlhaus und McAllister verbindet Boetticher, dass er sich gerne konservativ gibt und dennoch für neue Koalitionen offen ist. So betonte er kurz nach seiner Nominierung, die CDU müsse wieder konservative Werte besetzen. Die Grünen in Kiel behaupten von ihm dennoch, dass der frühere Umweltminister quasi unentwegt grün blinke – auch wenn er sich als Minister mehr für die Bauern und Jäger als für den Umweltschutz interessiert habe.

Ausschließen wollen sie eine Koalition mit ihm dennoch nicht. Auch wenn man mit dem adligen Seitenscheitelträger und Burschenschaftsmitglied schon rein habituell einige Probleme habe.

Carstensens Ablösung ist aber auch eine Hoffnung für die chronisch zerstrittene schleswig-holsteinische Landespolitik. Zwischen Carstensen und FDP-Landeschef Wolfgang Kubicki auf der einen sowie SPD-Chef Ralf Stegner auf der anderen Seite hatte sich zuletzt eine innige Feindschaft herausgebildet, die manche Koalitionsmöglichkeiten von vornherein ausschließt.

Mit von Boetticher habe man dagegen bisher keine wirklich schlechten Erfahrungen gemacht, heißt es aus SPD-Kreisen, auch wenn der Mann gelegentlich ziemlich impulsiv und etwas unbeherrscht reagiere. Trotzdem ist eine Große Koalition natürlich das Letzte, was sich die SPD in Kiel wünscht. Und zumindest in dieser Hinsicht dürfte durchaus große Einigkeit mit der CDU bestehen.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Gesundheitsministerium scheint es ja auch zu reichen, wenn man jung ist. Sonstige Kompetenzen werden offenbar nicht vorausgesetzt.

    Dann wird es doch auch für den MP-Posten in einem vernachlässigbaren Bundesland reichen, oder?

    • papayu
    • 01.09.2010 um 3:54 Uhr

    Nun kann er ja wieder auf die Hallig zurueckkehren und seinen Ruhestand geniessen. Er hat nur ein riesiges Problem, er kann seine Pension nicht verschwenden, da gibt es nichts zu kaufen.
    Hier wird einmal wieder das grosse Personalproblem der CDU deutlich.
    Es fing ja schon mit Frau Merkel, keiner wollte Bundeskanzler werden und will es auch heute nicht.Da schiebt man halt jetzt junge Leute nach, jung ist relativ. Der Patchworkpraesident ist ja auch schon 50.
    Wie hiess der Slogan vor einigen Jahren? JUNG,DYNAMISCH UND ERFOLGLOS.

  2. wage ich zu bezweifeln. Normalerweise steht man mit Mitte/Ende 30 noch nicht an der Spitze eines Unternehmens oder einer Behörde. Das hat etwas mit Erfahrung und natürlicher Autorität zu tun. Bei den Parlamentariern kann man das durchaus anders sehen. Ansonsten glaube ich aber nicht, dass die übertriebene Jugendlichkeit bei den Wählern so ankommt. Dass die Union ein verstaubtes Image zu überwinden habe ist längst überholt; jetzt geht es eher darum auch wieder Beständigkeit und Seriösität zu vermitteln.

    • Chilly
    • 01.09.2010 um 11:03 Uhr

    dort hat man einen 52-jährigen MP durch einen 58-jährigen ersetzt. Scherz bei seite:

    Richtig ist, dass die CDU unter Merkel in der zweiten Reihe den Wechsel der Nachkohlzeit nachholt. Das ganze geschieht etwas mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit als bei der SPD, die ja kaum noch irgendwo in Regierungsverantwortung steht. Aber auch dort zeigen sich massive Veränderungen (etwa Pronold und Bayern, Schäfer-Gümpel in Hessen etc.). Diese Entwicklung stößt zwar bei den Medien auf Sympathie; allerdings habe ich gewisse Zweifel, ob die zuverlässigsten aller Unionswähler, die Rentnerinnen und Rentner ihre Rollatoren in Bewegung setzen, um diese "Jungschen" an der Macht zu halten, zumal gerade aus dieser Politikergeneration immer wieder Zweifel am Rentensystem etc. gestreut werden.

    Mal sehen, ob die Union langfristig von dieser - an sich durchaus notwendigen - Personalrochade profitieren wird.

    CHILLY

  3. Es ist doch ein Unding das die Parteien mit Spitzenkandidaten antreten,
    die ums verrecken nicht miteinander können und somit Koalitionen
    von vornherein ausschließen.
    Nicht das Alter ist ausschlaggebend, sondern das sie nach der Wahl
    in der Lage sind, den Wählerwillen umzusetzen, d.h. mit allen
    Parteien Gespräche zu führen.

  4. Im Artikel ist die Rede von Herrn von Boetticher wird als "adligem Seitenscheitelträger und Burschenschaftsmitglied".

    Hm. Der Adel ist meines Wissens abgeschafft, der Herr heißt eben nur "von B.". Seitenscheitel trägt auch Smoky Schmidt. (Nebenbei: Möchten Sie einen Regierungschef mit Mittelscheitel?) Und einen Burschenschaftler haben wir auch in Hamburg auf dem Regierungssessel.

    Sonst noch was, was den Herrn qualifiziert?

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