ZEIT ONLINE: Herr Laschet, Sie haben in den vergangenen Tagen die Forderung aufgestellt, man brauche wieder mehr CDU pur. Was bedeutet das?

Armin Laschet: Das bedeutet, dass man Politik wieder stärker aus den Grundwerten der CDU ableiten sollte und auch erklären sollte, warum man zu welcher Entscheidung kommt. Das ist in den letzten Monaten oft verloren gegangen, weil man vieles einfach als alternativlos dargestellt hat, ohne zu erklären, warum das gerade aus den Prinzipien der CDU ableitbar ist. Solche grundsätzliche Orientierung würde ich mir wieder stärker wünschen.

ZEIT ONLINE: Welche Grundwerte haben sie da im Blick?

Laschet: Die Grundwerte der CDU sind im Programm beschrieben. Diese sind Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit. Das Menschenbild der CDU leitet sich vom christlichen Menschenbild ab, das den Menschen als Individuum sieht und als Gemeinschaftswesen. Es unterscheidet sich insofern von eher sozialistischem Denken auf der einen und zu liberalistischem Denken auf der anderen Seite, das den Einzelnen überbetont. Aus dieser Differenz ist die ganze soziale Marktwirtschaft entstanden. Diesen Ordnungsrahmen müssen wir wieder stärker deutlich machen.

ZEIT ONLINE: Gilt das in erster Linie für die CDU in Nordrhein-Westfalen oder auch für die CDU im Bund?

Laschet: Das gilt auch für die CDU im Bund. Ich glaube, dass es insbesondere dort nötig ist, das wieder in den Blick zu nehmen.

ZEIT ONLINE: Gerade Sie gelten allerdings als Vertreter der Öffnung der CDU für neue Themen und neue Wählergruppen, besonders beim Thema Integration. Wie wollen gerade Sie da den Markenkern der CDU repräsentieren?

Laschet: Ich habe immer schon den Markenkern der CDU repräsentiert. Wir haben die moderne Integrationspolitik nicht gemacht, um den Grünen nachzulaufen, sondern weil es gerade auf der Basis der Grundwerte der CDU nötig ist, jedem Kind unabhängig von der Herkunft der Eltern Aufstiegschancen zu geben. Integration liegt in unserem Interesse. Übrigens haben mich die Kirchen dabei immer unterstützt.

Entscheidend ist, dass wir nicht versuchen, eine bessere SPD oder die besseren Grünen zu sein, sondern dass wir eine moderne Politik machen, aber aus unseren Grundwerten und unserem Menschenbild heraus.

ZEIT ONLINE: Das dürfte denen, die sich um das konservative Profil der CDU sorgen, kaum genügen.

Laschet: Jeder, der sich um das konservative Profil sorgt, soll einmal sagen, was er meint. In welcher Sachfrage sollen wir konservativer sein? Ich weiß nicht, was ein Konservativer zu Atomlaufzeiten sagt. Kürzer oder länger, was ist konservativ? Wehrpflicht ja oder nein, was ist konservativ? Afghanistan-Einsatz – ja oder nein?

Ich glaube nicht, dass es so viele Themen gibt, wo konservative Ideen gegen das stehen, was wir im Moment machen.