Sommerinterview Merkel hält an Brennelementesteuer fest
Kanzlerin Merkel sieht derzeit keine Alternative zur umstrittenen Steuer für die Betreiber von Atomkraftwerken. In einem Interview zeigte sie sich offen für ein Aussetzen der Wehrpflicht.
Im Streit über die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter an der geplanten Brennelementesteuer fest. Im Sommerinterview des ZDF sagte sie: "Solange kein anderer Vorschlag auf dem Tisch ist, bleibt es bei der Steuer." Die Regierung sei mit den Energiekonzernen im Gespräch, ob es noch andere Vorschläge gebe: "Aber die sehe ich im Augenblick noch nicht", sagte Merkel weiter. Entscheiden werde die Regierung Ende September. Dazu müssten alle Szenarien auf dem Tisch liegen. Mit der Brennelementesteuer sollen die Energiekonzerne jährlich 2,3 Milliarden Euro zum Bundeshaushalt beitragen.
Merkel begrüßte im Grundsatz die Anzeigenkampagne von 40 Befürwortern der Kernkraft , darunter prominente Wirtschaftsführer. Sie finde es gut, dass sich auch diese Seite zu Wort melde, zumal in den nächsten Tagen wieder Proteste der Atomgegner zu erwarten seien. Sie sehe die Anzeigen auch nicht gegen sich gerichtet, sagte die Kanzlerin. Vielmehr seien diese Argumente in der Debatte an die Menschen allgemein adressiert.
Grundsätzlich gelte es, verlängerte Laufzeiten so hinzubekommen, dass sie rechtssicher seien. Vorrang habe ein möglichst schneller Umstieg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien, die allerdings auch bezahlbar sein müssten, sagte die Kanzlerin. Insofern unterstütze sie Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Dies sei schließlich "sein Job".
Interessant finde sie allerdings, dass zwei Minister im rot-grünen Kabinett von Gerhard Schröder (SPD), das den Ausstieg mit der Energiewirtschaft verabredet habe, jetzt dagegen stimmten, sagte Merkel. Zu den Unterzeichnern der Kampagne gehören der ehemalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement sowie der ehemalige Innenminister Otto Schily.
Die Kanzlerin nannte es selbstverständlich, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble die 2,3 Milliarden Euro für den Haushalt bekomme , mit denen die zusätzlichen Gewinne der Energiekonzerne aus einer Verlängerung der Atomlaufzeiten teilweise abgeschöpft werden sollen. "Das geht in den Haushalt", bekräftigte Merkel. Daneben werde man schauen, auch etwas für die erneuerbaren Energien zu tun. "Aber da gibt es bisher keine Summen", sagte die Kanzlerin.
Für den Absturz in den Meinungsumfragen machte Merkel die Vielstimmigkeit in der Koalition mitverantwortlich. Bei den Entscheidungsprozessen habe es manchmal ein Stimmenwirrwarr gegeben, räumte die CDU-Vorsitzende ein. "Ich glaube, dass wir die Menschen zum Teil nicht erreicht haben, weil das Wirrwarr und die Umgangsformen nicht so waren, wie wir uns das vorstellen. Deshalb wird es da auch besser werden." Merkel zeigte sich überzeugt, dass die Stimmung wieder zugunsten der Regierung umschlägt, wenn erst wichtige Entscheidungen getroffen seien.
Merkel nannte fünf große Themen, in denen bis Jahresende wichtige Entscheidungen anstünden. Dazu zählte sie die Frage solider Finanzen, die Gesundheitspolitik, Bildung für Kinder aus Hartz-IV-Familien, die künftige Energieversorgung und die äußere Sicherheit mit der Bundeswehrreform. Wenn diese Entscheidungen getroffen seien, werde für die Bürger sichtbar werden, dass Deutschland für die Zukunft besser gerüstet sei, als das heute der Fall sei.
Zur Diskussion um die Aussetzung der Wehrpflicht sagte Merkel, sie werde jeden Vorschlag ernsthaft prüfen. Dazu gehöre auch "ein Neudenken der Rolle der Wehrpflicht". Die Kanzlerin fügte allerdings hinzu: Die Wehrpflicht als solche "wird im Grundgesetz auf jeden Fall bestehen bleiben".
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will in den kommenden Tagen seine Reformeckpunkte vorlegen. Merkel sagte angesichts der zum Teil hitzigen Debatte, man solle die Diskussion über die Reform nicht immer als Streit verstehen. Es gelte vielmehr, auch die Argumente der anderen aufzunehmen. Am entscheidenden Punkt werde sie dann die Argumente zusammenführen.
Zu den neuerlichen Forderungen von FDP-Chef Guido Westerwelle nach Steuersenkungen sagte Merkel, sie tue das, was auf der Tagesordnung stehe. Sie rechne fest damit, dass die Kabinettsmitglieder die von ihnen geforderten Sparvolumen brächten. Sie rechne auch fest mit den 2,3 Milliarden Euro aus der Brennelementesteuer, fügte Merkel hinzu.
- Datum 22.08.2010 - 15:35 Uhr
- Quelle dpa, Reuters
- Kommentare 13
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Da muss man sich schon ein wenig am Kopfe kratzen. Kann die Kanzlerin nicht soweit denken, dass wir auch diese Steuer letztlich in den Stromrechnungen wiederfinden … sprich die Verbraucher zahlen die Zeche. Die Gewinne der Versorger wird das nicht tangieren. Da wäre der direkte Griff in die Tasche des Bürgers ehrlicher gewesen, so geht halt zusätzlich noch eine Menge mehr für Verwaltung und Überwachung dabei drauf. Also zahlen wir noch mal zusätzlich für dumme Politik!
Sollte sie es auf die Lenkungswirkung dieser Abgabe abgesehen haben (was ja legitim ist), dann wäre es schön gewesen wenn sie sich einfach zum Atomausstieg bekannt hätte, auch das wäre ehrlicher gewesen. So sehe ich nur eine Eierei nach der anderen, nichts von alledem zielführend und immer konsequent an den eigentlichen Baustellen vorbeiarbeiten.
Unsere Politiker sind Marionetten der Wirtschaft und Lobby-
isten,das Volk vertreten sie nicht und am Ende zahlt es im-
mer die Zeche,so auch diesmal!
dass JEDER die Bezahlung der Strompreiserhöhung, die damit zu tun hat verweigert. Wenn es nicht endlich alle schaffen, ihrem Gejammer auch mal Taten folgen zu lassen und beispielsweise den Stromanbieter zu wechseln, (neben einem Zahlungsboykott), ja, dann haben wir es nicht anders verdient.
Ich tat das schon vor Jahren. Weg von den Monopolen und ihren Billig-Tochterunternehmen.
"Ich glaube, dass wir die Menschen zum Teil nicht erreicht haben, weil das Wirrwarr und die Umgangsformen nicht so waren, wie wir uns das vorstellen. Deshalb wird es da auch besser werden."
Frau Merkel, Sie haben die Menschen nicht erreicht, weil Sie eine falsche Politik betrieben haben die weder ökonomisch Sinn (z.B. das abhängig machen vom Export) macht noch in irgendeiner Form sozial gerecht ist (z.B. das Sparpaket).
Aber es ist natürlich einfacher das Versagen Ihrer Regierung auf falsche Umgangsformen zu schieben..
Das scheint ja dann doch ein wunderbares Interview unserer "Volks-
Kanzlerin gewesen zu sein. Insbesondere habe ich mich über die herrlichen Watschen für die beiden - man muss schon sagen - Ex-Sozis -. so oder so - gefreut: Also den unsägliche Clement und den nun mit heulenden Schily. Beide erst für den Ausstieg aus der Atomkraft...und nun...Ja, so kann man sich selbst erniedrigen.
Ansonsten: Frau Merkel tut mir immer noch leid. Mit Herrn Westerwelle sozusagen "zwangsverheiratet" zu sein, muss echt wehtun.
Aufgabe einer bezahlbaren Energieversorgung, Vernichtung von
unzähligen Arbeitsplätzen, Aufgabe der Souveränität Deutschlands! Das alles vor dem Hintergrund der Propagandalüge einer von Menschen gemachten Klimaerwärmung.
Das diese Frau je irgendetwas mit Physik zu tun hatte bezweifle ich!
Nun haben die Energie Monopolisten mit ihren gierigen unverantwortlichen Managernieten endgültig ihre Maske fallen lassen und zeigen mit ihren Erpressungsversuchen überdeutlich, was sie von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie halten. Seit Inbetriebnahme der ersten Atomanlagen hatten diese die totale Narrenfreiheit und die Lizenz zum Geld drucken erhalten. Riesige Milliarden Subventionen durch den Staat und somit direkt durch den Steuerzahler und Verbraucher zwangsbeschenkt, bescherten diesen Atombaronen ungehörige Milliardengewinne. Der Atommüll der eine dauernd elementare Gefahr für die Menschheit darstellt, bleibt ungelöst entsorgt und belastet außerdem wieder nur alleinig die Bürger auf viele zukünftigen Generationen hinaus.
Sollte es zum Beispiel in Biblis, zu einem wirklichen ernsthaften Atomunfall SuperGAU kommen wird ein großer Teil Deutschlands mit den angrenzenden Nachbarstaaten
von der Menschheit ausradiert werden. Es muss sein, dass diese uralten Atom Neandertaler vom Netz genommen werden und nicht aus purer Profitgier des Milliarden schweren Energie-Multikapitals und nur zu deren alleinigen Nutzen weiter laufen lassen, bis uns ein Supergau endgültig jede Zukunft zerstört. Darum sollten wir alle parteienüber greifend, wegen dieser dreisten Erpressung zur Kanzlerin stehen und diese auch durch alle politischen Volksgruppen solidarisch unterstützen.
.
So kennen wir die Teflonkanzlerin: Sie freut sich über die lebhafte Diskussion und wird alle Vorschläge ernsthaft prüfen!
Mit anderen Worten: Alle können mir den Buckel herunterrutschen. Ich mache jetzt noch die paar Monate und schaue mir in ruhe an, wohin das Schiff treibt.
Oh Ihr Regierungsparteien! Wo bleibt Euer Gestaltungswille?
Und dabei vergisst man die Grundsatzfrage: Warum bleibt es nicht beim Atomkonsenz?
Angela, und aus bist Du!
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