Hessischer Ministerpräsident Koch sieht sich als Profiteur von Joschka Fischer

Ende August wird sich Hessens Ministerpräsident Koch aus der Politik zurückziehen. Zum Abschied fand er lobende Worte über seinen Erzrivalen von einst: Joschka Fischer.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat wenige Tage vor seinem endgültigen Abschied aus der Politik in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung auf seine Karriere zurückgeblickt. Erstaunlich gut kam dabei der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) weg.

"Fischer war eine intellektuelle Herausforderung, er war ein unglaublich lernfähiger, guter Politiker – er hat nahezu jeden Fehler gemacht, aber immer nur ein Mal", sagte Koch in dem Gespräch. Fischer war 1985 Umweltminister der ersten rot-grünen Landesregierung in Hessen geworden. Koch zog 1987 erstmals in den hessischen Landtag ein, wo er Anfangs für Umweltpolitik zuständig war.

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Heute kann Koch dieser Konstellation durchaus eine positive Seite abgewinnen. "Fischer war spannend und interessant. Das hat auch mich als seinen Gegenspieler spannend und interessant gemacht", sagte er. "Ich habe von der Person Fischer durchaus profitiert."

Eine Koalition zwischen Grünen und CDU auf Bundesebene sieht Koch zum gegenwärtigen Zeitpunkt dennoch kritisch. "Die Grünen müssen sich noch weiter verändern, bis sie für uns endgültig koalitionsfähig sind." Vor allem in der Außenpolitik oder bei den Fragen nach der Zukunft der Industriegesellschaft gebe es noch viel Trennendes.

Gleichwohl attestiert Koch den Grünen, in den vergangenen Jahrzehnten eine positive Entwicklung durchlaufen zu haben: "Die Grünen sind heute eine normale Partei im Rahmen des demokratischen Spektrums. Das waren sie 1985 eher noch nicht."

Seinen eigenen Rückzug begründete Koch damit, dass man in einer modernen Mediengesellschaft bestimmte Dinge nur eine bestimmte Zeit lang machen könne. Danach gebe es Abnutzungserscheinungen. Beispielsweise lasse sich keine inhaltliche Diskussion mehr führen, ohne dass diese personalisiert werde. So habe ihn gestört, dass ihm bei jeder Wortmeldung zu Finanzfragen unterstellt worden sei, er wolle eigentlich Bundesfinanzminister werden.

Koch kündigte an, er werde ein gesellschaftlich engagierter Mensch bleiben und sich auch in Zukunft politisch äußern. Zur Tagespolitik will er aber nicht mehr Stellung nehmen. Wer sich aus der aktiven Politik zurückgezogen habe, dürfe anschließend nicht am Wegrand stehen, und anderen zurufen, wie sie es machen müssten.

Koch war zwölf Jahre lang Landesvorsitzender der CDU in Hessen und elf Jahre lang Ministerpräsident. Seinen Rücktritt hat er zum 31. August eingereicht. An diesem Tag wird auch sein Nachfolger, der bisherige Innenminister Volker Bouffier, als neuer Ministerpräsident im Landtag vereidigt werden. Den Parteivorsitz hatte Koch bereits im Juni an Bouffier abgegeben. Beim CDU-Parteitag im November wird außerdem ein Nachfolger für Koch als stellvertretender Bundesvorsitzender gewählt werden.
 

 
Leser-Kommentare
    • Fongi
    • 19.08.2010 um 14:30 Uhr

    Wenn aus Sicht von Roland Koch ein Schwarz/Grünes Bündnis deswegen nicht in Sicht ist, weil sich die Grünen erst noch in Richtung CDU entwickeln müssten, dann ist das angesichts der ständig fallenden Umfragewerte schon sehr vermessen. Möglicher Weise könnte es in absehbarer Zeit dazu kommen, dass sich die CDU den Grünen wird annähern müssen.

  1. Hm,
    jetzt könnte uns vielleicht eine Bürogemeinschaft der beiden bei RWE drohen.

  2. Klingt fast sympathisch, der Mann. Dafür musste er aber wohl erst zurück treten.

  3. Unglaublich, ist das Wahrheit?

    Was will der Typ damit aussagen?

    Hat Fischer alle seine Dollars schon ausgegeben?

    Will Koch ihm einen neuen Job verschaffen?

    Koch ist out. Fischer ist out.

    Ein gemeinsamer neuer Beginn?

    Bitte nicht!

    Demokratie ist machbar.

    Auch ohne Fischer.
    Auch ohne Koch.

  4. Die Leistungsbilanz heist Lobbyismus, Schmiergeld Afähre, Großmannsucht, Betrug am Bürger, sie Flughafen Frankfurt.
    Es gibt erst dann etwas zu feiern wenn der weg ist.

  5. Der brutalstmögliche Aufklärer hatte also einen seiner letzten Auftritte als MP. Schön, daß er nicht wieder eine Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger forderte. Oder weitere Ressentiments gegen jugendliche Ausländer an das Wahlvolk gebracht hat. War aber nicht nötig, die nächste Wahl in Hessen ist weit weg und er dann sowieso nicht mehr dabei. Irgendwie vergessen hat er auch, den Herren Kanter, von Wittgenstein sowie Weihrauch zu danken, daß er sich an die Millionen aus der Schweiz oder Lichtenstein nicht mehr erinnern können muss. Spezielle Anerkennung hätte auch Herr Jung verdient. Der als Chef der Hessischen Staatskanzlei damit prahlte, dass in der hessischen CDU nichts ohne sein Wissen geschehe - außer der Schwarzgeldaffäre. Der dann damals als Chef der Staatskanzlei zurück trat und das politische Schicksal Roland Kochs rettete. Warum ausgerechnet Fischer als Lückenfüller herhalten durfte? Vielleicht als Fingerzeig auf die eigenen Memoiren, demnächst in Buchform? So nach dem Motto: "Die jüdischen Vermächtnisse, hessische Finanzpolitik unter Ausschaltung der Justiz"? Wäre für Guido Knopp sicherlich ein spannendes Thema in der ZDF History. Mit Fortsetzungspotential. Das kann ihm Herr Brender ja jetzt nicht mehr in Auftrag geben. So schwankt man dann möglicherweise Ende August endgültig zwischen der Überlegung, was er der Politik noch hätte alles "geben" können oder was uns durch seinen Abgang letztlich erspart bleibt. Wir werden es (dankenswerter Weise) nicht mehr erfahren.

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    Sie sprechen mir aus dem Herzen, besser kann man es nicht formulieren - Anregung an "Die Zeit": Nehmen Sie diesen Text als Einleitung für Kochs Nachruf.

    Sie sprechen mir aus dem Herzen, besser kann man es nicht formulieren - Anregung an "Die Zeit": Nehmen Sie diesen Text als Einleitung für Kochs Nachruf.

  6. Sie sprechen mir aus dem Herzen, besser kann man es nicht formulieren - Anregung an "Die Zeit": Nehmen Sie diesen Text als Einleitung für Kochs Nachruf.

    • kael
    • 20.08.2010 um 11:14 Uhr

    Wenn das alles Kochs Überzeugung ist, ja warum hat er uns denn nicht früher daran teilhaben lassen? Vielleicht wäre sein "Bild" in der Öffentlichkeit dann positiver ausgefallen.

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