Neuwahl im Norden Carstensen, der Gelähmte
Nach dem Urteil des Landesverfassungsgerichts fehlt der Regierung Carstensen die Legitimation. Das Klima in der Landespolitik dürfte rauer werden.
Schleswig-Holstein stehen harte Zeiten bevor. Am Montag hat das Landesverfassungsgericht das Wahlrecht in Teilen für verfassungswidrig erklärt. Nun muss spätestens 2012 neu gewählt werden. Der amtierenden schwarz-gelben Landesregierung unter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen fehlt mit dem heutigen Tag eigentlich die Legitimation.
Bereits bei der dreitägigen Debatte im Kieler Landtag in der nächsten Woche dürfte die Tonlage sich deshalb deutlich verschärfen: Dem Land steht nun ein zweijähriger Wahlkampf bevor.
Gerade in Schleswig-Holstein wird dieser wohl besonders erbittert ausgetragen werden. Schließlich sind Carstensen und der SPD-Vorsitzende Ralf Stegner seit den Zeiten der Großen Koalition im Land erbitterte Feinde. Bereits im vergangenen Jahr stritten die großen Parteien mit rauem Ton um die Macht im Kieler Landtag.
Darüber hinaus stehen alle Parteien ab sofort unter dem Zwang, sich neu justieren sowie profilieren zu müssen – und vor allem ihre Reihen zu schließen. Bereits über das von den Verfassungsrichtern binnen neun Monaten geforderte neue Wahlgesetz und den Termin für Neuwahlen könnte es deswegen heftigsten Streit geben.
Als einzige sinnvolle Lösung erscheint derzeit nur eine Reduzierung der Direktwahlkreise. 40 sind es momentan, die Grünen schlagen eine Verminderung auf 30 vor. Die SPD will ihre eigenen Vorstellungen in dieser Frage einbringen, und die Regierung wird dies ebenfalls tun.
Eine Verringerung der Direktmandate wird allerdings auch den Kampf um Posten und Pöstchen in den beiden großen Parteien verschärfen, die von diesen schließlich als einzige profitieren. Kreis- und Landesparteitage dürften also künftig noch stärker als sonst zum schicksalhaften Filter für Karrieren werden.
Bei weniger Direktmandaten wird es zudem schwieriger, eine Balance von Jung und Alt, eine gerechte Berücksichtigung aller Regionen und des Quotenfaktors Geschlecht auszutaxieren. Das wird in den Volksparteien nicht geräuschlos und schmerzfrei über die Bühne gehen.
Zugleich wächst nach dem Urteil des Landesverfassungsgerichts die Gefahr, dass es landespolitisch zum Stillstand kommt. So dürfte die Verabschiedung des von CDU und FDP vorgelegten Sparpakets zur Haushaltskonsolidierung unter den jetzigen Umständen schwieriger werden denn je.
Alle Abgeordneten, auch die der Regierungskoalition, die nur eine Stimme Mehrheit hat, werden sich im Anbetracht der parteiinternen Machtkämpfe schließlich gut überlegen, welche Beschlüsse sie an der Basis verkaufen können und welche sie ihre persönliche politische Zukunft kosten könnten.
Und so befindet sich das Land nun in dem paradoxen Dilemma, dass das Streitpotenzial zunimmt, obwohl Diplomatie und Besonnenheit sowohl im Umgang mit den Parteifreunden als auch mit dem politischen Gegner eigentlicher gefragter denn je wären. Schließlich könnte es auch beim nächsten Wahlentscheid wieder zu einem spannenden Ausgang kommen. Wenn es nicht zu einer der klassischen Koalitionen reicht, werden neue Bündnisoptionen gefragt sein. Die Parteien wären also gut beraten, diese nun nicht durch einen langen, allzu hart geführten Wahlkampf unnötig zu beschränken.
Wer 2012 mit wem regieren könnte, wird allerdings auch vom Spitzenpersonal der Parteien abhängen. So lange Carstensen, Stegner und Wolfgang Kubicki an der Spitze von CDU, SPD und FDP stehen, wird es bestimmte Regierungskoalitionen schon auf Grund personeller Ausschließeritis nicht geben. Insofern wird es spannend sein zu sehen, ob nicht auch in dieser Hinsicht auf den Parteitagen der CDU im nächsten Monat und der SPD im März 2011 bereits wichtige Weichen gestellt werden.
- Datum 30.08.2010 - 19:53 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 23
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und anscheinend auch der Begriffsstutzige, ist er doch der Meinung, dass ihm das Gericht ds Recht gibt, weiter zu regieren.
Mit der zweijährigen Frist hat das Gericht allerdings auch einen zweijährigen Wahlkampf eröffnet. Ob das dem Lande gut tut, wage ich zu bezweifeln. Die Frist für Neuwahlen hätte spätestens nach einem Jahr enden müssen.
mehr guttun als das Verschwinden von PHC und Ralf Stegner.
2 profilbesessene Scharlatane, denen das Land und die Bürger sch....egal sind, braucht S-H nicht.
Seit dem Verrat an Heide Simonis geht es bergab.
HS wollte Umstrukturierungen beim Beamtentum, das war ihr politisches Grab.
Dies ist immer noch ein Barschel-Land und Änderung ist nicht in Sicht.
mehr guttun als das Verschwinden von PHC und Ralf Stegner.
2 profilbesessene Scharlatane, denen das Land und die Bürger sch....egal sind, braucht S-H nicht.
Seit dem Verrat an Heide Simonis geht es bergab.
HS wollte Umstrukturierungen beim Beamtentum, das war ihr politisches Grab.
Dies ist immer noch ein Barschel-Land und Änderung ist nicht in Sicht.
Wer zwingt denn die Landesregierung 2 Jahre diesen zustand auszusitzen? Dann sollen sie sich doch binnen weniger Monate zusammenraufen und neu wählen. Ginge alles, wenn man an seinen Pöstchen kleben würde … ist aber wohl in allen Parlamenten dasselbe Dilemma …
Dies wird der Prüfstein für die Vernunft der politischen Klasse - nicht nur in Schleswig-Holstein! Mit der Verfassungswidrigkeit des Wahlergebnisses kann nur die umgehende, mit breiter Mehrheit beschlossene Neufassung des Wahlgesetzes und sofortige Neuwahl des Landtages einhergehen.
Wer jetzt noch versucht auf Zeit zu spielen und die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen, verspielt den Vertrauensrest der Noch-Wähler.
Wer die Fristen des Urteils ausreizt, wird sich mit einer Klagewelle gegen alle möglichen Entscheidungen dieses Landtages konfrontiert sehen und erneut die Waagschale der politischen Vernunft weg von der Politik, hin zu den Gerichten neigen.
werden ausgereizt werden, glauben Sie mir.
Oder hoffen Sie noch, es könnte einen verantwortungsbewussten Berufspolitiker in D geben ?
Einen, dem das Wohl des Landes vorschwebt statt des eigenen und und dem seiner "Freunde" ?
Suchen Sie, viel Glück.
werden ausgereizt werden, glauben Sie mir.
Oder hoffen Sie noch, es könnte einen verantwortungsbewussten Berufspolitiker in D geben ?
Einen, dem das Wohl des Landes vorschwebt statt des eigenen und und dem seiner "Freunde" ?
Suchen Sie, viel Glück.
... geht den Politikern anscheinend immer öfter verloren. Hier geschah es aus rechtlichen Gründen. Bei unserer Bundesregierung ist die Legitimation rechtlich noch da, aber moralisch und gefühlt ist die Regierung bereits abgewählt. In Stuttgart versuchen die Politiker gerade etwas, wozu sie anscheinend uberhaupt nicht legitimiert sind. In Hamburg haben gerade alle Parteien gemeinsam versucht eine Reform durchzusetzen, für die sie ganz sicher auch nicht legitimiert waren.
Das Problem wird aber noch größer werden, wenn bei den nächsten Wahlen (Bund oder Länder) die Beteiligung unter 60 Prozent fallen sollte. Ich denke, dass dies sehr bald der Fall sein wird. Dann ist überhaupt keine Regierung mehr ausreichend legitimiert und unsere Demokratie total am A... .
Die Opposition wird Druck machen, der Wahlkampf ist eröffnet und der Faktor "die kleben an ihren Stühlen" wird ein Argument sein. Allerdings ist Schwarz/Gelb fast schon gezwungen, die Wahl so weit wie möglich rauszuschieben, da die Regierung im Bund schlechte Ergebnisse in der Umfragen weitergibt. Auch beim Wahlkampf hat die Opposition einen Vorteil, da die Regierung ja schliesslich regieren muss.
Jedes Land verdient die Regierung, die sie selbst wählt.
Was soll sich denn nach den Wahlen ändern?
So haben die Norddeutschen wenigstens 2 Jahre ein wenig spectaculum.
Passiert doch sonst nicht so viel, ausser, dass ein paar Heringsschwärme vorbeischauen.
Ist doch nicht so schlecht.
dass selbst die Heringe sich schämen, Regierung in S-H ist so eine Sache für sich, eine Sache, vor der die Bürger sich mittlerweile fürchten, weil die Peinlichkeitsskala wohl nach oben offen bleibt.
dass selbst die Heringe sich schämen, Regierung in S-H ist so eine Sache für sich, eine Sache, vor der die Bürger sich mittlerweile fürchten, weil die Peinlichkeitsskala wohl nach oben offen bleibt.
mehr guttun als das Verschwinden von PHC und Ralf Stegner.
2 profilbesessene Scharlatane, denen das Land und die Bürger sch....egal sind, braucht S-H nicht.
Seit dem Verrat an Heide Simonis geht es bergab.
HS wollte Umstrukturierungen beim Beamtentum, das war ihr politisches Grab.
Dies ist immer noch ein Barschel-Land und Änderung ist nicht in Sicht.
werden ausgereizt werden, glauben Sie mir.
Oder hoffen Sie noch, es könnte einen verantwortungsbewussten Berufspolitiker in D geben ?
Einen, dem das Wohl des Landes vorschwebt statt des eigenen und und dem seiner "Freunde" ?
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