SPDSteinmeier zieht sich vorübergehend aus der Politik zurück

SPD-Fraktionschef Steinmeier nimmt sich eine Auszeit: Er will seiner schwer erkrankten Frau eine Niere spenden. Schon am Mittag werde er sich in ärztliche Obhut begeben. von dpa und AFP

Nimmt sechs Wochen Auszeit: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier

Nimmt sechs Wochen Auszeit: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier  |  © Sean Gallup/Getty Images

"Ich muss mich für einige Wochen aus dem öffentlichen Raum verabschieden": Mit diesen Worten hat SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier eine Auszeit von seinem politischen Leben angekündigt. Der Grund ist die schwere Erkrankung seiner Frau Elke Büdenbender.

Die Richterin leidet unter einer fortgeschrittenen Nierenschädigung. Nach den Worten ihres Mannes habe sich ihr gesundheitlicher Zustand "in den vergangenen Wochen" akut zugespitzt. "Es kommt nur noch eine Organtransplantation infrage und ich werde selbst der Organspender sein." Die Familie habe sich für eine solche Lebendspende entschieden, da die Wartezeiten für Spendernieren so lang seien.

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Steinmeier will sich nach eigenen Angaben noch am Mittag in ärztliche Obhut begeben. Die Operation für die Verpflanzung der Niere soll dann im Laufe dieser Woche stattfinden.

"Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich für einige Wochen auf der politischen Bühne nicht präsent sein kann", sagte Steinmeier. Er gehe davon aus, dass er noch in diesem Jahr wieder seine Arbeit aufnehmen werde und "sie mich in alter Frische wiedersehen". Das sage die ärztliche Expertise für die Operation voraus. 

Die Niere

Jeder Mensch verfügt über ein Paar Nieren. Deren Hauptfunktion ist es, Giftstoffe aus dem Blut zu filtern und über den Urin auszuscheiden. Die Nieren steuern außerdem den Elektrolythaushalt im Körper und bilden eine Reihe wichtiger Hormone.

Insuffizienz

Eine ganze Reihe unterschiedlicher Erkrankungen – von angeborenen Nierenschäden über Infektionen bis hin zu Gefäßverkalkungen – können die Nieren schädigen. Ausführliche Informationen dazu bietet die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie. Im schlimmsten Fall kann die Niere in ihrer Funktion versagen. Bei einer solchen Niereninsuffizienz sichert dann nur noch die regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) das Überleben der Patienten.

Transplantation

Rund 10.000 Patienten in Deutschland warten derzeit auf eine Spenderniere. Gelingt die Transplantation, können die Patienten wieder ohne Dialyse leben und sind ähnlich leistungsfähig wie vor der Erkrankung.

Zum einen kommen Organspenden von Verstorbenen in Frage – die Stiftung Eurotransplant in den Niederlanden führt eine Spenderkartei. Zum anderen gibt es die Lebendspende, bei der gesunde Angehörige eine Niere abgeben. Spenden dürfen in diesem Fall nur nahe Verwandte. Ein Handel mit Organen Lebender ist in Deutschland verboten.

In aller Regel müssen die Blutgruppen von Spender und Empfänger kompatibel sein. Einige wenige Transplantationszentren können aber heute schon Operationen mit nicht-kompatiblen Organen durchführen. Nach einer erfolgreichen Transplantation können Menschen heute zum Teil Jahrzehnte mit einem Spenderorgan weiterleben.

Organspende

Die Niere ist das am häufigsten transplantierte Organ. Derzeit müssen Betroffene in Deutschland fünf bis zehn Jahre auf eine Spenderniere warten. Nur in wenigen Fällen kommt die Lebendspende eines nahen Verwandten oder Partners in Frage. Noch schlechter steht es um Patienten, die ein neues Herz oder eine Leber benötigen. Viele von ihnen sterben, bevor ein passendes Organ gefunden wird.

Wer Organspender werden möchte, kann sich den Organspendeausweis hier herunterladen. Weitere Informationen bieten die Deutsche Stiftung Organtransplantation und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. (dal)

Der Fraktionsvorsitzende verband seine Äußerungen mit der Bitte an die Medien, angesichts der Erkrankung seiner Frau seine Privatsphäre zu respektieren. "Ich bitte Sie, von eigenen Nachforschungen abzusehen." Er werde die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren. Den Ort des Klinikums, an dem der Eingriff stattfinden wird, und auch die genaue Zeit der Operation nannte Steinmeier nicht.

Vertreten wird Steinmeier der dienstälteste SPD-Abgeordnete Joachim Poß. Dieser werde die Geschäfte als Fraktionsvorsitzender leiten. Dies sei mit SPD-Chef Sigmar Gabriel abgestimmt. Den Posten hatte Steinmeier nach der Bundestagswahl im September 2009 übernommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte ihrem früheren Vize-Kanzler – beide standen zwischen 2005 und 2009 der Großen Koalition vor – Kraft und Zuversicht für die Genesung seiner Ehefrau. Die Nachricht, dass seine Frau so ernsthaft erkrankt ist, habe Merkel traurig und besorgt gemacht, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Kanzlerin habe am Morgen mit Steinmeier telefoniert. Sie habe ihre Hoffnung auf baldige Besserung ausgedrückt und ihm alles Gute gewünscht.

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Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte tragen Sie mit sachlichen Kommentaren zur Diskussion bei. Die Redaktion/cs

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    Ihr Beitrag ist überflüssig und arrogant.

  2. Ihr Beitrag ist überflüssig und arrogant.

    Antwort auf "Steinmeier"
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    Entfernt. Bitte kommentieren Sie sachlich. Die Redaktion/cs

  3. Hat Steinmeier eigentlich mal einen Wahlkreis gewonnen?

    Stationen einer neoliberalen Kariere:

    Von 1993 bis 1994 war Steinmeier Leiter des persönlichen Büros des niedersächsischen Ministerpräsidenten, danach Ressortkoordinator. 1996 wurde er zum Staatssekretär und Leiter der niedersächsischen Staatskanzlei ernannt. Im Anschluss an die Wahl von Gerhard Schröder zum Bundeskanzler im Jahr 1998 folgte ihm Steinmeier nach Bonn. Im November 1998 berief ihn Gerhard Schröder zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Beauftragten für die Nachrichtendienste.

    Nach dem Rücktritt des Kanzleramtsministers Bodo Hombach wurde Steinmeier am 7. Juli 1999 Chef des Bundeskanzleramtes. Auf eine gleichzeitige Ernennung zum Bundesminister für besondere Aufgaben verzichtete man. Steinmeier war auch hier ein enger politischer Vertrauter Schröders. Er wirkte meist als Manager im Hintergrund und repräsentierte als Politiker den Typus des Machtmaklers.[6] Zudem schrieb er Strategiepapiere der SPD wie:

    * Reform des Renten- und Gesundheitssystems im Dezember 2002
    * Agenda 2010 (Mitarbeit bei der Konzeption)

    Er gehörte dem Steuerungskreis zur Umsetzung der Hartz-Reformen an und war an der Vorziehung der Steuerreform 2003 beteiligt.

    ( Wikipedia )

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    Nachdem die Redaktion Ihren ersten völlig unqualifizierten Beitrag entfernt hat - zu Recht, wie ich finde - kommen Sie nun wieder mit Dingen, die mit Steinmeiers Auszeit nichts zu tun haben. Es ist einfach widerlich, was Sie da betreiben.
    Steinmeier hat kein grosses Aufheben gamcht, sondern als öffentliche Person mitgeteilt, weshalb er während der nächsten Wochen nicht öffentlich auftreten wird.
    Ihr Versuch, Steinmeier quasi zum Unmenschen zu machen, zeugt von grosser Respektlosigkeit, sonst von nichts.

    Herr Steinmeier ordnet seine Karriere und seine persönliche Gesundheit dem Wohlergehen seiner Ehefrau unter und verdient hierfür uneingeschränkten Respekt.

    Die Art und Weise wie Sie, Anne Bonny, diese Meldung missbrauchen um Ihren Hass über Herrn Steinmeier heraus zu geifern ist stößt mich ab und ist meiner Meinung nach absolut niederträchtig und widerwärtig.

    Und auch wenn ich kein Anhänger Steinmeiers bin, wünsche ich seiner Frau und ihm ein gutes Gelingen der Operation und eine baldig Genesung!

    • kael
    • 23. August 2010 12:56 Uhr

    Gratuliere. Fehlerfrei von Wikipedia abgeschrieben.

    Nur, was haben Ihre Ergüsse mit dem ZEIT-Artikel zu tun?

    OK, Thema verfehlt. Kommt schon mal vor. Aber was wollen Sie uns ahnungslosen Lesern eigentlich Wesentliches mitteilen?

    Dass man kein "Bürokrat" sein darf und einen Wahlkreis gewonnen haben muss, um eine Niere spenden zu dürfen?

    Ich nehm's dankbar zur Kenntnis.

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    • ngw16
    • 23. August 2010 10:40 Uhr

    Die Rückkehr von Herrn Steinmeier auf politisch einflussreiche Posten darf ich der deutschen Bevölkerung aber nicht wünschen.

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    Antwort auf "Ihr Beitrag"
  6. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

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    vielleicht etwas verrutscht sind, glauben Sie hier eine Attacke reiten zu können? Peinlich.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Frank Walter Steinmeier | SPD | Angela Merkel | CDU | Sigmar Gabriel | Joachim Poß
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