FDP-Führungsdebatte Westerwelle gibt den Folgsamen
Die FDP will, dass sich Chef Westerwelle auf die Außenpolitik konzentriert. Bei einem Auftritt in Berlin versucht er sich innenpolitisch zu zügeln, doch es fällt ihm schwer.
Guido Westerwelle gibt eine Pressekonferenz und darf nichts sagen. Zumindest nichts, das auch nur entfernt nach Streit in der Regierungskoalition klingen könnte. Der FDP-Vorsitzende und Bundesaußenminister trat am Mittag vor die Berliner Presse, um über das Treffen des Parteipräsidiums zu berichten, das erste nach den großen Ferien.
In den Umfragen krebsen die Liberalen weiter um die Fünfprozent-Marke herum, in der Partei grollt es. Während der vielen Sommerfeste, die Kreis- und Landesverbände traditionell in der Ferienzeit veranstalten, dürften viele einfache Parteimitglieder klare Worte gefunden haben.
"Es herrscht große Unzufriedenheit an der hessischen FDP-Basis ... . Das haben wir alle durch die vielen persönlichen Gespräche in den Regionen während der Sommerpause erfahren", schrieb die hessische FDP am Wochenende in einer Pressemitteilung . Deren Vorsitzender Jörg-Uwe Hahn legte noch nach: "Viele führen den Imageverlust auf den Imageverlust des Bundesvorsitzenden zurück. Ich auch." Westerwelle solle sich auf seine Arbeit als Außenminister konzentrieren.
Wohl darum sprach der Parteichef am Montag bewusst lange über die Flut in Pakistan und deren Folgen. Die Friedensgespräche im Nahen Osten. Den iranischen Atomreaktor in Bushehr , der am Wochenende in Betrieb gegangen war. Themen, die das Parteipräsidium der FDP nach der mehrwöchigen Pause kaum beschäftigt haben dürften.
Ob es Fragen zur Außenpolitik gebe, fragt Westerwelles Sprecher am Ende der Pressekonferenz die Journalisten. Sie hatten nicht eine einzige. Aber über Innenpolitik wollten sie reden. Die verlängerten Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke, die Rentenpolitik und die schlechten Umfrageergebnisse der FDP.
Fangfragen, doch Westerwelle bremst sich. Fast stolz schließt er seine Ausführung zur Brennelementesteuer: "Sie sehen – was ich eben sagte, ist deckungsgleich zu dem, was die Bundeskanzlerin gestern gesagt hat."
Das aber dürfte kaum reichen, die Kritiker des Parteichefs zufrieden zu machen. Nicht nur am Ansehen, auch an der Arbeit der liberalen Spitzen zweifeln Etliche in der Partei. "In der Regierung hat die FDP bisher zu wenige ihrer Inhalte umgesetzt", sagt Lasse Becker, Vorsitzender der Jungen Liberalen ZEIT ONLINE.
Und auch er fordert, dass Westerwelle sich künftig aus der Bundespolitik heraushalten solle: " Wir wünschen uns, dass die stellvertretenden Bundesvorsitzenden eine wichtigere Rolle einnehmen. Sie sollten die innenpolitischen Themen bearbeiten, zu denen Guido Westerwelle als Außenminister nicht sprechen kann."
Wirtschaftsminister Rainer Brüderle soll also vorrücken, der nordrhein-westfälische FDP-Chef Andreas Pinkwart und Generalsekretär Christian Lindner. Auch wenn das in der Partei niemand so deutlich sagen will, wäre der Parteivorsitzende dann praktisch ins Auswärtige Amt abgeschoben.
Ob er sich von seiner Partei allein gelassen fühle, fragt ein Journalist. Die Antwort ist ein typisch Westerwellesches "Neeein." Lang gezogen und mit einem gedachten "ganz und gar nicht" am Ende. Die Zustimmung werde steigen, sobald im nächsten Jahr die Ergebnisse der Arbeit der FDP sichtbarer würden.
- Datum 23.08.2010 - 17:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 18
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Vor kurzem tönte der FDP-Chef er ließe sich den Schneid von den Medien nicht abkaufen. Was da passiert ist sieht nach dem Gegenteil aus. Gut, dass er sich den Schneid endlich hat abkaufen lassen. Den Preis dafür hat die FDP bezahlt...
Das klappt nicht. So viel Kreide kann Herr Wasterwelle gar nicht fressen.
..."Auch wenn das in der Partei niemand so deutlich sagen will, wäre der Parteivorsitzende dann praktisch ins Auswärtige Amt abgeschoben."...
Von dort aus würde ich ihn weiter nach Georgien schicken. Dort gibt es einen Präsidenten, mit dem er sich bestimmt gut versteht.
...in der Politik nicht sehr weit.[...]
Bitte achten Sie auf eine höflichere Wortwahl. Danke. Die Redaktion/km
Und ist beim Maulkorb #3 geplant?
Coup d’Etat gegen ihn?
Oder die Aufkündigung der Koaliationsvertrages?
Mann mann mann. GZSZ. Nur in der Politik.
Meine Güte der nimmt sich echt zu wichtig. Wie wäre es mit etwas Realpolitik?Käme beim Wähler besser an als eine Guidopartei! Man darf an dieser Stelle an die Badehosen /Türkei-Affäre denken !
Westerwelle wäre natürlich besser für Wirtschaft oder Innenpolitik geeignet, zumal er ja noch nicht einmal englisch spricht und sich (und uns!) dadurch ständig blamiert.
Für Westerwelle kann es nur einen angemessenen Platz in der Politik geben: Als Sprecher einer völlig bedeutungslosen Oppositionspartei ohne Macht und Einfluss. An jeder anderen Stelle mit Macht und Einfluss hinterläßt der Mann einen Flurschade, der kaum wieder zu begradiegen ist. Aber das gilt eigentlich für die gesamte FDP.
Für Westerwelle kann es nur einen angemessenen Platz in der Politik geben: Als Sprecher einer völlig bedeutungslosen Oppositionspartei ohne Macht und Einfluss. An jeder anderen Stelle mit Macht und Einfluss hinterläßt der Mann einen Flurschade, der kaum wieder zu begradiegen ist. Aber das gilt eigentlich für die gesamte FDP.
Atomkraftwerk im Iran: Hat Guido dabei etwa mitgewirkt? Wozu hat er den Posten, wenn er Außenminister nicht kann?
lernt Westerwelle nimmermehr...! Wer soll denn auf die plötzliche (An-) Wandlung des Herren hereinfallen? Ist es nicht erst Recht ein Zeichen, wieweit sich Leute verbiegen, nur um in der Politik mitzumischen ? Da wird das nette Rotkäppchen zum bösen Wolf (Ilse Aigner) oder der Wolf zum zahmen Schaf (G.W), Schröder the Kid zur Ministerin oder ein Zauberlehrling zum Operateur um als junger Arzt am offenen Herzen des Gesundheitssystems herum zu experimentieren. Und dieses ganze nette Panikorchester wird geleitet von einer Dirigentin, die, weil sie keine rechte Vorstellung von dem Musikstück als Ganzes hat, jede Note einzeln spielen lässt. Man möchte sich wegbeamen...!
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