So inszeniert sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gerne bei Besuchen in Afghanistan, hier am 29. August. Doch was wissen wir wirklich über den Einsatz dort? © Michael Kappeler/AFP/Getty Images

Bis zu 142 Menschen sind vor fast genau einem Jahr gestorben, weil ein deutscher Offizier einen Luftangriff befahl. Das Bombardement bei Kundus galt zwei von den Taliban entführten Tanklastwagen, doch die Schockwellen der Explosionen zerstörten das damals schon falsche Bild vom guten Einsatz in Afghanistan. Seither weiß die Politik nicht nur, dass deutsche Soldaten wieder im Krieg stehen. Sie sagt es auch. Zumindest darin ist man ehrlicher geworden.

Sonst aber ist es mit der Ehrlichkeit in Sachen Afghanistan weniger weit her, als die Bürger verlangen können.

Denn wer weiß eigentlich, was in Afghanistan vor sich geht? Die Armeeführung. Der Verteidigungsminister. Die Kanzlerin. Auch, zum Teil, die fünf Obleute im Verteidigungsausschuss des Bundestags. Vielleicht noch ein wenig die 26 weiteren Ausschussmitglieder – solange die Geheimhaltungsstufe für sie nicht zu hoch liegt. Der einzelne Parlamentarier? Eher nicht.

Die Bundeswehr ist aber kein verlängerter Arm der Exekutive. Sie ist eine Parlamentsarmee. Das Grundgesetz behält es den Volksvertretern vor, Soldaten in den Einsatz zu schicken, und damit manchmal in den Tod. Deshalb müssen die Abgeordneten vor ihrem Beschluss alles wissen, was zum Einsatz gehört. Geschehen Fehler, müssen sie vor den Abgeordneten aufgedeckt werden, damit sie entscheiden können, wie der Einsatz fortzuführen sei.

Der Fall Kundus aber zeigt, dass genau diese Bedingungen nicht erfüllt sind. Da wurden in Afghanistan Soldaten des Kommandos Spezialkräfte eingesetzt, ohne dass die Abgeordneten das wussten oder es wissen wollten. Da existiert eine ominöse Task Force 47 , von der immer noch niemand ganz genau sagen kann, was sie eigentlich tut.

Niemand darf erwarten, dass im Einsatz keine folgenschweren Fehler gemacht werden. Krieg ohne Opfer gibt es nicht. Wer Soldaten mit scharfen Waffen losschickt, muss damit rechnen, dass sie treffen, und das nicht immer so sauber und präzise, wie man es sich wünscht.

Gerade deshalb aber müssen wir wissen, was geschieht. Deutschland kann diesen Einsatz nicht tragen, wenn nicht die seit 55 Jahren bestehende Geschäftsgrundlage deutscher Verteidigungspolitik erhalten bleibt: das Vertrauen in eine demokratisch legitimierte Armee. Das verlangt Verantwortung vom Parlament und Transparenz von Bundeswehr und Regierung.