Ein Satz für Rätselfreunde, den Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstagvormittag sagte: "Wer die Vereinbarung liest, kann sehen, dass sie ausschließlich im Interesse der Allgemeinheit geschlossen wurde."

Klingt gut. Dumm nur, dass Seibert über einen geheimen Vertrag sprach, den die Bundesregierung am Montagmorgen um 5.23 Uhr mit den Betreibern der deutschen Atomkraftwerke geschlossen hat.

In der Folge hatte es viele Gerüchte über den Inhalt des Papiers gegeben. Noch am Donnerstag hatte der Regierungssprecher gesagt, die Eckpunktevereinbarung solle "demnächst" veröffentlicht werden, zuerst gehe sie an die Bundestagsfraktionen. Am späten Abend wurde das Papier dann überraschend doch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht .

Regierungen haben manchmal Geheimnisse, manchmal brauchen sie auch Zeit, um sich zu ordnen. Doch dieser Vorgang ist ungewöhnlich. Die schwarz-gelbe Regierung torpediert eines ihrer zentralen Wahlkampfversprechen, die Verlängerung der Laufzeiten deutscher AKW, durch klandestine Verträge, deren bloße Existenz erst auf ausdrückliche Nachfrage von Journalisten bestätigt wird. Und überlässt es anschließend den Medien, tagelang über deren Inhalt zu spekulieren.

Die Revolution, von der Bundeskanzlerin Merkel am Montag sprach, bekommt einen Beigeschmack. Ihr Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schwärmte gar von einer "neuen Zeitrechnung". Nun droht das schwarz-gelbe Energiekonzept zum Kommunikationsdebakel zu werden.

"Die Sache stinkt zum Himmel", sagte der Rechtsanwalt Remo Klinger ZEIT ONLINE, er hatte am Donnerstag einen Antrag auf Akteneinsicht beim Kanzleramt gestellt. Auch Matthias Miersch, energiepolitischer Sprecher der SPD im Bundestag, kannte bis Donnerstagnachmittag nur Gerüchte: "Scheinbar kennt die Dreistigkeit keine Grenzen", sagte er ZEIT ONLINE. Dass das Papier dann  doch veröffentlicht werden sollte, kommentiert Miersch so: "Die kriegen kalte Füße."

Die ominöse Vereinbarung mit den Atomkonzernen bringt die Bundesregierung weiter in Schwierigkeiten. Bislang stritten Juristen und Politiker lediglich über die Frage, ob der Bundesrat den verlängerten AKW-Laufzeiten zustimmen muss , oder nicht. Nun muss die Bundesregierung auch noch ihre Vertragsgeschäfte erklären.