Energiepolitik AKW sollen zwölf Jahre länger laufen

Deutschlands Atomkraftwerke können länger am Netz bleiben: acht Jahre die älteren, 14 Jahre die jüngeren. Dafür müssen die Energiekonzerne eine weitere Abgabe zahlen.

Der monatelange Streit um die schwarz-gelbe Energiepolitik ist beendet: Bei einem Spitzengespräch im Kanzleramt haben sich Union und FDP auf ein gemeinsames Konzept geeinigt. Die deutschen Atomkraftwerke können im Schnitt zwölf Jahre länger als bislang geplant betrieben werden – gestaffelt nach älteren und jüngeren Atommeilern.

Nach Angaben von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sollen die sieben bis 1980 ans Netz gegangenen Meiler nun acht Jahre mehr bekommen, die jüngeren 14 Jahre mehr. Letztere bewegten sich "auf einem anderen technischen Standard", was diese längere Zeitspanne rechtfertige, hieß es zur Begründung.

Anzeige

Rot-Grün hatte pro Meiler eine Regellaufzeit von 32 Jahren vereinbart, die sich nun auf 40 beziehungsweise 46 Jahre erhöht. Das bedeutet, dass die letzten Kernkraftwerke voraussichtlich erst im Jahr 2040 vom Netz gehen .

Derzeit erzeugen in der Bundesrepublik noch 17 Atomkraftwerke Strom. Vom Netz gegangen sind bereits Stade in Niedersachsen (November 2003) und Obrigheim in Baden-Württemberg (Mai 2005). Der Meiler in Mülheim-Kärlich (Rheinland-Pfalz) steht seit 1988.

Der Beschluss der Koalition sieht auch vor, dass die Atomindustrie 50 Prozent ihrer Zusatzgewinne durch die Laufzeitverlängerung für den Ausbau erneuerbarer Energien abführen soll. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach von einem zusätzlichen Beitrag der AKW-Betreiber von insgesamt 15 Milliarden Euro. Umweltminister Röttgen kündigte an, es würden jährlich bis zu drei Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen. Fällig würden neun Euro pro Megawattstunde Atomstrom.

Die bereits im Rahmen des Sparpakets vereinbarte Brennelementesteuer zum Zweck der Haushaltssanierung wird auf sechs Jahre befristet, also bis einschließlich 2016 erhoben. In Regierungskreisen hieß es dazu, sie solle 145 Euro pro Gramm Plutonium 239, Plutonium 241, Uran 233 und U 235 betragen. Die umstrittene Steuer soll dem Bund jährlich 2,3 Milliarden Euro jährlich einbringen.

Zusätzlich müssen die Atomkonzerne zum Ausbau von Öko-Energie einen Sonderbeitrag leisten. Er beträgt jeweils 300 Millionen Euro in den Jahren 2011 und 2012. Von 2013 bis 2016 liegt er bei je 200 Millionen Euro.

Röttgen und Brüderle äußerten sich zufrieden mit dem erzielten Kompromiss. "Wir haben gemeinsam einen Fahrplan in das Zeitalter der erneuerbaren Energien aufgestellt", sagte der Umweltminister. Ein derartiges Förderprogramm habe es in Deutschland, aber wohl auch weltweit bislang nicht gegeben. "Wir haben einen Weg gemeinsam gefunden, der Deutschland nach vorne bringt", sagte sein Kabinettskollege von der FDP. Brüderle sprach von einem "großen Wurf". Das zusätzliche Geld solle unter anderem dazu dienen, Stromleitungen für erneuerbare Energien zu bauen und Speichertechnologien zu entwickeln.

Die Koalition geht davon aus, dass der Bundesrat ihr Atomkonzept nicht stoppen kann. Je länger die Meiler zusätzlich am Netz sind, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Länderkammer zustimmen muss. Die Opposition hat bereits mit Klagen gedroht. Das letzte Wort dürfte wohl das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe haben.

Mit der Einigung wird ein vorläufiger Schlussstrich unter einen monatelangen Streit in der Koalition gezogen – nach einem zwölfstündigen Verhandlungsmarathon im Kanzleramt. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel (CDU) hatte am Vormittag zunächst mit Röttgen, Brüderle, Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) beraten.

Am frühen Nachmittag kamen die weiteren Partei- und die Fraktionsvorsitzenden der schwarz-gelben Koalition dazu. Auch das Innen- und Justizressort waren zeitweise vertreten.

 
Leser-Kommentare
  1. .
    Die Kanzlerin hat durch lange,harte Verhandlungen einen tragfähigen Kompromiss erzielt:

    Alle werden Strom haben!

    Die Zukunft der 4 großen Konzerne ist gesichert!

    Es wird für den Einzelnen gar nicht so teuer!

    Die Macht von AM bleibt erhalten!

    Bis die Klagen der Bundesländer verhandelt sind, ist Angela schon lange keine Kanzlerin mehr!

    Um den Atommüll soll sich die nächste Generation kümmern!

    Für die müssen ja auch noch ein paar Aufgaben übrig bleiben.

    Und das Beste: Die Physikerin sagt: Alles ist sicher!!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Jenss
    • 06.09.2010 um 8:03 Uhr

    Die Physikerin Angela Merkel hat schon zu der Zeit als Sie Ministerin für Umweltschutz unter Kohl war atemberaubende Statements zum Thema Sicherheit abgegeben.

    Zu der Aufbereitungsanlage in UK in Sellafield meinte sie die radioaktiven Isotope, die Sellafield nachweislich ins Meer leitet, seien unbedeutend, da sie vergleichbar strahlen wir die natürliche Hintergrundstrahlung.

    Das Problem, ist bloß, dass sich natürliche Hintergrundstrahlung nahezu reine Gamma Strahlung (Röntgenstrahlung) nicht über die Nahrungskette anreichern kann.

    Da wurden Äpfel mit Birnen verglichen, aber sie ist ja auch Physikerin und nicht Biologin.

    • Jenss
    • 06.09.2010 um 8:03 Uhr

    Die Physikerin Angela Merkel hat schon zu der Zeit als Sie Ministerin für Umweltschutz unter Kohl war atemberaubende Statements zum Thema Sicherheit abgegeben.

    Zu der Aufbereitungsanlage in UK in Sellafield meinte sie die radioaktiven Isotope, die Sellafield nachweislich ins Meer leitet, seien unbedeutend, da sie vergleichbar strahlen wir die natürliche Hintergrundstrahlung.

    Das Problem, ist bloß, dass sich natürliche Hintergrundstrahlung nahezu reine Gamma Strahlung (Röntgenstrahlung) nicht über die Nahrungskette anreichern kann.

    Da wurden Äpfel mit Birnen verglichen, aber sie ist ja auch Physikerin und nicht Biologin.

    • DerM
    • 06.09.2010 um 7:31 Uhr

    Schade, dass sie uns schon so früh verlassen. Zuverlässigeren Strom, gibt es nicht und den hätte man noch mindestens die nächsten 200 Jahre gehabt. Nun wird sich zunächst auf Kernkraft, dann auf fossile Kraft konzentriert. Jeder hat Angst vor`m Supergau durch Kernenergie, wo doch die fossilien Energieträger den Klimawandel verursachen und der tötet jedes Jahr tausende Menschen(aktuell Pakistan und es wird nicht enden...). Aber die Gutmenschen von Grünen und SPD wissen ja, was sie tun. Mit den Atomkraftwerken ist es wie mit den Atomwaffen. Während die großen Riesen friedlich in ihren Silos schlummern, sterben jeden Tag hunderte durch kleine Handfeuerwaffen. Man sieht, beim AKW-Abschalten geht es um Presige und nicht um Sinnhaftigkeit. Aber gut, die erneuerbaren Energien müssen kommen, das ist nicht abzustreiten, doch hätte ich mit den fossilen angefangen, den wahren Umweltverschmutzern.

    • Chali
    • 06.09.2010 um 7:36 Uhr

    ... ist auch gesichert. Der demokoratischen Parteien, natürlich.

    • grey
    • 06.09.2010 um 7:48 Uhr

    Schade ist nur, dass sich wieder keiner für das Problem der Endlagerung interessiert. Da kommen Kosten in milliardenhöhe auf Deutschland zu aber das wird dann eine andere Regierung ausbaden müssen.

    Ohne Verstand die Laufzeiten verlängern obwohl wir den strom nicht brauchen und den Müll in marode Alt- Berkwerke stopfen, Bravo Fr. Merklel!

    Dabei müssten Sie es ja als ex Umweltministerin doch am besten wissen.

    • CM
    • 06.09.2010 um 7:57 Uhr

    Die Bürger sind dagegen. Alle Fakten sprechen dagegen. Die Regierung versucht trotzdem, es durchzuziehen.

    Hatten wir einen kleinen Staatsstreich der Atomkonzerne?

    Ist die Demokratie in Deutschland endgültig außer Kraft?

    Wurde gestern abend schon bezahlt oder gibt es die Schecks für die Parteien und einzelne besonders nützliche Id... äh Leistungsträger in Raten während der Laufzeit?

    So billig ist der Atomstrom doch gar nicht - man muß schließlich all das Schmiergeld bezahlen, um Merkels Krückentechnologie am Leben zu erhalten.

    • Jenss
    • 06.09.2010 um 8:03 Uhr

    Die Physikerin Angela Merkel hat schon zu der Zeit als Sie Ministerin für Umweltschutz unter Kohl war atemberaubende Statements zum Thema Sicherheit abgegeben.

    Zu der Aufbereitungsanlage in UK in Sellafield meinte sie die radioaktiven Isotope, die Sellafield nachweislich ins Meer leitet, seien unbedeutend, da sie vergleichbar strahlen wir die natürliche Hintergrundstrahlung.

    Das Problem, ist bloß, dass sich natürliche Hintergrundstrahlung nahezu reine Gamma Strahlung (Röntgenstrahlung) nicht über die Nahrungskette anreichern kann.

    Da wurden Äpfel mit Birnen verglichen, aber sie ist ja auch Physikerin und nicht Biologin.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • PGMN
    • 07.09.2010 um 0:22 Uhr

    man Frau Merkel (in diesem Fall einigermaßen zurecht) kritisiert, sollten die Behauptungen, die man macht, korrekt sein:

    1. Strahlung kann sich nicht "anreichern". Nur Strahler, d.h. radioaktive Materialien, können das.

    2. Gammastrahlung _oder_ Röntgenstrahlung? Beides ist elektromagnetische Strahlung (wie Licht im übrigen auch), jedoch in anderen Frequenzbereichen.

    3. Der größte Anteil natürlicher Strahlenbelastung entsteht aus dem Zerfall eingeatmeten natürlichen Radons und dessen Zerfallsprodukten, welches mittels Alphazerfall, und damit Aussendung eines Alphateilchens und Gammastrahlung zu Polonium zerfällt. Hauptanteil an der Strahlenbelastung hat damit die natürliche Alpha-, nicht die Gammastrahlung.

    4. Die Strahlenbelastung wird normalerweise in der Einheit Sievert angegeben, welche unabhängig von der Art der Strahlung ist, jedoch resultieren Zerfälle im Körperinnern in einer höheren Strahlenbelastung.

    Wenn also Frau Merkel sagt, dass die Äquivalentdosis freigesetzter Strahler vernachlässigbar ist gegenüber der natürlichen radioaktivität, dann ist das richtig, mit der Einschränkung, dass man keine größere Strahlerkonzentration verzehrt. (Wenn aber die Verdünnung des freigesetzten Materials groß genug ist, kann davon ausgegangen werden, dass dies nicht passiert.)

    • PGMN
    • 07.09.2010 um 0:22 Uhr

    man Frau Merkel (in diesem Fall einigermaßen zurecht) kritisiert, sollten die Behauptungen, die man macht, korrekt sein:

    1. Strahlung kann sich nicht "anreichern". Nur Strahler, d.h. radioaktive Materialien, können das.

    2. Gammastrahlung _oder_ Röntgenstrahlung? Beides ist elektromagnetische Strahlung (wie Licht im übrigen auch), jedoch in anderen Frequenzbereichen.

    3. Der größte Anteil natürlicher Strahlenbelastung entsteht aus dem Zerfall eingeatmeten natürlichen Radons und dessen Zerfallsprodukten, welches mittels Alphazerfall, und damit Aussendung eines Alphateilchens und Gammastrahlung zu Polonium zerfällt. Hauptanteil an der Strahlenbelastung hat damit die natürliche Alpha-, nicht die Gammastrahlung.

    4. Die Strahlenbelastung wird normalerweise in der Einheit Sievert angegeben, welche unabhängig von der Art der Strahlung ist, jedoch resultieren Zerfälle im Körperinnern in einer höheren Strahlenbelastung.

    Wenn also Frau Merkel sagt, dass die Äquivalentdosis freigesetzter Strahler vernachlässigbar ist gegenüber der natürlichen radioaktivität, dann ist das richtig, mit der Einschränkung, dass man keine größere Strahlerkonzentration verzehrt. (Wenn aber die Verdünnung des freigesetzten Materials groß genug ist, kann davon ausgegangen werden, dass dies nicht passiert.)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service