NachrufEberhard von Brauchitsch hatte das Ruder stets in der Hand

Als "Industriekapitän" stieg Brauchitsch auf, doch die Flick-Affäre blieb für immer an ihm haften. Mit seiner Frau schied er nun freiwillig aus dem Leben. von 

Als Eberhard von Brauchitsch zu den wichtigsten deutschen Managern gehörte, nannte man sie noch "Industriekapitäne". In der Bonner Bundesrepublik steuerten sie ihre Konzerntanker, wie es ihnen beliebte, unbehelligt von der großen Politik – denn mit deren Protagonisten pflegten sie enge Kontakte. Und wo die nicht reichten, wurde eben geschmiert. Pardon, gespendet.

Der Manager, dessen Tod vor einigen Tagen erst jetzt bekannt wurde , war allerdings eher ein Steuermann. Er stammte nicht aus einer der großen deutschen Industriellenfamilien, er war kein von Bohlen und Halbach, kein Quandt, kein Flick. Er erbte kein Imperium, er schaffte es als Berater in die Chefetagen. Berater, das klingt nach Unternehmen wie McKinsey oder KPMG. Aber von Brauchitsch war kein austauschbarer Controlling-Knecht. Schon seine Abstammung und die damit einher gehenden Verbindungen prädestinierten ihn für Höheres: Das alte schlesische Adelsgeschlecht derer von Brauchitsch brachte preußische Generäle und Reichstagsabegordnete hervor, den Rennfahrer Manfred von Brauchtisch und den Wehrmachts-Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch. Eberhards Vater war der Fregattenkapitän Konrad von Brauchitsch.

Anzeige

Eine solche Herkunft zählte noch etwas in der jungen Bundesrepublik, half einem jungen Juristen beim Aufstieg. Von Brauchitsch, 1926 geboren, fing bei der Lufthansa an und wurde schon 1957 Geschäftsführer der neu gegründeten Charter-Tochter Deutsche Flugdienst GmbH. 1960 kam er zum Flick-Konzern: Er wurde der persönliche Berater von Friedrich Karl Flick, mit dem er in Bad Tölz zur Schule gegangen war.

Flick war gerade dabei, mit seinem Vater, dem NS-Kriegsverbrecher Friedrich Flick, das Familienimperium aus Stahlunternehmen, dem Papierhersteller Feldmühle, den Unternehmen Buderus und Dynamit Nobel wieder aufzubauen. Sie verlegten den Fokus von Rohstoffen auf verarbeitende Industrie und erwarben einen bedeutenden Anteil am Aktienkapital der Daimler-Benz AG. 1965 wurde von Brauchitsch geschäftsführender Gesellschafter des Flick-Konzerns. Er kam nach einem Intermezzo als Generalbevollmächtigter des Verlegers Axel Springer und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender in dessen Verlag 1973 als Manager zu Flick zurück. Da hatte Friedrich Karl sich gerade gegen seinen Bruder Otto als Alleinerbe eines der größten deutschen Konzerne durchgesetzt.

Zu dieser Zeit begann von Brauchitsch, das System aufzubauen, das 1982 in der Flick-Affäre aufflog: Er zahlte wichtigen Politikern hohe Geldsummen – für die er offenbar Gegenleistungen erwartete. Der Steuerfahnder Klaus Förster fand in einem Kassenbuch Bargeldzahlungen an Politiker mit dem Vermerk "wg.", also wegen, und den jeweiligen Namen und Summen. Neben dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß, dem CDU-Chef Helmut Kohl und Walter Scheel (FDP) zählten auch die früheren Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) und Hans Friderichs (FDP) zu den Empfängern. 1975 hatte der Flick-Konzern seine Daimler-Aktien verkauft, und die Minister Friderichs und Lambsdorff hatten das Geschäft unter fragwürdigen Umständen von der Steuer befreit. Dem Fiskus entging knapp eine Milliarde.

Leserkommentare
    • kayob
    • 11. September 2010 13:46 Uhr

    ungeachtet aller fehlleistungen im leben, die man so bringen kann,

    finde ich das immer wieder eine respektable und mutige tat, sein ende so sehr selbstbestimmt entscheiden zu können wie es eben geht.

  1. 3. [...]

    Entfernt. /Die Redaktion pt.

  2. Entfernt. Bitte halten Sie sich an die hier geltenden Regeln. /Die Redaktion pt.

  3. Entfernt. /Die Redaktion pt.

  4. Dass man unter Missachtung dieses Grundastzes trotzdem einen
    angemessenen Nachruf schreiben kann, beweist dieser Artilkel.

    Vielleicht sollten Sie Herrn Vensky einmal mit einer prämortelen Würdigigung des Schaffens des Herrn Bodo Hombach
    beauftragen. Ihr letzter Versuch ging ja leider in die Hose.

  5. Ps 19,13 Wer bemerkt seine eigenen Fehler? / Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist!

    Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein.

    Eberhard von Brauchitsch ein Mann der Tat und Motor unserer
    Wirtschaft in verflossenen Tagen.

    Diese Männer wird es immer wieder geben.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service