Arbeitslosenhilfe Von der Leyens Hartz-Pläne laut SPD nicht verfassungskonform
SPD und Grüne werfen der Arbeitsministerin von der Leyen bei der Hartz-IV-Anpassung Versagen vor. SPD-Vize Schwesig warnt vor einer neuen Kollision mit dem Grundgesetz.
SPD-Parteivize Manuela Schwesig äußerte in einem Interview Bedenken, die Verfassungsrichter in Karlsruhe könnten die Neufassung der Hartz-Reform stoppen. Sie bezog sich dabei auf das Vorhaben von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die Sätze für Bedürftige künftig auch an die Lohnentwicklung zu koppeln. "Das Bundesverfassungsgericht hat gesagt: Die Orientierung an den Renten ist nicht richtig", sagte Schwesig. Die Renten hätten ja eine ähnliche Grundlage wie die Löhne – und deswegen sei auch die Orientierung an den Löhnen nicht richtig. Ihre Partei werde daher einem entsprechenden Gesetzentwurf im Bundesrat nicht zustimmen.
Auch die sozialpolitische Sprecherin der Linken, Katja Kipping, warf von der Leyen vor, auf einen Verfassungsbruch zuzusteuern. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil warf von der Leyen vor, bei der Umsetzung des Bundesverfassungsgerichtsurteils zur Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze seit Februar "viel Zeit vertrödelt" zu haben. Seitdem hätte schon viel passieren können und müssen. "Ich hoffe nicht, dass die Zeitverzögerung zu chaotischen Verhältnissen führt", sagte Heil.
Er befürchte, dass die Bundesregierung im Haushalt nicht genügend Vorsorge getroffen habe, um die künftig notwendigen Regelsätze zu finanzieren. "Wenn bei dieser Operation herauskommt, dass Langzeitarbeitslose zwar etwas mehr Geld zur Verfügung haben werden, aber ihnen gleichzeitig durch das Kürzen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen die Chance genommen wird, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen, dann würde am falschen Ende gespart." Er könne von der Leyen "nur davor warnen, Tricks anzuwenden, um die Regelsätze künstlich niedrig zu rechnen ".
Auch NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) griff die Pläne von der Leyens scharf an: "Statt Kindern eine echte Teilhabe an Bildung zu ermöglichen, kommt sie nun mit dem alten Gutscheinsystem daher, das aus gutem Grund längst abgeschafft wurde", sagte er in Düsseldorf. Mit Gutscheinen oder Bildungschipkarten würden Kinder aus Hartz-IV-Familien stigmatisiert.
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf von der Leyen eine verfehlte Politik vor. Die Ministerin "drückt sich um die Frage, wie hoch die Grundhöhe der Regelsätze tatsächlich liegen soll", sagte er. Die Debatte um Sachleistungen für Bildung und die Bildungs-Chipkarte lenke von dem Kern des Problems ab. "Das Modell der Bildungs-Chipkarte hilft nicht, denn es handelt sich um eine freiwillige Leistung der Kommunen." Städte wie Düsseldorf würden sie zur Verfügung stellen können. In Duisburg und Gelsenkirchen, wo Haushaltsnotlage herrscht, werde dies nicht möglich sein. "Hier aber wird sie gebraucht", sagte Trittin.
Die Bundesarbeitsministerin hatte am Montag erste Details für die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze vorgelegt. Die Bezüge der über 6,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger sollen demnach künftig im
Gleichklang mit Preisen und Löhnen steigen
. Bisher sind die Regelsätze für Langzeitarbeitslose an die Rentenerhöhungen gekoppelt. Derzeit liegt der volle Regelsatz für einen Hartz-IV-Empfänger bei 359 Euro im Monat. Am Sonntag will sich der Koalitionsausschuss mit der Neuregelung befassen. Am 20. Oktober soll das Kabinett einen Gesetzentwurf beschließen, die neuen Sätze sollen zum 1. Januar 2011 gelten.
Von der Leyen hat ihren Entwurf am Montag den anderen Ministerien zur Abstimmung zugeleitet. Bei der von den Verfassungsrichtern verlangten Einbeziehung der Bildungskosten für Kinder aus Hartz-IV-Familien besteht sie nicht auf der von ihr favorisierten Chipkarte. Gleichwohl will sie bei Ländern und Kommunen dafür werben. Die Abrechnung der Bildungshilfen könne auch mithilfe von Formularen oder Gutscheinen über Jobcenter erfolgen. Es bleibe beim Grundsatz, dass die Hilfen fast ausschließlich als Sachleistung bereitgestellt werden – also nicht als reine Geldzahlung.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, fand zustimmende Worte. Es sei richtig, auf Sachleistungen zu setzen und nicht immer gleich auf Bargeld. Er rechne nicht mit einer Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze. "Manche reden schon von 400 Euro im Monat oder mehr. Dazu wird es nicht kommen", sagte er. Eine Erhöhung sei auch nicht zwingend. "Unbedingt erforderlich ist, dass der Bildungsbedarf von Kindern künftig bei Hartz IV abgedeckt wird."
Der Städtetag protestierte gegen den geplanten Verzicht auf Kinderwohngeld. Es sei völlig inakzeptabel, das Wohngeld für Kinder von Langzeitarbeitslosen zu streichen und damit die kommunalen Haus.alte mit mindestens 120 Millionen Euro zusätzlich zu belasten. Nach ersten Schätzungen könnte es sich um mehr als 80.000 Kinder handeln, der Gesetzentwurf spricht von 92.000 Fällen bundesweit.
SPD-Generalsekretär Heil sieht darüber hinaus durch die derzeitige Entwicklung die Notwendigkeit eines flächendeckenden Mindestlohns bestätigt. Durch die Reform steige jetzt der Druck auf die Politik, einen solchen einzuführen, sagte er. Die Regierung habe nicht begriffen, dass das Verfassungsgerichtsurteil ein Paradigmenwechsel für die Politik sei: Das Existenzminimum dürfe nicht politisch heruntergerechnet werden , es brauche eine klare Grundlage – und es sei offenbar höher zu veranschlagen als bisher. "Wenn man dann das Lohnabstandsgebot einhalten will, geht das nur über einen gesetzlichen Mindestlohn."
- Datum 21.09.2010 - 15:06 Uhr
- Quelle dpa
- Kommentare 41
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Ich halte die Chipkarte für eine vernünftige Lösung. Ich sehe da keine Diskriminierung. In Berlin gibt es ja für Hartz 4ler den "Berlinausweis", mit dem die U-Bahn billiger ist, sowie viele Eintritte bei kulturellen Veranstaltungen ermäßigt sind. Das empfindet auch keiner negativ, sondern im Gegenteil.
Die Chipkarte ist für Kinder. Die Kinder müssen sich outen und dokumentieren, dass sie gesetzlich als arm gelten. Das halten Sie, evelote, nicht als Diskriminierung?
Sicher, wenn man mit der goldenen "Chipkarte" der Banken shoppen geht, dann ist das nicht diskriminierend.
Versetzen Sie, evelote, einmal in die Situation von Kinder.
Oder können Sie das nicht?
Die Chipkarte ist für Kinder. Die Kinder müssen sich outen und dokumentieren, dass sie gesetzlich als arm gelten. Das halten Sie, evelote, nicht als Diskriminierung?
Sicher, wenn man mit der goldenen "Chipkarte" der Banken shoppen geht, dann ist das nicht diskriminierend.
Versetzen Sie, evelote, einmal in die Situation von Kinder.
Oder können Sie das nicht?
Arbeitslose haben nicht zu viel oder zu wenig Geld, sondern keine Arbeit!
Sind der Obrigkeit bereits die Ideen zu dem Thema ausgegangen oder warum geht es nur noch um die Bildung der Kinder? Es gibt etliche Beispiele für teilweise sogar sehr gut ausgebildete Arbeitslose. Woher kommt die Gewissheit mit mehr Bildung wird alles gut?
Das eigentliche Problem sind doch die gierigen Unternehmen die nur nach einem streben: immer mehr Gewinn. Solange sich an der grundsätzlichen Wirtschaftsstruktur nichts ändert wird es immer mehr und mehr Arbeitslose geben!
Ist es so schwer zu erkennen das unser Problem nicht die Regelsätze sind sondern die Tatsache das Konsum- und Wachstumssucht kein Ende nehmen?
Der erbitterte Widerstand der Regierung gegen eine Berechnung des Hartz4-Satzes nach tatsächlichem Bedarf (der Bedarf ist nämlich von Löhnen oder Renten völlig unabhängig) ist doch in Wahrheit der Einsicht geschuldet, dass damit die Hartz4-Sätze so hoch steigen würden, dass alle Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich plötzlich weniger bis kaum noch mehr hätten als die Langzeitarbeitslosen.
Denn was wäre die Folge davon? Entweder müssten die Löhne in vielen Branchen bundesweit erheblich steigen oder der Staat müsste noch viel mehr als bisher die Wirtschaft dadurch subventionieren, dass er vielen Arbeitnehmern ihren Lohn aufstockt.
Beides keine wünschenswerten Aussichten für eine Schwarz-Gelbe Regierung, die Ihrer Klientel zuarbeitet.
Deswegen hat Hubertus Heil Recht, eine verfassungsmäßige Hartz4-Berechnung wird unvermeidbar die Sätze steigen lassen daraus folgt ein Zwang zum Mindestlohn.
@UVDL: Sehen Sie es endlich ein oder treten Sie zurück!
Danke für diesen Beitrag. Ich glaube er trifft den Kern wirklich gut. Insbesondere auch deshalb, weil die Politik den von ihr angerichteten Käse mit dem Ausbau des Niedriglohnsektors (natürlich vor allem zugunsten der Unternehmer) zugeben würde, dass gerade hier ein Problem liegt.
Eine weitere Frage wäre mMn. aber auch: Könnte eine "Linke" Regierung (SPD-Gründe-Linke) diesen Zustand ändern? Könnten die durchsetzen, dass die Löhne so nach oben korrigiert werden, dass hier entsprechend positive Effekte herauskommen? Ich glaube das die Manipulierbarkeit dieser Leute nicht unbedingt geringer aussieht, nur von anderen Lobbyisten finanziert wird.
Danke für diesen Beitrag. Ich glaube er trifft den Kern wirklich gut. Insbesondere auch deshalb, weil die Politik den von ihr angerichteten Käse mit dem Ausbau des Niedriglohnsektors (natürlich vor allem zugunsten der Unternehmer) zugeben würde, dass gerade hier ein Problem liegt.
Eine weitere Frage wäre mMn. aber auch: Könnte eine "Linke" Regierung (SPD-Gründe-Linke) diesen Zustand ändern? Könnten die durchsetzen, dass die Löhne so nach oben korrigiert werden, dass hier entsprechend positive Effekte herauskommen? Ich glaube das die Manipulierbarkeit dieser Leute nicht unbedingt geringer aussieht, nur von anderen Lobbyisten finanziert wird.
und das wird immer so bleiben. Wir haben rot-grün diese gesetzgebung zu verdanekn. jede absatzbewegung und kritik der spd von dieser regelung ist anmaßend.
die Orginalen HartzVorschläge und dann erst die Sache im Vermittlungsausschuss!
HartzIV wurde von SPD und Grünen eingeführt - vollkommen richtig. Spitzenpolitiker von SPD und Grünen haben hier teilweise in Verleugnung aller sozialen Prinzipien nicht nur für HartzIV verantwortlich gezeichnet, sondern massive gesamtgesellschaftliche Verwerfungen beschleunigt oder angestoßen - vollkommen richtig.
"jede absatzbewegung und kritik der spd von dieser regelung ist anmaßend." - Nach meiner Meinung vollkommen falsch.
Denn unter vielen anderen Gesichtspunkten war HartzIV eben nicht ein Alleinstellungsmerkmal der Partei SPD insgesamt. Die Gestalter von HartzIV saßen und sitzen ganz wo anders. Dies sollte man nie vergessen, will man einmal die wirklichen Schuldigen zur Verantwortung ziehen und nicht die ominöse Masse einer Partei.
Aber schon davon abgesehen, das Recht auf Wandel hat auch die SPD. Vorausgesetzt, es sind Kritik und "Absatzbewegung" im Streben zum Wohle des Folges begründet, sind diese eben nicht anmaßend, sondern Ergebnis eines Entwicklungsprozesses. Will die Menschheit sich weiterentwickeln, will man Fehler nicht bis in alle Ewigkeiten festschreiben, muß dies erlaubt sein.
die Orginalen HartzVorschläge und dann erst die Sache im Vermittlungsausschuss!
HartzIV wurde von SPD und Grünen eingeführt - vollkommen richtig. Spitzenpolitiker von SPD und Grünen haben hier teilweise in Verleugnung aller sozialen Prinzipien nicht nur für HartzIV verantwortlich gezeichnet, sondern massive gesamtgesellschaftliche Verwerfungen beschleunigt oder angestoßen - vollkommen richtig.
"jede absatzbewegung und kritik der spd von dieser regelung ist anmaßend." - Nach meiner Meinung vollkommen falsch.
Denn unter vielen anderen Gesichtspunkten war HartzIV eben nicht ein Alleinstellungsmerkmal der Partei SPD insgesamt. Die Gestalter von HartzIV saßen und sitzen ganz wo anders. Dies sollte man nie vergessen, will man einmal die wirklichen Schuldigen zur Verantwortung ziehen und nicht die ominöse Masse einer Partei.
Aber schon davon abgesehen, das Recht auf Wandel hat auch die SPD. Vorausgesetzt, es sind Kritik und "Absatzbewegung" im Streben zum Wohle des Folges begründet, sind diese eben nicht anmaßend, sondern Ergebnis eines Entwicklungsprozesses. Will die Menschheit sich weiterentwickeln, will man Fehler nicht bis in alle Ewigkeiten festschreiben, muß dies erlaubt sein.
Danke für diesen Beitrag. Ich glaube er trifft den Kern wirklich gut. Insbesondere auch deshalb, weil die Politik den von ihr angerichteten Käse mit dem Ausbau des Niedriglohnsektors (natürlich vor allem zugunsten der Unternehmer) zugeben würde, dass gerade hier ein Problem liegt.
Eine weitere Frage wäre mMn. aber auch: Könnte eine "Linke" Regierung (SPD-Gründe-Linke) diesen Zustand ändern? Könnten die durchsetzen, dass die Löhne so nach oben korrigiert werden, dass hier entsprechend positive Effekte herauskommen? Ich glaube das die Manipulierbarkeit dieser Leute nicht unbedingt geringer aussieht, nur von anderen Lobbyisten finanziert wird.
Ob mir von der CDU/FDP erklären kann, warum die Renten nicht im Einkland von Preisen und Löhnen steigen sollen?
Wann kommt jemand darauf beim Bundesverfassungsgericht den "demoprahischen Faktor" bei der Rentenfindung hinsichtlich seiner Verfassungsgemäßheit prüfen zu lassen?
Wann beginnen die Rentner ihre Möglichkeit der Wahlentscheidung zu nutzen und diese Koalition abzuwählen?
Wann veröffentlicht die SPD ein stringentes Wahlprogramm, das soziale Ungerechtigkeiten bekämpft und abstellt?
Die Renten steigen im Einklang mit den Löhnen, so ist es gesetzlich geregelt.
Sie haben das Wort "Preise" übersehen. Rentner müssen davon ausgehen können, dass die Kaufkraft ihrer Rente erhalten bleibt - oder?
Die Renten steigen im Einklang mit den Löhnen, so ist es gesetzlich geregelt.
Sie haben das Wort "Preise" übersehen. Rentner müssen davon ausgehen können, dass die Kaufkraft ihrer Rente erhalten bleibt - oder?
für Schein.
Viele Worte
für bescheidene Ergebnisse
Verheerende Wirkung,
die bloss Scheinheiligkeit offen legt.
die Orginalen HartzVorschläge und dann erst die Sache im Vermittlungsausschuss!
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