Hartz-IV-Sätze : Wie lässt sich die Menschenwürde beziffern?

Opposition, DGB, Wohlfahrtsverband – alle fordern höhere Hartz-IV-Sätze und kritisieren die Neuberechnung der Bundesregierung. Positive Resonanz geht dabei fast unter.
Kritiker der Hartz-IV-Neuberechnung fordern eine deutliche Anhebung der Regelsätze © Gero Breloer/dpa

Angesichts der Hartz-IV-Neuberechnung schlägt der Bundesregierung viel Kritik entgegen. Diese kommt nicht nur aus der politischen Opposition. Ein Begriff, der dabei bei vielen Kritikern fällt, ist die Menschenwürde. So hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) davor gewarnt, die Neuberechnung der Hartz-IV-Regelsätze nach Kassenlage zu entscheiden. Es dürfe nicht "hinter verschlossenen Türen eine Summe" festgesetzt werden, "von der dann die Menschenwürde abgeleitet wird", sagte DGB-Chef Michael Sommer. Das sei die verkehrte Reihenfolge. Die Koalition dürfe keine politische Formel suchen, "um Erhöhungen der Regelsätze zu vermeiden oder zumindest zu begrenzen".

Mit Verweis auf die Vorgaben aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes verlangte der Gewerkschafter ein transparentes Verfahren sowie "eine seriöse Betrachtung" dessen, was tatsächlich das menschenwürdige Existenzminimum sei. "Und Menschenwürde macht sich nicht fest an der Kassenlage des Bundes." Sommer lehnte es zudem strikt ab, sich bei der Anpassung der Regelsätze künftig an der Entwicklung der Nettolöhne zu orientieren. In diese flössen nicht nur die Tariflöhne ein, sondern auch die Niedriglöhne. Zudem wirkten sich eine Vielzahl von Sparmaßnahmen wie Erhöhungen der Sozialversicherungsbeiträge auf die Nettolöhne aus. "Das heißt: Die Regierung versucht, die Sparpolitik, die zulasten der Beschäftigten geht, auch den Ärmsten der Armen aufzubürden." 

Die Neufassung von Hartz IV war der Regierung vom Bundesverfassungsgericht auferlegt worden. Vor der endgültigen Entscheidung über die künftigen Sätze berichteten Medien am Freitag, die Regierung plane eine Anhebung der Regelsätze für Erwachsene um höchstens 20 Euro. Aus Koalitionskreisen war zuletzt zu erfahren, die diskutierte Spanne für eine Anhebung bewege sich tatsächlich "grob in Richtung 10 Euro". Denkbar seien bis zu 13 Euro. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte jedoch, die Berechnungen seien noch nicht abgeschlossen. Das Gesamtpaket muss den Bundesrat passieren. Dort hat die schwarz-gelbe Koalition jedoch keine Mehrheit

Aus der SPD erklingen ähnliche Töne. Generalsekretärin Andrea Nahles hat die Bundesregierung aus Union und FDP aufgefordert, die Hartz-IV-Regelsätze deutlich anzuheben. "Es geht um das Existenzminimum eines Menschen, das ist nicht verhandelbar", sagte Nahles. Die Höhe ergebe sich präzise aus der Berechnung der Einkommens- und Verbrauchsstatistik und dürfe nicht politisch ausgekungelt werden. "Wir alle werden gerade Zeuge, dass die Zahlen frisiert und schöngerechnet werden", warf Nahles der Koalition Tricksereien vor. Falls die Regelsätze aus SPD-Sicht zu niedrig sein sollten, sei die Reaktion eindeutig: "Einem verfassungswidrigen Gesetzentwurf würde die SPD nicht zustimmen", so Nahles.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil fand ähnliche Worte und warnte zusätzlich davor, die Mehrausgaben für Hartz IV aus den Mitteln der Arbeitsmarktförderung zu bestreiten. "Es kann doch nicht sein, dass man den Langzeitarbeitslosen auf der einen Seite ein paar Euro mehr gibt und ihnen dafür durch Kürzungen der Arbeitsmarktpolitik die Chance raubt, in Beschäftigung zu kommen."

Auch der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV), Ulrich Schneider, hat der Bundesregierung vorgeworfen, den Hartz-IV-Regelsatz nur willkürlich und nach Kassenlage zu erhöhen. "Offensichtlich haben bei der Berechnung nicht Statistiker oder Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Sagen, sondern die Haushaltspolitiker der Koalition", sagte Schneider. Schneider kritisierte zugleich die sich abzeichnende geringe Regelsatzanhebung und die Herausrechnung von Ausgaben für Alkohol und Zigaretten aus der Grundsicherung.

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Kommentare

205 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

~ 1083

Nein, der Herr Sinn ist wieder aufgetaucht und hat natürlich dazu etwas zu sagen. Und die Richtung ist wohl klar, wie stets, wenn dieser "Experte" für die Wirtschaft spricht. Auch Kauder klingt ganz normal, spricht von Kürzungen bei einem Existenzminimum, wenn Arbeitslose ihre Kinder nicht zur Arbeit schicken. Das hat zwar nichts mit der anstehenden Neuberechnung zu tun und nicht jeder Arbeitslose hat Kinder und nicht jeder Arbeitslose mit Kindern schickt diese nicht zur Schule - aber egal, Hauptsache auch mal wieder was gesagt. Wäre noch Sinns Vorschlag besserer Hinzuverdienstmöglichkeiten - aber das erkennt man auch nach einem ersten Blick bereits als seine bisherige Botschaft, möglichst viele Billigjobber im Land zu konstruieren.

Einfach ein absurd unpassender Nachname

"Die Entrüstung über die Gesetze des Kapitalismus ist müßig. Auch wenn diese Entrüstung die Fallgesetze beträfe, hätte Gott dafür nur ein müdes Lächeln übrig."
Hans-Werner Sinn

Was der Mann damit wohl meint...

Kapitalimus als Naturgesetz?
Kapitalisten als Götter?

Aber der Mann meint ja auch:
"Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser. Etwas mehr Ungleichheit bei der Einkommensverteilung macht auch für die weniger gut dabei Wegkommenden letztlich einen höheren Lebensstandard, als wenn man ein egalitäres System schafft, wo alle das gleiche kriegen und alle gleichermaßen arm sind."

Diese Individuum sitzt wie einstige Kaiser, die sich für auf der Erde wandelnde Götter hielten, in einer totalitären Ideologie fest und ist daher vollkommen unfähig, im Sinne eines Volkes oder auch nur einer Gruppe von Menschen zu handeln. Jede richtige Entscheidung ist schlichtweg purer Zufall - und die sind selten genug, wenn man sich die Aussagen dieses Fanatikers immer wieder anhören muss.

Zahlreiche Studenten leben unterhalb von Hartz 4

Deren Menschenwürde ist sicher nicht beschädigt. Sie sind fröhlich, optimistisch und zufrieden, aber müssen eben aufs Geld schauen.

Zufriedenheit und Glück hat mit der persönlichen Einstellung zu tun. Das Schauspiel, das sich die Politik um so große Begriffe liefert ist unwürdig.

Das Geschrei der Hartz4 Empfänger darüber, dass sie eine größere Steigerung wollen ist beschämend. Dass sie darin von der Opposition und Sozialverbänden unterstützt werden, folgt der Debattenlogik der Bundesrepublik ist mir aber trotzdem unverständlich.

Studenten

"Zahlreiche Studenten leben unterhalb von Hartz 4." Wie lange wollen Sie disen Schwachsinn noch unter die Leute bringen? Studenten stehen - insofern ihre Eltern nicht für deren angemessene Lebenshaltungskosten aufkommen können - Fördermittel zu verfügung, die dem HartzIV-Niveau entsprechen.
Wenn reiche Eltern ihre Kinder an der kurzen Leine halten, sollen die Kinder entsprechend intervenieren ... allerdings halte ich das für an den Haaren herbeigezogen. All jene, die über ihr armes Studentendasein jammern, haben vermutlich noch nie gerarbeitet, sich Papas Geld dankbar in die Tasche gestopft und ganz gewiss nicht auf HartzIV-Niveau gelebt. Wer das nicht konnte, hat sich bei Zeiten einen Job gesucht. Das war bei uns früher ja auch kein Problem und hat zudem den Einstieg in den Arbeitsmarkt ziemlich erleichtert.
Darüber hinaus gehört nun wirklich nicht viel Intelligenz dazu, zu verstehen, das es einen Unterschied zwischen dem selbstgewählten Studentendasein gibt und dem aufgezwungenen HartzIV-Leben, das einer Entlassung durch die Wirtschaft folgt. Oder versteifen Sie sich mal wieder auf die Diffamierung, dass Arbeitlose einfach zu faul zum arbeiten sind?
"Zufriedenheit und Glück hat mit der persönlichen Einstellung zu tun." Na dann fragen sie doch mal die Verhungernden in der Dritten Welt, wie glücklich sie sind. Zwar sind wir noch nicht auf diesem Niveau der Armut angekommen, aber sollte man jemanden wie Sie ernst nehmen, dann wären wir auf dem schnellsten Weg dorthin.

Ich dachte Sie seien Unternehmer....

.... mit verlaub, aber ich hoffe Ihre Berechnungsgrundlage ist bei Ihren Geschäften seriöser als bei Ihren Kommentaren.

Zum einen wird ein Großteil der Studentenschaft von ihren Eltern unterstützt und muss nebenbei arbeiten (was als Student einfacher ist, als als ALG II Empfänger). Zum anderen ist das Studentenleben mit vielen Vergünstigungen wie der Krankenkasse etc. verbunden. Viele Studenten leben darüber hinaus in WGs oder in einem Wohnheim, was ab einem gewissen Alter, vielleicht mit Kind und unverschuldet in H4 geraten, alles nicht so einfach möglich ist.

Weiterhin ist die Studentenphase eine temporäre, d.h. ein Ende ist absehbar und danach winken - zumindest in der Regel - halbwegs vernünftig bezahlte Positionen, womit ein ALG II Empfänger nicht unbedingt rechnen kann, insbesondere wenn er schon in einem höheren Alter ist. Nicht nur ein gesunkenes Interesse an "älteren" Arbeitnehmern, sondern auch sinkende Mobilität (da häufig Famiie etc.) sind in diesem Alter ein deutliches Problem. Für un- oder schlecht qualifizierte sowieso, von der prekären Arbeitsmarktsituation ganz zu schweigen....

Situation der Studenten

Auch Hartz4-Empfänger zahlen keine Krankenkassenbeiträge. Studenten zahlen die ab dem Verlust der Kindergeldberechtigung (i. d. R. 25) Krankenkasse. Es leben auch nicht alle Studenten in Wohnheimen, abgesehen davon, dass ja auch der H4-er seine Wohnkosten extra bekommt und die damit für den Vergleich völlig unerheblich sind.
Für jüngere H4-Empfänger sollte H4 ebenfalls eine temporäre Situation sein. Natürlich ist dafür auch eine gewisse Mobilität zu erwarten, die viele Arbeitnehmer auch mit Familie völlig klaglos und selbstverständlich erbringen...

Jeder fröhliche Student ...

wird auch noch von Mammi und Pappi unterstützt. Selbst wenn es nur darum geht, am Wochenende, mal deren Kühlschrank zu plündern oder sich einfach nur in deren warmen Wohnung "auszuruhen".
Wenn Sie dann einmal ein fröhlicher Arbeitssuchender sein werden, der nach 100 Bewerbungen 70 Absagen bekommen hat und auf 30 Null Reaktion... Dann wünsche ich ihnen, dass Sie ihre Fröhlichkeit behalten mögen.

@frank12-13

Ich finde es bedauerlich, dass Sie die Nöte der Menschen in unserem Land, die auf den Bezug von Hartz-V angewiesen sind, nicht ernst nehmen können und diese Bevölkerungsgruppe mit haltlosen Kommentaren dieser Art zu verunglimpfen.

Ich kannte in meiner Studienzeit viele Studenten aus sozial schwachen Schichten (dazu gehörte ich übrigens auch!) und aus der Mittelschicht, die zwar nur Unterstützungen auf Hartz-V-Niveau erhalten haben, sich aber mit nahezu unversteuerten Studentenjobs einen Standard leisten konnten, der zumindest dem zweifachen unseres aktuellen Hartz-V-Satzes entsprach.

Sie kennen wahrscheinlich weder Hartz-V-Empfänger noch Studenten persönlich bzw. haben sich mit deren tatsächlichen Lebensumständen wohl kaum näher befasst; anders mag ich mir ihren Kommentar nicht erklären.

Zu 2: Zahlreiche Studenten... Rentner... wer noch alles?

Ich möchte ganz allgemein hier mal anmerken, dass es seit ein paar Tagen gehäuft dazu kommt, dass jetzt anscheinend schon versucht wird, Studenten und Rentner gegen AlG II-Empfänger aufzuwiegeln bzw. auszuspielen.

Bitte: was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Die Problematik der Ausbildung von Studenten und dessen Finanzierung ist eine Baustelle, die im Bereich Bildung liegt.

Die Problematik des Lebensstandards von Rentnern ist eine Baustelle, die Bereich Demographie und Rentenpolitik liegt.

Langzeitarbeitslosen ein menschenwürdiges Existenzminimum zu gewährleisten hat mit den beiden genannten Feldern nichts zu tun.

Wollen wir den Tonangebenden dieses Landes wirklich den Gefallen tun, uns selbst gegenseitig auszuspielen?

Oder wollen wir den Fokus lieber darauf richten, dass, wenn alle deutschen Steuerbürger ihrer solidarischen Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwesen -also uns! - erfüllen würden, wir uns diese kannibalistischen Diskussionen sparen könnten!?

Ich sage ja nicht, dass ich unterhalb von Hartz 4 lebe...

...oder dass ich zu Studentenzeiten schlecht gelebt hätte.

Nur weil ich selbst als Unternehmer nicht unter Hartz 4 falle, heißt das aber noch lange nicht, dass ich keine politische Meinung dazu habe oder diese nicht äußere.

Ich bin der Meinung, dass man Hartz 4 nicht weiter erhöhen sollte und dass man innerdeutsche Mobilität voraussetzen kann. Der einzige Weg aus der Armut ist Arbeit und für Kinder Bildung - Gerechtigkeit an Transferleistung festzumachen ist eine häufig wiederholte Dummheit. Fragen Sie doch mal einen Arbeitslosen, was er will - einen Job oder 10 EUR mehr? Wenn er letzteres sagt, dann ist er ein Schelm.

Arbeitslosigkeit ist übrigens ebenfalls eine temporäre Phase (wie ein Studium). Die meisten Menschen sind zum Glück weniger als 12 Monate arbeitslos. Langzeitarbeitslosigkeit gibt es fast nur in strukturschwachen Regionen. In Baden-Württemberg ist Langzeitarbeitslosigkeit meist ein Phänomen der Unqualifizierten, körperlich Leidenden, Suchterkrankten und leider manchmal auch Unmotivierten.

Herr Frank 12-13

Zufriedenheit und Glück haben auch mit Hoffnung zu tun. Und damit, anerkannt zu werden, mit Respekt.
Also mit all den Dingen, die ein Hartz IV-Empfänger meist nicht mehr hat: Hoffnung (je wieder anständig bezahlte Arbeit aufnehmen zu können), Anerkennung (Menschen mit Diplom in Briefsortiererzentren) oder Respekt (sie sollten mittlerweile die Situation doch eigentlich hinreichend kennen, oder?)

Ignoranz

In meiner Studienzeit hatte ich auch oft nicht mehr, aber ich konnte, wenn es das Studium zuließ, jederzeit Geld hinzuverdienen. Zudem ist man als Student in der Regel auf einen provisorischen Lebensmittelpunkt fixiert und investiert nichts in das Wohnen - außer Zeit, wenn vorhanden. Das Provisorium ist genauso auf den Etat zu übertragen - als Student lernt man es von der Hand in den Mund zu leben, weil es eben nicht von Dauer und vor allem selbst gewählt ist.
Frag mal Niedriglöhner, Teilzeitbeschäftigte usw. wie es sich anfühlt kein Licht am Horizont bzgl. des Einkommens zu sehen.

Eine solche menschenverachtende Ingnoranz wie sie aus Deinem Beitrag zu lesen ist, zeugt von einem Tunnelblick wie ich ihn selten bei Kommilitonen an der Uni erlebt habe.
Da zeigen sich schon die ersten kulturellen Verfallserscheinungen, seit das Humboldtsche Ideal nicht mehr hochgehalten, sondern die Ausbildung immer mehr den wirtschaftlichen Interessen der Industrie untergeordnet wird.

Sind wir uns einig, dass nicht genug arbeit für alle da ist?

wenn ja, dann verstehe ich Ihre Haltung nicht.
wenn nicht, dann zeigen Sie bitte Ihre Alternativen auf.

Für mich ist eindeutig. 3,18 Mio Arbeitslose bei nur 800.000 offene Stellen passt mit Ihrer Einstellung, jeder solle gefälligst arbeiten nicht zusammen.

Wenn Sie das nicht erkennen, finde ich das beängstigend angesichts dessen Sie eine Firma führen. Erkennen Sie es doch, interessiert mich ihre Intention trotzdem ihr "jeder der will kann arbeiten Märchen" zu verbreiten.

Nur das Studenten eine ganz andere Perspektive haben als Hartzer

Darin könnte man ja auch einen Grund für die höhere Fröhlichkeit sehen.
Und glaubt man mal den Statistiken, dann trifft es auch nur für den Teil der Arbeiterkinder zu, die es an die Unis schaffen, dass diese mit weniger als den H4 Sätzen auskommen müssen, der andere Teil ist doch schon recht ausreichend gepudert.

Perfides Spiel, die unteren Schichten so gegeneinander auszuspielen, finden Sie nicht?

Die Mobilität muss steigen

In den neuen Bundesländern gibt es zahlreiche zuverlässige und teilweise gut ausgebildete Menschen, die keinen Beruf haben.

In Baden-Württemberg und Bayern werden solche Leute händeringend gesucht.

Ich verlange innerdeutsche Mobilität, nicht primär um die Staatskassen zu schützen, sondern vor allem, weil dadurch Menschen aus ihrer Misere heraus kommen.

Nur um Ihre These zu widerlegen

Ich habe eine steuerrechtliche Ausbildung, eine zweite zum Fachinformatiker und seit neuestem eine Zertifizierung zum SAP Berater Logistik. Ich wohne in Niedersachsen und bewerbe mich Europaweit ! Ich bin 42, verh. 3 Kinder
und seit 13 Monaten arbeitslos und zwar Langzeitarbeitslos.
Ich bin der ungebildete, unflexible, arbeitsunwillige Schmarotzer den Sie gerne sehen möchten.

Es gibt hunderte offene Stellen im Bereich SAP Beratung. Trotzdem werde ich nicht eingestellt, weil mindestens 3-5 Jahre berufserfahrung vorausgesetzt werden.

Also geben Sie mir einen Job in Baden Würrtemberg von dem ich meine Familie ernähren kann. Am 01.10.2010 fange ich an - versprochen.
Liegt nur an Ihnen !

Hartz IV und Bafög

Es stimmt, dass zahlreiche Studenten unterhalb von Hartz IV leben. Ich kenne einen Fall persönlich, in dem der Student vom Bafög-Höchstsatz und mal 100, mal 200 Euro monatlich von seiner Mutter (mehr kann sie nicht dazuzahlen) leben muss, da er wegen einer Bandscheibenerkrankung, die nach 2 Jahre des Herumkriechens endlich operiert wurde, nicht nebenbei jobben konnte.

Von diesem Geld muss er Wohnung, Versicherung, Strom und Heizung bezahlen, die Fahrtkosten zur Uni, Handy Internet, und Essen und Trinken natürlich. Der macht tatsächlich immer einen fröhlichen optimistischen Eindruck, jammern hört man ihn nicht.

So hat mich die ausgebliebene Erhöhung von Bafög mehr empört als die unwesentliche Erhöhung von Hartz IV. Die jungen Leute, die sich eine aussichtsreiche Zukunft erarbeiten wollen, verhungern schon unterwegs, wenn sie nicht aus wohlhabendem Elternhaus kommen oder wenigstens gesund sind.

Damit widerlegen Sie doch nicht meine These

Es tut mir ja herzlich Leid, dass Sie in einer schwierigen persönlichen Situation sind und ich wünschen Ihnen alles Gute.

Keiner sagt, dass alle Langzeitarbeitslosen faul sind. Meine These ist, dass Mobilitätsbereitschaft hilft schneller in den Job zu kommen. Diese Mobilität verlange ich Menschen ab.

Ein Freund von mir hat als gelernter Industriekaufmann 15 Jahre im Außendienst gearbeitet (50.000 EUR Gehalt) und hat mit Abfindung seinen Job verloren. Als ihm nach 2 Monaten ein ähnlicher Job in derselben Branche angeboten wurde, mit rund (40.000 EUR Gehalt) hat er selbigen abgelehnt, weil er entweder eine Stunde Fahrzeit in Kauf hätte nehmen müssen oder umziehen musste. Mein Freund lebt mit Partnerin und hat keine Kinder.
Sein Plan jetzt: Erst mal solange ALG I beziehen, aufgrund seines Hauses hat er wohl keinen ALG II Anspruch.
Vor kurzem hat er mich gefragt, ob ich ihn anstellen kann. Ich würde dann vom Amt noch Geld bekommen, weil ich einen älteren Arbeitnehmer einstelle. Das würde sich für mich schon rechnen.
Ich kann so was aber nicht gutheißen!

bewusste Irreführung?

Sie machen nicht den Eindruck als würden Sie es nicht verstehen. Sie bleiben leider auch die Antwort schuldig, wie angesichts nur 800.000 offener Stellen und 3,18 Mio Arbeitslosen jeder Arbeitswillige Arbeit bekommen soll. Es sei denn sie unterstellen den restlichen 2,3 Mio sie seien alle unwillig zu arbeiten.

Daher stellt sich mir die Frage, ob Sie mit der Behauptung "jeder kann arbeiten" provozieren, bewusst irre führen wollen (wenn ja, warum?) oder ob für Sie trotz obiger eindeutiger Zahlen nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ja, was sind Sie denn für ein Kasper,

wer ist denn Schuld an diesen Zahlen??? Doch eindeutig nicht der Einzelne, Entlassene, sondern dieser Staat, mit seiner Lobby-Politik, mit seiner Unfähigkeit seit Jahren und Jahrzehnten, etwas gegen die unerbittliche und unsoziale und eigennützige und korrupt-verlogene Beschäftigungsmethode der Wirtschaftsunternehmen zu tun! Vetterles-Wirtschaft allüberall, der eine stützt den anderen, da wo Geld ist, da streben wir hin....verdammt! und die,die mutwillig hinauskatapultiert werden aus dem hochgelobten System....da hat man keine Gnade, die verreisst man zu Eseln und Kamelen der Nation, denen spricht man ihre Würde ab, die lässt man schon beinahe verrecken.
Hier sollte nicht Arbeitsloser für den Arbeitslosen um das Lebensminimum kämpfen, schämen sollten sich die, die da fein raus sind und über "die Würde des Menschen" sinnieren dürfen!!!!

Korrektur

Ich habe überlesen, dass er zusätzlich den BaföG Höchstsatz hat.

Das bedeutet, er hat fast 700-800€ zur Verfügung - und betrügt letztlich, weil er sicherlich nich den Höchstsatz bekäme, wenn das Amt davon wüsste, dass er 100-200€ bekommt. Aber dafür verurteile ich ihn nicht, denn selbst der größte direkte Sozialbetrüger ist wie eine Ameise im Vergleich zu den korrupten Milliardendeals die in den "höheren Sphären" stattfinden.

Sie haben mich missverstanden

Natürlich hat die Politik (und ihre dunklen Meister!) daran Schuld und nicht die Arbeitslosen, die können überhaupt nichts dafür.

Arbeitslosigkeit in der Form, wie Sie in Deutschland existiert, ist per se sowieso kein Problem, sondern ein Segen. Arbeit, aus dem germanischen für Leid und Elend stehen, also Arbeitslosigkeit gleich Leidlosigkeit.

Und das ist nicht auf die Arbeitslosen bezogen.

Die Menschheit arbeitet seit Jahrtausenden daran, die unliebsame Arbeit abzuschaffen, notfalls wurde dafür auch Krieg geführt und ein Volk versklavt, damit man sie nicht tun musste und sich angenehmeren Dingen widmen konnte, darunter Wissenschaft und Kultur.

Sklaven bräuchten wir heute nicht mehr, wir haben Maschinen, die 1000mal besser arbeiten und keinerlei moralishes Problem aufwerfen.

Aber Gier ist nunmal grenzenlos und warum sollte man auf die Versklavung von Menschen verzichten, wenn man dadurch noch viel mehr Geld haben kann?

Genau darum geht es derzeit, denn wie Heiner Geißer mal so schön sagt: Es gibt auf der Welt Geld wie Dreck, Geld wie Heu, es ist nur vollkommen falsch verteilt.

Wer wissen will, ob unser Land ein Problem hat, sollte nicht auf etwas derart fiktives wie Geld sehen, sondernauf die Produktion und die Platz aus allen Nähten, die ist schon viel zu hoch.

Selten so einen Schwachsinn gehört...

Wissen sie was?
Mehr als zwei Drittel der Studenten MUSS arbeiten. Ich gehöre übrigens dazu.
Und wissen sie nochwas? Ein Student der ein halbwegs schweres Fach (Ich nehme jetzt mal Philo außen vor, ist mein Nebenfach) studiert hat schonmal alleine durch das Studium lernen an die 40 Wochenstunden.
Rechnen sie mal dazu dann noch Arbeit hinzu dann kommen sie locker auf 50 Stunden.

Und um es mal zu sagen: Bei den knapp lächerlichen 300 im Monat die ich verdiene bleibt absolut NIX für mich übrig. Alleine die Miete kostet schon fast soviel und hätte ich keine Unterstützung durch meine Eltern (die sich das übrigens auch nur schwerstens leisten können), dann hätte ich gar nicht ausziehen können - und das bei normalerweise 3 Stunden Fahrtweg von meinen Eltern zur Uni.

Dann Fördermittel? Kredite sind ein gewaltiges Risiko, und Bafög kriege ich deswegen net weil meine Eltern so zu den letzten Resten der nicht vorhandenen Mittelschicht gehören. Wir leben so hart an der Grenze nur eben leicht drüber so dass ich glücklicher kein Bafög bekomme.
Stipendien? Gehören nur den Parteiarschkriechern und den Naturwissenschaftseliten, nicht aber dem Großteil normaler Studenten.

Tja, wenn man keine Ahnung hat...Viele Studenten leben so auf Hartz-Niveau, mit knapp 3 Euro am Tag für essen. Ich weiß das weil ich in der Mensa für maximal 5 Euro am Tag esse!

Wenn es mir schon so geht, dann will ich nicht wissen wie es den armen Menschen auf Hartz 4 geht...

Studentendasein

Man muss Ihnen einfach zu stimmen.
Wer JEMALS auf HartzIV-Niveau leben musste - und sei es auch nur als Student - der wird sich stets mit den Arbeitslosen solidarisieren und die Pläne von scharz-gelb niemals gutheissen.
Alle je frank-12-13s, JoGs usw. haben niemals - auch nicht als Student - mit wenig Geld auskommen müssen, sondern haben immer von Papas Geld und Papas Verbindungen gelebt. sie haben niemals um Arbeit kämpfen müssen, nie Sorge gehabt, woher sie die Miete bekommen oder wie sie Ihre Kinder satt bekommen. Sie haben auch niemals ihr Studium selbst finanzieren müssen oder sind nebenher Arbeiten gegangen - naja, vielleicht haben sie den Rasen von der elterlichen Villa geharkt, um einen Sportwagen geschenkt zu bekommen, aber das wars dann auch. Und auch all die kleinen Geschichten sind allesamt Lügen.
Wer Armut erlebt hat, wird Arme und Arbeitslose niemals auf diese Weise diffamieren, wie es einige Kommentatoren tun, welche Zwangsarbeit und Sklaverei bejubeln. sie haben keine Ahnung von der Würde des Menschen. Egal wie wohlhabend jemand heute ist - musste er sich aus eher sozialschwachen Schichten hocharbeiten, wird er stets anderer Meinung sein als die Manchesterkapitalisten.

Implizite Diffamierung

"Keiner sagt, dass alle Langzeitarbeitslosen faul sind"

Diese Aussage impliziert, dass viele Langzeitarbeitlose faul sind, weil sie sich nicht dazu herablässt (die Warheit) zu bennenen, dass fast alle Arbeitssuchende emsig nach arbeit suchen. Sehen Sie es endlich ein! Für einen geringen prozentsatAArbeitsunwillige könnenw ir icht millionen von Menschen mit Sanktionen und herabwürdigenden Diskussionen verurteilen und bedrohen!!!

lustige mangelernährung mit 29?

ich habe ein paar jahre ohne unterstützung studieren müssen. ich glaubte eine zukunft zu haben in diesem land, und also war das armsein nicht so traurig, als wäre ich schon teil der zunehmend gedemütigten arbeitslosen in diesem land. aber "lustig" ist weiß gott auch etwas anderes. und ausgeschlossen sein von den vielseitigen freizeitbeschäftigungen der kommilitonen aus reichem elternhaus schafft vielleicht "klassenbewußtsein" (haha), aber keinen spaß. ihre einschätzung halte ich jedenfalls für - romantisch.

Das Geschrei der Herzlosen

"Das Geschrei der Hartz4 Empfänger darüber, dass sie eine größere Steigerung wollen ist beschämend. " schreiben Sie.
Beschämend ist Ihre Weltferne.

Wo sind die Arbeitsplätze für die ACHT MILLIONEN Arbeitslosen? Haben Sie sich die Internetseiten des Arbeitsamtes mal angeschaut? Wissen Sie wieviele echte offene Stellen dort angeboten werden?
Haben Sie jemals versucht von 350 Euro im Monat über Jahre zu leben?

Ich frage mich, ob es sich bei Ihnen um Weltferne oder Boshaftigkeit handelt?

solche Beispiele kenne ich auch

.... und ich muss sagen, da hört der Spass meiner Meinung nach auf. Es scheint mir wahrscheinlich, dass Ihr Bekannter - wenn er erstmal aus der ALG-Zeit heraus ist und seine Vermögenswerte aufgezehrt hat - Hartz IV beantragen wird.

"Müssen wird", werden einige Foristen jetzt antworten.

Dabei ist das eine eine Folge des anderen, und das hat er sich selber ausgesucht. Dass ich zukünftig dafür bezahlen soll, leuchtet mir so gar nicht ein. Ich selber pendele 350 km. Warum soll jemand anders nicht eine Stunde Fahrtzeit auf sich nehmen können?

Für mich ein weiterer Beleg dafür, dass die Transferleistungen nicht etwa zu gering bemessen sind, sondern zu komfortabel.

also ich bitte Sie!

Sie schreiben: "Alle ... usw. haben niemals .. mit wenig Geld auskommen müssen, sondern haben immer von Papas Geld und Papas Verbindungen gelebt. sie haben niemals um Arbeit kämpfen müssen, nie Sorge gehabt, woher sie die Miete bekommen oder wie sie Ihre Kinder satt bekommen. Sie haben auch niemals ihr Studium selbst finanzieren müssen oder sind nebenher Arbeiten gegangen - naja, vielleicht haben sie den Rasen von der elterlichen Villa geharkt, um einen Sportwagen geschenkt zu bekommen, aber das wars dann auch."

Das stellen Sie sich falsch vor. Ganz falsch.
Da gibt es einige, ich spreche aus eigener Erfahrung, die haben niemals auf Papas Geld zurückgreifen können und Verbindungen hatte Papa auch keine. Auch das Studium bezahlen mehr Leute selber, ich zum Beispiel auch, als Sie sich das vorstellen. Da war auch keine elterliche Villa und auch kein Sportwagen (noch nichtmal ein Führerschein war drin. Trotzdem - oder gerade deshalb??? - bin ich heute nicht bereit, eine zu grosse zahl arbeitsfähiger Transferleistungsempfänger ohne jede Diskussion zu alimentieren.

Sie sollten die Debatte nicht darauf reduzieren, dass jede Gegenrede gegen Ihre Aussagen als Besitzstandswahrung reicher Erben zu diffamieren.

Gerade diejenigen, die sich ihr Studium, ihren Führerschein, ihr erstes Auto hart erarbeitet haben, seit Jahrzehnten kontinuierlich weiter für ihren Lebensunterhalt arbeiten und auch weite Anfahrtswege nicht scheuen haben kein Verständnis für das Gejammere auf hohem Niveau.

Realistisch bleiben!

Sie schreiben: "Haben Sie jemals versucht von 350 Euro im Monat über Jahre zu leben?"

Hier wird immer so getan als ob wir über 345 € sprechen.

Ein Paar mit zwei Kindern bekommt 1.861 € netto, das entspricht 2.500 € Bruttoeinkommen. http://www.faz.net/s/RubC...

Also ich glaube, es sind gar nicht so wenige Familien, die mit einem solchen Budget klarkommen. Und ich meine nicht Hartz IV Bezieher, sondern arbeitende Mitbürger.

Volker Kauder

haben Sie Kinder? Haben Sie nie die Schule geschwänzt ohne dass Ihre Eltern das wußten. Ich habe ein paar Mal geschwänzt.

Trotzdem bin ich ein normaler Mensch geblieben, mit relativ hohem Bildungs- und Ausbildungsniveau.

[...]
Bitte führen Sie eine sachliche und höfliche Debatte. Danke. Die Redaktion/km

"Ein paar Mal geschwänzt" ist hier wahrlich nicht gemeint

"Haben Sie nie die Schule geschwänzt ohne dass Ihre Eltern das wußten. Ich habe ein paar Mal geschwänzt."

Das geht ja wohl vollkommen am Problem vorbei. Es geht hier um permantes Schwänzen über Wochen und Monate. Damit wird man es wohl kaum schaffen, ein "relativ hohes Bildungs- und Ausbildungsniveau" zu erlangen. Auf diesem Wege wird eine neue Generation geformt, die nie über Hartz IV hinauskommen kann. Von der direkten Korrelation zwischen Dauerschwänzen und Jugendkriminalität ganz zu schweigen.

Sippenhaft

Eltern für die Verfehlungen ihrer Kinder abzustrafen, nenne ich Sippenhaft.

Jeder, der selbst Kinder hat weiß, dass Heranwachsende ab einem bestimmten Alter versuchen, die Grenzen auszuloten. Wenn Sie dann noch in falsche Kreise kommen, haben die Eltern keinen Einfluss mehr. Hier müssten eher die Plätze für betreutes Wohnen ausgebaut werden, damit die Jugendlichen erst einmal zu Hause rauskommen. Geschultes Personal kann ihnen dann klar machen, dass sie auf dem falschen Weg sind.

Im übrigen, ich habe auch einige Male geschwänzt.

Ich hatte in der 13. Klasse

83. unentschuldigte Fehlstunden und das nur weil meine lehrer so nett wahren viele weitere nicht mit zu rechnen. Ich studiere trtzdem Philosophie im 6. Semester. Ich will damit nicht sagen, dass schwänzen voll cool ist, sondern dass schwänzen allein kein scherwigender vorfall ist. Es kommt immer auch auf die Leistung an, die man trotz schwänzen in der lage ist zu erbringen.
Wenn diese auch nicht passt, ist es sinnlos Eltern dafür abzustrafen weil die in den mesiten fällen doch auch nicht wissen was sie machen sollen. Ich sage nichtmal, dass es asozial ist, ich sage einfach: Es bring tüberhaupt nichts! Selbst wenn die Eltern noch so streng sind findet ein Kind mittel und wege von der Schule wegzugehen. Meist fehlt es den Eltern an pädagogischer Rafinesse. Dafür müsste es angebote und hilfen geben. Eine starke struktur die wenige gute Eltern ausgleichen kann. Diese "Anreize" schaffen indem man Sanktionen verhängt oder die schuldigen dort sind wo eigentlich nur überforderte Menschen in einer schwierigen lage sind, halte ich für Kappes.

Menschenwürde bemisst sich an ganz anderen Dingen

„83. unentschuldigte Fehlstunden (…) Ich studiere trtzdem Philosophie im 6. Semester“

Hätte ich jetzt einen bitterbösen Humor, könnte ich schreiben: „Sehen Sie, ich liege doch richtig mit meiner Einschätzung, dass hier eine neue Generation geformt wird, die nie über Hartz IV hinauskommen kann.“ Ich wünsche Ihnen natürlich nur das Beste für die Zeit nach dem Philosophie-Studium. Ich weiß, wovon ich rede: ich habe auch Philosophie im Nebenfach studiert.

Und eben weil ich auch weiß, wie es ist, als kleine Freiberuflerin trotz Arbeit mit sehr wenig Geld auskommen zu müssen, kann ich mich dieser ganzen Empörungsmaschinerie beim Thema Hartz IV nicht anschließen. Gerade wenn ich die Phasen meines Lebens betrachte, die nach Aussagen der Sozialverbandsfunktionäre „nicht menschenwürdig“ waren. Menschen, die immer gut abgesichert waren, können sich anscheinend kaum von der Vorstellung lösen, dass sich Menschenwürde vor allem an der materiellen Absicherung misst.

Und alle, die sich über Kürzungen bei Schulschwänzern empören: das wird nicht für Eltern gelten, die sich verzweifelt an alle möglichen Stellen wenden, weil sie dem Schwänzen hilflos gegenüberstehen. Es geht um Eltern, die H-IV-Gelder, für Kinder kassieren, sich um diese aber nicht wirklich kümmern. Die Schreiben der Schule ignorieren, bei Elternsprechtagen nicht auftauchen, …

Sorgerecht ist eben auch Sorgepflicht. Und staatliche Gelder für ihre Kinder erhalten Eltern treuhänderisch.

Ich bitte Sie!

Die meitenEltern wissen doch agrnicht welche stellene s gibt an denen man Hilfe bekomen könnte! Sehrwohl können das aber ausgebildete angestellt des Staates, sprich lehrer wissen und sollten dieses Wissen auch an die Eltern tragen. Es braucht ohenhin mehr Dialog zwischn Eltern und Lehrern der mehr will, als sich einmal im Halbjahr darüber auszulassen wie schlecht der sohn oder die Tochter mitmacht.
Und dass es Eltern gibt die ihre Kidner in der Form vernahclässigen, wie sie gerade erzöhlen will ich nicht leugnen. Aber das sit ein extrem geringer prozentsatz dessen Relevanz für das große Ganze h4-System total unwichtig ist. Die meisten H4-Eltern sind genauso gut oder schelcht wie nicht-h4-Eltern. Dort wo es probleme gibt braucht es strukturen und politische Ideen, abe rimmer mit der "Anreiz"-Keule zu kommen (Ein WOrt wie aus dem "Wahrheitsministerium" einfach nur widerlich, denn dahinter verbirgt sich einfach nur abscheuliges) halte ich für nicht zielführend.

Und nur weil SIE sich niemals in Ihrer Menschenwürde beshcnitten gefühlen haben obschon Sie auf ähnlichem finanziellem Niveau ausharren/kämpfen mussten um vorran zu kommen, bedeutet das nicht, dass Grundsätzlich ein Gewisser materieller Wert vorahnden sein muss um das Gros der Menschen ohne Arbeit nicht nur existentiel am Leben zu erhalten sondenr ihnen auch Zugang zu Kultur und Hobby zu ermöglichen. Dabei muss Mobilität genauso wichtig sein wie die Versorgung des (vorher bereits schon) vorhandenen Haustieres.

Die Lebenschancen müssen im Mittelpunkt stehen

„Die meisten H4-Eltern sind genauso gut oder schelcht wie nicht-h4-Eltern.“

Das habe ich mit keiner Silbe bestritten! Die Tatsache, dass jemand Hartz IV bezieht, sagt nichts über den einzelnen Menschen aus. Es geht allein um die Eltern, die ihre Sorgepflicht für ihre Kinder nicht wahrnehmen. Es geht um Familien, in denen das Kind das einzige Familienmitglied ist, das morgens aufsteht. Und irgendwann steht es dann auch nicht mehr auf. Wenn der Staat dabei zusieht, macht er sich mitschuldig daran, einem Kind die Lebenschancen zu nehmen. Und oft hilft allein der Entzug von Staatsgeldern. Nur weil es sich um eine kleine Gruppe handelt, kann man die Kinder nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.

„Die meitenEltern wissen doch agrnicht welche stellene s gibt an denen man Hilfe bekomen könnte! Sehrwohl können das aber ausgebildete angestellt des Staates, sprich lehrer wissen und sollten dieses Wissen auch an die Eltern tragen“

Die Eltern, um die es hier geht, reagieren doch oft noch nicht mal auf Aufforderungen der Schule, zu einem Gespräch zu kommen. Mein Schwager ist Lehrer an einer Gesamtschule und verzweifelt daran, dass gerade die Eltern der Schüler, die Unterstützung am nötigsten bräuchten, oft vollkommen desinteressiert oder unkooperativ sind.

Und mal am Rande eine Bitte an Sie, Buh: Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Rechtschreibung würde den anderen Foristen das Lesen Ihrer Texte erleichtern. Als Philosophiestudent sollte Ihnen das doch nicht wirklich schwerfallen.

@ # 16 Felicite - Das Problem des Dauerschwänzens lässt sich

aber nicht lösen, wenn man die Eltern pauschal verurteilt und mit Geldentzug bzw. Bußgeldern bestraft. Es sind oft nicht die Eltern, die ihre Kinder vom Schulbesuch abhalten. Am letzten Montag (20.09.2010) konnte man in der HAZ lesen:

"Familiendrama in Hannover-Sahlkamp: Ein 12-Jähriger hat am Montagmorgen mit einem Messer mehrfach auf seine Mutter eingestochen."

http://www.haz.de/Hannove...

Weiter unten heisst es:

"Mutter und Sohn waren am Morgen gegen 8 Uhr in der Wohnung im Stadtteil Sahlkamp in Streit geraten. Der Junge wollte seit einigen Tagen nicht zur Schule gehen, so auch am Montag."

Die Gründe für's Schuleschwänzen mögen vielfältig sein. Es gibt sicherlich auch Gründe, die im Elternhaus liegen, wie z. B. Trennung oder Scheidung, Überforderung usw. Hier sollte Eltern Unterstützung angeboten werden. Was bringen Bußgelder oder Geldkürzungen, wenn sie nicht das Grundproblem angehen? Fälle von massiver Vernachlässigung oder Kindesmisshandlung müssen gesondert betrachtet werden und fallen in der Regel unter das Strafrecht.
Oftmals werden Kinder und Jugendliche aber auch von Schulkameraden gemobbt, "abgezogen" oder körperlich misshandelt, ohne dass sie sich wagen, dies zu sagen und sich der Schule oder ihren Eltern anzuvertrauen. Hier ist auch die Schule in der Verantwortung, die Hindergründe für das Schuleschwänzen aufzuklären und z. B. massives Mobben von Mitschülern abzustellen.

Gruß
Janna

Es geht nicht um pauschale Verurteilung

„Das Problem des Dauerschwänzens lässt sich aber nicht lösen, wenn man die Eltern pauschal verurteilt und mit Geldentzug bzw. Bußgeldern bestraft.“

Da stimme ich Ihnen vollkommen zu. Soweit ich es bisher gelesen habe, geht es auch nicht um eine pauschale Verurteilung, bei der eine bestimmte Fehlstundenzahl zu einem bestimmten Geldabzug führt. Es geht einzig und allein um die Eltern, die sich der Zusammenarbeit mit Schule und Jugendamt verweigern.

Man muss aber zwischen Geldentzug und Bußgeldern unterscheiden. Bußgeldern für Schulverweigerer – das ist die aktuelle Gesetzeslage. Auch wenn es lange Zeit nur zögerlich angewandt wurde, ist das seit langem eine Sanktionsmöglichkeit des Staates, wenn gegen die gesetzliche Schulpflicht verstoßen wird. Auch hier wird natürlich der Anteil der Eltern an dieser Situation berücksichtigt.

In der aktuellen Diskussion geht es um die mögliche Reduktion von Hartz IV für Eltern, die ihrer Verpflichtung, für das Wohl ihrer Kinder zu sorgen, nicht nachkommen. Es passt halt nicht zusammen, wenn man als sorgeberechtigte Eltern vom Staat Geld für Kinder kassiert, die Sorge aber vernachlässigt.

Wie sollte man denn reagieren auf Eltern, die Briefe von der Schule ignorieren, zu keinem Elternsprechtag gehen (oder nur hingehen, um die Lehrer zu beschimpfen) und den Leuten vom Jugendamt erklären, sie sollen sich um ihren eigenen Kram kümmern?

Anhalten zum Schulbesuch ist Elternpflicht

Gerade habe ich ds Buch von Betül Dumaz "Döner, Machos und Migranten. Mein zartbitteres Lehrerleben" gelesen.

Selbstverständlich erwarte ich als derjenige, der Transferleistungen erwirtschaftet, dass die Eltern wenigstens ihre Kinder zur Schule schicken. Wir sprechen hier doch immer von Teilhabe an der Gesellschaft - da darf ich doch auch erwarten, dass an den Pflichten Teilhabe geübt wird. In diesem Fall an den Erziehungspflichten.

Auf gar keinen Fall stimme ich zu, dass wir nun auch noch "geschultes Personal" zur Verfügung stellen, die den Eltern diese Pflicht auch noch abnimmt ("Hier müssten eher die Plätze für betreutes Wohnen ausgebaut werden, damit die Jugendlichen erst einmal zu Hause rauskommen. Geschultes Personal..."

Das ist keine Sippenhaft ("Eltern für die Verfehlungen ihrer Kinder abzustrafen, nenne ich Sippenhaft.") sondern das ist eine Minimalerwartung an diejenigen die, wenn ich es hier recht gelesen habe, trotz grosser eigener Bemühungen leider keine Arbeitsstelle haben.

Menschenwürde

Vermutlich leben viele Geringverdiener, Rentner und Studenten unter dem, was für H4-Empfänger als "menschenwürdig" gefordert wird.
Es ist natürlich verständlich, dass jetzt die Empörung groß ist. Für die Betroffenen geht es um eine Erhöhung ihrer Einnahmen, für die SPD schlicht um Wählerstimmen, die sie jetzt mit einer Änderung von dem erzielen möchte, was sie selbst in die Wege geleitet hat.

Haftung mit Job und Pension

Die Forderung nach dem Verlust von Job und Pension einfach aufgrund des Nichterreichens irgendeines Zieles ist schlicht populistisch und unsinnig.

Weder kann derjenige (wenn es überhaupt eine Person gibt), der solche Gesetze festlegt, die Zielerreichung wirklich sicher beeinflussen (200 Nachhilfestunden pro Monat ergeben nicht zwangsläufig dauerhaft bessere Noten oder einen guten Job) noch ist der Effekt eindeutig messbar.

Ich habe auch noch nie gehört, dass ich von einem Busfahrer meinen Schaden bei Verspätung ersetzt bekomme oder dass eine Krankenschwester Job und Pensionsansprüche verliert, wenn sie eine falsche Tablette gibt. Es ist völlig unsinnig, bei solchen Gelegenheiten immer auf Politiker und Beamte einzudreschen, denn keiner von uns Nichtbeteiligten hätte eine Lösung parat, die machbar ist und von niemandem kritisiert wird.

Na dann bin ich jetzt mal ganz ganz gemein:

" Haftung mit Job und Pension

Die Forderung nach dem Verlust von Job und Pension einfach aufgrund des Nichterreichens irgendeines Zieles ist schlicht populistisch und unsinnig."

"Ich habe auch noch nie gehört, dass ich von einem Busfahrer meinen Schaden bei Verspätung ersetzt bekomme oder dass eine Krankenschwester Job und Pensionsansprüche verliert, wenn sie eine falsche Tablette gibt. Es ist völlig unsinnig, bei solchen Gelegenheiten immer auf Politiker und Beamte einzudreschen, denn keiner von uns Nichtbeteiligten hätte eine Lösung parat, die machbar ist und von niemandem kritisiert wird."

Dann brechen wir doch den Job und die etwaige "Pension" auf die einer Krankenschwester oder der eines Busfahrers runter.

Das erste würde bedeuten: Hartz IV.
Das andere Altersarmut.

*Krokodilsträne wegwisch*