Thilo Sarrazins Äußerungen zur mangelnden Integration muslimischer Einwanderer findet Bundesinnenminister Thomas de Maizière "spalterisch". Zugleich sagte der CDU-Politiker, die Politik habe in der Integrationspolitik der vergangenen Jahre Fehler gemacht. Es gebe "vielleicht 10 bis 15 Prozent wirkliche Integrationsverweigerer", um die man sich verstärkt kümmern müsse, sagte de Maizière. Erstzuwanderer sowie Ausländer, die Transferleistungen erhalten, seien zur Teilnahme an Integrationskursen verpflichtet. "Wer dann diese Verpflichtungen nicht erfüllt, der wird kräftig gemahnt. Und wenn nicht – dann sollte es auch Sanktionen geben, ja."

Auch andere CDU-Politiker sprachen sich für schärfere Strafmaßnahmen aus. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, "verpflichtende Integrationskurse und Einbürgerungstests" gehörten zur Politik seiner Partei. "Für uns ist der Erwerb der deutschen Sprache Grundvoraussetzung für ein gelingendes Miteinander. Auch haben wir Sanktionsmöglichkeiten bei hartnäckiger Integrationsverweigerung geschaffen. Diese müssen konsequent angewandt werden." Ähnlich äußerte sich der der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Michael Fuchs. Die Sanktionsmöglichkeiten würden "noch nicht intensiv genug angewandt. Wenn etwa die Kinder nicht in die Kita oder die Schule geschickt werden, dann muss das mit Hartz-IV-Kürzungen sanktioniert werden."

Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) warf der eigenen Partei dagegen Versäumnisse vor. "Wir tun so, als ob wir uns das erste Mal damit befassen. Die Bundesregierung ist viel zu langsam und setzt nicht das um, was wir schon wissen", sagte sie. Die CDU-Politikerin war von 2000 bis 2001 Vorsitzende der Unabhängigen Kommission Zuwanderung, von 2002 bis 2004 Vorsitzende des Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration.

Süssmuth forderte eine Aufhebung des Anwerbestopps für Zuwanderer und einen Kriterienkatalog für Bewerber aus dem Ausland. "Deutschland braucht kreative Köpfe von außen. Qualifizierte Arbeitskräfte haben wir aber lange bewusst vom Arbeitsmarkt ferngehalten und stattdessen gesagt, sie würden sich nicht integrieren lassen", so die CDU-Politikerin. Deutschland brauche "eine nachhaltige Integration" und einen "Paradigmenwechsel hin zum Einwanderungsland".

Zu Sarrazin sagte Süssmuth, er trage mit seinen Thesen zur "Spaltung der Kulturen" bei. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) warf dem Bundesbank-Vorstand , der mit seiner Entlassung rechnen muss, vor, vulgär sozialdarwinistische Ansichten zu bedienen und damit dem Missbrauch Tür und Tor zu öffnen. Der EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider sagte, er finde es unverantwortlich, wenn Sarrazin Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft pauschal beurteile und verurteile . "Da ist eine rote Linie überschritten, und dagegen müssen wir uns mit aller Macht verwahren."

Ähnlich äußerte sich die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. "Offenbar lässt sich hierzulande mit üblem Rechtspopulismus, der gezielt Aufstachelung und Hetze gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe betreibt, leider immer noch Stimmung machen." Umso wichtiger sei es jetzt, "zu einer ernsthaften und sachlichen Debatte des Themas Integration zu kommen. Denn nur einseitig zu spalten und Emotionen zu schüren, hilft niemandem weiter."

Die Linke-Vorsitzende Gesine Lötzsch sieht die Ursachen für Defizite bei der Integration von Migranten gerade auch in den Hartz-IV-Gesetzen. "Dass es bei der Integration noch viele offene Fragen gibt, ist kein Geheimnis. Die soziale Situation von vielen Migranten ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Politik von Konservativen, Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen. Sie haben Gesetze wie Hartz IV beschlossen, die eine Integration in die hiesige Gesellschaft sowohl für Migranten als auch für viele Deutsche unmöglich machen", sagte Lötzsch.