Gerade schien sich die schwarz-gelbe Bundesregierung etwas gefangen zu haben. Bei der Präsentation des Energiekonzeptes überstrahlte eitel Sonnenschein die bislang oft so zerstrittenen Fraktionen von Union und FDP. Und auch das Megaprojekt Wehrpflicht-Aussetzung kam ziemlich geräuschlos über die Runden. Trotz anhaltend miserabler Umfragewerte konnte man den Eindruck gewinnen, dass es für Schwarz-gelb jetzt wieder aufwärts geht.

Dann kam Erika Steinbach – und nun Marie-Luise Dött. Auch wenn ihr Name in der Öffentlichkeit wenig bekannt sein dürfte: Die Unionspolitikerin aus Nordrhein-Westfalen, laut Bundestags-Homepage "Unternehmerin, Gemmologin und Diamantgutachterin", ist Vorsitzende der Arbeitsgruppe Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie ist auch in Wirtschaftskreisen gut vernetzt, sitzt seit 1995 im Bundesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU, und gilt mithin als sehr wirtschaftsfreundlich. Immer wieder erhob sie die Stimme, wenn es galt, die Unternehmen vor allzu hohen Belastungen durch den Umweltschutz zu bewahren.

Was Frau Dött am Mittwoch dieser Woche auf einem von dem FDP-Wirtschaftspolitiker Paul Friedhoff im Bundestag initiierten Diskussionsabend zu den Auswirkungen des Klimaschutzes auf die Wirtschaft geäußert hatte, lässt nicht nur Umweltaktivisten und Klimaschützern den Atem stocken. Denn Marie-Luise Dött, die sonst im Dienste ihrer Fraktion offiziell für den Klimaschutz streitet, demaskierte sich als Klimaskeptikerin und fiel der Kanzlerin auf einem ihrer zentralen Politikfelder massiv in den Rücken.

Klimaschutz, so wird sie von der Financial Times Deutschland zitiert , sei eine "Ersatzreligion". Diejenigen, die es wagten, daran zu zweifeln, "können geächtet werden, die müssen eventuell auch beichten, die müssen dann ins Fegefeuer oder kommen sogar in die Hölle, wenn sie ganz schlimm sind". Von freier Wissenschaft könne keine Rede sein, sagte sie, gemünzt auf die Klimaforscher. Deutschland gehe mehr und mehr einen Sonderweg. "Mir macht es Spaß, hier innerhalb der FDP zu sein", bekannte sie auch noch.

Redner auf der Veranstaltung des FDP-Politikers Friedhoff war auch der hoch betagte, amerikanische Meteorologe Fred Singer, einer der Gurus der amerikanischen Klimaskeptiker-Bewegung, die entweder die Tatsache der Erderwärmung generell leugnet, oder zumindest einen entscheidenden menschlichen Anteil am Klimawandel. Singer wird vorgeworfen, nicht nur das Klimaproblem auf unwissenschaftliche Weise zu relativieren, sondern gilt auch als hartnäckiger Streiter gegen eine Überregulierung der Tabakindustrie.

Nicht das Klima sei das Problem, erklärte Singer laut FTD in seinem "Impulsreferat" zu Friedhoffs Klima skeptischer Talkrunde, sondern "die Leute, die Gesetze machen, um das Klima zu schützen". Politiker, "die das Klima retten wollen, zerstören die Wirtschaft". Dann wetterte Singer, dem vorgeworfen wird, Lobbyist der US-Öl- und Tabakindustrie zu sein – was er bestreitet – über die Kopenhagener Klimakonferenz und das Kyoto-Abkommen. Und die Daten des Welt-Klimarates seien "wahrscheinlich gefälscht".

Singers Fazit: Das Klima ändere sich immer, werde mal wärmer, mal kälter. All dies habe wenig oder nichts mit dem Menschen zu tun. CO2, das wichtigste Klimagas, sei, weil Dünger, gut für den Menschen. "Wir sollten den Chinesen dankbar sein." Dött fand Singers Ausführungen "sehr, sehr einleuchtend", notierte die FTD .