Eine verzweifelte Frau hat in Lörrach ihren ehemaligen Partner und den gemeinsamen Sohn getötet. Anschließend zündete sie ihre Büroräume an, in denen sie zeitweise auch schlief, und lief in einem benachbarten Krankenhaus Amok. Vier Tote, darunter sie selbst, und drei Verletzte sind das Ergebnis ihrer Gewalttaten .

Während der Tat führte sie eine Pistole mit sich, mit der sie wild um sich schoss. Außerdem wurden am Tatort etwa 300 Schuss Munition vorgefunden.

Die Täterin, so viel weiß die Staatsanwaltschaft bislang, war bis zum Jahr 1996 Mitglied in einem Schützenverein in Moosbach, nahe Heilbronn. Ob sie nach dieser Zeit in einen anderen Verein eintrat, wird noch geprüft. Im Landkreis Lörrach, wo sie vor der Tat wohnte, war sie nach Angaben des Deutschen Schützenbundes nicht Mitglied eines Schützenvereins.

Dennoch hatte sie vier Sportwaffen in ihrem Besitz, drei Gewehre und die Tatwaffe. Nun dürfte eine Debatte aus dem vergangenen Jahr wieder aufflammen.

Damals, nach dem Amoklauf in Winnenden , wurde unter anderem darüber diskutiert, Schusswaffen generell nicht mehr in den Wohnungen der Schützen, sondern in den Vereinsheimen zu lagern .

Am Ende einigte sich die große Koalition lediglich darauf, den ordnungsgemäßen Verschluss der Waffen in speziellen Schränken stärker zu kontrollieren.

Wolfgang Wieland, Sprecher für Innere Sicherheit der Grünen Bundestagsfraktion, wiederholte darum eine alte Forderung seiner Partei, Sportwaffen aus privaten Wohnungen zu verbannen. Es müssten "sichere Unterbringungsmöglichkeiten in den Schützenhäusern geschaffen werden", sagte Wieland. 

Die Parteichefin der Grünen, Claudia Roth, warf der Regierung Versäumnisse beim Waffenrecht vor. "Es ist ein skandalöser Umstand, dass wir anderthalb Jahre nach Winnenden schon wieder um die Opfer eines tragischen Amoklaufs trauern müssen", sagte Roth. Sportwaffen müssten aus privaten Wohnungen verbannt werden. "Waffen haben zu Hause nichts zu suchen."

Millionen legale Waffen befänden sich in Deutschland in Privatbesitz, kritisierte Roth. "Während die schwarz-gelbe Bundesregierung vor der Waffenlobby und den Schützenverbänden einknickt und sich konsequenten Waffenverboten verweigert, bleiben die tödlichen Schusswaffen in Privathaushalten tickende Zeitbomben, die Menschenleben gefährden."

In Deutschland werden schätzungsweise zehn Millionen Waffen und noch mehr Millionen Schuss Munition in Wohnungen und Häusern gelagert.

Für Jürgen Kohlheim, Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes, hat das ganz praktische Gründe. Er sagte ZEIT ONLINE, die deutschen Vereinshäuser, die oft an Ortsrändern oder im Wald gelegen seien, würden als zentrale Lager interessant für Kriminelle aller Art. Unmöglich, diese rund um die Uhr zu bewachen.