Hamburger Bildungsstreit "Für das eigene Kind zu streiten, ist doch ganz normal"Seite 2/2
ZEITONLINE: Wieso konnten Sie mit Ihren Ideen wie der verhinderten sechsstufigen Primarschule Teile der Partei und vor allem viele Wähler nicht mitnehmen? Auch an durchgesetzten Reformen wie zum Beispiel dem G8 gibt es Kritik.
Weinberg: Es ist so, dass das traditionelle Hamburger Schulsystem seit Jahrzehnten bekannt und bei den Bürgern in weiten Teilen beliebt ist. Wir konnten vielen Wählern nicht vermitteln, wo die Vorteile eines neuen Systems liegen. Die Veränderungen kamen sehr schnell und abrupt auf die Eltern zu. Das hat viele Wähler überrascht, weil man bei uns noch vor wenigen Jahren Schulpolitik anders definiert hat.
ZEIT ONLINE: Sie sprechen davon, Gleichmacherei nicht zu wollen, aber plädieren doch für langes gemeinsames Lernen, in den Stadtteilschulen sogar von Klasse 1 bis 13. Wie passt das zusammen?
Weinberg: Es gibt diese durchaus erfolgreichen Modelle in Hamburg schon, wo die Kinder und Jugendlichen von Klasse 1 bis 10 gemeinsam lernen. Es spricht nichts gegen Freiheit und Vielfalt des Schulsystems. Der entscheidende Punkt jedoch war der, dass das weder flächendeckend noch erzwungen werden sollte. Möglicherweise war es bei der Primarschulreform auch ein Fehler, es flächendeckend machen zu wollen. Auch das wollten die Hamburger nicht.
ZEIT ONLINE: Welche Chance geben Sie den Stadtteilschulen, eine ernsthafte Konkurrenz zu den Gymnasien zu werden?
Weinberg: Die Stadtteilschule mit dem Abitur nach 13 Jahren halte ich für den eigentlichen Kern der Reform. Für viele Eltern und Kinder ist die längere Variante von 13 Jahren bis zum Abitur eine gute Variante, da es mehr Zeit und Raum für den Bildungsweg der Kinder gibt. Für andere Eltern und Kinder ist das Abitur schon nach zwölf Jahren der richtige Weg. Aber die Stadtteilschule hat mehr zu bieten, als nur das Abitur nach 13 Jahren – gerade in Hinblick auf den mittleren Bildungsabschluss. Wir sollten häufiger auch über diese Abschlüsse reden.
ZEIT ONLINE: Wie kann man sich die Transformation der Haupt-, Real- und Gesamt- zu Stadtteilschulen konkret vorzustellen? Gibt es Beispiele für Sanierungen?
Weinberg: Es ist ja nicht so, dass wir die Veränderungen von heute auf morgen vornehmen müssen. Es wird kleinere Schulen geben, die nicht weiterlaufen können, andere wie die großen Gesamtschulen schon. Es wird auch Zusammenschlüsse geben. Wie das im Detail aussieht, wird gerade geklärt. Aber dass eine gute Ausstattung gewährleistet sein muss, steht außer Frage.
ZEITONLINE: Was ist Ihre persönliche Haltung zum Elternverein "Wir wollen lernen", den Gegnern der Primarschule?
Weinberg: Ich unterstelle jedem Elternteil, nur das Beste für das eigene Kind und alle Kinder in Hamburg zu wollen und respektiere die Positionen der Initiative. Für das eigene Kind zu streiten und die Politik zu kritisieren ist doch ganz normal. Seit dem 18. Juli ist das Thema Primarschule jedoch auch entschieden. Wir haben nicht überzeugen können und werden jetzt den Volksentscheid umsetzen. Das sind wir den Eltern schuldig.
Das Interview führte Konstantin L. Kasakov
- Datum 07.09.2010 - 13:25 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 11
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




dass die Unterstellung von Herrn Weinberg, dass jeder Elternteil das Wohl ALLER Kinder in Hamburg im Auge hat, vollkommen verfehlt ist. Den Vorteil des eigenen Kindes, ja, das ist korrekt, die frühe Selektierung auf Gymnasien für den eigenen Nachwuchs, der von zu Hause aus die besten Chancen mitbringt, und die frühestmögliche Ausselektierung jener, die da (nach eigener Ansicht)eigentlich nichts zu suchen haben. Man möchte halt unter sich bleiben in der "upper class" oder was sich so dazuzählt. Fakt ist, dass zu über 90 % jenes Bildungsbürgertum bei der Bürgerabstimmung präsent war, deren Kinder vor der "Unterschicht" bewahrt werden soll. Die Kinder jener vermeintlichen "Unterschicht", haben das Nachsehen, weil ihren Eltern oftmals die Aufklärung oder die Motivation fehlt, an einer solchen Abstimmung teilzunehmen. Es geht bei einem solchen Bürgerentscheid mitnichten um das Gemeinwohl, sondern ausschließlich um den Vorteil des eigenen Nachwuchses.
Sie haben überhaupt nicht verstanden, worum es bei der Verhinderung der Primarschule überhaupt ging, sonst würden Sie nicht die langweilige Klassenkampfkeule schwingen.
Es geht um optimale Förderung aller Schüler, nicht um gleiche Förderung aller Schüler.
Es geht um die Bedrohung des erfolgreichen Gymnasiums (die glücklicherweise oft von den Schülern besucht werden, die Sie für benachteiligt halten) gegen Gleichmacherei.
Bildungsgerechtigkeit kann nicht mit gleichgeschalteten Schulen erreicht werden, sondern mit der gezielten Förderung der schwachen (nein - nicht der armen!) Schüler.
Aber der Unterschied von schwach/arm und stark/reich ist noch nie durch Ideologen durchdrungen oder verstanden worden.
Daran krankt ja gerade unsere Gesellschaft.
Sie haben überhaupt nicht verstanden, worum es bei der Verhinderung der Primarschule überhaupt ging, sonst würden Sie nicht die langweilige Klassenkampfkeule schwingen.
Es geht um optimale Förderung aller Schüler, nicht um gleiche Förderung aller Schüler.
Es geht um die Bedrohung des erfolgreichen Gymnasiums (die glücklicherweise oft von den Schülern besucht werden, die Sie für benachteiligt halten) gegen Gleichmacherei.
Bildungsgerechtigkeit kann nicht mit gleichgeschalteten Schulen erreicht werden, sondern mit der gezielten Förderung der schwachen (nein - nicht der armen!) Schüler.
Aber der Unterschied von schwach/arm und stark/reich ist noch nie durch Ideologen durchdrungen oder verstanden worden.
Daran krankt ja gerade unsere Gesellschaft.
Sie haben überhaupt nicht verstanden, worum es bei der Verhinderung der Primarschule überhaupt ging, sonst würden Sie nicht die langweilige Klassenkampfkeule schwingen.
Es geht um optimale Förderung aller Schüler, nicht um gleiche Förderung aller Schüler.
Es geht um die Bedrohung des erfolgreichen Gymnasiums (die glücklicherweise oft von den Schülern besucht werden, die Sie für benachteiligt halten) gegen Gleichmacherei.
Bildungsgerechtigkeit kann nicht mit gleichgeschalteten Schulen erreicht werden, sondern mit der gezielten Förderung der schwachen (nein - nicht der armen!) Schüler.
Aber der Unterschied von schwach/arm und stark/reich ist noch nie durch Ideologen durchdrungen oder verstanden worden.
Daran krankt ja gerade unsere Gesellschaft.
ist in sehr erfolgreichen "Gleichmacher"-Schulen in Hamburg und auch in Schl.-H. mittlerweile (nämlich Gesamtschulen)belegt, dass in vielen Kindern, die mit 10 sonst nach unten selektiert worden wären und folglich in allen Fächern auf niedrigerem Niveau GLEICHMACHEND unterrichtet worden wären, mehr steckt, sie es weiter bringen, als ihnen mit 10 zugetraut wurde und überraschend häufig einen höheren Schulabschluss schaffen, als ursprünglich für sie vorgesehen. Dies wird geschafft durch binnendifferenzierten Unterricht, durch Förderung des Kindes bei seinen individuellen Talenten, durch Anwesenheit von zwei Lehrern in den Hauptfächern usw. Schule muss sich auf die Kinder zubewegen, nicht die Kinder in das Schema Schule gepresst werden. Die sakrosankte Selektrierung mit 10 Jahren bedient die alte Klassengesellschaft von vor 150 Jahren und verschwendet unglaublich viel Potential. Dies wird mittlerweile gottseidank vielerorts erkannt und den guten Gesamtschulen werden die Türen eingelaufen. Das spricht für sich.
ist in sehr erfolgreichen "Gleichmacher"-Schulen in Hamburg und auch in Schl.-H. mittlerweile (nämlich Gesamtschulen)belegt, dass in vielen Kindern, die mit 10 sonst nach unten selektiert worden wären und folglich in allen Fächern auf niedrigerem Niveau GLEICHMACHEND unterrichtet worden wären, mehr steckt, sie es weiter bringen, als ihnen mit 10 zugetraut wurde und überraschend häufig einen höheren Schulabschluss schaffen, als ursprünglich für sie vorgesehen. Dies wird geschafft durch binnendifferenzierten Unterricht, durch Förderung des Kindes bei seinen individuellen Talenten, durch Anwesenheit von zwei Lehrern in den Hauptfächern usw. Schule muss sich auf die Kinder zubewegen, nicht die Kinder in das Schema Schule gepresst werden. Die sakrosankte Selektrierung mit 10 Jahren bedient die alte Klassengesellschaft von vor 150 Jahren und verschwendet unglaublich viel Potential. Dies wird mittlerweile gottseidank vielerorts erkannt und den guten Gesamtschulen werden die Türen eingelaufen. Das spricht für sich.
das ist doch gar nicht das Kriterium, sondern vor zuviel Dummheit anderer Kinder, die das Lernen meiner Kinder behindert.
Die Dummheit kann dabei auch durchaus aus der Oberschicht kommen.
Deshalb war ich immer ein Befürworter für Aufnahmenprüfungen. Wer sie nicht schafft, sollte nicht auf das Gymnasium gehen.
Meine Eltern hatten auch nur Volkschulbildung, zu Hause war Plattdeutsch die Hauptsprache, trotzdem schaffte ich vor gut 45 Jahren die Aufnahmeprüfung für ein humanistisches Gymnasium. Es geht doch bei hinreichender Intelligenz.
Unser Filius II hatte keine Gymnasialempfehlung bekommen. Trotzdem drauf. Nach anfänglichem Hänger dann doch der Anschluss. Heute (12. Kl.) Leistungskurs Mathe und auch sonst keine Probleme. Im Gegenteil.
Bei einer Aufnahmeprüfung wär das anders gelaufen.
(Ich hab mal im TV einem Mob der Hamburger Initiative vorm Mikro gesehen: ziemliche Hetzmeute, »Bildungspräkariat« ist mir in Erinnerung geblieben. Kann ich drauf verzichten, auf dieses elitäre Gehabe.)
Das Problem bei echten Störfaktoren in den Schulklassen ist nicht, dass Hineingelangen selbiger sondern das Nicht-wieder-loswerden.
Unser Filius II hatte keine Gymnasialempfehlung bekommen. Trotzdem drauf. Nach anfänglichem Hänger dann doch der Anschluss. Heute (12. Kl.) Leistungskurs Mathe und auch sonst keine Probleme. Im Gegenteil.
Bei einer Aufnahmeprüfung wär das anders gelaufen.
(Ich hab mal im TV einem Mob der Hamburger Initiative vorm Mikro gesehen: ziemliche Hetzmeute, »Bildungspräkariat« ist mir in Erinnerung geblieben. Kann ich drauf verzichten, auf dieses elitäre Gehabe.)
Das Problem bei echten Störfaktoren in den Schulklassen ist nicht, dass Hineingelangen selbiger sondern das Nicht-wieder-loswerden.
ist in sehr erfolgreichen "Gleichmacher"-Schulen in Hamburg und auch in Schl.-H. mittlerweile (nämlich Gesamtschulen)belegt, dass in vielen Kindern, die mit 10 sonst nach unten selektiert worden wären und folglich in allen Fächern auf niedrigerem Niveau GLEICHMACHEND unterrichtet worden wären, mehr steckt, sie es weiter bringen, als ihnen mit 10 zugetraut wurde und überraschend häufig einen höheren Schulabschluss schaffen, als ursprünglich für sie vorgesehen. Dies wird geschafft durch binnendifferenzierten Unterricht, durch Förderung des Kindes bei seinen individuellen Talenten, durch Anwesenheit von zwei Lehrern in den Hauptfächern usw. Schule muss sich auf die Kinder zubewegen, nicht die Kinder in das Schema Schule gepresst werden. Die sakrosankte Selektrierung mit 10 Jahren bedient die alte Klassengesellschaft von vor 150 Jahren und verschwendet unglaublich viel Potential. Dies wird mittlerweile gottseidank vielerorts erkannt und den guten Gesamtschulen werden die Türen eingelaufen. Das spricht für sich.
"...durch Anwesenheit von zwei Lehrern in den Hauptfächern usw. ..."
Erst wenn diese Voraussetzung auch für alle Gymnasien zutrifft, kann man über eine Überlegenheit der Gesamtschulen reden.
Bis dahin gilt die These: Gesamtschulen sind nur dann erfolgreicher als Gymnasien wenn man ihnen mehr Lehrerstunden, kleinere Lerngruppen und eine bessere räumliche und sächliche Ausstattung beschert.
"...durch Anwesenheit von zwei Lehrern in den Hauptfächern usw. ..."
Erst wenn diese Voraussetzung auch für alle Gymnasien zutrifft, kann man über eine Überlegenheit der Gesamtschulen reden.
Bis dahin gilt die These: Gesamtschulen sind nur dann erfolgreicher als Gymnasien wenn man ihnen mehr Lehrerstunden, kleinere Lerngruppen und eine bessere räumliche und sächliche Ausstattung beschert.
Zwei anwesende Lehrer pro Klasse benötigt man?
Manche Schulen sind heute schon froh,
wenn sie jeden Tag auch nur einen Lehrer in jede Schulstunde schicken können.
Übrigens, meine Kinder und auch ich selbst bin mit einem anwesenden Lehrer ausgekommen.
Intelligente und einigermaßen gut erzogenen Kinder kommen mit einem Lehrer aus. Das ist für den Staat dann auch billiger.
Den weniger Intelligenten und weniger gut erzogenen gönne ich auch gern zwei Lehrer pro Schulstunde. Aber da mussten meine Kinder nicht dabei sein und ich damals vor über 40 Jahren auch nicht.
der Rest der Welt, oder?!? Ist dieses Land irgendwie verseucht, weil hier angeblich mehr dumme Kinder auf die Welt kommen als anderswo. Andere Länder gehen davon aus, dass alle Kinder - mit oder ohne Migratgionshintergrund, Elternhaus gar nicht berücksichtigt - irgend eine Begabung haben und lassen das Selektieren mit 10 Jahren. Deutschland, dein Schulsystem ist die hausgemachte Dummheit. In einer multikulturellen Gesellschaft ist dieses System Schnee von gestern
der Rest der Welt, oder?!? Ist dieses Land irgendwie verseucht, weil hier angeblich mehr dumme Kinder auf die Welt kommen als anderswo. Andere Länder gehen davon aus, dass alle Kinder - mit oder ohne Migratgionshintergrund, Elternhaus gar nicht berücksichtigt - irgend eine Begabung haben und lassen das Selektieren mit 10 Jahren. Deutschland, dein Schulsystem ist die hausgemachte Dummheit. In einer multikulturellen Gesellschaft ist dieses System Schnee von gestern
"...durch Anwesenheit von zwei Lehrern in den Hauptfächern usw. ..."
Erst wenn diese Voraussetzung auch für alle Gymnasien zutrifft, kann man über eine Überlegenheit der Gesamtschulen reden.
Bis dahin gilt die These: Gesamtschulen sind nur dann erfolgreicher als Gymnasien wenn man ihnen mehr Lehrerstunden, kleinere Lerngruppen und eine bessere räumliche und sächliche Ausstattung beschert.
Es gibt schon Klassen mit 50 Schülern. Der Unterricht wird in Form von Vorlesungen angeboten. Viele ältere Lehrer haben sich schon dauerkrank gemeldet. Nächstes Jahr soll es noch schlimmer werden.
.
Meine Spitzbübin (Fächer: Mathe / Deutsch) hat einen Job in der Industrie. Sie sagt, wenn der Berliner Senat Voraussetzungen schaffen würde, um die Probleme zu lösen, anstatt sie schönzureden, würden nur 399 Lehrer fehlen.
.
Ich (Fächer: Mathematik, Physik, DaF) bestätigte: Es wären nur 398 Lehrer, die fehlten.
Es sei einmal dahingestellt, ob das gescheiterte Hamburger Modell nun sehr gut oder eben nicht war. Aber:
Blättern wir uns einmal durch den Wald der aktuell tobenden Debatten bezüglich Integration und insbesondere der dort allgemein vertretenen Thesen, wie z.B. obligatorischem Kita-Besuch aller Kinder und Veränderungen im Schulsystem...
Man könnte zu der Einschätzung kommen, daß sich das konservative (Hamburger) Bürgertum in diametralen Positionen verirrt hat. Morgens wird gegen Primarschule und "Gleichmacherei" demonstriert und Abends gegen ein unzureichend integrierendes Bildungssystem gewettert.
Integration und sozialen Frieden wird man nicht erreichen, wenn derart vorgeht.
Wie gesagt: Dies soll kein Plädoyer für existierende Zustände (weder hier noch da) sein, aber wir müssen aufhören, Politik- und Gesellschaftsbereiche je nach Gusto zu betrachten und benötigen z.B. ein Bildungssystem, welches einerseits einen sehr guten Start ins Leben ermöglicht UND gesellschaftlich integrativ wirkt.
__________________________
Randbemerkung:
So unverstehbar es ist, daß von motivierten und gut ausgebildeten Lehrer/innen erwartet wird, unter Bedingungen zu arbeiten, die man durchaus als Frechheit bezeichnen kann, so falsch ist eine Haltung, daß ERST Probleme zu lösen seien, bevor sich die an staatlichen Universitäten ausgebildeten Damen und Herren bequemen, den von ihnen gewählten Beruf zum Wohle unserer Kinder auszuüben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren