Deutschland muss sparen – nicht nur bei Euro und Cent, sondern auch bei Strom und CO2 . Dies hat die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept festgelegt , wenn auch in einem weitaus weniger drastischen Umfang als ursprünglich geplant . Dennoch: Wohnungen und Häuser sollen so saniert werden, dass sie weniger Energie verschwenden. Dies dürfte nicht nur Eigentümer und Vermieter, sondern auch Mieter künftig deutlich höhere Kosten bescheren.

Damit rechnet Bundeskanzlerin Angela Merkel, die es befürworten würde, wenn die Hauseigentümer einen größeren Teil der Investitionen für eine bessere Wärmedämmung der Gebäude auf die Miete umlegen könnten. "Das findet natürlich auf den ersten Blick nicht jeder gut", sagte sie der Süddeutschen Zeitung . "Aber es ist doch verständlich, dass sich solch eine Investition in die Zukunft sowohl für den Vermieter als auch für den Mieter lohnen muss."  Merkel äußerte die Sorge, "dass viele Menschen zwar von immer mehr Wind- und Sonnenenergie träumen, aber nicht bereit sind, den für unsere Ziele notwendigen fundamentalen Umbau unserer Infrastruktur zu unterstützen".

Später schwächte sie ihre Interviewäußerung ab und sagte, es gehe nicht darum, "irgendwelche Preise in die Höhe zu treiben", sagte sie. Anreize sollten so gesetzt werden, dass es sich für Eigentümer von Häusern oder Wohnungen lohne, eine Wärmedämmung durchzuführen.

Zugleich gehe es darum, "dass klar wird, dass der Mieter, dadurch, dass er weniger Energiekosten hat, auch insgesamt eine geringere Warmmiete hat". Es müsse eine Balance geschaffen werden zwischen den Investitionen der Eigentümer und den Vorteilen für die Mieter, die sie aus der energetischen Sanierung zu ziehen.

Dem widerspricht der Deutsche Mieterbund (DMB) und hält die Forderung für "nicht nachvollziehbar und nicht zu Ende gedacht". Nach Angaben von Ulrich Ropertz, Sprecher des Mieterbundes, stiegen die Mieten schon nach heutiger Rechtslage im Sanierungsfall meist so stark, dass dies durch gesunkene Heizkosten nicht ausgeglichen werde.

Derzeit kann ein Vermieter elf Prozent seiner Kosten für die Energiesanierung eines Gebäudes – also etwa bessere Dämmung oder Austausch von Fenstern – als Mieterhöhung weitergeben. Wie eine Ausweitung der Rechte von Vermietern aussehen könnte, ist bislang noch völlig unklar.

Die FDP unterstützt Merkels Aussagen. "Es geht nicht darum, die Kosten des Klimaschutzes einseitig auf die Mieter abzuwälzen", sagte der FDP-Fraktionsvize Patrick Döring. "Bisher profitiert vor allem der Mieter von einer energetischen Sanierung, weil die Nebenkosten sinken; der Vermieter hat hingegen hohe Sanierungskosten, profitiert aber nicht von den Energieeinsparungen." Deshalb seien solche Sanierungsmaßnahmen für viele Eigentümer unattraktiv, auch zum Schaden der Mieter, die unnötig hohe Nebenkosten zahlen müssten, wenn die Sanierung nicht erfolge.

Die Kanzlerin verteidigte auch das Energie- und Klimakonzept insgesamt , das das Kabinett jüngst beschlossen hatte und das unter anderem längere Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke vorsieht. Merkel findet die Bezeichnung "Revolution" für die Pläne auch noch immer "angemessen". Die Regierung wolle damit bis 2050 zwischen 80 und 95 Prozent der CO2- Emissionen einsparen. "Das ist ein großer qualitativer Sprung in die Energiezukunft."

Die CDU-Chefin verwahrte sich gegen Vorwürfe, sie habe mit den vier großen Energiekonzernen Geheimverträge geschlossen und sei von den Atombossen über den Tisch gezogen worden. "Die Behauptung ist nun wirklich völlig daneben", sagte sie. Vielmehr seien die Unternehmen an "wesentlichen Grundentscheidungen aus guten Gründen überhaupt nicht beteiligt" gewesen. Dies gelte bei der Frage nach der Laufzeitverlängerung und Gewinnabschöpfung sowie bei strengeren Sicherheitsstandards. All dies habe man den Konzernen vorgegeben, "denn da gibt es nichts zu verhandeln".