Röttgen contra Laschet Punktsieg für Muttis Klügsten

Armin Laschet und Norbert Röttgen kämpfen um den CDU-Vorsitz in NRW. Mehr Beifall erhält beim ersten Rededuell vor der Basis der Bundesumweltminister.

Norbert Röttgen (l.) mit Armin Laschet (M.) und dem bisherigen CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers

Norbert Röttgen (l.) mit Armin Laschet (M.) und dem bisherigen CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers

An dem runden Stehtisch im Vorraum der Stadthalle Hiltrup steht es zunächst 2:1 für Armin Laschet. Drei Männer im besten Alter stippen ihre Bouletten in den Senf. "Wir brauchen jemand, der im Landtag Rederecht hat", sagt Peter Kempker, Stadtrat im münsterländischen Ibbenbüren, ein kräftiger großer Mann mit grau-braunen Locken. Sein Fraktionsgenosse Norbert Westphal pflichtet ihm bei.

Der weißhaarige CDU-Ortsvorsitzende von Ostbevern, Eduard Silge, ist anderer Meinung. Er wünscht sich für seine Partei "Jugend und Frische". Und die verspricht er sich eben nicht vom früheren nordrhein-westfälischen Integrationsminister, sondern von dem smarten Umweltminister aus Berlin, Norbert Röttgen. Einig sind sich die Drei jedoch in anderer Hinsicht: Die Basis werde zu wenig gehört, klagen sie.

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Mit der Veranstaltung, zu der die drei Herren an diesem Abend gekommen sind, versucht die CDU allerdings, es genau in dieser Hinsicht einmal anders zu machen. Der Landesverband in Nordrhein-Westfalen braucht einen neuen Vorsitzenden, zwei Kandidaten stehen zur Auswahl und nun sollen die Mitglieder entscheiden.

Zur ersten von insgesamt acht Regionalkonferenzen, auf denen die Konkurrenten für sich werben wollen, sind mit rund 700 CDU-Mitgliedern und Gästen so viele Interessierte gekommen, dass längst nicht alle einen Sitzplatz finden. Für die kommenden Veranstaltungen gibt es ähnlich viele Anmeldungen. Abgestimmt wird dann im Oktober.

Um acht nach sieben betreten die beiden Matadore den Ring – angeführt von dem Mann, der im Moment noch das Amt innehat, das beide nun anstreben: Jürgen Rüttgers. Er wolle ein Moderator des Übergangs sein, hatte der nach der verlorenen Landtagswahl im Mai gesagt. An diesem Abend übernimmt er diese Rolle im wörtlichen Sinne.

Beide Kandidaten gaben sich im Vorfeld siegesgewiss. Röttgen, der sich in Berlin den spöttischen Spitznamen "Muttis Klügster" eingehandelt hat, setzt auf seine bundespolitische Bekanntheit. Laschet kann auf die Unterstützung wichtiger Landespolitiker verweisen. Auf dem Podium allerdings ist es der Umweltminister, der schon in den ersten Minuten mehr Selbstsicherheit ausstrahlt. Weit zurück gelehnt sitzt er auf seinem Stuhl, während Laschet nervös in seinen Unterlagen blättert.

Per Losverfahren wurde zuvor bestimmt, dass Laschet die Debatte eröffnen darf. Beiden Kandidaten stehen 15 Minuten für ihre Selbstdarstellung zu.

Laschet schwenkt zunächst auf die große historische Linie ein. Er schildert, wie er mit 18 in die CDU eintrat, geworben von einem Pfarrer aus dem NS-Widerstand. Erzählt von seiner Begeisterung für den jungen Helmut Kohl und davon, wie die CDU schon damals gegen die Einheitsschulpläne der SPD gekämpft habe.

Er versucht aber auch zu erklären, was heute anders ist. Damals, in den 70er und 80er Jahren sei der Standpunkt der CDU schon wegen des Ost-West-Konflikts eindeutig gewesen. "Zu Zeiten der Ost-West-Konfrontation wussten wir immer, wir stehen auf der Seite der Freiheit", sagt er. So einfach sei es heute nicht mehr. Deswegen müsse Politik künftig wieder stärker aus den christdemokratischen Grundwerten heraus erklärt werden.

Zum Abschluss seines Statements kommt er dann aber doch darauf zu sprechen, warum er sich selbst für den besseren Kandidaten hält. Weil er seine ganze Kraft für die Landespolitik einsetzten könne, weil er Zeit habe an der Basis zu sein, aber auch weil er Landesinteressen im Bund vertreten könne.

Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Diskussion und achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke. Die Redaktion/km

  2. Schon lange nicht mehr habe ich eine so vernünftige und ausgewogene Haltung bei einem Politiker erlebt.
    In meinen Augen ist Röttgen erstaunlich frei von Dogmen jeglicher couleur.
    Das prädestiniert ihn für Höheres.
    Ich für meinen Teil kann nur sagen: Weiter so, Herr Röttgen.

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    Hoffendlich läßt er sich später nicht von der Lobby beeinflußen.

    Hoffendlich läßt er sich später nicht von der Lobby beeinflußen.

  3. Hoffendlich läßt er sich später nicht von der Lobby beeinflußen.

  4. .... ich glaube eher er ist in der falschen Partei... auch er wird igendwann weggelobt werden....weil die, die ihn gutfinden sich inhaltlich bereits als Wähler anderer Parteien festgelegt haben.
    Nachhaltigkeit ist in der CDU ein Fremdwort geworden. Siehe Umwelt-,Bildungs-, Immigranten- Sozial- etc., dafür Konzern-, Banken- und US-republikanische Politik an Gewicht gewonnen hat.
    Es wird zwar noch von Sozialer Marktwirfschaft lammentiert, aber in der Umsetzung schmückt man sich nur mit alten Orden....

    • WHF
    • 02.09.2010 um 10:34 Uhr

    Ich kann meinen Vorkommentatoren nicht bei pflichten. Ich sehe den auftritt und seine Rede als groß inszenierter PR-Auftritt. Gewand im Auftreten, Gewand in der Sprache, aber sehr leicht zu durchschauen. Die Luft in Berlin wird Rauer und dünner, deshalb versucht Herr Röttgen den Absprung. Die Frage nach Lobby ist einfach zu beantworten, sehen sie die vielen Lobbisten die sein Ministerium täglich besuchen? Dann werden sie wissen wie es in NRW mit Herrn Röttgen wird. Ein al glatter machthungriger Machtmensch, dies ist Herr Röttgen.
    Danke

  5. ... könnten Sie sich eine Artikel-Überschrift wie "Punktsieg für Papis Klügsten" früher unter der Kohl- oder Schröder-Regierungszeit vorstellen? Unabhängig davon, wie man zu Merkels Politik steht: Mit gutem, neutralem Journalismus hat eine solche Formulierung nicht das Geringste gemein.

    • Chilly
    • 02.09.2010 um 10:59 Uhr

    ein paar Jahren selbst beantwortet, als der als (gutdotierter) Hauptgeschäftsführer des BDI vorgesehen war und zugleich sein Bundestagsmandat behalten wollte.

    Ich verstehe nach wie vor nicht, wie ein so durch und durch Konservativer wie Röttgen als "modern" gilt. Zugegeben: Er kann gut und geschliffen formulieren und denkt manchmal etwas weiter um die Ecke als die meisten Politiker. Aber deshalb ist er nicht wirklich "modern".

    Ich kann zwar gut verstehen, dass ein Politiker wir Röttgen, der sich auf dem heiklen politischen Parkett in Berlin bestens zu bewegen weiss, in den Medien weit besser ankommt, als ein vergleichsweise robuster Armin Laschet, der im Übrigen auch nicht modern ist. Ich sehe dieses "Hochschreiben" von Röttgen allerdings als erneuten Großversuch der Medien, wiedereinmal aktive Politik zu betreiben: Nur mit einem gestärkten Röttgen gibt es eine klare Schwarz-Grüne Perspektive, die ein Lieblingsprojekt vieler politischer Journalisten ist. Ferner scheint ein starker Röttgen der einzige zu sein, der ev. die Verve hätte, nach einer Niederlage der CDU (mit Machtverlust) in Baden-Württemberg einen Putsch gegen "Mutti" zu organisieren und möglicherweise zu obsiegen. Das gebe Schlagzeilen und Auflage, da wäre wirklich was los und zu berichten.

    CHILLY

  6. Laschet oder Röttgen, das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wer mehr Muslime und Moscheen in NRW haben möchte, wählt selbstverständlich Armin Laschet. Wer der Meinung ist, dass wir in unserem Land viel zu wenige von den nutzlosen aber äußerst teuren Windrädern haben, entscheidet sich für Norbert Röttgen. Da darf sich die CDU allerdings nicht wundern, dass sie für einen großen Teil der Bürger überhaupt nicht mehr wählbar ist.

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