KonjunkturWesterwelle fordert höhere Löhne in Deutschland

Nach Kanzlerin und Wirtschaftsminister macht sich auch der FDP-Chef für ein Lohnplus stark. Arbeitgeber und Gewerkschaften kritisieren die Einmischung. von dpa und AFP

Vize-Kanzler Guido Westerwelle fordert nun auch nach höheren Löhnen

Vize-Kanzler Guido Westerwelle fordert nach Kanzlerin Merkel nun auch nach höheren Löhnen  |  ©Fabrizio Bensch/Reuters

Angesichts der gut laufenden Konjunktur in Deutschland hat FDP-Chef Guido Westerwelle höhere Löhne für die Arbeitnehmer gefordert. "Wenn die Wirtschaft wächst und dieses Wachstum Substanz und Dauer hat, dann sollten die Früchte dieses Aufschwungs auch bei den Menschen ankommen, die hart dafür gearbeitet haben", sagte der Außenminister dem Hamburger Abendblatt .

Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hatten sich bereits in den letzten Wochen für eine Lohnsteigerung ausgesprochen. Brüderle verwies bereits auf das Ende der Krise und betonte, dass kräftige Lohnerhöhungen möglich seien, wenn die Wirtschaft boome. Merkel unterstützte den Vorstoß ihres Wirtschaftsministers: "Das ist natürlich etwas, was Buchstabe für Buchstabe die Bundeskanzlerin ganz genauso sieht", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert.

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Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften kritisierten die Einmischung der Politiker in den Tarifverhandlungsprozess. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, wies den Vorstoß für deutlich höhere Löhne scharf zurück. "Mit der pauschalen Forderung kann ich nichts anfangen, ich halte das für sehr gefährlich". Zwar spreche angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung nichts gegen Lohnerhöhungen. "Umgekehrt darf man aber auch nicht vergessen, dass die deutsche Wirtschaft auf Massenentlassungen verzichtet hat, als es der Konjunktur im letzten Jahr schlecht ging", sagte Zimmermann. Auch sei die wirtschaftliche Lage nicht in allen Branchen gleichermaßen gut. "Es wird deshalb auf Augenmaß ankommen."

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und DGB-Chef Michael Sommer zeigten sich irritiert über die Forderung der Regierungspolitiker. Hundt erwiderte Brüderle: "Das Tarifergebnis für die Stahlindustrie kann auf keinen Fall Maßstab für andere Bereiche sein. Darin sind wir uns mit den Gewerkschaften einig." DGB-Chef Sommer stellte klar, dass Lohnerhöhungen allein die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern aushandelten.


 

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Leserkommentare
  1. ..., dass er so etwas "fordert".

    Aber wir wissen doch alle, wie ernst er das meint. Was schert ihn in 6 Monaten, das Geschwätz von heute. LOL

  2. eine so große Antipathie für einen Politiker gehabt. Hoffentlich sind er und sein Verein recht schnell Geschichte.

    Denn mittlerweile will ich GAR NICHTS mehr von ihm hören, auch wenn es gut gemeint sein sollte.

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    • joG
    • 16. Oktober 2010 19:13 Uhr

    Weil er glaubt höhere Löhne für die Arbeitenden seine gut?

    • Sirjony
    • 16. Oktober 2010 19:27 Uhr

    Vielleicht haben Sie zu viele Medien genutzt.
    Man kann nur schwer abstreiten, dass v.a. die links(liberalen)
    Medien eine Hetzjagd auf Westerwelle veranstaltet haben.
    Dabei hat er auch Mist gebaut, aber die Abneigung ist übertrieben.

    Ach ja - was mir bei dem Bild spontan einfiel, war die Haltung von Körper und Arm. Sicher hat er nur gewunken ...

    Ansonsten: Guido, damit rettest Du nichts mehr.
    Die seit 10 Jahren überfällige Forderung ist zwar richtig, aber aus diesem Munde unglaubwürdig.

    • Gerry10
    • 16. Oktober 2010 18:17 Uhr

    ...sonst nichts.
    Kuchen für das aufgebrache Volk, ruhig gestellt mir 3% vielleicht sogar 4% mehr in der Tasche, die man ihnen aber hinten über mehr Steuern oder Staatsschulden wieder weg nimmt.
    Sonst nichts.

  3. ... interessanter sind doch die Kommentare der üblichen Verdächtigen Zimmermann & Co. Und wo ist eigentlich das Zitat der Gewerkschafter, die ja ebenfalls eine Einmischung nicht so doll finden?

    1. Aber wenns um Lohnzurückhaltung und Kurzarbeitergeld geht, darf sich der Staat einmischen.

    2. Ist von der Arbeitgeberseite auch immer pauschal nach Lohnzurückhaltung gerufen worden, jetzt darf es die Gegenseite nicht?

    Hab ich irgendwo einen sachlichen Grund gelesen? Ich glaube nein.

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    • joG
    • 16. Oktober 2010 19:19 Uhr

    ....auf die Vorwürfe aus den anderen EU Ländern zu reagieren, die zu geringe Löhne thematisiert hatten als einen Grund für die Schwierigkeiten der Importländer. Man sagt, Deutschland würde daher weniger importieren und so die Wirtschaftskrise auf dem Rücken der Anderen zu überwinden suchen.

  4. Natürlich sind Angela Merkel und ihr Brüderle für Lohnerhöhungen. Bei dem herrschenden Steuersystem landen die Lohnerhöhungen sofort als Steuereinnahme beim Staat. Der verbleibende Rest wird zum Ausgleich der Strompreiserhöhungen, Nebenkostenerhöhungen etc. verbraucht. Angesichts des ungehemmten Wachstums des Niedriglohnsektors ist die Forderung von Merkel, Westerwelle und Brüderle kaum zu überbietender Zynismus. Die Unternehmen können die Hausaufgaben nicht machen, die von der Regierung liegengelassen werden.

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    Sie haben völlig recht Herr Korfstroem,

    es ist die Gier nach Lohnsteuer und es ist ein unerträglicher Populismus.

    Der DGB ist nur deswegen dagegen, weil er ausgerechnet von den ihm unliebsamen Parteien aufgefordert wird, das zu tun, was der DGB gern selbst möchte.

  5. http://www.youtube.com/wa...

    christian Springer alias fonsi

  6. 7. Achso

    ""Umgekehrt darf man aber auch nicht vergessen, dass die deutsche Wirtschaft auf Massenentlassungen verzichtet hat, als es der Konjunktur im letzten Jahr schlecht ging", sagte Zimmermann. "

    Nein, wie sozial die Wirtschaft doch ist---

    Dafür Kurzarbeitergeld kassiert und seit Jahren die Löhne bis runter auf Aufstockerniveau gedrückt.

    • joG
    • 16. Oktober 2010 19:13 Uhr

    Weil er glaubt höhere Löhne für die Arbeitenden seine gut?

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