Angesichts der gut laufenden Konjunktur in Deutschland hat FDP-Chef Guido Westerwelle höhere Löhne für die Arbeitnehmer gefordert. "Wenn die Wirtschaft wächst und dieses Wachstum Substanz und Dauer hat, dann sollten die Früchte dieses Aufschwungs auch bei den Menschen ankommen, die hart dafür gearbeitet haben", sagte der Außenminister dem Hamburger Abendblatt .

Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle hatten sich bereits in den letzten Wochen für eine Lohnsteigerung ausgesprochen. Brüderle verwies bereits auf das Ende der Krise und betonte, dass kräftige Lohnerhöhungen möglich seien, wenn die Wirtschaft boome. Merkel unterstützte den Vorstoß ihres Wirtschaftsministers: "Das ist natürlich etwas, was Buchstabe für Buchstabe die Bundeskanzlerin ganz genauso sieht", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert.

Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften kritisierten die Einmischung der Politiker in den Tarifverhandlungsprozess. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, wies den Vorstoß für deutlich höhere Löhne scharf zurück. "Mit der pauschalen Forderung kann ich nichts anfangen, ich halte das für sehr gefährlich". Zwar spreche angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung nichts gegen Lohnerhöhungen. "Umgekehrt darf man aber auch nicht vergessen, dass die deutsche Wirtschaft auf Massenentlassungen verzichtet hat, als es der Konjunktur im letzten Jahr schlecht ging", sagte Zimmermann. Auch sei die wirtschaftliche Lage nicht in allen Branchen gleichermaßen gut. "Es wird deshalb auf Augenmaß ankommen."

Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und DGB-Chef Michael Sommer zeigten sich irritiert über die Forderung der Regierungspolitiker. Hundt erwiderte Brüderle: "Das Tarifergebnis für die Stahlindustrie kann auf keinen Fall Maßstab für andere Bereiche sein. Darin sind wir uns mit den Gewerkschaften einig." DGB-Chef Sommer stellte klar, dass Lohnerhöhungen allein die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern aushandelten.