Großes Showkämpfen im Bundestag. Dass die Debatte um das schwarz-gelbe Atomgesetz keine Kuschelveranstaltung werden würde, war im Vorhinein klar. Doch dass sie mit einem Nazivergleich endete (ob gefühlt oder tatsächlich wird noch zu klären sein), ist zumindest ungewöhnlich.

Geht es nach dem FDP-Abgeordneten Jörg van Essen, haben die Grünen Schuld am Eklat. Zur Abstimmung im Plenum war deren gesamte Fraktion in schwarzer Kleidung erschienen, am Revers trugen viele Abgeordnete ein gelbes X – das Symbol der Castorgegner im Wendland. Für van Essen überschritt das die Grenze des Zumutbaren. "Es hat keinem Parlament in der Geschichte gutgetan, wenn eine Fraktion einheitlich gekleidet aufgetreten ist", sagte er in seiner Rede vor den Abgeordneten.

Thomas Jarzemborek, ein Düsseldorfer Unionsabgeordneter, schrieb schon vorher auf Twitter: " Geplante Zugangsblockaden zum Plenum, geschlossen uniformierter Auftritt der Fraktion – haben die Grünen aus der Geschichte nichts gelernt? " Im ersten Teil spielte Jarzemborek auf die Menschenkette rund um den Reichstag an, zu der verschiedene Anti-Atomkraft-Gruppen am Morgen aufgerufen hatten.

Der Grünen-Abgeordnete Harald Terpe twitterte wiederum von seinem iPhone: " Das ist ein starkes Stück: FDP-Geschäftsführer van Essen vergleicht uns GRÜNE mit NSDAP ." Terpes Fraktionskollege Uwe Kekeritz nannte es "eine Unmöglichkeit, dass ein Kollege die grüne Fraktion direkt oder indirekt in die Nähe der Nazizeit stellt". Kekeritz forderte van Essen auf, sich vor dem gesamten Plenum zu entschuldigen.

Doch von uniformierten Nazis will van Essen gar nicht gesprochen haben. Er habe Bilder "vom chinesischen Volkskongress über die Sandinisten in Nicaragua und Schwarzhemden in Italien" im Kopf gehabt, sagte er nach seiner Rede sueddeutsche.de .

Auf so feinsinnige Unterscheidungen wollte sich in der hitzigen Debatte niemand einlassen. Thomas Oppermann, Fraktionsgeschäftsführer der SPD, sagte im Anschluss: "Der angedeutete Vergleich mit der nationalsozialistischen Fraktion im Reichstag ist völlig unangemessen." Im Plenum will Volker Beck, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen, sogar Zwischenrufe aus den Reihen der Union gehört haben, in denen das Wort "Faschisten" vorkam.

Für Peter Altmaier, Geschäftsführer der Unionsfraktion, war "die Verkleidungsaktion ein Klamauk". Altmaier sprach sich gegenüber ZEIT ONLINE dagegen aus, "das jetzt weiter zu thematisieren. Dadurch würde die Aktion ja nur noch aufgewertet". Auch die Oppositionsfraktionen sind nicht uneingeschränkt glücklich über den Auftritt der Grünen. Thomas Oppermann betont: "Das Parlament ist der Ort des Arguments und nicht der Aktion."