"Geschlossen uniformierter Auftritt der Fraktion – haben die Grünen aus der Geschichte nichts gelernt?", twitterte ein Unionsabgeordneter während der Atomdebatte am Donnerstag aus dem Bundestag. Der grüne Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck holzte zurück : "Habe ich Sie gerade richtig verstanden: sie stellen Grüne und Nazis gleich? Erwarte Entschuldigung."

Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook schaffen den Abgeordneten einen neuen Kommunikationskanal. Was sie früher allenfalls im Plenarsaal dazwischenriefen, können sie nun in 140 Zeichen der ganzen Welt mitteilen. Außerhalb der Kontrolle des Bundestagspräsidenten. Verändern sie damit die Debattenkultur? Brauchen wir gar Verhaltensregeln für twitternde Abgeordnete?

Zunächst einmal: Die Bundestagstweets sind keine moderne Form des Zwischenrufs. Anders als ein mündlicher Einwurf erfordern sie den Umweg über technische Geräte, ein internetfähiges Mobiltelefon zum Beispiel. Doch Herbert Wehner wäre wohl kaum von der FAZ zum "König der Zwischenrufer" ernannt worden, hätte er auf einem Blackberry getippt. Und hätte Joschka Fischer geschrieben: "Mit Verlaub, der @bundestagspräsident ist ein Arschloch"?

Was auf Twitter veröffentlicht wird, kann auch deshalb nicht Beitrag zur Debatte sein, weil es außerhalb ihrer Sphäre stattfindet. Nicht nur dem Redner ist jede Möglichkeit genommen, unmittelbar zu reagieren. Auch das Publikum kann höchstens indirekt mitkommunizieren. Dieses Problem könnten auch Leinwände, auf denen die Textnachrichten aller Abgeordneten angezeigt werden ( zum Beispiel über eine Twitterwall ), nicht abhelfen.

Statt also jetzt über neue Regeln nachzudenken, sollten wir uns lieber freuen. Die semispontanen Kurznachrichten schaffen eine neue Form der Öffentlichkeit. Demokratischer, weil theoretisch alle Internetnutzer mit wenigen Tastenanschlägen ins Parlament zurückfunken können. Und transparenter, weil die Äußerungen der Abgeordneten leicht zugänglich im Netz archiviert werden.

So gesehen wäre es tatsächlich nützlich, wenn die Tweets der Abgeordneten während laufender Debatten auf www.bundestag.de gesammelt würden. In den Plenarprotokollen werden bislang nur die mündlichen Zwischenrufe notiert, doch ganz ehrlich: Wer hat die 244 Seiten der Atomdebatte vom Donnerstag gelesen?

Auf Twitter hat ZEIT ONLINE die User gefragt: "Sollten Tweets von Abgeordneten während einer Bundestagsdebatte denselben Regeln unterliegen wie Zwischenrufe?" Einige Antworten dokumentieren wir im Folgenden. Hier können Sie außerdem über das Thema abstimmen .

Veröffentlichung von Abgeordnetentweets auf bundestag.de wohl etwas weitgehend; aber denkbar Aggregator ähnlich www.juratweet.de
@kriegs_recht
Ne Twitterwall im Bundestag? Das wär wüst. ^^ Aber dann würd ich die Debatten auch live gucken...
@fischblog