CDUDes Altkanzlers mahnende Worte

Zum Jubiläum des CDU-Einigungsparteitages spricht Helmut Kohl seiner verunsicherten Partei Mut zu. Auch für die Bundeskanzlerin hat er einige Tipps parat. von 

Kurz bevor der Altkanzler in den Festsaal geschoben wird, wird es still. Die Augen der rund 1000 Gäste richten sich auf die Tür. Helmut Kohl sitzt aufrecht in seinem Rollstuhl. Er trägt einen schwarzen Anzug mit gelber Krawatte und schaut mit wachem Blick in den Raum. Er wirkt bewegt, als Applaus aufbrandet.

An diesem herbstlich kühlen, aber sonnigen Freitag begeht die CDU das Jubiläum ihres Vereinigungsparteitages. Vor genau 20 Jahren schlossen sich die christlich-demokratischen Parteien aus Ost und West in Hamburg feierlich zusammen, zwei Tage bevor die Deutsche Einheit offiziell besiegelt wurde. Auch die DDR-Gruppierung Demokratischer Aufbruch, der die heutige Kanzlerin Angela Merkel angehörte, war dabei. An all dies soll nun im Palais am Funkturm in Berlin erinnert werden.

Viele alte Weggenossen sind gekommen, wie der ehemalige CSU-Vorsitzende und Finanzminister Theo Waigel. Auch Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth ist da. Ebenso wie Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Für den 80-jährigen Kohl ist das Anlass für einen seiner selten gewordenen Auftritte. Er ist gesundheitlich angeschlagen. Doch es ist ihm ein Herzensanliegen. Er möchte etwas zur Situation seiner CDU sagen und auch zur Politik der Kanzlerin, seiner Ziehschülerin. Ein Zeitungsinterview gab er bereits, heute will er persönlich zu seiner Partei sprechen. Er wirkt gesammelt und ein wenig robuster als noch bei seinen letzten Auftritten.

Die Deutsche Einheit lässt er in seiner rund zwanzigminütigen Ansprache schnell hinter sich. Nein, es geht ihm um das Hier und Heute und um die Zukunft seiner angeschlagenen Partei. Einen Satz sagt Kohl daher gleich zweimal. "Die CDU ist kein Auslaufmodell, die CDU bleibt ein Zukunftsmodell." Durch schlechte Umfragewerte solle sich die Partei nicht entmutigen lassen, betont der Altkanzler.

Nicht immer ist er gut zu verstehen, manchmal verschluckt er die Wörter, einmal muss seine Frau Maike Kohl-Richter aufs Podium flitzen und ihm das Redemanuskript zurechtrücken. Doch an den entscheidenden Punkten wird Kohl laut und deutlich.

"Lassen wir uns doch nicht einreden, dass konservativ und fortschrittlich Gegensätze sind. Das Gegenteil ist wahr: Konservativ und fortschrittlich sind zwei Seiten einer Medaille", ruft er in den Raum. Die Partei sei nicht zerstritten, die Partei diskutiere. "Und wer das abtut, der hat keine Ahnung vom Leben einer Partei." Applaus brandet auf.

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Das dürfte Merkel gefallen, schlägt sie sich doch derzeit mit einer Debatte über das angeblich fehlende konservative Profil der Union herum. Vor Beginn der Veranstaltung hatte Kohl ihr außerdem zur Begrüßung die Hand geküsst.

Doch das Verhältnis der beiden ist schon allein der Geschichte wegen nicht ungetrübt. Schließlich entmachtete Merkel ihren jahrelangen Mentor und Unterstützer auf dem Höhepunkt der CDU-Parteispendenaffäre.

Leserkommentare
  1. schützt seine Amigos vor Strafverfolgung. Ob ehemaliger Bundeskanler oder nicht, ob Verdienste oder nicht, in allgemeinen Strachgebrauch kann man das durchaus als kriminell betrachten. Ich wunder mich immer wieder über Einladungen die er erhält, und auch darüber, dass seine Worte in der Presse Erwähnung finden.

    • optun
    • 01. Oktober 2010 21:24 Uhr
    3. Unsinn

    Kohl ist nicht der Kanzler der Einheit, sondern das waren die Herren Bush Senior und Gorbatschow. Kohl war zur Zeit gerade Kanzler.
    Kohl sein großer Fehler war, sich über alles hinweg zu setzen, keinen zu fragen und einfach auf dem´Gebiet der DDR rücksichtlos die DM einzuführen. Das war der Todesstoß der Wirtschaft der DDR und das war auch bezweckt. Es hätte, ohne das die Einheit gefährdet wäre, auch anders verlaufen können, so Experten der früheren DDR Herr Most und Herr Dr. Gebhardt.
    Es nützt doch nichts, wenn Kohl jetzt vehement die DDR als Unrechtstaat bezeichnet. Dieser Kampfbegriff, und das weiß Kohl, ist ein Wahlschlager aus dem Adenauerhaus. Er wirkt aber nicht, weil die Menschen merken, warum dieser Begriff heute soviel gebraucht wird.
    Er soll von den augenblicklichen großen Problemen in diesem Land ablenken. Die CDU weiß nichts Anders.

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    Kohl hat sich mit seiner Variante der Verinigung der beiden Teile Deutschlands zum Knecht der Wirtschaft gemacht, für die der Osten doch ausschließlch als Absatzmarkt interessant war. Das Schicksal der Menschen war ihm schlichtweg gleichgültig, so wie es die Menschen der derzeitigen Regierung sind, vor allem die ärmsten unter ihnen. Davon können auch noch so blumige Sprüche nicht ablenken. Vielleicht ist er deshalb so schnell über dieses Thema hinweggegangen.
    Daß er die Kanzlerin tadelte, sein Mädchen, ist doch auch nur eine Retourkutsche für seine Entmachtung.
    Von seine großen Coup, seinem letzten Wahlsieg mit Hilfe der Rußlanddeutschen schweigt er lieber ganz.

    • gkf1964
    • 02. Oktober 2010 12:41 Uhr

    nicht der Tatsache das Herr Dr. Kohl, Kraft seines Amtes, als dieser bezeichnet werden kann und darf.

    Ebenso obliegt dem FinMin Steinrück, welcher Wortgewand eine Reduzierung des Staatsdefizites herbeiführen wollte, dieses aber alleine bei der Aussage blieb, Kraft seines Amtes, der Titel "grösster Schuldenmacher" der BRD.

    Beides ist, unwiederruflich, mit den Tatsachen der jeweiligen Amtszeit verbunden.

    Das die Ami's, schon damals klamm waren und das gegenseitige Aufrüsten nicht mehr finanzieren konnten, trug ggfs. dazu bei.

    Jedoch muss man Herrn Dr. Kohl für seine Bemühungen zur Wiedervereinigung ein grosses Lob aussprechen.

    • TomFynn
    • 01. Oktober 2010 22:00 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen an der Diskussion und verzichten Sie bitte auf Beleidigungen. Die Redaktion/cs

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    • TomFynn
    • 01. Oktober 2010 22:54 Uhr

    kann ich nur sagen: Wenn mein Kommentar zensiert wurde,
    ist das der beste Beweis dafür, das er zutreffend war.

    • CM
    • 01. Oktober 2010 22:02 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit auf Argumenten basierenden Beiträgen an der Diskussion. Die Redaktion/cs

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    • CM
    • 02. Oktober 2010 18:36 Uhr

    ...wenn die Argumente nicht erkennbar sind und gelöscht werden.

    Daher noch einmal in einfacherer Sprache:

    Das Verhältnis zwischen Kohl und Merkel ist sicher schon einmal besser gewesen, zum Beispiel bevor sie ihn stürzte. Für den Sturz Kohls gab es damals gute Gründe, zum Beispiel den Überlebenswillen der Union.

    Heute ist die Lage der Union jedoch noch bedeutend schlechter, und Frau Merkel hat erheblich dazu beigetragen, weil sie das Kohlsche Gleichgewicht der Macht nicht verinnerlicht und in die Praxis umgesetzt sondern durch eine Personalpolitik im Stil einer Schwarzen Witwe ersetzt hat: wer sie bedrohte besetzt heute kein bedeutendes Amt mehr.

    Wenn Helmut Kohl heute Angela Merkel und die Lage der Union betrachtet müßte er also sowohl aus persönlichen Gründen als auch aus Sicht der Union sagen, daß es ein Fehler war, ihr in den Sattel zu helfen.

    Wenn er dabei Deutschland betrachtet würde ich ihn verstehen wenn er erst recht den Kopf schüttelt.

  2. Migration drehen. Sonst habe ich ja keine hohe Meinung von Herrn Kohl, aber die Aussage trifft es ziemlich genau. Die Debatte um 'Multi-Kulti' und anderen irrationale Ängste lenkt nur von der eigentlichen sozioökonmischen Problematik ab. Es gibt in diesem Land für 3 Millionen Menschen keine Jobs und diese Menschen werden immer weiter ausgegrenzt. Es gibt diese Jobs einfach nicht und für einen großen Teil dieser drei Millionen wird sich das auch nicht ändern, egal wie sehr sie sich bemühen. Vollbeschäftigung wird es nie geben, nicht in einem privatwirtschaftlichen Kapitalismus. Unabhängig, ob man diesen gut oder schlecht findet, sollte man endlich mal anfangen über Alternativen nachzudenken.

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    Die CDU ist nämlich hauptsächlich für diese Umstände verantwortlich und Hr. Kohl hat das erkannt und versucht nun, wie immer typisch für die CDU, obwohl man dem Hr. Kohl noch immer eine Form von politischem Instinkt zuschreiben kann, den Karren mit heuchlerischem, übringens wie häufig in der Vergangenheit, und wehleidigen bis hin zur Denunzierung des menschlichen Intellekts auf die ordentlichen Bahnen zu lenken wie sie immer für die CDU funktioniert haben; nur scheint er nicht mehr völlig up to Date zu sein, den wenn er es wäre, wäre ihm aufgefallen,das seine politische Ziehtochter und die anderen verantwortlichen Personen in der CDU auf eine Art und Weise durch die politische Landschaft ziehen, daß selbst dem Teufel schlecht wird.

    Aber immerhin, dies ist nun warlich einzig und allein sein Verdienst, denn er hat es ihnen ja in vorzüglicher Weise vorgemacht, aber scheinbar nicht mit in Betracht gezogen, daß es auch Menschen gibt die zu Dilettantismus neigen und das ist in der Bevölkerung, die wesentlich mehr auf der Höhe der Zeit ist, momentan nun gar nicht gefragt und wird hoffentlich auch zur Neujustierung in der politischen Landschaft beitragen, so daß nicht die Straßen, Häuser und fassaden blühen, sondern die gesamte Bevölkerung im Geiste!

  3. der offen gegen Verfassung und Gesetz verstossen hat. Seit dem gibt es eine lange Reihe Spenden- und Korruptionsskandale und Ehrenwortaffären. Auch wenn er heute nur noch ein Mitleid erregender alter Mann ist, kann ich ihm nicht verzeihen, dass er mit Spendenaffäre und Schwarzgeldkonten sich 8 Jahre Regierungszeit zu unrecht erschlichen hat. Wie man jemanden der mehrfach seinen Amtseid gebrochen hat, der sein Ehrenwort über die Verfassung stellt, auf die er mal einen Eid geschworen hat und der zutiefst in den Sumpf um schwarze Kassen, illegale Konten und Wahlbetrug verstrickt ist, einen Ehrenplatz in der deutschen Geschichte zubilligt, läßt tief in den Zustand unserer politischen Klasse blicken.

    Da er mit allem ungestraft davon gekommen ist, setzen seine Nachfolger diese üble Tradition fort. Sie missachten die Verfassung und das BVerfG. Richtig widerlich wird es, wenn wie heute, die Aura des christlichen beschworen wird, parallel dazu aber diejenigen der Gesellschaft, die wenig haben gegen die, die gar nichts haben aufgehetzt werden.
    An Scheinheiligkeit ist das nicht mehr zu überbieten und es ist mir ein absolutes Rätsel, wie Wähler dieser Partei noch vor ein Kreuz in der Kirche treten können, ohne vor Scham im Boden zu versinken.

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    • jugen
    • 02. Oktober 2010 8:02 Uhr

    der uns mit Schaffung der Treuhand um viele Milliarden Steuergelder gebracht hat, die er den Banken und Konzernen zugeschustert hat.
    http://smotri.com/video/view/?id=v1526502751c

    Er hat gelogen und betrogen.
    http://www.youtube.com/watch?v=cNkKYLmEi0A

    Er hat uns die nach Artikel 146 zugesicherte Freiheit durch einen Friedensvertrag und einer eigenen Verfassung verweigert.
    Statt dessen sind wir weiterhin nur eine im Handelsregister eingetragene GmbH unter Kontrolle der Siegermächte.

    Nein, vor so jemandem habe ich keinerlei Respekt.

  4. Kohl hat sich mit seiner Variante der Verinigung der beiden Teile Deutschlands zum Knecht der Wirtschaft gemacht, für die der Osten doch ausschließlch als Absatzmarkt interessant war. Das Schicksal der Menschen war ihm schlichtweg gleichgültig, so wie es die Menschen der derzeitigen Regierung sind, vor allem die ärmsten unter ihnen. Davon können auch noch so blumige Sprüche nicht ablenken. Vielleicht ist er deshalb so schnell über dieses Thema hinweggegangen.
    Daß er die Kanzlerin tadelte, sein Mädchen, ist doch auch nur eine Retourkutsche für seine Entmachtung.
    Von seine großen Coup, seinem letzten Wahlsieg mit Hilfe der Rußlanddeutschen schweigt er lieber ganz.

    Antwort auf "Unsinn"

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