Zuwanderung Merkel auf einer Linie mit Seehofer

Die Kanzlerin sieht keinen Grund, den CSU-Chef zurecht zu weisen. Dessen Aussagen zur Zuwanderung seien "nachvollziehbar". Auch Seehofer selbst verteidigte seine Haltung.

CSU-Chef Horst Seehofer

CSU-Chef Horst Seehofer

Angela Merkel (CDU) stützt Horst Seehofer nach dessen Forderung nach einem Zuwanderungsstopp für Türken und Araber implizit – und zwar derart, dass sie dem CSU-Chef nicht widerspricht. "Die Bundeskanzlerin hat heute Morgen sehr ausführlich mit Herrn Seehofer telefoniert, und er hat ihr seine Motivation und seine Betrachtung der Dinge geschildert. Das war für sie nachvollziehbar", sagte Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach. "Insofern gibt es da keinen weiteren Dissens." Es sei selbstverständlich, dass sich der bayerische Ministerpräsident zu dem Thema äußere.

Auf die Kritik Seehofers am Integrationswillen von Türken und Arabern und seine Ablehnung zu weiterer Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen ging sie nicht direkt ein. Heimbach sagte: "Ich denke, dass überhaupt kein Zweifel an dem Willkommen der Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen besteht."

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Deutlichere Worte fand zuvor die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer. Es gehe nicht an, "Menschen aus einem anderen Kulturkreis unter einen Generalverdacht zu stellen", sagte die CDU-Politikerin. "Das grenzt aus und läuft allen Integrationsbemühungen zuwider." Sie sei "sehr schockiert" über die Äußerungen ihres Unionskollegen.

Gegen solch massive Kritik verteidigte sich der bayerische Ministerpräsident und relativierte zugleich seine Äußerungen. Er habe sich "ausschließlich mit der Forderung nach Erleichterungen für den Zuzug von Fachkräften beschäftigt", sagte er in München nach dem Gespräch mit der Kanzlerin. Er habe "darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass man Sorgen und Probleme in der Bevölkerung ernst nimmt, damit die politisch radikalen Kräfte in der Bundesrepublik keine Chance haben". Eine Entschuldigung bei der Türkischen Gemeinde in Deutschland lehnte er deswegen ab. "Ich habe – und das ist meine Pflicht – ganz sachlich Fragestellungen für die Zukunft beschrieben, auch Schwierigkeiten, die wir zu bewältigen haben." Das Wort "Zuwanderungsstopp" habe er nicht in den Mund genommen.

Auch Merkel versuchte, die Debatte auf eine arbeitsmarktpolitische Ebene zu heben und forderte mit Blick auf die EU-Freizügigkeit 2011, im Kampf gegen Fachkräftemangel vor allem auf Arbeitslose zu setzen. "Wenn es um Fachkräfte geht, sollten wir – und das ist auch die Überzeugung der Bundeskanzlerin – das vorhandene Potenzial ausschöpfen", ließ die Kanzlerin über ihre Sprecherin Heimbach mitteilen. "Wir haben immer noch eine Arbeitslosenzahl von rund drei Millionen. Wir haben eine große Zahl von Langzeitarbeitslosen." Sie fügte hinzu, dass keine rechtlichen Änderungen geplant seien.

Ähnlich äußerte sich CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Es ist nicht nur die Haltung seines Parteivorsitzenden, sondern der gesamten CSU, dass der Fachkräftemangel zuallererst mit der Qualifizierung der eigenen Bevölkerung gelöst wird", sagte er. Wenn das nicht ausreiche, stehe den deutschen Unternehmen "ein riesengroßer europäischer Binnenmarkt zur Verfügung, mit Fachkräften aus dem europäischen Kulturkreis". "Diese Menschen sind leichter integrierbar in Deutschland als diejenigen, die fremden Kulturkreisen angehören."

Angesichts der scharfen und parteienweiten Kritik an Seehofers Äußerungen äußerte Friedrich "den Verdacht, dass die Grünen und die Sozialisten eine Rechtspartei in Deutschland provozieren wollen", da sie "ein Feindbild" bräuchten. "Wir werden aber eine Partei rechts von der Union nicht ermöglichen", fügte der CSU-Landesgruppenvorsitzende hinzu.

 
Leser-Kommentare
  1. Mir gefällt der Ansatz, vorhandenes potential zu nutzen.

    Warum die Türkische Gemeinde eine Entschuldigung fordert ist mir schleierhaft - geht die Aussage doch meiner Meinung nach weder gegen ein Volk, noch gegen eine Kultur, sondern fordert eher eine Maßnahme zu beibehaltung der Situation...

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    • joG
    • 11.10.2010 um 15:01 Uhr

    ...ein anderes Land seine Einwanderung beschränkte und der dortige Präsident würde explizit die Deutschen und Sudanesen herausstreichen, die es zu beschränken gälte, weil deren Kultur sich mit der Leitkultur nicht vertrüge?

    • joG
    • 11.10.2010 um 15:01 Uhr

    ...ein anderes Land seine Einwanderung beschränkte und der dortige Präsident würde explizit die Deutschen und Sudanesen herausstreichen, die es zu beschränken gälte, weil deren Kultur sich mit der Leitkultur nicht vertrüge?

  2. Also irgendwie drehen sich alle wie die Fahnen im Wind.
    Eine Klare Linie ist wohl zu viel verlangt..

  3. Langsam geht einem das Thema Islam, Christentum, Integration von Muslimen u.s.w. auf den Senkel. Denn wenn man die Komentare dazu liest wird einem normal denkenden Menschen der hier durchaus glücklich lebt, dazu zähle ich mich, schwindelig was so alles wahr und unwahr ist. So wie es ausieht, macht Religion alles nur noch schwerer. Schade eigentlich.

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    dürfte in diesem Fall wohl recht einfach sein: das Aufkommen einer rechten Partei nach niederländischem und auch österreichischem Vorbild muss in Deutschland nach Kräften verhindert werden.

    Mit Religion oder gar Glaubensüberzeugung hat das eher wenig zu tun. Aber wenn schon "die anderen" ihre Religion, oder das, was sie eigentlich ausmacht, so gern missverstehen, warum sollte man da nicht auch bei den _Christ_demokraten mal fünfe gerade sein lassen, und sich ein wenig außerhalb der christlichen Botschaft bewegen?

    dürfte in diesem Fall wohl recht einfach sein: das Aufkommen einer rechten Partei nach niederländischem und auch österreichischem Vorbild muss in Deutschland nach Kräften verhindert werden.

    Mit Religion oder gar Glaubensüberzeugung hat das eher wenig zu tun. Aber wenn schon "die anderen" ihre Religion, oder das, was sie eigentlich ausmacht, so gern missverstehen, warum sollte man da nicht auch bei den _Christ_demokraten mal fünfe gerade sein lassen, und sich ein wenig außerhalb der christlichen Botschaft bewegen?

  4. Wenn die Zeiten wirtschaftlich (und auch sonst) schlechter werden, ist es für die Mächtigen und ihre Handlanger immer gut, ein paar Sündenböcke zur Hand zu haben, um die Wut der Leute abzulenken - da hat sich also nicht viel geändert.
    [...]

    Link gelöscht. Bitte beachten Sie, dass wir auf Inhalte dieser Art nicht verlinken möchten. Danke. /Die Redaktion pt.

  5. dürfte in diesem Fall wohl recht einfach sein: das Aufkommen einer rechten Partei nach niederländischem und auch österreichischem Vorbild muss in Deutschland nach Kräften verhindert werden.

    Mit Religion oder gar Glaubensüberzeugung hat das eher wenig zu tun. Aber wenn schon "die anderen" ihre Religion, oder das, was sie eigentlich ausmacht, so gern missverstehen, warum sollte man da nicht auch bei den _Christ_demokraten mal fünfe gerade sein lassen, und sich ein wenig außerhalb der christlichen Botschaft bewegen?

    Antwort auf "Lansam reichts"
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    Sind sie mir nicht böse, soweit habe ich bei meinem Beitrag nicht gedacht. Ich gebe Ihnen Recht, eine rechtspopulistische Partei sollten wir uns wirklich nicht antun. Noch einmal zur Religion. Ich kann mich mit allen Drei monoteistischen Religionen überhaut nicht mehr anfreunden. Dies jetzt zu begründen würde zu weit führen. Nur soviel ich habe mir den Abschied vom Christentum nicht leicht gemacht, habe viele Bücher von bekannten Interpreten gelesen und bin zu der Überzeugung gekommen, in den Religionen wird zuviel gemauschelt. Das ist nicht meine Welt.

    Sind sie mir nicht böse, soweit habe ich bei meinem Beitrag nicht gedacht. Ich gebe Ihnen Recht, eine rechtspopulistische Partei sollten wir uns wirklich nicht antun. Noch einmal zur Religion. Ich kann mich mit allen Drei monoteistischen Religionen überhaut nicht mehr anfreunden. Dies jetzt zu begründen würde zu weit führen. Nur soviel ich habe mir den Abschied vom Christentum nicht leicht gemacht, habe viele Bücher von bekannten Interpreten gelesen und bin zu der Überzeugung gekommen, in den Religionen wird zuviel gemauschelt. Das ist nicht meine Welt.

  6. 6. Merkel

    fordert also auf Arbeitslose zu setzen, bleibt die Frage wie diese Forderung umgesetzt wird ohne gesetzliche Grundlage. Wahrscheinlicher scheint doch dass mit dieser Aussage lediglich bezweckt wird die Stammtische ruhig zu halten. Soll mehr daraus werden, würde das bedeuten dass deutsche Unternehmen verstärkt auf betriebliche (Um)schulungen setzen müssten. Was zwar Sinn zu machen scheint, bis heute aber niemals umgesetzt wurde. Sonst hätten wir neben Millionen Arbeitslosen nicht auch mindestens ebenso viele Menschen in Zeitarbeitsverträgen und Frührente.

  7. Was Frau Merkel hier macht (und mit ihr die fast komplette CDU/CSU) ist genau das, was Hr. Sarkozy vor ein paar Wochen in Frankreich mit den Roma gemacht hat.

    Hier handelt es sich um fischen am rechten Rand. Mit Kompetenz oder sogar Konzepten für die Zukunft unseres Landes kann man nicht dienen. Der Ruf beschädigt durch Korruptions- bzw. Lobbyismusvorwürfe, ständiger Streit in der Koalition und dann noch Stuttgart 21.

    Frau Merkel und Herr Seehofer versuchen noch den letzten Rest zu retten und auf den Zug des in Europa herrschenden Rechtsruck aufzuspringen.

    Man kann nur hoffen, dass die Irrlichter die darauf hereinfallen die unzufriedenen konservativen Wähler nicht aufwiegen.

    Mit sowas darf man in Deutschland einfach nicht mehr durchkommen. Das sind wir unser Vergangenheit schuldig.

  8. Hat sich etwa Herr Sarrazin als Angela Merkel verkleidet und so mit Herrn Seehofer gesprochen? Ich weiß, es klingt unwahrscheinlich, aber wie soll man ihre Stellungnahme sonst erklären?

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    ist auf einmal doch irgendwie "hilfreich".

    ist auf einmal doch irgendwie "hilfreich".

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