Anerkennung des Islam Union verteidigt Leitkultur gegen SPD und Grüne

SPD und Grüne fordern, den Islam wie die Kirchen als Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Die Union sieht die Opposition auf einem "fundamentalen Irrweg".

Der Islam gehöre zu Deutschland wie auch der christliche und jüdische Glaube – mit dieser These hatte Bundespräsident Christian Wulff mit einer Rede zum Tag der Deutschen Einheit eine Diskussion über die Rolle des Islam in Deutschland ausgelöst. SPD und Grüne verlangen nun, den Islam als Religionsgemeinschaft den christlichen Kirchen gleichzustellen, was in der Union auf heftige Kritik stößt. Vor allem Konservative aus CDU und CSU beharren darauf, dass Deutschland christlich-jüdische Wurzeln habe.

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte, SPD und Grüne seien mit ihrer Forderung "auf einem fundamentalen Irrweg". Beide Parteien müssten endlich lernen, dass Integration nicht über eine "Aufweichung und Zurücksetzung unserer eigenen Leitkultur und Werteordnung laufen darf", sagte er. "Wir müssen von den Migranten Respekt dafür einfordern, dass sie in Deutschland unsere Kultur vorfinden und dass diese die maßgebliche ist."

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Auch für die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner liegt eine Gleichstellung mit den Kirchen jenseits des Möglichen. Solange Probleme wie Zwangsheirat, Ehrenmorde oder mittelalterliches Geschlechterbild existierten und so lange Muslime, die zum Christentum übertreten, in weiten Teilen der islamischen Welt um ihr Leben fürchten müssten, sei an eine Gleichstellung "überhaupt nicht zu denken".

Spitzenvertreter von SPD und Grünen hatten sich dafür ausgesprochen, den Islam in Deutschland als Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Das wäre ein wichtiges Signal an die vier Millionen Muslime in Deutschland, hatte  der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, in einem Interview gesagt. Der integrationspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Memet Kilic, sagte, die Anerkennung als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft würde den Muslimen "das Gefühl vermitteln, in Deutschland willkommen und angekommen zu sein". Für die Integration könne das nur förderlich sein.

Der Bundespräsident hatte am Tag der Deutschen Einheit gesagt, das Christentum gehöre "zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." Daran entzündete sich die Debatte. Von einer neuen Leitkultur hatte Wulff nicht gesprochen.

Der Streit in der Union stoße Muslime ab, sagte der Grüne Kilic. "Die Union muss ihre neurotische Selbstbeschäftigung schleunigst beenden", forderte er. Wiefelspütz betonte, der Islam sei unwiderruflich und unbestreitbar ein Teil Deutschlands. "Dass diese Realität immer noch nicht anerkannt wird, ist tief peinlich für die Union und stößt die Muslime vor den Kopf", kritisierte der SPD-Politiker.

In Deutschland sind die beiden großen Kirchen durch einen Staatsvertrag als Institutionen mit eigenen Rechten anerkannt. Sie erhalten Kirchensteuer und haben ein eigenes Kirchenrecht, das sich von den staatlichen Gesetzen in Teilen unterscheidet. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz bilden als die großen Dachorganisationen die Brücke zum Staat. Die jüdischen Gemeinden vertritt der Zentralrat der Juden. Die Muslime als Religionsgemeinschaft staatlich anzuerkennen, scheiterte bisher unter anderem daran, dass ein solcher Dachverband nicht existiert. Der Zentralrat der Muslime hätte Chancen, diese Funktion zu erfüllen, er umfasst aber nicht alle islamischen Einrichtungen in Deutschland.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) und andere Unionspolitiker hatten die islamfreundlichen Worte Wulffs bemängelt. Diese haben "dazu geführt, dass erklärende Interpretationen notwendig geworden sind", sagte Kauder. Der Maßstab für das Zusammenleben in Deutschland sei das Grundgesetz, "das auf unserem christlich- jüdischen Erbe beruht". Der Islam könne nicht das Werte-Fundament der deutschen Gesellschaft bilden. Ähnlich sieht das CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich.

Der Unions-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl (CSU) sagte über Wulff, er hätte sich gewünscht, "dass er den Satz nicht gesagt hätte". Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte, es gebe "überhaupt keinen Anlass, den Islam in unsere Werteordnung zu integrieren". Unions-Fraktionsvize Günther Krings sagte, der Islam ist "Teil der Wirklichkeit hier, aber er zählt nicht zu der traditionellen, gewachsenen Kultur in Deutschland".

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 07.10.2010 um 8:36 Uhr

    "Den Muslimen könnte damit das Gefühl vermittelt werden, in Deutschland willkommen zu sein."

    Das Gefühl ist natürlich wichtig.

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    • LJA
    • 07.10.2010 um 8:58 Uhr

    würde allerdings auch trügen. Zumindest soweit es mich betrifft.

    • macey
    • 07.10.2010 um 13:58 Uhr

    Willkommen geheißen in einem Land, das geht nicht über Religion. Das geht nur dann, wenn die Zuwanderer einen positiven Beitrag für das Zuwanderungsland leisten, also ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und erwerbstätig sind.

    Solange immer noch 40 % der Hartz-IV-Empfänger Migranten sind, muss die Diskussion über die Anerkennung des Islams gestoppt werden. Allein diese ewigen Diskussionen in den Medien überbewerten das Thema Islam und bestätigen vielen Leistungsverweigerern, dass ein Leben ohne Arbeit, aber mit intensiver Religionsausübung, für das Aufnahmeland akzeptabel ist.

    "Ich mache immer einen klaren Unterschied zwischen den Menschen und der Ideologie, zwischen Muslimen und dem Islam."
    (Geert Wilders in seiner Berliner Rede)

    Wenn sich alle an diese Maxime hielten wäre ja schon einiges gewonnen.

    • LJA
    • 07.10.2010 um 8:58 Uhr

    würde allerdings auch trügen. Zumindest soweit es mich betrifft.

    • macey
    • 07.10.2010 um 13:58 Uhr

    Willkommen geheißen in einem Land, das geht nicht über Religion. Das geht nur dann, wenn die Zuwanderer einen positiven Beitrag für das Zuwanderungsland leisten, also ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und erwerbstätig sind.

    Solange immer noch 40 % der Hartz-IV-Empfänger Migranten sind, muss die Diskussion über die Anerkennung des Islams gestoppt werden. Allein diese ewigen Diskussionen in den Medien überbewerten das Thema Islam und bestätigen vielen Leistungsverweigerern, dass ein Leben ohne Arbeit, aber mit intensiver Religionsausübung, für das Aufnahmeland akzeptabel ist.

    "Ich mache immer einen klaren Unterschied zwischen den Menschen und der Ideologie, zwischen Muslimen und dem Islam."
    (Geert Wilders in seiner Berliner Rede)

    Wenn sich alle an diese Maxime hielten wäre ja schon einiges gewonnen.

  1. bekennt und das GG anerkennt, kein Problem.

    Aber ersten fehlt diese Klarstellung völlig und sie wird auch nie kommen, da sie gegen das Fundament dieser Religion, die eben auch Staatsideologie ist, verstoßen würde.

    Und es fängt doch schon damit an, wer überhaupt für den Islam sprechen kann; der lauteste, der radikalste, der Euroislam?

    Islam ist eben nicht Teil unserer Kultur.

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    Wer spricht denn für "das Christentum?

    Der Papst? Frau Käßmann? Desmond Tutu? Jeremiah Wright? Oder doch eher Terry Jones?

    Ihre Frage ist scheinheilig - oder auch nur schlecht durchdacht!

    Wer spricht denn für "das Christentum?

    Der Papst? Frau Käßmann? Desmond Tutu? Jeremiah Wright? Oder doch eher Terry Jones?

    Ihre Frage ist scheinheilig - oder auch nur schlecht durchdacht!

    • rudi59
    • 07.10.2010 um 8:41 Uhr

    Wer die Gleichstellung des Islams ernsthaft vorschlägt, dem ist die Bedeutung von Religion gleichgültig. Dieser Eindruck drängt sich mir auf. Denn gehen wir von den Zahlen aus, wieviel Gläubige in unserem Land leben, und von der Tradition und den Wurzeln, die Christentum und Judentum für unsere Kultur ausmachen, ist der Unterschied zum Islam noch sehr groß. Man sollte hier vorsichtig sein und Toleranz nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln. Wem alles gleich-gültig erscheint, der darf sich am Ende nicht wundern, wenn die Entwicklung eines Tages auf etwas hinausläuft, was so nicht gewollt war.

  2. Die angesprochene Trennung von Staat und Kirche ist unausweichlich, ebenso die Anerkennung des Grundgesetzes. Nur müssen wir da erst einmal vor der eigenen Türe kehren und die Parallelegesellschaft vor allem der kath. Kirche aus dem Staat entfernen. Dazu zählt u.a.:
    KEINE Kirchensteuer mehr eintreiben!
    Kirchen sind Gebäude wie alle anderen auch!
    Kein Religionsunterricht an Schulen, sondern eine konfessionsübergreifende Ethik!

    Und wenn wir so weit sind, dann wird auffallen, wie unwichtig die ganzen Kirchen doch sind.

  3. 7. [...]

    [...] Als ob mehr Entgegenkommen, mehr Toleranz (von uns) etc... irgendwas lösen würde.

    Bei mir um die Ecke steht eine Moschee, die nach einem islamischen Eroberer christlicher Länder benannt wurde - interessiert sich irgendwer für meine Gefühle?
    Darf ich auch mal religiös beleidigt sein, wenn jemand ein Buch für heilig hält, das gegen mich hetzt?
    Darf ich auch mal offen beleidigt sein, wenn Menschen offen zeigen, dass sie unsere Gesellschaft hier ablehnen?

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik und formulieren Sie sachliche Argumente. Die Redaktion/sh

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    Leider.

    Zumindest läßt der "redaktionell bearbeitete" Resttext keinen anderen Schluß zu, als das Messen mit zweierlei Maß.

    Leider.

    Zumindest läßt der "redaktionell bearbeitete" Resttext keinen anderen Schluß zu, als das Messen mit zweierlei Maß.

  4. selbst wenn in islamischen Ländern andere Religionen ohne Repressalien anerkannt würden, würde das noch lange nicht heißen dass Ihnen Einfluss auf den Staat der andere Gremien erlaubt würden, das würde dort auch niemand ernsthaft verlangen. Freie Religionsausübung hat nichts mit Herrschaftsgefühlen zu tun, sondern mit Toleranz was das Privatleben anbetrifft...

    jeden Tag stelle ich aufs Neue fest dass für mich KEINE Partei in diesem Lande mehr wählbar ist - kaum kann man sich mit einer Entscheidung anfreunden, stellt sie sich mit der nächsten wieder ein Bein - komplett wählbar, ohne wenn und aber, ist für mich keine Partei...
    die vielen Kröten die ich schlucken muss bei einer Entscheidung für eine Partei verursachen mir zu starkes Unwohlsein

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