Stuttgart 21 Kabinett ohne Feingefühl
Der Konflikt mit den Stuttgart-21-Gegnern könnte entschärft werden. Doch Baden-Württembergs Minister verstehen das Problem einfach nicht.
Ganz oben auf dem Bauzaun, der den abgerissenen Flügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs von den Passanten trennt, hat ein unfreundlicher Mensch ein Plakat angebracht. Wohin kein Arm hinaufreicht, steht zu lesen: "Die Zeit wird knapp, ihr Flaschen. Der Souverän ist am Zug."
Die Zeit, die der anonyme Schreiber mit Vorfreude verfließen sieht, reicht bis zum 27. März 2011, dem Termin der Landtagswahl. Wer noch Restzweifel hat, wer denn die Flaschen sein sollen, guckt die weiteren Pamphlete am Bauzaun an. Da hängen sie in Zerrbildern und Karikaturen: Ministerpräsident Stefan Mappus, sein Innenminister Heribert Rech, der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, kurz jene CDU-Politiker, die seit Donnerstag vergangener Woche im Ruf stehen, ihre Bahnhofspläne mit dem Knüppel durchzusetzen.
Vier Tage, nachdem der
Wasserwerfer eine Schülerdemonstration aus dem Schlossgarten schoss
, bietet die Landesregierung weiterhin das Bild einer Riege, die nicht zu verstehen scheint, was vor sich geht.
Das rücksichtslose Vorrücken einer Polizeieinheit gegen Schüler vor laufenden TV-Kameras sei kalkuliert gewesen, mutmaßen Demonstranten ebenso wie Zeitungskommentatoren. Es sei Ziel gewesen, Gewalt zu zeigen, die Verantwortung dafür der Protestbewegung gegen Stuttgart 21 zuzuschieben und so den Zustrom der Sympathisanten versiegen zu lassen. Wer dem Gedanken folgt, kommt zu dem Schluss, hier sei eine Strategie gescheitert.
Wahrscheinlicher ist allerdings dies: Es gibt überhaupt keine Strategie auf Seiten der Regierungsverantwortlichen. Nur die stärker werdende Angst vor einer Wahlniederlage, Zorn, der aus tatsächlicher und empfundener Lächerlichmachung resultiert, und das beklemmende Gefühl, einer Horde Staatsfeinde gegenüberzustehen, die einfach nicht verschwinden will.
Nun hat auch noch der FDP-Landesjustizminister Ulrich Goll in einem
Zeitungsinterview eine Schublade für die Demonstranten aufgemacht
, die von Vertretern des bürgerlichen Lagers bisher schon als Berufsdemonstranten, Linke oder einfach dümmliche Krakeeler abgetan wurden. Bequem, unduldsam, wohlstandsverwöhnt seien die Zehntausenden, die nun schon seit Monaten auf die Straße gehen, sinnierte der Minister.
Lange hat es gedauert, bis sich überhaupt jemand für Golls Meinung interessierte, jenem Kabinettsmitglied übrigens, das sich noch vor kurzer Zeit von der Stuttgarter Landespressekonferenz zur Anschaffung eines neuen Ferraris befragen lassen musste. Der Kleinkoalitionär FDP steht in der Bahnhofsfrage zwar fest zur großen CDU, ansonsten aber ziemlich allein. Die letzten beiden Sonntagsfragen von Meinungsforschungsinstituten sagen unabhängig voneinander ein Abrutschen der Partei in Richtung der Fünf-Prozent-Grenze vorher. Der Unmut in der Landes-CDU darüber ist groß, die Vorhaltungen gegenüber dem Regierungspartner nehmen zu. Die CDU selbst wird im Südwesten aktuell bei einem Wähleranteil von lediglich noch 35 Prozent verortet. Goll wird seinen Posten womöglich bald an die SPD verloren haben. Das nagt an ihm und verführt zu angriffslustiger Wortwahl.
Dann ist da der Innenminister Heribert Rech. Rech, der konziliant sein kann, verbindlich, gemütlich, ist ein Mann, den als Minister schon viele Pfeile getroffen haben, doch keiner verwundete ihn je ernsthaft. Der Minister hat die Begabung, stets seine guten Absichten glaubhaft machen zu können, wenn die Dinge ernst werden.
- Datum 04.10.2010 - 18:06 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 182
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Das versinnbildlicht den jahrelangen und schwerwiegendend schwerhörigen Autismus derer, die für die eingezäunte Zone zuständig sind.
Sie bezeichnen die Demonstranten im Schlossgarten nicht nur als Feinde der Demokratie, weil sie um ihre Posten fürchten. Sie glauben das wirklich.
müssen sie weg.
Also sollte Herr Mappus besser heute als morgen die Notbremse ziehen und aus der Politik verschwinden. Seine Partei wird es ihm danken und schon für ein ausreichendes Ausgedinge sorgen.
Dass Herr Mappus so ganz einfach verschwindet, wäre ein sehr harter Schlag für die Regierung, sowieso schon von Personalknappheit in ihrer Basis erschüttert.
Da ist ziemliche Fluktuation in Regierungskreisen, ganz besonders ganz oben in Berlin.
Dass Herr Mappus so ganz einfach verschwindet, wäre ein sehr harter Schlag für die Regierung, sowieso schon von Personalknappheit in ihrer Basis erschüttert.
Da ist ziemliche Fluktuation in Regierungskreisen, ganz besonders ganz oben in Berlin.
Entfernt. Bitte äußern Sie sich zum Thema des Artikels. Die Redaktion/cs
Genau, und das nennt man dann Demokratie...........
transferiert unsere Steuergelder nach Griechenland damit die dort mit 60 in Rente gehen dürfen waehrend wir bis 67 arbeiten müssen! Das ist zwar gesetzwiedrig aber den Eilantrag dagegen hat das Verfassungsgericht kalt abgeschmettert!
Die Politische Kaste hat sich so weit von der Realitaet entfernt. Wünsche und Wahrnehmungen der Bürger werden schlicht ignoriert weil die es bis zur naechsten Wahl sowieso vergessen haben!
Es gibt einen weitern ganz zwingenden Grund warum die Stuttgart 21 unbedingt durchdrücken wollen: kein Mensch wird glauben das bei Projekten die am Ende 2-4 mal so teuer werden 'dürfen' wie vorausveranschlagt, und die Kosten dann einfach auf den Steuerzahler abgewaelzt werden können, im Vorfeld keine massiven Gefaelligkeiten an die Auftragseteilenden Politiker ausgestreut werden ......
Genau, und das nennt man dann Demokratie...........
transferiert unsere Steuergelder nach Griechenland damit die dort mit 60 in Rente gehen dürfen waehrend wir bis 67 arbeiten müssen! Das ist zwar gesetzwiedrig aber den Eilantrag dagegen hat das Verfassungsgericht kalt abgeschmettert!
Die Politische Kaste hat sich so weit von der Realitaet entfernt. Wünsche und Wahrnehmungen der Bürger werden schlicht ignoriert weil die es bis zur naechsten Wahl sowieso vergessen haben!
Es gibt einen weitern ganz zwingenden Grund warum die Stuttgart 21 unbedingt durchdrücken wollen: kein Mensch wird glauben das bei Projekten die am Ende 2-4 mal so teuer werden 'dürfen' wie vorausveranschlagt, und die Kosten dann einfach auf den Steuerzahler abgewaelzt werden können, im Vorfeld keine massiven Gefaelligkeiten an die Auftragseteilenden Politiker ausgestreut werden ......
Man ist entweder Teil des Problems oder Teil der Lösung.
Diese Herrschaften sind Teil des Problems. Lösungen sind aus dieser Richtung nicht mehr zu erwarten, nur weitere Verschlimmerungen.
Mein Rat: zurücktreten, bevor der Name Mappus mit dem größten jemals registrierten Wahldesaster der Union in Verbindung gebracht wird.
... dass die BaWü CDU sich nicht vorstellen kann, dass ihre ureigenste Wählerklientel da mitdemonstriert. In ihrer Vorstellung sind es eben nur 'Linke' und sonstige Rabauken, die einen sowiso nie wählen, die da demonstrieren, wesshalb man da auch ruhig mal den Knüppel auspacken kann ... 'Ein Schlag auf den Hinterkopf ...'
Das sie aber gerade im Begriff sind die Bürgerlichen der Bürgerschaft zu verprügeln, geradezu mit Knüppeln der Opposition zuzutreiben ... weil nicht sein kann was nicht sein darf. Aber manchmal ist es so.
Gruß
Unser Ministerpräsident Strappus hat vor nicht langer Zeit F.J.Strauss als Vorbild genannt, und sein Verhalten den Demonstranten gegenüber zeigt, dass er lieber mit Diktatoren (wie eben Strauss) verkehren würde als mit kritischen Bürgern seines Landes.Und nun hat er groß verkündet, er werde das Projekt in Stuttgart durchziehen, da er sich von seinen Kindern und Enkelkindern nicht vorwerfen lassen wolle, er hat aus Angst, nicht wiedergewählt zu werden, das Projekt fallen lassen.Und warum soll er auch Angst haben? Er bekommt sicher einen super-lukrativen Posten bei der Industrie-vielleicht sogar bei der Deutschen Bahn!
für diesen Artikel...
Mögen sich die Herrn Mappus, Rech, Schuster und Goll (inklusive Frau Gönner) diesen Artikel sehr genau durchlesen und in sich gehen.
Mir als CDU-Wähler tut es in der Seele weh, wie sich die CDU ins Abseits selbst manovriert hat.
Ich werde jedenfalls meine Stimme nicht mehr einer CDU geben, die ihre Wähler, die Stuttgart21 kritisch gegenüberstehen, diffamieren und kriminalisieren.
Entfernt wegen Mehrfachposting. Die Redaktion/sh
Entfernt wegen Mehrfachposting. Die Redaktion/sh
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren