Schüler demonstrieren gegen den Polizei-Einsatz im Stuttgarter Schlossgarten © REUTERS/Michaela Rehle

Wenige Tage nach dem Einsatz sind Schüler und Eltern dabei, ihre Erfahrungen aufzuarbeiten und mitzuteilen. Auf einer Pressekonferenz in Stuttgart zeigten sie Videoaufnahmen vom Polizeieinsatz im Schlossgarten , bei dem mehr als 400 Menschen vor allem an den Augen verletzt wurden. Auf den Bildern und Videos waren Polizisten zu sehen, die mit übertriebener Härte in die Menschenmenge schlugen. Tobias Tegl von der Jugendoffensive gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 forderte den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus , Innenminister Heribert Rech (beide CDU) und den Stuttgarter Polizeipräsidenten Siegfried Stumpf auf, politische Konsequenzen zu ziehen und zurückzutreten.

"Wer so was einen verhältnismäßigen Einsatz nennt, der muss politische Verantwortung tragen", sagte Tegl.

Am 30. September hatten mehr als 700 Polizisten aus mehreren Bundesländern in einem fünfstündigen Einsatz einen Teil des Schlossgartens für eine Baustelle des umstrittenen Umbaus des Hauptbahnhofes geräumt. Die Einsatzleiter hatten erklärt, die Gewalt sei von den Jugendlichen ausgegangen.

Tegl sagte, alle Parteien im Landtag müssten den Weg für einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss frei machen. Die Grünen hatten bereits einen solchen Ausschuss gefordert. Die Jugendlichen seien von der Polizei grundlos zusammengeschlagen worden, sagten Demonstrationsteilnehmer. Sie seien mit Pfeffersprays und Reizgas besprüht worden. Außerdem seien Wasserwerfer gegen sie eingesetzt worden. Die Polizei habe Kräfte eingesetzt, die die Schüler schon beim Betreten des Parks angerempelt und verbal provoziert hätten.

Eltern beklagten, ihre Kinder hätten nicht nur physische Verletzungen erlitten, sondern auch seelische. Sie seien traumatisiert und litten unter Schlafstörungen. "Wir können es nicht auf uns sitzen lassen, dass unsere Kinder von Opfern zu Tätern gemacht werden", sagte die Mutter Ursel Beck. Bei dem Einsatz waren zumindest vier Teilnehmer schwer an den Augen verletzt worden. Einer droht zu erblinden.