Der Ton in der Diskussion zum Migrationspolitik wird harscher. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat CSU-Chef Horst Seehofer vorgeworfen, mit seinen Äußerungen zur Einwanderung dem Rechtsextremismus den Boden zu bereiten. "Es gibt schon seit langem ein rechtsextremes Potenzial in Deutschland", sagte Trittin der Bild am Sonntag . "Daher ist es schäbig und stärkt diese Kräfte, wenn ein Demokrat wie Horst Seehofer anfängt, solches Gedankengut hoffähig zu machen." Trittin forderte, Neuzuwanderern die Aussicht auf eine rasche Einbürgerung zu bieten: "Wir brauchen eine Kultur, die Migranten – auch muslimische Migranten – nicht abschreckt. Sie brauchen eine verlässliche Perspektive auf die deutsche Staatsbürgerschaft."

Um den Fachkräftemangel in Deutschland zu beheben, muss nach Einschätzung von Trittin die finanzielle Hürde für Neuzuwanderer verringert werden. "Der Mindestverdienst für Fachkräfte muss von 66.000 auf 40.000 Euro gesenkt werden."

Trittin sieht in den Integrationsproblemen vor allem ein Unterschichtenproblem: "Solange die Migranten nur den Müll abgeholt oder unter Tage gearbeitet haben, hat sich niemand darum gekümmert, dass sie deutsch lernen. Wir investieren zu wenig in Bildung. Deshalb wächst die Unterschicht, und deshalb haben wir ein Integrationsproblem." Auch derzeit betrage die Wartezeit für Sprachangebote oft Monate, bemängelte Trittin.

CSU-Chef Seehofer hatte mit seiner Forderung nach einem Zuwanderungsstopp für Türken und Araber Kritik ausgelöst. Seehofer hatte gesagt, es sei "doch klar, dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun." Er ziehe daraus den Schluss, "dass wir keine weitere Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen". Ab Mai 2011 gebe es die EU-Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus Osteuropa. "Erst einmal müssen wir das hier vorhandene Potenzial ausschöpfen." Später hatte Seehofer klar gestellt, dass er sich ausschließlich mit der Forderung nach einem leichteren Zuzug ausländischer Fachkräfte beschäftigt habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Seehofer den Rücken gestärkt und den "Ansatz für Mulitkulti" für gescheitert erklärt.

Die Vorsitzende der Integrationsministerkonferenz der Länder, Malu Dreyer (SPD), hält die aktuelle Debatte um Zuwanderung für schädlich und verantwortungslos. Wortführer wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der CDU- Bundestagsabgeordnete Philipp Mißfelder "halten sich nicht an Tatsachen, sondern bedienen Klischees und Ängste", sagte die rheinland-pfälzische Sozialministerin. "Sie gehen nicht fair damit um, wie eigentlich der Stand der Integration in Deutschland ist." Tatsächlich seien die Zuwanderer eine Bereicherung für das Land. Mißfelder hatte gesagt, Deutschland könne sich Zuwanderung in die sozialen Sicherungssysteme nicht leisten.

Nach Meinung von Dreyer geraten die Einwanderer damit in den "Globalverdacht, integrationsunwillig zu sein, den Staat zu schröpfen und nur nach Deutschland zu kommen, um abzukassieren". Das sei unfair und sachlich falsch, sagte die SPD-Politikerin.