Verteidigungsministerium Deutschlands Militärbürokratie ist nicht zu führen
Ein Gutachten über zu Guttenbergs Ministerium ist vernichtend: 1700 Mitarbeiter seien überflüssig, der Apparat unbeherrschbar. Der Minister gibt sich gelassen.
Die Kommission hatte den Auftrag, nichts zu beschönigen, und sie hat sich daran gehalten. Ihre Bestandsaufnahme von Bundeswehr und Verteidigungsministerium ist vernichtend ausgefallen. Im Ministerium herrsche "allgemeine Verantwortungsdiffusion", so der Gutachterbefund. Stringente Steuerung sei dadurch "unmöglich". Mitarbeiter behinderten sich "gegenseitig in Strukturen, die nicht erfolgsfähig" seien. Die Gesamtorganisation sei "systematisch überstrapaziert", der Abstimmungsaufwand immens und unverhältnismäßig, das Controlling "weitgehend wirkungslos". Helfen kann aus Expertensicht bei alledem nur noch eines: das Ministerium "von Grund auf neu zu konzipieren". Verantwortlichkeiten müssten gebündelt, Aufgaben ausgelagert und der Mitarbeiterbestand radikal reduziert werden. Von den 3300 Beschäftigten seien mehr als die Hälfte überflüssig.
Seit Anfang April unterzogen die sechs Gutachter unter Leitung des Chefs der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, das Militär und seinen politischen Überbau hinter verschlossenen Türen der Generalrevision. Beleuchteten Entscheidungsstrukturen und Verantwortlichkeiten, befragten Soldaten wie Unternehmensberater. Und brachten ein verheerendes Zeugnis zu Papier, an dem vor allem eines auffällt: dass es keinen Zuständigen wirklich überrascht. Er werde den 114-Seiten-Bericht, der ihm am Dienstag offiziell überreicht wird, bis Ende Januar prüfen lassen, kündigte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) unaufgeregt an. Danach werde er Reformvorschläge machen.
Auch in der SPD gibt man sich gelassen. Er könne die These eines nicht führ- und steuerbaren Ministeriums zwar nicht akzeptieren, weil vieles auch an der Durchsetzungsfähigkeit des jeweiligen Ressortchefs hänge, sagte Fraktionsexperte Rainer Arnold dem Tagesspiegel. Doch die Debatte und das Wissen um die Missstände seien "nicht wirklich neu". Das Ministerium brauche "Strukturen, bei denen die Verantwortlichkeiten klarer sind". Dass man sich unter Peter Struck nicht bereits darangemacht habe, liege daran, dass man eben nicht alles gleichzeitig tun könne. Zunächst sei der Umbau zu einer Einsatzarmee vorrangig gewesen.
Die Organisationsstrukturen hielten, so die Gutachter, mit dem Wandel der Bundeswehr nicht Schritt. "Nur ansatzweise" sei das Ministerium an die "neuen Realitäten angepasst" worden, schreiben sie in ihrer Expertise, die dem Tagesspiegel teilweise vorliegt. Und zitieren einen Befund der "Weizsäcker-Kommission" vom Mai 2000, der nach wie vor zutreffe. Die Leitung des Ministeriums werde "bei ihren Steuerungsaufgaben nicht wirksam genug unterstützt", heißt es in dem zehn Jahre alten Papier. Entscheidungsunterlagen seien "häufig nicht ausreichend quantifiziert, zu wenig durch Fakten untermauert und nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien überprüft". Es fehle an Transparenz und kritischer Diskussion, Leistungsentscheidungen kämen "überwiegend im Konsensverfahren durch Abstimmung auf unterer Ebene zustande".
Alles noch genauso, diagnostizieren die Gutachter. Nach wie vor gebe es in der "derzeitigen Vielfalt von Zuständigkeiten" weder durchgängige Führung, noch würden "Erfolge und Misserfolge persönlich verantwortet". Nötig sei deshalb eine konsequente Neuausrichtung, hin zu "schlanken, bruchfreien und nachvollziehbaren, transparenten Strukturen". Einsätze dürften "nicht nach dem Konsensprinzip der Geschäftsordnung des Ministeriums geführt werden".
Stattdessen: klare Verantwortlichkeiten und Entscheidungskompetenzen. Insbesondere der Planungsstab des Ministers müsse aufgewertet und mit der Abteilung "Militärpolitik" des Generalinspekteurs zu einem straffen Beratergremium verschmolzen werden. Politisch-strategische Vorgaben könnten dann "aus einer Hand" erarbeitet, verantwortet und nach Ministerweisung auch umgesetzt werden – einschließlich der Bereiche Rüstungszusammenarbeit und Rüstungskontrolle.
Auch die Position des Generalinspekteurs müsse gestärkt werden, fordern die Experten. Nötig sei eine Art Generalstabschef, zuständig für sämtliche Teilstreitkräfte und Einsätze. Ihm wäre ein Generalarzt zugeordnet. Die Inspekteure für Heer, Luftwaffe und Marine dagegen würden zu bloßen Befehlshabern degradiert und nicht mehr dem Ministerium angegliedert. Und der Staatssekretär müsse ein "Justiziariat" erhalten, das "schnelle und effektive Rechtsberatung" garantiert.
- Datum 25.10.2010 - 10:29 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Der Bericht spiegelt doch nur die reale Bürokrateska wieder. Immer mehr Häuptlinge und immer weniger Indianer. Es wundert doch keinen, daß «Parkinsonsche Gesetz» gilt auch hier. Man braucht sich kein x für ein u vormachen: Auch Gutenberg wird daran nix ändern. Nur gut, dass wir von einer Belastungsprobe des Ministeriums mailenweit entfernt sind.
Das Parkinsonsche Gesetz hatte seinerzeit auch mal eine Abhandlung über das Marineministerium in England. Bei abnehmender Flottenzahl erhöhte sich proportional die Anzahl der Verwaltungsmitarbeiter.
Das Buch sollte unbedingt wieder aufgelegt werden und den verantwortlichen in der Bürokratie und Administration zur Lektüre empfolen werden.
Zu teuer und mit unnuetzen Auftrraegen in der Welt verstreut, siehe Afghanistan.
Da hilft nur eins: abschaffen und das Geld in die Bildung stecken.....
Was wird aus den neuen Möbeln, die der Guttenberg für 1,2 Mio Euro bestellt hat?
Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Beiträgen. Danke. Die Redaktion/sh
schade, dass man nicht lessen kann was die Redaktion so als
"unzumutbar" (aus deren Sicht) einstuft !
schade, dass man nicht lessen kann was die Redaktion so als
"unzumutbar" (aus deren Sicht) einstuft !
Zitat:
"Nur gut, dass wir von einer Belastungsprobe des Ministeriums mailenweit entfernt sind."
Das kann man unterschiedlich betrachten, m.E. sind wir seit 1999 mitten in einer solchen, selbstauferlegten dazu. Und sie wird nur grösser. Jedenfalls, das Urteil ist vernichtend, DAS ist m.E. die politische Bombe des Jahrzehnts.
Viell. habe ich etwas übersehen, aber - wer hat die Gutachter überhaupt beauftragt?
...die ein solcher Bericht hervorruft so wenig wie sein Inhalt. Da er in seiner Essenz vermutlich für jedes Ministerium und jede nachgelagerte Bürokratie des Landes gleichermaßen gilt, stellt er eine massive Attacke gegen die Interessen der Bediensteten der öffentlichen Hand dar. Da diese sozio-ökonomische Gruppe die meisten Sitze in den Parlamenten hat, und über verschiedene Mechanismen einen erheblichen Einfluss auf die mediale Berichterstattung und Informationsausbreitung hat, ....
"vermutlich für jedes Ministerium und jede nachgelagerte Bürokratie des Landes gleichermaßen gilt"
Nicht ganz. Das Verteidigungsministerium ist anderen Behörden um Lichtjahre voraus. Oder hinterher, ganz wie man will. Vergleichen Sie nur mal die Orgapläne:
übliches Bundesministerium - 1 Seite DIN A3, wenn´s lesbar sein soll,
Verteidigungsministerium - ein ganzes Buch.
Unser System schafft schon seit Jahrzehntne überflüssige Komplexität um immer mehr "Papierarbeiter" zu rechtfertigen, die an Schreibtischen sitzen. Mein Gott, nach Krieg und für den Wiederaufbau hat das Grundgesetz, das alte BGB und paar andere Gesetze für die größten Herausforderungen ausgereicht. Und heute haben Gesetze die Dicke von Telephonbüchern (die ohnehin kein Parlamentarier komplett lesen - geschweigedenn erfassen - kann wenn er über sie abstimmt, ich halte das für einen Systemfehler; unsere Demokratie ist dadurch dysfunktional geworden).
Das hat der private mit dem öffentlichen Sektor gemein. Dabei schrumpft die produktive Basis immer mehr, wie auch die Fertigkeiten der Menschen. Interessant wird es wenn Themen wie demographischer Wandel, Ressourcenknappheit, Ende des Öls (und es wird unbezahlbar lange bevor es wirklich versiegt) den Lebensstil der letzten Jahrzehnte zu einem jähen Ende führen, nur noch wenige "Schreibtischarbeiter" gebraucht werden und die meisten Menschen sich wieder mit händischer Arbeit verdingen müssen.
Was machen dann die Millionen (!) Beamten und Angestellten in Deutschland? Handwerkliche Fertigkeiten kann man im Erwachsenenalter nur schwer nachlernen. Das sind alles Dinge über die keiner nachdenkt, wir planen die kommenden Jahrzehnte mit stoischer Selbstgewissheit auf den Prämissen der Vergangenheit, wohlwissend dass dafür die Grundlage fehlt (alleine "Peak Oil" zerschlägt unsere gewohnte Lebensart bereits mittelfristig).
"vermutlich für jedes Ministerium und jede nachgelagerte Bürokratie des Landes gleichermaßen gilt"
Nicht ganz. Das Verteidigungsministerium ist anderen Behörden um Lichtjahre voraus. Oder hinterher, ganz wie man will. Vergleichen Sie nur mal die Orgapläne:
übliches Bundesministerium - 1 Seite DIN A3, wenn´s lesbar sein soll,
Verteidigungsministerium - ein ganzes Buch.
Unser System schafft schon seit Jahrzehntne überflüssige Komplexität um immer mehr "Papierarbeiter" zu rechtfertigen, die an Schreibtischen sitzen. Mein Gott, nach Krieg und für den Wiederaufbau hat das Grundgesetz, das alte BGB und paar andere Gesetze für die größten Herausforderungen ausgereicht. Und heute haben Gesetze die Dicke von Telephonbüchern (die ohnehin kein Parlamentarier komplett lesen - geschweigedenn erfassen - kann wenn er über sie abstimmt, ich halte das für einen Systemfehler; unsere Demokratie ist dadurch dysfunktional geworden).
Das hat der private mit dem öffentlichen Sektor gemein. Dabei schrumpft die produktive Basis immer mehr, wie auch die Fertigkeiten der Menschen. Interessant wird es wenn Themen wie demographischer Wandel, Ressourcenknappheit, Ende des Öls (und es wird unbezahlbar lange bevor es wirklich versiegt) den Lebensstil der letzten Jahrzehnte zu einem jähen Ende führen, nur noch wenige "Schreibtischarbeiter" gebraucht werden und die meisten Menschen sich wieder mit händischer Arbeit verdingen müssen.
Was machen dann die Millionen (!) Beamten und Angestellten in Deutschland? Handwerkliche Fertigkeiten kann man im Erwachsenenalter nur schwer nachlernen. Das sind alles Dinge über die keiner nachdenkt, wir planen die kommenden Jahrzehnte mit stoischer Selbstgewissheit auf den Prämissen der Vergangenheit, wohlwissend dass dafür die Grundlage fehlt (alleine "Peak Oil" zerschlägt unsere gewohnte Lebensart bereits mittelfristig).
Vetternwirtschaft ohne Ende sonst kann ich mir so viele unnötige Jobs nicht erklären
"vermutlich für jedes Ministerium und jede nachgelagerte Bürokratie des Landes gleichermaßen gilt"
Nicht ganz. Das Verteidigungsministerium ist anderen Behörden um Lichtjahre voraus. Oder hinterher, ganz wie man will. Vergleichen Sie nur mal die Orgapläne:
übliches Bundesministerium - 1 Seite DIN A3, wenn´s lesbar sein soll,
Verteidigungsministerium - ein ganzes Buch.
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