Presseschau zu Wulff "Eine Ruck-Rede war das nicht"
Die versöhnlichen Worte von Bundespräsident Wulff über die Einheit erinnern die Kommentatoren an Vorvorgänger Johannes Rau. Einigen ist das aber zu wenig.
© Ingo Wagner/dpa

Bundespräsident Christian Wulff (CDU) mit Publikumskontakt in Bremen
Südwest Presse, Ulm
"Unglückliche Stellungnahmen zur Duisburger Love-Parade-Tragödie und vorlaute Bemerkungen in der Sarrazin-Affäre nährten Zweifel, ob Wulff tatsächlich eine gute Wahl war, das Amt aus der Krise zu holen, in das es nach dem Rücktritt von Horst Köhler geraten war. Seine Ansprache zum Tag der deutschen Einheit wurde deshalb überfrachtet mit Erwartungen und Ansprüchen. Dennoch und allen Skeptikern zum Trotz schlug sich Wulff mit seiner ersten großen programmatischen Rede achtbar. Sie war nicht brillant, aber klar im Ton. Wulff schaffte es, beim brisanten Thema Integration versöhnlich und optimistisch zu argumentieren. Er plädierte für ein offenes Deutschland, das zugleich auf die Einhaltung von Regeln und Pflichten beharrt. Damit wahrte er den bislang vermissten Ausgleich in einer polarisierenden Debatte. Wulff bewies, dass er die Balance halten kann, die ihm seine Aufgabe gebietet. Nur so wird er erfolgreich in das anspruchsvolle Amt hineinwachsen, Staatsoberhaupt eines geeinten Deutschlands zu sein."
Kieler Nachrichten
"Christian Wulff hat eine gute, wenn auch keine großartige Rede gehalten. Sie war überparteilich, wie es sich für einen Präsidenten gehört. Das war nach seinen Parteinahmen gegen den Duisburger Bürgermeister Sauerland und den ehemaligen Bundesbankvorstand Sarrazin dringend erforderlich. Der Parteipolitiker Wulff ist im höchsten Staatsamt angekommen. Der Präsident erinnert in seinem Auftreten an den Vorvorgänger Rau. So wie Bruder Johannes, so will auch Wulff die Nation versöhnen: Einheimische mit Migranten, Ostdeutsche mit Westdeutschen, Junge mit Alten, Reiche mit Armen. Anderen zu vertrauen und ihnen etwas zuzutrauen: Das ist Wulffs Rezept für mehr Zusammenhalt. Es ist leichter gesagt als getan."
Westfalenblatt, Bielefeld
"Es ist gut, wenn man weiß, was man kann. Zum Selbstbewusstsein gehört aber auch, zu wissen, was man nicht kann. In diesem Sinne ist Bundespräsident Christian Wulff ein sehr selbstbewusster Auftritt gelungen. Seine Rede zum 20. Jahrestag der Einheit war eine gute, wenn auch keine große Rede. Sie war nicht brillant, enthielt aber eine Reihe kluger und wichtiger Gedanken. Wulff versuchte erst gar nicht, der bessere Joachim Gauck zu sein. Mithilfe des leicht abgewandelten Wendeslogans 'Wir sind ein Volk' gelang es dem Bundespräsidenten gleichwohl geschickt, die Brücke zum Thema Integration zu schlagen. Am Ende stand eine Rede, die ein Fundament schaffte – für das Ansehen dieses Bundespräsidenten, für eine neue Würde des Amtes und für die Gestaltung der Zukunft in unserem Land. Nicht mehr, aber auch nicht weniger."
Braunschweiger Zeitung
"Wulff hat das Nötige auch zu Sarrazins verunglückten Thesen gesagt. Die Integration ist viel weiter, als suggeriert wird. Wer jetzt mit Legenden ausgrenzt und verletzt, schadet dem nationalen Interesse. Klare Worte von einem, den viele unterschätzt haben. Einiges war diesmal nur angetippt. Doch man weiß nun: Der erste Mann im Staat ist politisch erfahren, aber gewiss nicht verbraucht – er will nicht bloß wohlfeil mahnen, sondern Orientierung geben auch dort, wo es unbequem ist. Gut so! Bei diesem Präsidenten darf man weiter gespannt bleiben."
Saarbrücker Zeitung
"Dieser Präsident will die Probleme ansprechen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Er meidet dabei notwendige Konflikte. In Wulffs Bremer Ansprache fielen die Hinweise auf die Eigenverantwortung von Migranten und Transferempfängern für sich und ihre Kinder sehr zurückhaltend aus. Und wer die Schuldigen für die von ihm beschriebene Spaltung zwischen Alt und Jung, Reich und Arm, Volk und Volksvertreter, Deutschen und Migranten sind, behielt er ganz für sich. Dabei saßen diese, die Spitzen aus Parteien und Regierung nämlich, direkt vor ihm. Und konnten sogar unbehelligt klatschen. Spannend bleibt die Frage, ob Wulff dereinst noch zu einem Präsidenten wird, dem solcher Beifall egal ist. Freigeschwommen hat er sich mit dieser Rede jedenfalls noch nicht."
Stuttgarter Nachrichten
"Es hat schon seinen Sinn, wenn uns der Festtag wenigstens einmal im Jahr daran erinnert, dass die Wiedervereinigung das Ergebnis von Zivilcourage gewesen ist. Nun also hat auch der Bundespräsident seine erste wichtige Rede gehalten. Christian Wulff hat eine stärkere Anerkennung der Lebensleistungen der Ostdeutschen gefordert. Er wünscht sich Deutschland als ein vielfältiges Land. Er sagt mit dankenswerter Klarheit, dass inzwischen auch der Islam zu Deutschland gehört. Das alles ist wichtig, fällt aber auch unter die Rubrik: Es ist alles schon gesagt worden, nur noch nicht von jedem."
Nordbayerischer Kurier
"Sorgsam alles vermeidend, was weh tun könnte, hat Christian Wulff vieles angesprochen, aber nichts Überraschendes gesagt. Was prägt sich ein von dieser Rede? Ein Staatsoberhaupt muss die Menschen auch fordern. Wie das geht, hat ein anderer ganz stark gezeigt: Joachim Gauck, unterlegener Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, meinte zwar, er wolle sich mit Wulff keinen Sängerwettbewerb von der Wartburg liefern, aber sein Auftritt bei der Feierstunde des Berliner Abgeordnetenhauses fordert den Vergleich mit Wulff geradezu heraus. Ein Bundespräsident braucht das Talent, Gefühl und Verstand der Menschen zu erreichen, dann vermag er Wegweiser zu sein. Dann werden ihm die Leute zuhören. Beifall fand Wulffs Rede bei seinen Politikerkollegen. Aber wer redet draußen darüber?"
Münchner Merkur
"Hat diese Rede Deutschland weitergebracht? Der Präsident blieb allzu oft in der konsensualen Beschreibung des Offensichtlichen oder Wünschbaren stecken. Denkanstöße über bereits vielfach anderswo ausgetauschte Standpunkte hinaus sucht man vergebens. Zum Mega-Thema der wachsenden Kluft zwischen Politik, Parteien und Bürgern, der Schwindsucht der Volksparteien und den grundsätzlichen Fragen politischer Partizipation der Menschen sagt Wulff nichts. Sein Plädoyer 'Vielfalt schätzen, Risse in unserer Gesellschaft schließen' schließen ist als präsidialer Wegweiser doch ein bisschen wenig."
Leipziger Volkszeitung
"Am Einheitstag hatten viele auf eine großen Wurf Wulffs gehofft, auf eine Bremer Rede, die zu seinem Markenzeichen wird und nebenbei zeigt, dass nicht nur Pastor Gauck die Herzen von Zuhörern erreicht. Am Ende des staatsmännischen Vortrages steht fest: Eine Ruck-Rede war es nicht, es hat höchstens geruckelt. Überrascht hat Wulff eigentlich nur, als er den Islam in Deutschland mit Christentum und Judentum gleichsetzte. Das zeigt Wagemut, der auch Unmut aushält, aber es bleibt derzeit reines Wunschdenken. Für eine große Rede fehlte der eine entscheidende Merksatz, der den Tag überdauert und in den Köpfen bleibt. Christian Wulff beließ es bei seiner doppelten Einheitsbilanz: Wir sind zusammengewachsen und zusammen gewachsen. Das klingt hübsch, ist aber ein bisschen wenig für die Geschichtsbücher."
Berliner Zeitung
"Vier Monate ist er jetzt im Amt, und er sah sich schon dem Vorwurf ausgesetzt, dass er zwar die eine oder andere Rede hält, aber eigentlich nichts zu sagen hat. Seit gestern wissen wir: Das stimmt. Dieser Bundespräsident hat anscheinend die Grundmelodie seiner Amtszeit gefunden: Er will ein versöhnlicher Präsident sein, eine Integrationsfigur. Ob Alt oder Jung, Reich oder Arm, Links oder Rechts, Hans oder Hakan: Wulff kuschelt sich an sein Volk, er nimmt uns alle an die Hand und liest niemandem die Leviten. Nicht einmal der politischen Klasse, mit der sich sein Vorgänger Horst Köhler gelegentlich anlegte. (...) Da wächst eher ein christdemokratischer Rau heran, allerdings ohne dessen Talent zum Volkstribun."
Augsburger Allgemeine
"In dem Deutschland, das der Bundespräsident beschreibt, finden sich alle wieder: Alte und Junge, Alteingesessene und neu Zugezogene, Politiker und Politikverdrossene. Dass dieses Deutschland der Sonntagsreden einen Rucksack voller Konflikte mit sich herum schleppt, beschreiben andere authentischer und drastischer – allen voran Sarrazin. Dessen Urteil teilt Wulff zwar nicht. Für einen, der das Präsidialamt zu einer Denkfabrik ausbauen will, bewegt er sich allerdings noch viel zu sehr im Ungefähren. In Bremen hat er nach den Patzern der ersten Wochen zurück zu alter Verlässlichkeit gefunden. Seinen hohen eigenen Ansprüchen aber hinkt der Präsident noch hinterher."
- Datum 04.10.2010 - 12:05 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
- Kommentare 37
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Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und bemühen Sie sich um einen sachlichen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/ag
Viel schlimmer ist das, was die neoliberal geleitete Schwarz-Gelbe Koaliton mit den Menschen anstellt.
Und diese hat - wie die dahinterstehende Writschaft und Lobbyverbände - ein hohes Interesse daran, abzulenken.
Warum ist in den Berichten zur Rede von Herrn Wulf nur positives zu lesen? Ist das der nun von allen Zeitungen praktiziertem Stil, nur noch im Gleichklang vom Bundespräsidenten und Politikern zu berichten? Dies halte ich nicht mehr für eine freie Presse. Wo war eigentlich das Volk bei der Feier? Ich habe in keinem Blatt gelesen, hier hat der Pöbel die deutsche Einheit gefeiert? Also haben sich nur die Politiker und ihre Lobby gefeiert, auf Kosten der Steuerzahler. Was für ein abscheuliches Theater.
Danke
[...] Die politische Kaste feiert sich selber. Um mit der tapferen Kämpferin für Alles- gemeint ist Frau Rot von den Grünen- zu sprechen, dies ist nicht mehr meine Bundesrepublik! Diese Republik ist zu einem Gebiet der Beliebigkeit und Verantwortungslosigkeit pervertiert. Gelenkt von Politikern, die nur noch ihrem Eigeninteresse verpflichtet sind. Koste es was es wolle. Zahlen und ausbaden muss es wie immer der "kleine Mann", der nicht weg laufen kann. Obwohl es dass ist, was man am liebsten möchte.
Verzichten Sie auf überzogenen Polemik und untermauern Sie Ihre Thesen bitte mit sachlichen Argumenten. Danke. Die Redaktion/sh
der tapfer in der Aula vor der versammelten Schule eine Rede hält als wie ein Bundespräsident, der der politischen Führung und der Republik ins Gewissen spricht.
Letztendlich fehlt ihm die gereifte Persönlichkeit und der Makel ein Bundespräsident von Merkels Gnaden zu sein, macht die Situation nicht besser.
[...]
Bitte äußern Sie sich konstruktiv zum Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/er
Schon Herzogs Ruckrede hat keinen Ruck erzeugt. Wulff hat überhaupt keine Message. Er hat nur geredet, weil nach dem Kalender einer reden musste. Für die professionellen Zuhörer in festlichem Gewand, die sich nicht trauten die Einheit auf der Strasse zu feiern.
Früher war der 17. Juni Tag der deutschen Einheit. Damals wurden wir daran erinnert, dass unsere Brüdern und Schwester die Tarifverhandlungen der Bauarbeiter am Straussbergerplatz gegen Panzer der Regierung führen mussten.
Es war die Regierung der SED, deren Jugendorganisation FDJ hieß, in der Angela Merkel stramm mitwirkte.
Heute will sich die Regierung in viele Tarifverhandlungen einmischen, statt für alle einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn zu schaffen wie die meisten führenden nichtsozialistischen Staaten ihn zur Stützung des Kapitalismus gegen Marktversagen haben. Aber die CDU redet von Panzern gegen die Bevölkerung (Schäuble: Bundeswehr im Inneren) und setzt Wasserwerfer gegen Kinder ein. Das sind die Fragen, die die deutsche Einheit bedrohen. Nicht das "gute" Gerede von Herrn Wulff.
Die religiösen Fragen, die Herr Wulff in den Vordergerund schieben will (als ehebrechender Katholik) interessieren die meisten Menschen als nationale Frage nicht. Die religiösen Fragen sind Privatsache und haben mit dem Staat und Nation nichts zu tun.
Chance vertan. Aber so ist das als Laufbursche von AM. Man macht "gute" Arbeit oder flüchtet. Aber zukunftsorientierte Politik für die Nation findet nicht statt.
"Aber die CDU redet von Panzern gegen die Bevölkerung (Schäuble: Bundeswehr im Inneren) und setzt Wasserwerfer gegen Kinder ein"
Lieber jan.dark, auch wenn dies nichts mit Herrn Wulf zu tun hat,
wie kriegen Sie Ihre Wechselhaftigkeit und immer radikalen Ansichten eigentlich unter einen Hut?
Vor ein paar Tagen wollten Sie doch selbst noch die Polizei und Bundeswehr auf die von Ihnen ausgemachten Staatsfeinde (Legalwaffenbesitzer) ansetzten. Als letzteres unterstellten Sie sogar noch dem grössten Deutschen Schützenverband Erfahrung in der Bekämpfung von Terroristen zu haben.
Wer sind Sie jan.dark und warum agieren Sie so?
Ich sage nur Vorsicht!!!
"Aber die CDU redet von Panzern gegen die Bevölkerung (Schäuble: Bundeswehr im Inneren) und setzt Wasserwerfer gegen Kinder ein"
Lieber jan.dark, auch wenn dies nichts mit Herrn Wulf zu tun hat,
wie kriegen Sie Ihre Wechselhaftigkeit und immer radikalen Ansichten eigentlich unter einen Hut?
Vor ein paar Tagen wollten Sie doch selbst noch die Polizei und Bundeswehr auf die von Ihnen ausgemachten Staatsfeinde (Legalwaffenbesitzer) ansetzten. Als letzteres unterstellten Sie sogar noch dem grössten Deutschen Schützenverband Erfahrung in der Bekämpfung von Terroristen zu haben.
Wer sind Sie jan.dark und warum agieren Sie so?
Ich sage nur Vorsicht!!!
"Er sagt mit dankenswerter Klarheit, dass inzwischen auch der Islam zu Deutschland gehört."
Ich halte die Diskussion von religiösen Fragen an nationalen Feiertagen für einen völligen Fehltritt. Das geht den ehebrechenden Katholiken gar nichts an, welcher Religion die Bürger fröhnen. Müssen sich die Atheisten demnächst auch von dem ehebrechenden Katholiken erzählen lassen, dass auch Atheismus in Deutschland geduldet wird? Oder warten etwa die Juden darauf, von Wulff geduldet zu werden?
[...]
Bitte aüßern Sie sich sachlich zum Thema des Artikels. Danke. Die Redaktion/er
...so schöne Reden hält. Endlich Ruhe, mit dem Köhler konnte man ja überhaupt nicht !
Ja, unser Christian hat alles sehr schön und liebevoll auf den Punkt gebracht, vor allem, dass Deutschland nun endgültig zum Islam mutiert. Das wahre Deutsche Volk wird natürlich hier nicht befragt und die "freie Presse" in diesem System jault immer schön mit der "Obrigkeit" mit. [...]
Bitte äußern Sie sich sachlich zum Thema das Artikels. Danke. Die Redaktion/er
Welche Freiheit meinen Sie? Die Freiheit von oder die Freiheit zu.
zufrieden sind!?
Welche Freiheit meinen Sie? Die Freiheit von oder die Freiheit zu.
zufrieden sind!?
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