Atommüll-Transport Castor-Trucks erreichen Gorleben

Die elf Atommüll-Behälter haben die letzten Kilometer in das Zwischenlager Gorleben hinter sich. Damit endet der längste Castor-Transport aller Zeiten.

Anti-nuclear protesters sit around bonfires as they block the main road to Germany's interim nuclear waste storage facility in the northern German village of Gorleben November 8, 2010. The controversial shipment of Castor containers with spent German nuclear fuel arrived in Dannenberg on Monday and will be loaded onto trucks before transportation to the nearby Gorleben intermediate storage facility in northern Germany after it left the French reprocessing plant of La Hague on Friday by train. The protesters, who have been joined by politicians from the Green Party, fear the interim depot in an abandoned salt mine near the town of Gorleben could become a permanent dump -- which Greenpeace says would be geologically unsafe in the long term. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: POLITICS CIVIL UNREST ENVIRONMENT IMAGES OF THE DAY BUSINESS ENERGY)

Etwa 92 Stunden nach ihrer Abfahrt in der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague sind die Behälter mit deutschem Atommüll im niedersächsischen Gorleben angekommen. Etwa eine Stunde nach dem Start im Verladebahnhof in Dannenberg erreichte der Atommüll das Zwischenlager.

Zuvor hatte die Polizei auf der Zufahrtstraße eine Sitzblockade mit Tausenden Atomgegnern aufgelöst. Eine zwölfstündige Blockade der Straße durch die Umweltorganisation Greenpeace mit einem Lastwagen hatte die Abfahrt in Dannenberg massiv verzögert.

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Der Transport war am Freitagnachmittag per Zug in der Nähe von La Hague gestartet. In Dannenberg hievte am Montag ein Kran die elf Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll auf Tieflader, da die letzten 20 Kilometer nach Gorleben auf dem Straßenweg bewältigt werden müssen.

Schienen- und Straßenblockaden stellten die Polizei in diesem Jahr immer wieder vor eine Geduldsprobe. Die Polizei räumte in den letzten Tagen mehrere Blockaden. Allein vor dem Zwischenlager harrten Tausende Castor-Gegner seit Sonntag 45 Stunden lang auf der Straße aus und verbrachten zwei Nächte bei Minusgraden, bevor sie weggeschickt und -getragen wurden.

Vor dem Verladebahnhof in Dannenberg hatten am Montagabend zwei Greenpeace-Mitglieder die Abfahrt der Tieflader mehr als zwölf Stunden verzögert. Sie hatten sich in einem als Bierlastwagen getarnten Lkw an einen Betonblock fixiert. Die Polizei setzte Bohrhämmer und schweres Spezialwerkzeug ein, um die beiden loszubekommen. Zudem räumten die Beamten auch eine Betonpyramide, an die sich Bauern gekettet hatten. 

Der diesjährige Castor-Transport ist der bisher langwierigste in Deutschland. Demonstranten reisten aus ganz Deutschland an, um gegen den Transport und die Atompolitik der Bundesregierung zu protestieren. Der Unmut der Menschen richtet sich vor allem gegen die Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke und den Plan, den Salzstock in Gorleben möglicherweise als Atommüll-Endlager auszubauen.  Der zuvor längste Castor-Transport hatte 2008 etwa 79 Stunden gedauert.

Demonstranten wollen künftige Transporte nun noch länger aufhalten. "Die nächste zu knackende Marke sind somit die 100 Stunden", schrieben Castor-Gegner nach Ankunft des Transports im Zwischenlager.

Nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft schützen bis zu 20.000 Polizisten den Transport. Wie hoch die tatsächlichen Kosten sind, ist noch unklar. Niedersachsen veranschlagte 25 Millionen Euro und verlangte, dass sich der Bund beteiligt. Der lehnte aber ab.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, machte die Bundesregierung mitverantwortlich für die Intensität der Proteste. Wer den Grundkonsens in der Atompolitik aufgebe, müsse damit rechnen, dass dies in der Gesellschaft zu Konflikten führe, sagte er. Die Polizisten hatten laut Freiberg im Wendland viele Überstunden machen müssen und unter erschwerten Bedingungen gearbeitet.
 

 
Leser-Kommentare
  1. friedlich zu protestieren, selbst die Polizei kritisiert die Regierung. Frau Merkel, um Ihre Worte zu gebrauchen, das ist revolutionär!

    Eine Leser-Empfehlung
    • Harzer
    • 09.11.2010 um 9:19 Uhr

    Hoffendlich wird "Gorleben 21" bald zu "Berlin 21" !

    Bitte führen Sie Ihre Meinung mit sachlichen Argumenten weiter aus. Danke. Die Redaktion/er

    • agnost
    • 09.11.2010 um 9:42 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/sh

  2. sind, meine ich, sehr vernünftig:

    Herr Wendt, der forderte, die Atomkonzerne sollten die Kosten der Transportsicherung aus Ihren zusätzlichen Milliardengewinnen finanzieren.

    Und Herr Freiberg, der zu Recht kritisierte, die Aufkündigung eines längst beschlossenen gesellschaftlichen Kompromisses in der Atompolitik sei verantwortlich für die Intensität der Proteste.

    Im Übrigen teile ich die Kritik der Polizeigewerkschaft, ein von der Politik initiierter Konflikt werde hier auf dem Rücken der eingesetzten BeamtInnen ausgetragen.

    Danke, die Herren!

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    Zur Kasse gebeten sollten doch wohl alle, die bei den Demonstrationen über das Mass Sitzblockade hinausgeschossen sind.

    - Demonstranten die sich an Gleise gekettet haben
    - Schotterer
    - Greenpeace und Robin Wood Aktivisten, die durch besondere Aktionen über das Ziel hinausgeschossen sind.

    Die Schadensersatzansprüche dürften so hoch sein, dass diese Personen sich das künftig wohl gut überlegen werden, noch einmal solch einen Zirkus zu veranstalten.

    [...]

    Mit Schwarz-Gelb wurde nun mal eine Regierung gewählt, die bereits VOR der Bundestagswahl angekündigt hatte, die Laufzeiten der AKW zu verlängern.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche. Danke. Die Redaktion/ag

    "eines längst beschlossenen gesellschaftlichen Kompromisses in der Atompolitik sei verantwortlich für die Intensität der Proteste."

    ein Kompromiss ? mit wem ? und von wem beschlosssen ?

    Da kann man genausogut verlangen den Beschluss der Schwarz/Gelben Regirung zu aktzeptiern , ist ja auch ein
    guter "Kompromiss"

    Zur Kasse gebeten sollten doch wohl alle, die bei den Demonstrationen über das Mass Sitzblockade hinausgeschossen sind.

    - Demonstranten die sich an Gleise gekettet haben
    - Schotterer
    - Greenpeace und Robin Wood Aktivisten, die durch besondere Aktionen über das Ziel hinausgeschossen sind.

    Die Schadensersatzansprüche dürften so hoch sein, dass diese Personen sich das künftig wohl gut überlegen werden, noch einmal solch einen Zirkus zu veranstalten.

    [...]

    Mit Schwarz-Gelb wurde nun mal eine Regierung gewählt, die bereits VOR der Bundestagswahl angekündigt hatte, die Laufzeiten der AKW zu verlängern.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche. Danke. Die Redaktion/ag

    "eines längst beschlossenen gesellschaftlichen Kompromisses in der Atompolitik sei verantwortlich für die Intensität der Proteste."

    ein Kompromiss ? mit wem ? und von wem beschlosssen ?

    Da kann man genausogut verlangen den Beschluss der Schwarz/Gelben Regirung zu aktzeptiern , ist ja auch ein
    guter "Kompromiss"

    • PALVE
    • 09.11.2010 um 10:04 Uhr

    in Protestierende und die sie Wegräumenden.
    Ganz nach dem Mott "Teile und herrsche."

    Wir sind EIN Volk!

    Wann begreifen wir das endlich?

    • Harzer
    • 09.11.2010 um 10:12 Uhr

    Liebe Redaktion,
    hier meine nähere Erläuterung:

    ...Also lasst den Schotter liegen und zieht nach Berlin. 50.000 Menschen haben in Dannenberg demonstriert. 50.000 bis 100.000 aber waren im September schon einmal im Regierungsviertel. Sie wussten: Im Zentrum der Macht gibt es mehr zu verändern. ...

    ...

    • Harzer
    • 09.11.2010 um 10:24 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/ag

  3. Zur Kasse gebeten sollten doch wohl alle, die bei den Demonstrationen über das Mass Sitzblockade hinausgeschossen sind.

    - Demonstranten die sich an Gleise gekettet haben
    - Schotterer
    - Greenpeace und Robin Wood Aktivisten, die durch besondere Aktionen über das Ziel hinausgeschossen sind.

    Die Schadensersatzansprüche dürften so hoch sein, dass diese Personen sich das künftig wohl gut überlegen werden, noch einmal solch einen Zirkus zu veranstalten.

    [...]

    Mit Schwarz-Gelb wurde nun mal eine Regierung gewählt, die bereits VOR der Bundestagswahl angekündigt hatte, die Laufzeiten der AKW zu verlängern.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vergleiche. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leser-Empfehlung
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    In Kostenkalkulation von Gütern muss der komplette Lifecycle berücksichtigt werden, auch dessen Entsorgung, sowie aller Risiken. So ist das in der gesamten Industrie, ausser(!) bei der Betreibung von Nuklearkraftwerken. Daher wäre es nur fair, wenn die großen Vier komplett dafür aufkommen. Und die Castordemonstranten - auch die, die "über das Ziel hinausschießen" - sind ebenfalls als Risikobetrag einzukalkulieren. Würde dies geschehen, müssten man den Nutzgehalt von Kernkraft neu bewerten. Allerdings ist es auch Fakt, dass diese Kosten von der Regierung getragen wird, bzw. immer getragen wurde.

    Wenn sie mich fragen, ein teures Geschenk - dies Jahr mindestens 25 Millionen Euro schwer.

    Auch ich lehne Formen des Protests ab, die über das Mittel der Blockade - ohne Gewalt gegen Personen und ohne Sachbeschädigungen - hinaus gehen.

    Die zuständige Staatsanwaltschaft (Lüneburg!?) hat übrigens schon angekündigt, gegen alle "Schotterer" Ermittlungsverfahren einzuleiten. Diese müssen also nicht nur theoretisch mit finanziellen und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen (was ihnen freilich vorher schon klar sein musste).

    Auch wenn ich diese versuchten Sabotageakte ebenso ablehne wie Sie - wobei ich allerdings nicht weiß, welche Straftaten Greenpeace oder Robin Wood begangen haben sollen -, ist das Umlegen der Einsatzkosten auf die Straftäter weder praktikabel noch rechtens.

    Die Schotterer hätten allenfalls für die Sachschäden aufzukommen, die sich einzelnen Tätern beweiskräftig zurechnen lassen, und das dürfte wohl schwierig sein.

    Ich halte es allemal für vernünftiger, dass die Produzenten des Atommülls, die zugleich die Profiteure der Laufzeitverlängerungen sind, die Kosten des Einsatzes (der ja keineswegs nur wegen der kleinen Minderheit der "Schotterer" stattfand!) tragen sollen, als dass das Bundesland und damit die Steuerzahler in NDS dafür herhalten müssen.

    Als Nutzer von Ökostrom würde ich es jedenfalls entschieden ablehnen, für die Folgekosten von Atomstrom zur Kasse gebeten zu werden.

    Die Atomkonzerne mit einer vergewaltigten Frau zu vergleichen, finde ich im Übrigen reichlich daneben.

    In Kostenkalkulation von Gütern muss der komplette Lifecycle berücksichtigt werden, auch dessen Entsorgung, sowie aller Risiken. So ist das in der gesamten Industrie, ausser(!) bei der Betreibung von Nuklearkraftwerken. Daher wäre es nur fair, wenn die großen Vier komplett dafür aufkommen. Und die Castordemonstranten - auch die, die "über das Ziel hinausschießen" - sind ebenfalls als Risikobetrag einzukalkulieren. Würde dies geschehen, müssten man den Nutzgehalt von Kernkraft neu bewerten. Allerdings ist es auch Fakt, dass diese Kosten von der Regierung getragen wird, bzw. immer getragen wurde.

    Wenn sie mich fragen, ein teures Geschenk - dies Jahr mindestens 25 Millionen Euro schwer.

    Auch ich lehne Formen des Protests ab, die über das Mittel der Blockade - ohne Gewalt gegen Personen und ohne Sachbeschädigungen - hinaus gehen.

    Die zuständige Staatsanwaltschaft (Lüneburg!?) hat übrigens schon angekündigt, gegen alle "Schotterer" Ermittlungsverfahren einzuleiten. Diese müssen also nicht nur theoretisch mit finanziellen und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen (was ihnen freilich vorher schon klar sein musste).

    Auch wenn ich diese versuchten Sabotageakte ebenso ablehne wie Sie - wobei ich allerdings nicht weiß, welche Straftaten Greenpeace oder Robin Wood begangen haben sollen -, ist das Umlegen der Einsatzkosten auf die Straftäter weder praktikabel noch rechtens.

    Die Schotterer hätten allenfalls für die Sachschäden aufzukommen, die sich einzelnen Tätern beweiskräftig zurechnen lassen, und das dürfte wohl schwierig sein.

    Ich halte es allemal für vernünftiger, dass die Produzenten des Atommülls, die zugleich die Profiteure der Laufzeitverlängerungen sind, die Kosten des Einsatzes (der ja keineswegs nur wegen der kleinen Minderheit der "Schotterer" stattfand!) tragen sollen, als dass das Bundesland und damit die Steuerzahler in NDS dafür herhalten müssen.

    Als Nutzer von Ökostrom würde ich es jedenfalls entschieden ablehnen, für die Folgekosten von Atomstrom zur Kasse gebeten zu werden.

    Die Atomkonzerne mit einer vergewaltigten Frau zu vergleichen, finde ich im Übrigen reichlich daneben.

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