Das ist kein besinnlicher erster Adventssonntag für den Hamburger Bürgermeister Christoph Ahlhaus, und die Verantwortung für die Bescherung liegt bei den Grünen. Ihre Fraktion und Landesvorstand beschlossen am Wochenende, die schwarz-grüne Koalition in der Hansestadt aufzukündigen und Neuwahlen zu fordern . Damit endet ein politischer Modellversuch, der auf Landesebene bisher einmalig war, aber als Blaupause für neue machtpolitische Bündnisse in Bund und weiteren Ländern galt.

Jetzt zeigt sich, dass die Freude über eine vermeintliche Ausweitung des politischen Spektrums verfrüht war. Zumal die Jamaica-Koalition aus CDU, FDP und Grünen im Saarland ebenfalls nicht als eine Traumgemeinschaft gilt. Das Scheitern des schwarz-grünen Experiments an der Elbe belegt: Die politische Farbenlehre der Bundesrepublik ist nicht so einfach zu erweitern. Die Hoffnung vieler moderater Konservativer in der Union, mit den Grünen könne künftig neben der FDP ein weiterer williger Juniorpartner zur Verfügung stehen, zerplatzt an der politischen Realität.

In Hamburg hielt das Bündnis zwischen CDU und Grünen nur so lange, wie der weltgewandte und liberale Christdemokrat Ole von Beust Erster Bürgermeister war. Mit seinem Abschied aus der Politik wurden die Brüche zwischen den Regierungsparteien sichtbar. Nach dem spektakulären Scheitern der Schulreform, dem politischen Hauptanliegen der Grünen und ihrer Frontfrau Christa Goetsch, konnte der Juniorpartner wenige Erfolge vorzeigen.

Die Grünen hatten aber einige Wahlkampfversprechen geopfert, um mitzuregieren. Dass das Steinkohlekraftwerk in Moorburg trotz aller Bedenken der Basis von den grünen Senatoren nicht gestoppt wurde, war da nur ein weiterer schmerzhafter Stachel.

Dennoch nutzte die Partei die Chance zu einem Ausstieg zunächst nicht. Die Basis der Hamburger Grünen stimmte der Bitte ihrer Spitze zu, auch nach von Beusts Ausstieg mit der CDU weiterzumachen. Nun, knapp 100 Tage später, hat die Spitze genug: Die Grünen stellen fest, "dass der Neustart nicht gelungen ist und dass die innere Stabilität in dieser Koalition nicht mehr da ist".

Das hat auch bundespolitische Konsequenzen. Im kommenden Jahr werden nun nicht nur die Landtage in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gewählt, sondern auch die Bürgerschaft in Hamburg. 2011 könnte damit zu einem Schicksalsjahr für Kanzlerin Angela Merkel werden. Mit jeder Niederlage in den Ländern dürfte die Stimmung in ihrer Partei, der Union, schlechter werden.

Der Wunsch nach weiteren schwarz-grünen Koalitionen wird künftig wohl weniger laut geäußert werden. Hamburg zeigt: Beide Parteien liegen in vielen Punkten noch so weit auseinander, dass die Koalitionen nicht stabil sind. Die Aufkündigung des Atomkonsenses auf Bundesebene macht neue schwarz-grüne Bündnisse nicht wahrscheinlicher.

Die SPD hingegen dürfte in eine recht vergnügliche Weihnachtszeit starten. Die Rückeroberung der einst roten Hochburg an der Elbe scheint machbar, und mit den starken Grünen als möglichem Bündnispartner auch der Regierungswechsel in anderen Bundesländern. Dann könnte künftig ein neues Farbenexperiment anstehen: Grün-Rot, mit den Sozialdemokraten als Juniorpartner.