Als er noch Bundespräsident war, gab Horst Köhler dem Deutschlandfunk ein Interview. Es sei für ein Land wie Deutschland mit seinem starken Außenhandel durchaus legitim, sagte er damals, "im Notfall" auf militärische Mittel zurückzugreifen, um wirtschaftliche Interessen zu wahren. Die Reaktion der Opposition auf diese Worte war scharf, Köhler trat wegen der Kritik im Mai von seinem Amt zurück .

Gute fünf Monate später springt ihm nun Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei. Es gelte in gewissen Kreisen immer noch als "überaus verwegen", den Zusammenhang zwischen Sicherheitspolitik und Wirtschaftsinteressen herzustellen, monierte der CSU-Politiker auf einer Konferenz in Berlin. Dies habe auch Köhler zu spüren bekommen, der für den Verweis auf diesen Kontext "fürchterlich geprügelt" worden sei.

Zwar habe sich das frühere Staatsoberhaupt in dem Interview "etwas sperrig ausgedrückt". Trotzdem frage er sich "bis heute, was so verwegen an dieser Aussage war", sagte Guttenberg. "Ich hätte mir von uns allen etwas mehr Unterstützung in dieser Fragestellung gewünscht."

Der Minister sprach sich dafür aus, in der Sicherheitspolitik "offen und ohne Verklemmung" auf wirtschaftliche Interessen einzugehen. Denn dieser Zusammenhang sei im Grunde etwas Selbstverständliches .

Das Weißbuch zur Bundeswehr – 2006 unter der großen Koalition verabschiedet – nennt als ein Interesse deutscher Sicherheitspolitik die Förderung des "freien und ungehinderten" Welthandels.