Schwarz-Grün geplatzt Beste Chancen für Hamburgs SPD
Genervt und im Alltag aufgerieben, so banal scheiterte das Experiment Schwarz-Grün. In Umfragen stehen CDU und GAL nicht gut da. Profitieren dürfte SPD-Vize Olaf Scholz.
Mit großen Worten haben sie’s nicht so in Hamburg. "Dies ist kein Experiment, sondern eine Chance", hat Ole von Beust vor zweieinhalb Jahren gesagt, als er seine Unterschrift unter den Vertrag setzte. Man hätte ihm das sogar fast glauben können, wenn dem CDU-Mann und der Grün-Alternativen Anja Hajduk dabei nicht von hinten, in Öl gemalt, einige Herren aus früheren Jahrhunderten mit steifgefältelter Senatorenhalskrause streng über die Schulter geschaut hätten.
Es war ein Experiment. Seit diesem Wochenende hat es keine Chance mehr. Schwarz-Grün an der Elbe ist gescheitert. Die Gründe sind banal. Die Folgen sind es nicht.
"Wir streben Neuwahlen an", sagt Jens Kerstan, Fraktionschef der Grün-Alternativen Liste (GAL). Die Pressekonferenz am Sonntagmittag im Orient-Saal eines schicken Hotels in Eimsbüttel kommt aus heiterem Himmel. Eine wirkliche Überraschung ist sie allerdings nicht.
Im Sommer war von Beust zu dem Schluss gekommen, dass er jetzt genug wertvolle Lebenszeit der Politik geopfert hat. Knapp einhundert Tage später, sagt Kerstan, müsse man feststellen, dass der Neustart unter dem neuen CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus nicht gelungen sei. "Absprachen und Abmachungen waren nicht belastbar", klagt Schulsenatorin Christa Goetsch. Auch in der Sache, ergänzt Justizsenator Till Steffen, habe es zunehmend Entfremdung gegeben: Streit über den CDU-Sparkurs in der Kultur, Zank über die Ablösung von Dirk Jens Nonnenmacher, des Chefs der Krisenbank HSH Nordbank.
Zuletzt ausgelöst hat den Bruch der fünfte CDU-Rücktritt in nur acht Monaten, der des Finanzsenators Carsten Frigge, – oder, um genauer zu sein: die Umstände, unter denen er ausschied. Frigge musste gehen, weil die Staatsanwaltschaft in seiner Heimat Rheinland-Pfalz ihn in die dortige CDU-Parteienfinanzierungsaffäre verwickelt sah. Die Grünen fanden den Mann sowieso eine Fehlbesetzung. Aber dass die CDU glaubte, den Koalitionspartner erst eine Viertelstunde vor Frigges Rückzug informieren zu müssen, war zu viel.
Als sich Fraktion und Landesvorstand der GAL am Samstag zur Klausur trafen, gab es dort niemanden mehr, der für ein Weiter so plädierte. Spät am Abend hoben alle die Hand für den Ausstieg. "Es gab nicht den großen Punkt, an dem sich der Unmut entzündet hätte", sagt ein Teilnehmer der Sitzung. "Es hat einfach nur nicht mehr funktioniert." Weniger eine Frage der Inhalte also, sondern eine Frage der Mechanik. Von Beust und seine Leute hätten selbst dann noch ein inneres Vertrauensverhältnis aufrechterhalten, als das Bündnis in der Volksabstimmung über die Schulpolitik eine schwere Niederlage hinnehmen musste. Unter dem Nachfolger Ahlhaus, bis dahin Innensenator, erodierte der Zusammenhalt.
"Selbst wenn wir uns auf etwas verständigt hatten, hatten wir das Gefühl, die würden es wieder nicht richtig umsetzen", sagt ein Grün-Alternativer. Aus bösem Willen? Nein, sagt der Mann. Aus Unfähigkeit. Die CDU hat es ja nicht mal geschafft, über den Rücktritt des Finanzsenators ihre eigenen Bürgerschaftsabgeordneten vollzählig zu informieren. Einige haben es von der SPD erfahren.
So banal kann ein Experiment scheitern. Abgenutzt, genervt, aufgerieben im Alltag. Aber – das gehört der Vollständigkeit halber erwähnt – auch ohne starkes Motiv, trotzdem weiterzumachen. Jeder der Partner mag für sich das eine oder andere Projekt gehabt haben, das er gerne zu Ende geführt hätte. Gemeinsam hatten sie keins mehr.
"Ich bin überrascht und enttäuscht", sagt Christoph Ahlhaus am Sonntag, bevor er in den eilends einberufenen CDU-Landesvorstand entschwindet. Überrascht sind sie alle, auch in Berlin. Enttäuscht allerdings – nein, dass die politische Szene der Republik enttäuscht wäre über das Ende dieses Muster-Bündnisses, das kann man nun wirklich nicht sagen.
Christian Lindner ist der Erste, der in Berlin die Sprache wiedergefunden hat. Das ist kein Wunder. Für die FDP ist Schwarz-Grün die Mesalliance in Reinform. "Aus purer Machttaktik", ätzt der Generalsekretär, hätten die Hamburger Grünen das Bündnis gesprengt, "um noch schnell die guten Umfragen im Bund zu nutzen, bevor die Blase platzt." Lindner wartet auf nichts sehnlicher als auf diesen zweiten Knall. Dass die Grünen den historischen Platz der Freidemokraten als Partner der Union einnehmen könnten, gehört zu den übelsten unter den liberalen Albträumen.
- Datum 29.11.2010 - 11:05 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Man sieht, mit den Grünen kann man keine Regierung bilden.
Sie sind unzuverlässig, schwer einschätzbar und vor allen
Dingen auf Krawall und Protest von der Strasse gebürstet.
Regieren ist mühsam und beschwerlich. Das gefällt diesen Herrschaften natürlich nicht. Außerdem schein ihnen die Zeit
für Neuwahlen günstig, da sie derzeit gute Umfragewerte haben. Vielleicht merken die Deutschen langsam, daß diese Partei nicht regierungsfähig ist. Auf wenige Themen ausgerichtet und auf Populistmus und Krawall.Zeigt diesen
Herrschaften die rote Karte und laßt sie in Zukunft in der
Opposition. Da können sie dann alles versrpechen und brauchen nichts zu halten.
Man sieht es, auch an der Bundesregierung, die CDU kann keine vernünftige Regierung bilden.
Sie ist unzuverlässig, unehrlich gegenüber dem Bürger/Wähler und vor allen ist ihre Politik ferngesteuert von Lobbyinteressen und in den meisten Fällen genau konträr der Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung.
Zitat: "Vielleicht merken die Deutschen langsam, daß diese Partei nicht regierungsfähig ist. Auf wenige Themen ausgerichtet...."
Ich nehme an, Sie haben sich verschrieben und meinten die FDP. Denn bei ihr haben die Deutschen längst gemerkt, dass sie nicht regierungsfähig und auf nur 1 Thema ausgerichtet ist.
Mir scheint, Sie haben den Artikel gar nicht gelesen, denn mit Ihrem Beitrag dokumentieren Sie nur Ihre undifferenzierten Vorurteile.
Dazu folgende Anmerkungen:
1. Unter Ole von Beust war die GAL ein sehr, vielen ihrer WählerInnen sogar zu zuverlässiger Koalitionspartner. Dass die GAL um der Koalition willen z. B. das Projekt Moorburg mitgemacht hat, sorgt für die im Bundesvergleich schlechten 10% in Umfragen; diese sind gewiss kein guter Grund, die Koalition aus taktischen Erwägungen
aufzukündigen.
2. Dazu, wer - seit Beusts Ausscheiden - der unzuverlässige Koalitionspartner war, hat Suryo in dem sehr guten Beitrag Nr. 2. alles Nötige geschrieben.
3. Bei den friedlichen Protesten gegen die schwarzgelbe Atompolitik und gegen Stuttgart21 waren die Grünen nur eine unter vielen unterschiedlichen politischen Organisationen, nicht der Organisator.
4. Von welchem "Krawall" fantasieren Sie? Weder die Ausschreitungen der Polizei in Stuttgart noch die gewalttätigen Randerscheinungen der Sitzblockaden im Wendland wurden von den Grünen initiiert oder mitgetragen.
5. Offenbar merken rund ein Fünftel der deutschen Wähler, dass die Grünen in der derzeitigen Parteienlandschaft - mit einer katastrophalen Regierung und einer schwächelnden SPD - die für sie relativ vernünftigste Alternative sind.
6. Es steht Ihnen frei, die Grünen nicht zu wählen. Ob und wo die Grünen Regierungsverantwortung bekommen, wird aber zum Glück immer noch demokratisch entschieden.
Man sieht es, auch an der Bundesregierung, die CDU kann keine vernünftige Regierung bilden.
Sie ist unzuverlässig, unehrlich gegenüber dem Bürger/Wähler und vor allen ist ihre Politik ferngesteuert von Lobbyinteressen und in den meisten Fällen genau konträr der Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung.
Zitat: "Vielleicht merken die Deutschen langsam, daß diese Partei nicht regierungsfähig ist. Auf wenige Themen ausgerichtet...."
Ich nehme an, Sie haben sich verschrieben und meinten die FDP. Denn bei ihr haben die Deutschen längst gemerkt, dass sie nicht regierungsfähig und auf nur 1 Thema ausgerichtet ist.
Mir scheint, Sie haben den Artikel gar nicht gelesen, denn mit Ihrem Beitrag dokumentieren Sie nur Ihre undifferenzierten Vorurteile.
Dazu folgende Anmerkungen:
1. Unter Ole von Beust war die GAL ein sehr, vielen ihrer WählerInnen sogar zu zuverlässiger Koalitionspartner. Dass die GAL um der Koalition willen z. B. das Projekt Moorburg mitgemacht hat, sorgt für die im Bundesvergleich schlechten 10% in Umfragen; diese sind gewiss kein guter Grund, die Koalition aus taktischen Erwägungen
aufzukündigen.
2. Dazu, wer - seit Beusts Ausscheiden - der unzuverlässige Koalitionspartner war, hat Suryo in dem sehr guten Beitrag Nr. 2. alles Nötige geschrieben.
3. Bei den friedlichen Protesten gegen die schwarzgelbe Atompolitik und gegen Stuttgart21 waren die Grünen nur eine unter vielen unterschiedlichen politischen Organisationen, nicht der Organisator.
4. Von welchem "Krawall" fantasieren Sie? Weder die Ausschreitungen der Polizei in Stuttgart noch die gewalttätigen Randerscheinungen der Sitzblockaden im Wendland wurden von den Grünen initiiert oder mitgetragen.
5. Offenbar merken rund ein Fünftel der deutschen Wähler, dass die Grünen in der derzeitigen Parteienlandschaft - mit einer katastrophalen Regierung und einer schwächelnden SPD - die für sie relativ vernünftigste Alternative sind.
6. Es steht Ihnen frei, die Grünen nicht zu wählen. Ob und wo die Grünen Regierungsverantwortung bekommen, wird aber zum Glück immer noch demokratisch entschieden.
Man kann sagen, was man will, aber in diesem Fall war es die CDU, die der unzuverlässige Koalitionspartner war.
Sie hat seit Antritt des schwarz-grünen Bündnisses allein sechs Senatoren ausgetauscht, agierte, wie im Artikel gut dargestellt, unkoordiniert und nicht verlässlich. Außerdem war ihre Personalwahl alles andere als glücklich. Der Hamburger goutiert nun mal keine Bürgermeister aus Baden-Württemberg.
Die Hauptschuld trägt nicht die angebliche "Dagegen-Partei", sondern hier ganz klar die CDU - und das sage ich als einer, der sicher keine von beiden Parteien wählen würde.
- geradezu sensationell war es doch, dass man eine CDU zu einer 6-jährigen Grundschule überreden konnte - gab es für die Grünen eben kaum noch etwas vorzuweisen. Dazu kam noch die eine oder andere unfreundliche Spitze von der Bundes-CDU, die die Motivation zum Weitermachen eben deutlich absenkte. Glaube aber nicht, dass schwarz-grün langfristig wirklich passè ist. Im Bund trennt vor allem die Atompolitik, denn bei Fragen des Klimaschutzes etc. gibt es ja auch große Übereinstimmmungen.
Aus dem Scheitern der schwarz-grünen Koalition in Hamburg lässt sich über dieses Bündnis generell gar nichts ableiten. Die erste rot-grüne Koalition in Hessen hielt sogar noch kürzer. Das waren damals zwar andere Zeiten, es ist aber insofern vergleichbar, dass neue Bündnisse eben eine gewisse Zeit brauchen um sich einzuschleifen. Im Übrigen ist auch der (in anderen Artikeln gemachte) Verweis auf die Koalition im Saarland verfehlt. Koalitionen aus drei Parteien sind immer wesentlich störanfälliger, auch die Ampelkoalition in Brandenburg hielt keine volle Legislaturperiode.
Eine ganz andere Frage ist wie groß die inhaltlichen Schnittmengen zwischen CDU und den Grünen sind. Auf Bundesebene muss man diese mit der Lupe suchen, sodass schwarz-grüne Koalitionen dort sowieso nicht realistisch sind. In Berlin kann man es sich vorstellen, falls die Grünen stärker als die SPD werden, aber wer will schon Berlin regieren? Auch in BW scheint es möglich, sollte es für rot-grün/grün-rot nicht reichen. Da sollte man einfach die vier Monate abwarten, dann werden wir es sehen.
Ok, dann aber sollten wir den Länderfinanzausgleich für Hamburg für diese Legislaturperiode aussetzen .
Sie sollen selber und ohne Hilfen von Außerhalb so wirtschaften,das sie sich selber über Wasser halten können .
Im Geldausgeben ist dieses Farbenspiel schnell bei der Sachen ,verdienen müssen es die Andern .
Nur zur Info: Hamburg gehörte im Länderfinanzausgleich schon immer zu den Gebern. Auch und gerade in den langen Jahrzehnten der SPD-Regierung.
Nur zur Info: Hamburg gehörte im Länderfinanzausgleich schon immer zu den Gebern. Auch und gerade in den langen Jahrzehnten der SPD-Regierung.
Keineswegs!
Olaf Scholz plakatiert
in Hamburg schon seit
Monaten und war zu Gast
beim Bilderberg-Treffen.
Das war im Juni in Spanien.
Muss man noch mehr dazu sagen?
Nur zur Info: Hamburg gehörte im Länderfinanzausgleich schon immer zu den Gebern. Auch und gerade in den langen Jahrzehnten der SPD-Regierung.
Was sich mit rot/grün natürlich ändern wird.Steht ja im Parteiprogramm der grünen !
Was sich mit rot/grün natürlich ändern wird.Steht ja im Parteiprogramm der grünen !
Was sich mit rot/grün natürlich ändern wird.Steht ja im Parteiprogramm der grünen !
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