Innenministerkonferenz Ausländische Jugendliche sollen eigenes Bleiberecht bekommen

Einigkeit bei den Innenministern: Junge Ausländer, die sich in Deutschland gut integrieren, sollen ein eigenes Bleiberecht erhalten. Ihre Familien schließt das nicht ein.

Bislang nur geduldete ausländische Kinder und Jugendliche können sich Hoffnung auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland machen. Die Innenminister von Bund und Ländern verständigten sich bei ihrer Herbstkonferenz darauf, gut integrierten jungen Ausländern ein eigenes Bleiberecht zu ermöglichen. Voraussetzung sei, dass die Jugendlichen die deutsche Sprache beherrschten und gute Schulleistungen vorwiesen . Dadurch sollen diejenigen, die sich anstrengen und eine Perspektive haben, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, aus dem Duldungsstatus herausgeholt werden, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zum Abschluss der Innenministerkonferenz (IMK). Dies gelte jedoch nicht für die Eltern.

Bisher ist der aufenthaltsrechtliche Status von in Deutschland geduldeten minderjährigen Ausländern von dem ihrer Eltern abhängig. Werden diese abgeschoben, etwa weil ihre Duldung abläuft, müssen die Kindern mitgehen. Das gilt auch, wenn sie noch zur Schule gehen und sich allgemein gut eingelebt haben. An dieser Regelung gibt es seit längerem Kritik, auch aus den Reihen der Innenminister. Das Thema Bleiberecht fällt in ihren Zuständigkeitsbereich.

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"Wir brauchen die Jugendlichen in der Zukunft aufgrund der negativen demografischen Entwicklung ", sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) betonte, man wolle ein Zeichen dafür setzen, dass gut integrierten jungen Menschen "eine Perspektive in Deutschland eröffnet wird".

Der IMK-Vorsitzende, Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU), sprach von einem Durchbruch. Auf der Innenministerkonferenz seien sich CDU- und SPD-regierte Länder einig gewesen. Vahldieck sagte, wer sich der Integration entziehe, müsse "entsprechend negativ sanktioniert" werden können. Als Beispiele nannte de Maizière Bußgelder, eine Pflicht zur Wiederholung eines Integrationskurses – oder auch die Ausweisung. Der Bundesinnenminister sagte: "Wir wollen (...) klarer machen, dass die willkommen sind, die sich gut integrieren, gerade Jugendliche, und dass wir nicht akzeptieren, dass sich andere nicht integrieren."

Die Eltern der Jugendlichen sollen bis zu deren Volljährigkeit automatisch geduldet werden. Danach müssten sie aber eigenständig die Voraussetzungen für den weiteren Aufenthalt in Deutschland erfüllen, sagte de Maizière. Sie sollen ein Aufenthaltsrecht erhalten, wenn sie "ausreichend Integrationsleistungen" erbracht haben und den Lebensunterhalt ihrer Familien überwiegend sichern können. Der Erfolg der Integrationskurse , deren Angebot in den vergangenen Monaten deutlich ausweitet wurde, soll überprüft werden. Dies soll durch einen Datenaustausch zwischen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, den Trägern der Kurse sowie den Sozial- und Ausländerbehörden erreicht werden. Dies soll im Aufenthaltsgesetz und der Integrationskursverordnungen geregelt werden.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) unterstützt die Idee, integrierten Jugendlichen ein Bleiberecht zuzubilligen und sie damit zu motivieren. Sie hatte bereits ein Papier dazu ausarbeiten lassen. Demnach sollen alle Minderjährigen in den Genuss der neuen Bleibeoption kommen, die mindestens zwei oder drei Jahre in Deutschland leben, deutsch sprechen und sich zudem in die hiesigen "Lebensverhältnisse" einfügen. "Der Durchbruch der Innenministerkonferenz ist ein Hoffnungszeichen, dass eine moderne Integrationspolitik über die Parteigrenzen hinweg endlich Realität wird", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Sie kündigte an, den IMK-Beschluss rasch umzusetzen, "auch wenn wir über die konkrete Ausgestaltung noch ausführlich beraten müssen." Integration sei keine Bringschuld von Ausländern, sondern eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft.

Die Grünen lobten den IMK-Beschluss als Schritt in die richtige Richtung. "Endlich ist auch bei den Innenministern angekommen, dass die bisherige Bleiberechtsregelung die Kinder für das Handeln ihrer Eltern in Haftung genommen hat", teilte Grünen-Fraktionsvize Josef Winkler mit. Auch die FDP hält die Entscheidung für grundsätzlich richtig. "Allerdings muss die Frage beantwortet werden, ob dann durch das geltende Recht auf Familienzusammenführung eine Zuwanderung von weiteren Personen, die nicht in Deutschland integriert sind, ermöglicht wird", sagte die FDP-Bildungsexpertin Sylvia Canel.

Die Fraktion Die Linke kritisierte den Beschluss dagegen als "unmenschlich", wie die innenpolitische Sprecherin Ulla Jelpke mitteilte. "Er läuft darauf hinaus, Familien auseinanderzubrechen." Er sei ein Signal für eine verschärfte Spaltung der Gesellschaft – "in Menschen, die als nützlich, und solche, die als unnütz angesehen werden". Die Linken forderten ein bedingungsloses Bleiberecht für alle langjährig Geduldeten. Der Präsident des Caritas-Verbandes, Peter Neher, sagte, die IMK-Entscheidung sichere zumindest einigen Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien den Aufenthalt in Deutschland. "Eine Lösung im Interesse der rund 87.000 Menschen, die seit langer Zeit nur geduldet in Deutschland leben, sind sie nicht." Er kritisierte zudem die Kopplung des Bleiberechts für Jugendliche an "Nützlichkeitserwägungen". Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl sprach von einer "Minimallösung".

 
Leser-Kommentare
  1. [...]

    Wo ist das Problem die Duldung beizubehalten? Bzw. Abhängig vom Einkommen oder dem Benehmen. Ein Jugendlicher mit Perspektive kann auch ohne Doppelpass und Sozialhilfegarantien erfolgreich sein...

    Gekürzt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Die Redaktion/sh

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    Der Kommentar, auf den Sie sich bezogen, wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/sh

    • joG
    • 20.11.2010 um 8:11 Uhr

    ....wie viel Wind um kleine Änderungen gemacht wird, die in einer normalen Gesellschaft selbstverständlich wären. Daran kann man die Größe des Problems ausmachen, die Xenophobie in der deutschen Bevölkerung tatsächlich ist.

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    • joG
    • 20.11.2010 um 8:11 Uhr

    ....wie viel Wind um kleine Änderungen gemacht wird, die in einer normalen Gesellschaft selbstverständlich wären. Daran kann man die Größe des Problems ausmachen, die Xenophobie in der deutschen Bevölkerung tatsächlich ist.

  2. Gab's schon in Australien.
    Da nannte man das "Gestohlene Generation".
    Alles gut christlich übrigens.

    Wie sehr muss ich mich meiner "Regierung" eigentlich noch schämen?
    Ist mir schlecht.

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    ...strukturelle Ähnlichkeit meinte ich mit meinem zensierten Kommentar. Aber das von mir gewählte Beispiel lag eben nicht bei den "bösen Ausländern" in Australien, sondern war zu nah an der "nationalen Ehre", gegen deren Beschmutzung die ZEIT-Zensoren offenbar rigide vorgehen zu müssen meinen. Ich bin gespannt, ob und wie lange Ihr Vergleich hier noch stehen bleiben darf.

    ...strukturelle Ähnlichkeit meinte ich mit meinem zensierten Kommentar. Aber das von mir gewählte Beispiel lag eben nicht bei den "bösen Ausländern" in Australien, sondern war zu nah an der "nationalen Ehre", gegen deren Beschmutzung die ZEIT-Zensoren offenbar rigide vorgehen zu müssen meinen. Ich bin gespannt, ob und wie lange Ihr Vergleich hier noch stehen bleiben darf.

  3. 3. Infos

    Gibt es dazu irgendwo nähere Informationen?
    Was bedeutet "gute schulische Leistungen"?
    Wird ein Hahuptschüler, der mittelmäßige Noten hat, schon davon profitieren oder wird das ganze eventuell noch niedriger angesetzt?
    Weshalb lese ich nichts zur Straffälligkeit?
    Kann ein vorbestrafter Jugendlicher davon auch profitieren?

    Prinzipiell bin ich absolut dafür integrierten Jugendlichen dauerhaft die Möglichkeit geben in Deutschland zu leben. Aber ich befürchte bei unseren Politikern, dass das ganze so verwässert wird, dass die Intensivtäter davon auch profitieren werden.

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    Wird jährlich nach Bedarf angepasst.

    Wenn der Schüler zwar gut ist aber Muslim, gar Kopftuch trägt oder Götter anbetet, die nicht in christlich/jüdischer Tradition stehen, gibt's Abzüge.

    • Buh
    • 19.11.2010 um 22:26 Uhr

    Nicht der Nutzen für Deutschland ist relevant. Dieses Nützlichkeitsdenken ist doch abartig. Nicht der Nutzen ist muss gesehen werden, sondern das Wesen des Menschen. Wenn ein Jugendlicher hier lebt, hier Freunde hat, hier zur Schule geht. Wenn sein Lebensmittelpunkt Deutschland ist, dann sollte dieser Jugendliche selbstverständlich als Bürger dieses Landes angesehen werden, ob nun mit oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Man kann ja zuerst auch einfach die unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilen, wie ich sie habe.

    So sollte es sein, übrigens nicht nur für Jugendliche. Auch Erwachsene sollten dieses humanen Grundsatzes entsprechend behandelt werden.

    Sehen wir es doch ein. Migration ist kein Problem für Gedankengut wollen es zu einem machen. Meine Lebensrealität ist aber eine andere und ich sehe in Umfragen und Studien auch meine Meinung bestätigt.

    Ein Mensch, der seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hat, sollte als Deutscher akzeptiert werden. Ohne Nützlichkeitsabwägungen, ohne ekelhafte Vokabeln wie "Humankapital" in den Mund zu nehmen.

    Was nützt uns all unser Reichtum, wenn wir menschlich versagen?

    Wird jährlich nach Bedarf angepasst.

    Wenn der Schüler zwar gut ist aber Muslim, gar Kopftuch trägt oder Götter anbetet, die nicht in christlich/jüdischer Tradition stehen, gibt's Abzüge.

    • Buh
    • 19.11.2010 um 22:26 Uhr

    Nicht der Nutzen für Deutschland ist relevant. Dieses Nützlichkeitsdenken ist doch abartig. Nicht der Nutzen ist muss gesehen werden, sondern das Wesen des Menschen. Wenn ein Jugendlicher hier lebt, hier Freunde hat, hier zur Schule geht. Wenn sein Lebensmittelpunkt Deutschland ist, dann sollte dieser Jugendliche selbstverständlich als Bürger dieses Landes angesehen werden, ob nun mit oder ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Man kann ja zuerst auch einfach die unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilen, wie ich sie habe.

    So sollte es sein, übrigens nicht nur für Jugendliche. Auch Erwachsene sollten dieses humanen Grundsatzes entsprechend behandelt werden.

    Sehen wir es doch ein. Migration ist kein Problem für Gedankengut wollen es zu einem machen. Meine Lebensrealität ist aber eine andere und ich sehe in Umfragen und Studien auch meine Meinung bestätigt.

    Ein Mensch, der seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hat, sollte als Deutscher akzeptiert werden. Ohne Nützlichkeitsabwägungen, ohne ekelhafte Vokabeln wie "Humankapital" in den Mund zu nehmen.

    Was nützt uns all unser Reichtum, wenn wir menschlich versagen?

  4. Wie soll das funktionieren? Sollen die Eltern zurück nach Somalia und die Kinder bleiben hier? Es wird darauf hinauslaufen, daß per Familienzusammenführung die ganzen Familien hierbleiben. Damit wird das Asylrecht ausgehebelt. Jetzt schon gibt es genug Möglichkeiten, Asylverfahren hinauszuzögern. So werden die 2 Jahre Mindestaufenthalt in D zum Regelfall. Des weiteren werden die meisten abgelehnten Asylsuchenden geduldet. Das heißt: wer es schafft, unsere Grenzen zu überwinden, ist hier und bleibt hier - er braucht nur Kinder vorzuweisen und das Asylverfahren zwei Jahre auszudehnen.
    Mir scheint, die Innenminister machen sich über die Praxis wenig Gedanken und geben dem Druck der veröffentlichten Meinung vorschnell nach.
    Wenn Kinder bei uns Deutsch, Mathe, Biologie usw gelernt haben, nehmen sie eine gute Bildung mit nach Hause. Die kann auch in der Heimat nützen.

  5. Entfernt. Verzichten Sie bitte auf unsachliche Vergleiche. Die Redaktion/sh

  6. Entfernt. Bitte achten Sie gemäß der Netiquette auf sachliche und konstruktive Beiträge. Danke. Die Redaktion/km

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    [...]
    Zum Glück bin ich befreit von Ihrer Gedankenwelt. Nicht auszudenken, mich befiele ebensolch wahnhafte Vergleiche!!

    Anm: Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde zwischenzeitlich moderiert. Danke. Die Redaktion/km

    Wenn nun schon Vergleiche (man merke: keine Gleichsetzungen!) verboten sind, was bleibt einem da noch zu sagen?

    [...]
    Zum Glück bin ich befreit von Ihrer Gedankenwelt. Nicht auszudenken, mich befiele ebensolch wahnhafte Vergleiche!!

    Anm: Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde zwischenzeitlich moderiert. Danke. Die Redaktion/km

    Wenn nun schon Vergleiche (man merke: keine Gleichsetzungen!) verboten sind, was bleibt einem da noch zu sagen?

  7. Der Kommentar, auf den Sie sich bezogen, wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/sh

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