Versuchte Anschläge Bundesregierung sucht Mittel gegen Paketbomben
Die Bundesregierung hat Luftfracht aus dem Jemen verboten. Auch andere Staaten könnten auf die Liste kommen. Lückenlose Kontrolle wird aber nicht möglich sein.
Die Idee ist nahe liegend und wurde clever ausgeführt. Mutmaßliche Terroristen gaben im Jemen zwei Pakete auf, die per Luftfracht in die USA verschickt werden sollten. Beide Sendungen enthielten Drucker, deren Tintenpatronen mit Sprengstoff gefüllt wurden. Die Zündmechanismen waren der Druckerelektronik geschickt nachempfunden: auch mit modernen Röntgengeräten wäre es schwierig gewesen, die Bomben zu erkennen.
Nach einem Hinweis aus Saudi-Arabien wurde das BKA auf eines der Pakete aufmerksam, das auf dem Flughafen Köln-Bonn in der Nacht zu Freitag bereits in eine Maschine nach Großbritannien verladen worden war – sie wurde dort gestoppt und durchsucht.
Obwohl die Bundesregierung den Eindruck vermeiden will, die Sicherheitsdienste seien von dieser Art der Attacke überrascht worden, sagten Behördensprecher am Montag, es habe im Vorhinein keinerlei Hinweise auf einen solchen Attentatsversuch gegeben. Zweifellos haben die Täter aber versucht, eine bislang wenig beachtete Schwachstelle im Flugverkehr auszunutzen.
Der Päckchentrick beruht darauf, dass Luftfracht nicht mehr kontrolliert wird, sobald sie einmal in das weltumspannende Transportsystem gelangt ist. Die Pakete wurden in Sanaa, der Hauptstadt des Jemens, zwar überprüft, die Sprengsätze allerdings nicht gefunden. Ob das an der raffinierten Bauweise lag oder an nachlässiger Kontrolle, wissen die Sicherheitsbehörden noch nicht.
- Chronik
Am 29. Oktober wurden westliche Geheimdienste nachts um 1.34 Uhr von saudi-arabischen Kollegen auf zwei Pakete mit Sprengstoff hingewiesen. Diese seien in Sanaa im Jemen an die Kurierdienste UPS und FedEx übergeben worden. Das UPS-Paket wurde wenige Minuten später auf dem deutschen Flughafen Köln-Bonn bereits in eine Maschine nach Großbritannien verladen. Auf dem Flughafen East Midlands nahe London wurde es um 4:40 Uhr geborgen. Das FedEx-Paket wurde Freitagmorgen um 7:18 in Abu Dhabi (Dubai) aus dem Verkehr gezogen.
- Luftfracht
Luftpost-Sendungen werden von den großen Paket- und Lieferdiensten entweder in eigenen Frachtmaschinen transportiert, oder als Zuladung in Passagierflugzeugen (nach Auskunft des Bundesverkehrsministeriums etwa 60 Prozent des Gesamtaufkommens). Da die Routen nach den logistischen Kapazitäten angepasst werden, ist ihr genauer Verlauf schwer vorherzusagen. Die Ausnutzung des weltweiten Frachtsystems für terroristische Aktivitäten erfordert genaue Kenntnis der Logistik-Ketten.
- Sprengstoff
Die Patronen der Drucker wurden mit dem Sprengstoff PETN (Nitropenta) gefüllt. Die verwendeten Mengen von 300 und 400 Gramm hätten ausgereicht, die Flugzeuge zum Absturz zu bringen. PETN kann von Sprengstoffhunden nicht gefunden werden, wenn es nicht mit anderen Stoffen vermischt wird. Das kommt nach Expertenauskunft allerdings selten vor. PETN explodiert bei Temperaturen über 175 Grad Celsius oder nach Auslösung eines Zünders.
- Kontrollen
In Deutschland sind die Speditionen für die Sicherheitsüberprüfung ihrer Fracht zuständig. Ihre Mitarbeiter werden von deutschen Behörden auf ihre Vertrauenswürdigkeit geprüft. In vielen Drittstaaten, wie etwa im Jemen, fürchten Experten Sicherheitslücken. Ist die Fracht einmal an Bord einer Maschine, wird sie bis zu ihrer Ankunft am Zielort in der Regel nicht mehr überprüft. Die Bomben in den Druckerpatronen wurden nur entdeckt, weil der saudi-arabische Geheimdienst einen sehr gezielten Hinweis gegeben hatte.
- Maßnahmen
Kurz nach den Bombenfunden wurden alle Speditionen angewiesen, bereits in Deutschland befindliche Fracht aus dem Jemen zu überprüfen und keine weiteren Sendungen nach Deutschland zu bringen. Die Maßnahme betrifft vor allem das DHL-Drehkreuz Leipzig/Halle. Die jemenitische Airline Yemenia hat Landeverbot in Deutschland. Gemeinsam mit Belgien, das die europäische Ratspräsidentschaft innehat, sollen europaweite Maßnahmen beschlossen werden. Eine Expertenkommission der Bundesregierung prüft unter anderem verschärfte Kontrollen für Fracht aus weiteren Staaten.
Die Experten können (oder wollen) ebenfalls noch nicht sagen, was das Ziel der Täter war, oder wie genau die Bomben hätten gezündet werden sollen. Es deutet aber viel darauf hin, dass mit den Sprengsätzen Flugzeuge zum Absturz gebracht werden sollten. Die verwendete Sprengstoffmenge hätte dafür ausgereicht. Ein Regierungssprecher sagte am Montag, dass im Zündmechanismus Teile von Mobiltelefonen verbaut worden seien. "Das hätte funktioniert", so der Sprecher.
Um einen per Luftfracht verschickten Sprengsatz am gewünschten Ort oder in einer ganz bestimmten Maschine zu zünden, braucht es genaue Kenntnis der weltweiten Logistiksysteme. Je nach Kapazität werden Sendungen auf verschiedene Routen und Maschinen verteilt. Ob die Täter über solches Spezialwissen verfügten, oder ob die zwei Pakete der Erkundung möglicher Transportwege dienten, ist ebenfalls noch nicht bekannt.
Unabhängig davon, was die westlichen Geheimdienste und Behörden in den nächsten Tagen herausfinden, wird es unmöglich sein, im Frachtverkehr eine hundertprozentige Sicherheit herzustellen. Die einzig sichere Methode wäre, jeden Frachtcontainer an jedem Umschlagort (oder zumindest vor der Verschickung nach Europa oder in die USA) genau zu untersuchen. Doch das brächte den Welthandel mit zeitkritischen Waren zum Erliegen. Luftfracht ist eilige Fracht, ständige Kontrollen würden ihre Laufzeiten um mehrere Tage verlängern.
- Datum 01.11.2010 - 18:32 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die wichtigste Aussage sollte man auch so darstellen: Absolute Sicherheit lässt sich nicht erreichen.
Tatsächlich nennt der Artikel - anders als so manche Hysterie-Nachricht der letzten Tage - einige der kritischen Punkte, bleibt aber leider immer noch im Wunsch verhaftet, mehr tun zu wollen. Doch die Möglichkeiten, Schaden anzurichten, erstrecken sich nicht nur auf diesen Sprengstoff, nicht nur auf diese Versandprodukte und nicht nur auf diesen Weg. Plausibilitätsprüfungen sind eine nette Idee, aber momentan wird daraus eher umgekehrt ein Schuh: Was waren das für geplante Anschläge, die so konzentriert mit Absendeort und Adressat Misstrauen wecken müssen? Auch beim Punkt erhaltene Hinweise bleiben eher Fragen offen, so dass tatsächlich viel Raum für andere Deutungen bleibt.
Und da sind wir dann bei den überschnellen, hysterischen Reaktionen. Mehr Kontrollen, mehr Personal, mehr Verbote - schallt es angesichts dieser Nichtigkeit nun von mancher Seite bar jeder Vernunft. Vielleicht ist dieser geistige Sprengstoff viel schlimmer?
Die Sofortmaßnahmen auch der deutschen Regierung zeigen nur eins: Auch hier agiert populistischer Wahnsinn. Die Terroristen sollten daraus lernen. Einfach mal ein bisschen Sprengstoff in eine deutsche Warenlieferung ins Ausland versteckt und schon entsteht für die Wirtschaft ein Schaden, der ungleich größer ist als ein explodierendes Paket.
Oder lernt die Politik etwas daraus?
Ganz so einfach ist die Geschichte allerdings auch nicht, auch wenn das Schlagwort "Populismus" versucht, diesen Punkt zu überdecken.
Denn wenn wir von der Theorie ausgehen, sind die Politiker nach wie vor verantwortlich für die Rahmenbedingungen, welche sie schaffen.
Sprich: Politiker, die mit der Sicherheit der Bürger betraut sind, sind letztendlich dafür verantwortlich, dass auch wirklich Sicherheit für die Bürger besteht.
Das lässt sich verstehen, wenn wir den Spieß umdrehen und überlegen, was passiert wenn diese Politiker nicht auf aktuelle Ereignisse reagieren. Irgendwann, sagen wir mal 10 Jahre in der Zukunft, gelingt dann doch mal ein Anschlag.
Und dann beginnen auch die Ermittlungen nach den Drahtziehern und den Umständen. Im Zuge dieser Ermittlung wird dann auch von den Politikern gefordert, Rede und Antwort zu stehen. Denn diese müssen sich dann rechtfertigen und nachweisen, dass sie nicht fahrlässig gehandelt haben.
Die Verantwortung, welche die Politiker tragen bedeuten eben, dass sie reagieren müssen. Sie müssen sich Gedanken machen. Dabei sollte natürlich das Ergebnis nicht vorher schon feststehen, was leider allzu oft der Fall ist.
Aber die Tatsache, dass sie reagieren müssen, darf man nicht einfach als Populismus abtun, das wird der Verantwortung nicht gerecht.
"lernt die Regierung daraus?"
Mitnichten, sie geht in den Angriff über und FORDERT von der EU Gesetze zur verstärkten Luftfrachtkontrolle.
Hat Deutschland denn keine eigenen Gesetze? De Maiziere hat doch zugegeben, dass nicht genügend kontrolliert wird! Wenn es Gesetze gibt, dann sollten diese auch eingehalten werden!!!
Wenn diese Kontrolle so schwierig ist, sollte man sie genauso intensivieren, wie die Personenkontrolle!
Und wieso hat man in England besser kontrolliert und das Paket entdeckt?
Verschiedenen Ländern - Jemen, Somali z.B.- Landeverbot zu erteilen ist sicher keine Lösung, denn davon sind doch im Grunde genommen nur die Reisenden betroffen, für die Fracht wird eine andere Lösung gefunden!
Bei all der Panikmache vor dem Terrorismus kann ich nicht verstehen, weshalb Frachtkontrollen so lau sind. Mich und meine 5 Jahre alte Enkelin hat man in Budapest und auch in Berlin jedenfalls schon mehr als gründlich kontrolliert!!!
Ganz so einfach ist die Geschichte allerdings auch nicht, auch wenn das Schlagwort "Populismus" versucht, diesen Punkt zu überdecken.
Denn wenn wir von der Theorie ausgehen, sind die Politiker nach wie vor verantwortlich für die Rahmenbedingungen, welche sie schaffen.
Sprich: Politiker, die mit der Sicherheit der Bürger betraut sind, sind letztendlich dafür verantwortlich, dass auch wirklich Sicherheit für die Bürger besteht.
Das lässt sich verstehen, wenn wir den Spieß umdrehen und überlegen, was passiert wenn diese Politiker nicht auf aktuelle Ereignisse reagieren. Irgendwann, sagen wir mal 10 Jahre in der Zukunft, gelingt dann doch mal ein Anschlag.
Und dann beginnen auch die Ermittlungen nach den Drahtziehern und den Umständen. Im Zuge dieser Ermittlung wird dann auch von den Politikern gefordert, Rede und Antwort zu stehen. Denn diese müssen sich dann rechtfertigen und nachweisen, dass sie nicht fahrlässig gehandelt haben.
Die Verantwortung, welche die Politiker tragen bedeuten eben, dass sie reagieren müssen. Sie müssen sich Gedanken machen. Dabei sollte natürlich das Ergebnis nicht vorher schon feststehen, was leider allzu oft der Fall ist.
Aber die Tatsache, dass sie reagieren müssen, darf man nicht einfach als Populismus abtun, das wird der Verantwortung nicht gerecht.
"lernt die Regierung daraus?"
Mitnichten, sie geht in den Angriff über und FORDERT von der EU Gesetze zur verstärkten Luftfrachtkontrolle.
Hat Deutschland denn keine eigenen Gesetze? De Maiziere hat doch zugegeben, dass nicht genügend kontrolliert wird! Wenn es Gesetze gibt, dann sollten diese auch eingehalten werden!!!
Wenn diese Kontrolle so schwierig ist, sollte man sie genauso intensivieren, wie die Personenkontrolle!
Und wieso hat man in England besser kontrolliert und das Paket entdeckt?
Verschiedenen Ländern - Jemen, Somali z.B.- Landeverbot zu erteilen ist sicher keine Lösung, denn davon sind doch im Grunde genommen nur die Reisenden betroffen, für die Fracht wird eine andere Lösung gefunden!
Bei all der Panikmache vor dem Terrorismus kann ich nicht verstehen, weshalb Frachtkontrollen so lau sind. Mich und meine 5 Jahre alte Enkelin hat man in Budapest und auch in Berlin jedenfalls schon mehr als gründlich kontrolliert!!!
Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen. Danke. Die Redaktion/km
Wer in den USA bestellt Drucker aus dem Jemen? Die Pakete wären mit Sicherheit vom Empfänger nicht geöffnet worden. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass jemand anderes diese Pakete "bestellt" hat um die Angst vor Terror-Anschlägen zu schüren und den Weg freizumachen für noch mehr Überwachung und Kontrolle. Seltsam ist auch der Zeitpunkt. Sind nicht bald Wahlen in den USA? Ich kann mir nicht vorstellen, das al-Qaida Pakete mit Druckern verschickt.
Moin,
die Ausrichtung des Handelns ist unverändert unangemessen und keinesfalls zielführend. Wir schränken das freie Leben und damit die freiheitlich-demokratische Grundordnung zunehmend ein, die Maßnahmen sind ob der realen Bedrohungslage nur noch als grotesk zu umschreiben. Der Terrorismus wird dabei zu einer Bedrohung der Welt hoch stilisiert. Nein, ich möchte hier nicht behaupten, er stelle keine Gefahr dar; es gibt aber durchaus größere Gefahren.
Alle Maßnahmen orientieren sich weltweit aber darauf, Terroristen oder vermeintliche Terroristen zu jagen, merkt aber nicht, dies ist ein Kampf gegen eine Hydra. Wer wirklich und nachhaltig verhindern möchte, dass Terrorismus in der Welt ist, der muss verhindern, dass Leute zu Terroristen werden. Die RAF und ihre Nachfolger haben weitgehend den eigenen Irrweg erkannt, weil der Staat trotz aller Fahndunsmaßnahmen, die noch heute in Kraft sind, als freiheitlicher Staat unerschütterlich erkennbar blieb. Heute bedarf es nur eines nach Sprengstoff riechenden Schuhabsatzes und die Leute gehen barfuß ins Flugzeug, einer Druckerpatrone mit Sprengstoff und die Luftfracht wird eingestellt. Hier erkennen die Terroristen eben nicht ihren Irrweg; im Gegenteil, man bestärkt sie.
Die Verhinderung von Terroristen muss im Kopf geschehen, was weniger mit Waffen, Kontrollen, Verboten und Macht funktioniert, mehr mit Argumenten und sozialen und gesellschaftlichen Verbesserungen; hilft übrigens auch gegen Fanatikennachwuchs.
Beste Grüße
Grabert
In der Computersprache würde man davon sprechen, dass es sich um eine Meta-Sicherheitslücke handelt, oder gar um ein "broken by design".
Die Geschichte mit dem Terrorismus schlägt nämlich zielgenau in die Schnittstellen unserer Gesellschaft. Wir sind nur Teil dieses "Spiels", mit uns wird gespielt wie mit Schachfiguren. Unsere Institutionen werden dabei gnadenlos missbraucht.
Da sind zum einen erstmal wir selbst, die wir Angst vor unbekannten Drohungen haben. Das alleine ist noch zu abstrakt.
Dazu kommt aber wie in meiner vorherigen Antwort beschrieben die Pflicht der Politiker, darauf zu reagieren.
Gleichzeitig spielen die Medien eine Rolle, welche über die Einzelfälle berichten und ihnen dadurch den Status von etwas besonderem geben.
Das Zusammenspiel dieser drei Faktoren bestimmt die Auseinandersetzung und ist in meinen Augen für die immer krasseren Reaktionen verantwortlich. Nur an einer dieser drei Stellen anzusetzen greift meines Erachtens zu kurz.
Und somit wird der Terrorismus bestimmend über einen Teil unseres Lebens. Dass ein Zusammenhang zwischen Anschlagsversuchen bzw. Warnungen davor und Wahlterminen besteht wird zwar mittlerweile nicht mehr als Verschwörungstheorie abgetan, ist aber nach wie vor nicht zur breiten Öffentlichkeit durchgedrungen. Und somit wird der Terrorismus zu einem sich selbst erhaltenden Gespenst.
Um das zu verhindern, muss die Sicherheitslücke geschlossen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich ist.
In der Computersprache würde man davon sprechen, dass es sich um eine Meta-Sicherheitslücke handelt, oder gar um ein "broken by design".
Die Geschichte mit dem Terrorismus schlägt nämlich zielgenau in die Schnittstellen unserer Gesellschaft. Wir sind nur Teil dieses "Spiels", mit uns wird gespielt wie mit Schachfiguren. Unsere Institutionen werden dabei gnadenlos missbraucht.
Da sind zum einen erstmal wir selbst, die wir Angst vor unbekannten Drohungen haben. Das alleine ist noch zu abstrakt.
Dazu kommt aber wie in meiner vorherigen Antwort beschrieben die Pflicht der Politiker, darauf zu reagieren.
Gleichzeitig spielen die Medien eine Rolle, welche über die Einzelfälle berichten und ihnen dadurch den Status von etwas besonderem geben.
Das Zusammenspiel dieser drei Faktoren bestimmt die Auseinandersetzung und ist in meinen Augen für die immer krasseren Reaktionen verantwortlich. Nur an einer dieser drei Stellen anzusetzen greift meines Erachtens zu kurz.
Und somit wird der Terrorismus bestimmend über einen Teil unseres Lebens. Dass ein Zusammenhang zwischen Anschlagsversuchen bzw. Warnungen davor und Wahlterminen besteht wird zwar mittlerweile nicht mehr als Verschwörungstheorie abgetan, ist aber nach wie vor nicht zur breiten Öffentlichkeit durchgedrungen. Und somit wird der Terrorismus zu einem sich selbst erhaltenden Gespenst.
Um das zu verhindern, muss die Sicherheitslücke geschlossen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich ist.
Der Schritt von einem Geheimdienst, der weiß, daß sich solche Pakete in einem Flugzeug befinden, zu einem, der sie selber verschicken lässt, ist nicht weit. Das müssen Sie schon zugeben - zumal so kurz vor der Wahl.
Ganz so einfach ist die Geschichte allerdings auch nicht, auch wenn das Schlagwort "Populismus" versucht, diesen Punkt zu überdecken.
Denn wenn wir von der Theorie ausgehen, sind die Politiker nach wie vor verantwortlich für die Rahmenbedingungen, welche sie schaffen.
Sprich: Politiker, die mit der Sicherheit der Bürger betraut sind, sind letztendlich dafür verantwortlich, dass auch wirklich Sicherheit für die Bürger besteht.
Das lässt sich verstehen, wenn wir den Spieß umdrehen und überlegen, was passiert wenn diese Politiker nicht auf aktuelle Ereignisse reagieren. Irgendwann, sagen wir mal 10 Jahre in der Zukunft, gelingt dann doch mal ein Anschlag.
Und dann beginnen auch die Ermittlungen nach den Drahtziehern und den Umständen. Im Zuge dieser Ermittlung wird dann auch von den Politikern gefordert, Rede und Antwort zu stehen. Denn diese müssen sich dann rechtfertigen und nachweisen, dass sie nicht fahrlässig gehandelt haben.
Die Verantwortung, welche die Politiker tragen bedeuten eben, dass sie reagieren müssen. Sie müssen sich Gedanken machen. Dabei sollte natürlich das Ergebnis nicht vorher schon feststehen, was leider allzu oft der Fall ist.
Aber die Tatsache, dass sie reagieren müssen, darf man nicht einfach als Populismus abtun, das wird der Verantwortung nicht gerecht.
Moin,
ich möchte Ihnen ein paradoxes Phänomen nahe bringen, um zu zeigen, dass der Aktionismus nach jedem Anschlag oder auch nur dem Versuch kontraproduktiv ist.
In Israel finden die meisten Anschläge nicht in einer Phase der größten Repessionen gegen die Palästinenser statt; sie häufen sich in Phasen der Annäherung. Das ist aber nicht der nachlassenden Kontrolle geschuldet; es liegt in der Angst der radikalen Kräfte und Führerschaft begründet, ihre Machtposition zu verlieren. Und diese Angst betrifft nicht nur die Hamas, Hisbollah und andere. Nein es trifft ebenso auf die radikalen Siedler zu, auch wenn sich die Mittel unterscheiden. Beide Seiten würden bei einer Annäherung an Bedeutung und Rückhalt im eigenen Klientel verlieren. Und dieser Mechanismus funktioniert seit Jahrzehnten fast perfekt.
Übertragen wir dies generalisiert auf Fanatiker und den Terrorismus, so wirken alle radikalen Abwehrmaßnahmen eben so gut. GW Bush war dafür ein hervorragendes Beispiel mit seinem "war on terror", einer verhängnisvollen Doktrin, die die Welt eben nicht sicherer gemacht hat, die Probleme wurden bestenfalls verlagert; ich behaupte, sie wurden dadurch vergrößert.
Aber, durch die Phase der paradoxen Reaktion muss man hindurch, um ans Ziel zu gelangen. Das bedeutet aber eben auch, nicht immer zu Überreaktionen zu greifen, aufmerksame Gelassenheit ist langfristig die bessere Waffe.
Beste Grüße
Grabert
Sehen Sie, wenn Sie einen Augenblick vergessen könnten, dass Ihr Text von Ihnen verfasst wurde, also zurücktreten und ohne Vorabwertung sich die Aussagen anschauen, dann würde Ihnen das auffallen, was ich immer wieder in diesen Zusammenhängen ankreide und was Sie so beispielhaft in Ihrem Text vorführen.
Politiker wären verantwortlich dafür, wirklich Sicherheit für die Bürger zu schaffen - steht dort. Falls noch Zweifel bestehen, werden diese durch das Wörtchen "wirklich" beseitigt: Hier ist eine Sicherheit in einem absoluten Sinne gemeint, oder zumindest nahe dran. Solch eine Sicherheit ist unmöglich. Aber es ist in Mode gekommen, jeden Unglücksfall auf mögliche "Verantwortliche" abzuklopfen, da es doch nicht sein kann, das gute, unschuldige Menschen zu Opfer werden. Man kann nicht alles kontrollieren! Aber wer es versucht, riskiert sehr viel. Letztlich haben wir nur noch Bürger, die in ihrem eigenen, sicheren Zuhause bleiben wollen. Und würde ein Meteorit dort einschlagen, hätten sie vorsorglich die Klage gegen die ESA wegen unterlassener Gefahrenabwehr vorbereitet.
Doch genau der selbe Gedanke führt dazu, dass Politiker sich auch zu rechtfertigen haben, wenn sie "zu wenig" tun. Zu wenig ist es immer, wenn trotzdem etwas passiert.
Beides ist der selbe Glaube ans Absolute. Verantwortung der Politik wäre ein Antreten gegen solche Meinungen, Ängste und Wünsche, ein Relativieren von Risiken und Sicherheitsmaßnahmen. Nur wegen dieser Unterlassung werden sie schuldig.
Moin,
ich möchte Ihnen ein paradoxes Phänomen nahe bringen, um zu zeigen, dass der Aktionismus nach jedem Anschlag oder auch nur dem Versuch kontraproduktiv ist.
In Israel finden die meisten Anschläge nicht in einer Phase der größten Repessionen gegen die Palästinenser statt; sie häufen sich in Phasen der Annäherung. Das ist aber nicht der nachlassenden Kontrolle geschuldet; es liegt in der Angst der radikalen Kräfte und Führerschaft begründet, ihre Machtposition zu verlieren. Und diese Angst betrifft nicht nur die Hamas, Hisbollah und andere. Nein es trifft ebenso auf die radikalen Siedler zu, auch wenn sich die Mittel unterscheiden. Beide Seiten würden bei einer Annäherung an Bedeutung und Rückhalt im eigenen Klientel verlieren. Und dieser Mechanismus funktioniert seit Jahrzehnten fast perfekt.
Übertragen wir dies generalisiert auf Fanatiker und den Terrorismus, so wirken alle radikalen Abwehrmaßnahmen eben so gut. GW Bush war dafür ein hervorragendes Beispiel mit seinem "war on terror", einer verhängnisvollen Doktrin, die die Welt eben nicht sicherer gemacht hat, die Probleme wurden bestenfalls verlagert; ich behaupte, sie wurden dadurch vergrößert.
Aber, durch die Phase der paradoxen Reaktion muss man hindurch, um ans Ziel zu gelangen. Das bedeutet aber eben auch, nicht immer zu Überreaktionen zu greifen, aufmerksame Gelassenheit ist langfristig die bessere Waffe.
Beste Grüße
Grabert
Sehen Sie, wenn Sie einen Augenblick vergessen könnten, dass Ihr Text von Ihnen verfasst wurde, also zurücktreten und ohne Vorabwertung sich die Aussagen anschauen, dann würde Ihnen das auffallen, was ich immer wieder in diesen Zusammenhängen ankreide und was Sie so beispielhaft in Ihrem Text vorführen.
Politiker wären verantwortlich dafür, wirklich Sicherheit für die Bürger zu schaffen - steht dort. Falls noch Zweifel bestehen, werden diese durch das Wörtchen "wirklich" beseitigt: Hier ist eine Sicherheit in einem absoluten Sinne gemeint, oder zumindest nahe dran. Solch eine Sicherheit ist unmöglich. Aber es ist in Mode gekommen, jeden Unglücksfall auf mögliche "Verantwortliche" abzuklopfen, da es doch nicht sein kann, das gute, unschuldige Menschen zu Opfer werden. Man kann nicht alles kontrollieren! Aber wer es versucht, riskiert sehr viel. Letztlich haben wir nur noch Bürger, die in ihrem eigenen, sicheren Zuhause bleiben wollen. Und würde ein Meteorit dort einschlagen, hätten sie vorsorglich die Klage gegen die ESA wegen unterlassener Gefahrenabwehr vorbereitet.
Doch genau der selbe Gedanke führt dazu, dass Politiker sich auch zu rechtfertigen haben, wenn sie "zu wenig" tun. Zu wenig ist es immer, wenn trotzdem etwas passiert.
Beides ist der selbe Glaube ans Absolute. Verantwortung der Politik wäre ein Antreten gegen solche Meinungen, Ängste und Wünsche, ein Relativieren von Risiken und Sicherheitsmaßnahmen. Nur wegen dieser Unterlassung werden sie schuldig.
Moin,
ich möchte Ihnen ein paradoxes Phänomen nahe bringen, um zu zeigen, dass der Aktionismus nach jedem Anschlag oder auch nur dem Versuch kontraproduktiv ist.
In Israel finden die meisten Anschläge nicht in einer Phase der größten Repessionen gegen die Palästinenser statt; sie häufen sich in Phasen der Annäherung. Das ist aber nicht der nachlassenden Kontrolle geschuldet; es liegt in der Angst der radikalen Kräfte und Führerschaft begründet, ihre Machtposition zu verlieren. Und diese Angst betrifft nicht nur die Hamas, Hisbollah und andere. Nein es trifft ebenso auf die radikalen Siedler zu, auch wenn sich die Mittel unterscheiden. Beide Seiten würden bei einer Annäherung an Bedeutung und Rückhalt im eigenen Klientel verlieren. Und dieser Mechanismus funktioniert seit Jahrzehnten fast perfekt.
Übertragen wir dies generalisiert auf Fanatiker und den Terrorismus, so wirken alle radikalen Abwehrmaßnahmen eben so gut. GW Bush war dafür ein hervorragendes Beispiel mit seinem "war on terror", einer verhängnisvollen Doktrin, die die Welt eben nicht sicherer gemacht hat, die Probleme wurden bestenfalls verlagert; ich behaupte, sie wurden dadurch vergrößert.
Aber, durch die Phase der paradoxen Reaktion muss man hindurch, um ans Ziel zu gelangen. Das bedeutet aber eben auch, nicht immer zu Überreaktionen zu greifen, aufmerksame Gelassenheit ist langfristig die bessere Waffe.
Beste Grüße
Grabert
Was Sie schön umschreibend "Phase der paradoxen Reaktion" nennen, ist das Problem für das es nach meinem Kenntnisstand bis heute keine Lösung gibt.
Damit die Politiker "lockerer" mit Terrorismus umgehen können, müssten wir sie von der Verantwortung, sprich vor möglichen persönlichen Konsequenzen befreien. Das bricht allerdings ein zentrales, rechtsstaatliches Prinzip.
Damit die Medien "lockerer" mit Terrorismus umgehen, müssten sie ihr Grundprinzip brechen, Veränderungen in der Welt zu vermelden. Sie müssten sich einer Selbstzensur unterwerfen und bestimmte Dinge einfach unterschlagen. Da bin ich strikt dagegen!
Damit die Menschen "lockerer" mit Terrorismus umgehen, müsste man die vermutlich im Zuge der Evolution entstandene Eigenart der Menschen, sich vor unbekannten Bedrohungen stärker zu fürchten als vor alltäglichen, verändern. Aber wie? Unsere Gefühlswelt bestimmt unser Leben, wenn wir diese verändern wollten, müssen wir uns selbst verändern.
Und genau damit würden wir doch "verlieren", weil wir uns dafür nicht mehr frei entscheiden würden, sondern nur auf "Zuruf" der Terroristen. Sie werden damit bestimmend über unser Leben.
Was Sie schön umschreibend "Phase der paradoxen Reaktion" nennen, ist das Problem für das es nach meinem Kenntnisstand bis heute keine Lösung gibt.
Damit die Politiker "lockerer" mit Terrorismus umgehen können, müssten wir sie von der Verantwortung, sprich vor möglichen persönlichen Konsequenzen befreien. Das bricht allerdings ein zentrales, rechtsstaatliches Prinzip.
Damit die Medien "lockerer" mit Terrorismus umgehen, müssten sie ihr Grundprinzip brechen, Veränderungen in der Welt zu vermelden. Sie müssten sich einer Selbstzensur unterwerfen und bestimmte Dinge einfach unterschlagen. Da bin ich strikt dagegen!
Damit die Menschen "lockerer" mit Terrorismus umgehen, müsste man die vermutlich im Zuge der Evolution entstandene Eigenart der Menschen, sich vor unbekannten Bedrohungen stärker zu fürchten als vor alltäglichen, verändern. Aber wie? Unsere Gefühlswelt bestimmt unser Leben, wenn wir diese verändern wollten, müssen wir uns selbst verändern.
Und genau damit würden wir doch "verlieren", weil wir uns dafür nicht mehr frei entscheiden würden, sondern nur auf "Zuruf" der Terroristen. Sie werden damit bestimmend über unser Leben.
In der Computersprache würde man davon sprechen, dass es sich um eine Meta-Sicherheitslücke handelt, oder gar um ein "broken by design".
Die Geschichte mit dem Terrorismus schlägt nämlich zielgenau in die Schnittstellen unserer Gesellschaft. Wir sind nur Teil dieses "Spiels", mit uns wird gespielt wie mit Schachfiguren. Unsere Institutionen werden dabei gnadenlos missbraucht.
Da sind zum einen erstmal wir selbst, die wir Angst vor unbekannten Drohungen haben. Das alleine ist noch zu abstrakt.
Dazu kommt aber wie in meiner vorherigen Antwort beschrieben die Pflicht der Politiker, darauf zu reagieren.
Gleichzeitig spielen die Medien eine Rolle, welche über die Einzelfälle berichten und ihnen dadurch den Status von etwas besonderem geben.
Das Zusammenspiel dieser drei Faktoren bestimmt die Auseinandersetzung und ist in meinen Augen für die immer krasseren Reaktionen verantwortlich. Nur an einer dieser drei Stellen anzusetzen greift meines Erachtens zu kurz.
Und somit wird der Terrorismus bestimmend über einen Teil unseres Lebens. Dass ein Zusammenhang zwischen Anschlagsversuchen bzw. Warnungen davor und Wahlterminen besteht wird zwar mittlerweile nicht mehr als Verschwörungstheorie abgetan, ist aber nach wie vor nicht zur breiten Öffentlichkeit durchgedrungen. Und somit wird der Terrorismus zu einem sich selbst erhaltenden Gespenst.
Um das zu verhindern, muss die Sicherheitslücke geschlossen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das möglich ist.
Moin,
wo bekommt man den fehlerfreien Quellcode? Und gibt es einen ebenso fehlerfreien Compiler dafür, eine fehlerfreie Zielmaschine? Aber im Ernst, in einem Staat, der wirklich alle Sicherheitslücken geschlossen hat, ist mit Sicherheit kein Staat, in dem es zum Leben dort angenehm ist. Es ist ein rundherum überwachender Staat, der alle Belange des Individuums unter der Kontrolle hat. Es ist in letzter Konsequenz ein totalitärer Staat. Wer dieses Spiel mitspielt, vertut letztlich die Chance, den Terror weitgehend einzudämmen. Die Sicherheitsmaßnahmen werden zum Teil dieses Terrors. Und wir sind schon gut dabei.
Die größte Gefahr für die Führungsschicht der Terrororganisationen und ebenso der fanatischen Klerikalen wären die ausbleibenden Nachwuchskräfte, Leute die sagen "warum soll ich mich für Dich in die Luft jagen!", Leute mit Zukunftsperspektive. GW Bush wollte im Irak und in Afghanistan eine Dominotheorie beweisen, hätte er es lieber im Iran und bei den Palästinensern getan. Beides aber mit deutlich anderen Mitteln. Das hätte wahrscheinlich deutlich mehr Erfolg und Ausstrahlung auf die ganze Region. Wen man es denn als regionales oder superregionales Problem begreifen möchte, in aller erster Linie wohl auch ein soziales und gesellschaftliches.
Beste Grüße
Grabert
Moin,
wo bekommt man den fehlerfreien Quellcode? Und gibt es einen ebenso fehlerfreien Compiler dafür, eine fehlerfreie Zielmaschine? Aber im Ernst, in einem Staat, der wirklich alle Sicherheitslücken geschlossen hat, ist mit Sicherheit kein Staat, in dem es zum Leben dort angenehm ist. Es ist ein rundherum überwachender Staat, der alle Belange des Individuums unter der Kontrolle hat. Es ist in letzter Konsequenz ein totalitärer Staat. Wer dieses Spiel mitspielt, vertut letztlich die Chance, den Terror weitgehend einzudämmen. Die Sicherheitsmaßnahmen werden zum Teil dieses Terrors. Und wir sind schon gut dabei.
Die größte Gefahr für die Führungsschicht der Terrororganisationen und ebenso der fanatischen Klerikalen wären die ausbleibenden Nachwuchskräfte, Leute die sagen "warum soll ich mich für Dich in die Luft jagen!", Leute mit Zukunftsperspektive. GW Bush wollte im Irak und in Afghanistan eine Dominotheorie beweisen, hätte er es lieber im Iran und bei den Palästinensern getan. Beides aber mit deutlich anderen Mitteln. Das hätte wahrscheinlich deutlich mehr Erfolg und Ausstrahlung auf die ganze Region. Wen man es denn als regionales oder superregionales Problem begreifen möchte, in aller erster Linie wohl auch ein soziales und gesellschaftliches.
Beste Grüße
Grabert
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