Für die einen ist er ein Held, der als schmächtiger David den mächtigen Goliath CSU bezwungen hat. Für die anderen ein wichtigtuerischer Bummelant. Die Rede ist von Sebastian Frankenberger, dem Mann, der maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass im August in Bayern das strengste Rauchverbot der Republik in Kraft trat . Frankenberger stammt aus Passau, ist 29 Jahre alt und ein vielversprechender Jungpolitiker. An diesem Wochenende wird er auf dem Bundesparteitag der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) in Regensburg mit einiger Wahrscheinlichkeit zu deren neuem Bundesvorsitzenden gewählt.

Frankenberger sitzt seit 2008 für die ÖDP im Passauer Stadtrat und wurde im gleichen Jahr stellvertretender Geschäftsführer des bayerischen Landesverbandes, der als Machtzentrum der kleinen Ökopartei gilt. Das von ihm maßgeblich organisierte und schließlich erfolgreiche Volksbegehren Für echten Nichtraucherschutz war sein Meisterstück.

Danach konnte sich der junge Mann mit dem schulterlangen Haar in Bierzelten nicht mehr blicken lassen, ohne beschimpft zu werden. Viele Gastwirte erteilten ihm sogar Hausverbot. Im Internet wird er als "Öko-Depp", verkappter Esoteriker und "Blockwart zur Kontrolle heimlichen Rauchens" verspottet.

Frankenberger ließ sich freilich auch von handfesten Drohungen nicht beirren. Im Gegenteil: Er nutzte sein Negativimage in Raucherkreisen zu Werbung in eigener Sache. DIE ZEIT durfte ihn beim Spießrutenlaufen im Festzelt begleiten . Die größte Ehre, die ihm bislang zuteil wurde, war eine "öffentliche Hinrichtung" im Münchner Oktoberfestkabarett Schichtl , die vom Bayerischen Rundfunk übertragen wurde.

Jetzt soll Frankenberger dem in der Öffentlichkeit weniger bekannten bisherigen ÖDP-Chef nachfolgen, dem Münchner Physiker und Uni-Professor Klaus Buchner. Für Frankenberger wäre das der erste wirklich ernst zu nehmende Job seines noch recht jungen Lebens. Ein Lehramts- und ein Theologiestudium hatte der in der katholischen Kirche verwurzelte Sohn eines Zivilangestellten der Bundeswehr und ehemalige "Oberministrant" abgebrochen.

Seither machte er verschiedene Ausbildungen, etwa zum Notfallseelsorger und staatlich geprüften Fremdenführer. In seiner Heimatstadt und im oberösterreichischen Linz konnte man ihn bei "Kostümtheater-Führungen mit gruppenpädagogischen Spielelementen" beobachten. Auf seiner Wikipedia-Seite ist darüber hinaus zu lesen , er sei als "Regisseur von Live-Übertragungen" tätig. An diesem Wochenende schickt er sich an, die Regie in einer Partei mit zu übernehmen, die durchaus eine Besonderheit unter den bundesweit antretenden Splitterparteien darstellt.

Die ÖDP ist so etwas wie ein lebendes politisches Fossil. Das eher bürgerlich-konservative Gegenstück zu Bündnis90/Die Grünen wurde von Herbert Gruhl 1978 als Grüne Aktion Zukunft (GAZ) gegründet. Der frühere CDU-Politiker und Bestsellerautor ( Ein Planet wird geplündert ) hob 1980 die grüne Partei mit aus der Taufe. Weil ihm die Truppe um Petra Kelly, Jutta Ditfurth und andere Ex-Spontis mehrheitlich zu weit links stand, verweigerte Gruhl die Selbstauflösung der GAZ und trat aus den Grünen wieder aus. 1982 vereinigt er die GAZ und zwei andere ökologische Gruppierungen zur ÖDP.