Castor-Transport An der Ostsee wächst der Widerstand gegen fremden Atommüll

Erneut formiert sich Protest gegen einen Castor-Transport - diesmal in Mecklenburg-Vorpommern. Auch Ministerpräsident Sellering ist dagegen. Von Matthias Schlegel

Kaum ist der Protest gegen den jüngsten Transport von Atommüll nach Gorleben verstummt, kündigen Atomkraftgegner neuen Widerstand an: Vermutlich am 16. Dezember sollen vier Castor-Behälter mit 52 Brennstäben in das atomare Zwischenlager Nord an die Ostseeküste gebracht werden. Der Protest dagegen könnte für Ostdeutschland bislang nicht gekannte Ausmaße annehmen.

Atomkraftgegner und Kommunalpolitiker sind vor allem deshalb mobilisiert, weil sie darauf dringen, dass nahe Lubmin nur Brennelemente aus den ehemaligen DDR-Atomkraftwerken Lubmin und Greifswald eingelagert werden. Doch diesmal stammt der hoch radioaktive Brennstoff aus dem Kernreaktor des Frachters "Otto Hahn" in Geesthacht und dem Nuklearforschungszentrum Karlsruhe. Sie sollen aus der Aufarbeitungsanlage im französischen Cadarache an die Ostseeküste transportiert werden.

Anzeige

In Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) haben die Widerständler mittlerweile ihren prominentesten Fürsprecher. Die Landesregierung sei gegen den Castor-Transport und "erst recht gegen die schleichende Umwandlung Lubmins in ein atomares Endlager", was "völlig inakzeptabel und ausgeschlossen" sei, sagte Sellering gestern während einer Aktuellen Stunde im Schweriner Landtag, bei der sich alle Fraktionen gegen den Transport aussprachen. Ihn ärgere, "dass die Bundesregierung jetzt Atomschrott aus dem Westen in Lubmin einlagern will und wir diese Transporte mit unserer Landespolizei auch noch absichern müssen", sagte Sellering.

Die Kritik des SPD-Mannes richtet sich damit aber auch gegen das eigene Lager: Es war die rot-grüne Bundesregierung, die 2004 den Weg für die Einlagerung von radioaktiven Abfällen aus bundeseigenen Forschungseinrichtungen im Zwischenlager Nord frei gemacht hatte. Schon damals freilich gegen den Widerstand der seinerzeitigen rot-roten Landesregierung.

Seit Wochen wird nun in der Region gegen die Transporte demonstriert. Der Kreistag Rügen und die Bürgerschaft von Greifswald stimmten dagegen, dass über ihr Territorium die Castoren rollen. Dass das rechtlich nicht bindend ist, weil die Schienenwege in Bundeshoheit liegen, darüber ist sich auch Ulrike Berger, Mitglied des Landesvorstands der Grünen, im Klaren. "Doch wichtig ist das Signal, das davon ausgeht: Niemand hier will, dass Atommüll gelagert wird", sagte sie dem Tagesspiegel. Die Beschlüsse der schwarz-gelben Bundesregierung zur Verlängerung der Akw-Laufzeiten hätten den Widerstand kräftig angeheizt.

Berger hat für den 11. Dezember eine Demonstration in Greifswald angemeldet, die von zahlreichen Anti-Atominitiativen, Kommunen und Kirchgemeinden unterstützt wird. Sie rechnet mit 3000 Teilnehmern. Es könnten auch weitaus mehr werden. Am Tag des Transports selbst sind Mahnwachen an der Bahnstrecke und eine Sitzblockade angemeldet. Die Lubminer Gemeindevertreter protestierten unterdessen auf ihre Weise gegen die Rufschädigung des Seebades: Sie beschlossen, jeden zu verklagen, der vom "Zwischenlager Lubmin" rede. Schließlich befinde sich das Objekt in der Gemarkung der benachbarten Gemeinde Rubenow.

Ein Beitrag aus dem Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
    • Puzi
    • 18.11.2010 um 15:21 Uhr

    Wenn das Zwischenlager in Lubmin genauso eine riesige Halle ist, wie das Zwischenlager in Gorleben, wo ist das Problem?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Jeder soll seinen Müll bei sich behalten, bis endlich ein "sicheres" Endlager gefunden ist!!!

    Weder Gorleben noch diese Gegend sind als Endlager geeignet.

    Jeder soll seinen Müll bei sich behalten, bis endlich ein "sicheres" Endlager gefunden ist!!!

    Weder Gorleben noch diese Gegend sind als Endlager geeignet.

  1. Jeder soll seinen Müll bei sich behalten, bis endlich ein "sicheres" Endlager gefunden ist!!!

    Weder Gorleben noch diese Gegend sind als Endlager geeignet.

    Antwort auf "Zwischenlager"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Immerhin werden große summen ausgegeben um genau diese frage zu beantworten .
    Oder sind sie auch nur einer dieser Dummschwätzer die sich gerne an Bahngleisen aufhalten ,und sich zum Stressabbau mit Polizisten Rumprügeln ?

    Immerhin werden große summen ausgegeben um genau diese frage zu beantworten .
    Oder sind sie auch nur einer dieser Dummschwätzer die sich gerne an Bahngleisen aufhalten ,und sich zum Stressabbau mit Polizisten Rumprügeln ?

  2. 3. Fehler

    "aus den ehemaligen DDR-Atomkraftwerken Lubmin und Greifswald eingelagert werden."

    Es gab in der Region nur ein Atomkraftwerk, und das war in Lubmin.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als im Protest Engagierter kann ich sagen, dass es sich um die beiden ehemaligen Atomkraftwerke in Rheinsberg (Brandenburg) und Lubmin (bei Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern) handelt. Atommüll aus dem Rossendorfer Forschungsreaktor sollte in Lubmin nie eingelagert werden.

    Als im Protest Engagierter kann ich sagen, dass es sich um die beiden ehemaligen Atomkraftwerke in Rheinsberg (Brandenburg) und Lubmin (bei Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern) handelt. Atommüll aus dem Rossendorfer Forschungsreaktor sollte in Lubmin nie eingelagert werden.

  3. Immerhin werden große summen ausgegeben um genau diese frage zu beantworten .
    Oder sind sie auch nur einer dieser Dummschwätzer die sich gerne an Bahngleisen aufhalten ,und sich zum Stressabbau mit Polizisten Rumprügeln ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es kristallisiert sich doch immer mehr heraus, dass die Untersuchungen nur im Norden und Osten gemacht werden sollen.
    Andere mögliche Standorte sollen doch gar nicht geprüft werden, selbst wenn sie eventuell geeignet wären.

    Dazu muss man kein Demonstrant sein, um dies zu erkennen.

    Wenn man ihre Kommentare durchliest, drängt sich der Eindruck auf, dass sie ein CDU-Hardliner sind. Es könnte natürlich auch sein, dass sie ein Zeilenschreiber einer PR-Agentur sind. Wer weiß das schon heutzutage. Treiben sich genug in den Foren und unter Nachrichtenartikeln herum. Der NDR hat dazu mal einen sehr interessanten Bericht ausgestrahlt.

    Ich lebe weder im Osten, noch im Norden der Republik. Dennoch gilt meine Sympathie diesen Menschen, die gegen ungeeignete Atommüllhalden ankämpfen. Würde sich herausstellen, dass mein Heimatort eine gute Lagerstätte für Atommüll wäre, so würde ich dies (wenn auch schmerzhaft) akzeptieren müssen. Aber hierzu bedürfte es eines transparenten Verfahrens, welches uns die gegenwärtige Regierung verweigert, obwohl sie noch mehr Atommüll produziert und in ihren Reihen auch Befürworter neuer Kernkraftwerke hat.

    Sie pflegen auch die Mär vom randalierenden Castor-Gegner. Lesen Sie die Bild, so wie Herr Fuchs von der CDU? Die Mehrheit der Castor-Gegner war friedlich. Jeder aufgeklärte Bürger kann sich mittels Youtube darüber ein sachliches Bild machen. Auch zu der Demonstration am 30.9. im Schloßgarten in Stuttgart. Von daher verstehe ich nicht, dass sie eine absolute Minderheit in den Vordergrund stellen. Sie würden ja auch nicht wollen, dass man Sie mit den Verbrechen anderer in Verbindung setzt.

    Es kristallisiert sich doch immer mehr heraus, dass die Untersuchungen nur im Norden und Osten gemacht werden sollen.
    Andere mögliche Standorte sollen doch gar nicht geprüft werden, selbst wenn sie eventuell geeignet wären.

    Dazu muss man kein Demonstrant sein, um dies zu erkennen.

    Wenn man ihre Kommentare durchliest, drängt sich der Eindruck auf, dass sie ein CDU-Hardliner sind. Es könnte natürlich auch sein, dass sie ein Zeilenschreiber einer PR-Agentur sind. Wer weiß das schon heutzutage. Treiben sich genug in den Foren und unter Nachrichtenartikeln herum. Der NDR hat dazu mal einen sehr interessanten Bericht ausgestrahlt.

    Ich lebe weder im Osten, noch im Norden der Republik. Dennoch gilt meine Sympathie diesen Menschen, die gegen ungeeignete Atommüllhalden ankämpfen. Würde sich herausstellen, dass mein Heimatort eine gute Lagerstätte für Atommüll wäre, so würde ich dies (wenn auch schmerzhaft) akzeptieren müssen. Aber hierzu bedürfte es eines transparenten Verfahrens, welches uns die gegenwärtige Regierung verweigert, obwohl sie noch mehr Atommüll produziert und in ihren Reihen auch Befürworter neuer Kernkraftwerke hat.

    Sie pflegen auch die Mär vom randalierenden Castor-Gegner. Lesen Sie die Bild, so wie Herr Fuchs von der CDU? Die Mehrheit der Castor-Gegner war friedlich. Jeder aufgeklärte Bürger kann sich mittels Youtube darüber ein sachliches Bild machen. Auch zu der Demonstration am 30.9. im Schloßgarten in Stuttgart. Von daher verstehe ich nicht, dass sie eine absolute Minderheit in den Vordergrund stellen. Sie würden ja auch nicht wollen, dass man Sie mit den Verbrechen anderer in Verbindung setzt.

  4. Es kristallisiert sich doch immer mehr heraus, dass die Untersuchungen nur im Norden und Osten gemacht werden sollen.
    Andere mögliche Standorte sollen doch gar nicht geprüft werden, selbst wenn sie eventuell geeignet wären.

    Dazu muss man kein Demonstrant sein, um dies zu erkennen.

  5. Warum entsorgen private Energieunternehmen auf Staatskosten ihren Müll ? Und jetzt wird der Müll in den Osten gebracht. Lubmin war nur für Lubmin und Rossendorf gedacht, aber daran hält sich keiner mehr. Die Energieversorger, die uns sowiso abzocken, lassen ihren Müll entsorgen. Nachdem die Energiebranche rießige Vergünstigungen durch den Staat bekamen, erhöhen sie die Preise und entsorgen auf Staatskosten.

  6. Als im Protest Engagierter kann ich sagen, dass es sich um die beiden ehemaligen Atomkraftwerke in Rheinsberg (Brandenburg) und Lubmin (bei Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern) handelt. Atommüll aus dem Rossendorfer Forschungsreaktor sollte in Lubmin nie eingelagert werden.

    Antwort auf "Fehler"
  7. Wenn man ihre Kommentare durchliest, drängt sich der Eindruck auf, dass sie ein CDU-Hardliner sind. Es könnte natürlich auch sein, dass sie ein Zeilenschreiber einer PR-Agentur sind. Wer weiß das schon heutzutage. Treiben sich genug in den Foren und unter Nachrichtenartikeln herum. Der NDR hat dazu mal einen sehr interessanten Bericht ausgestrahlt.

    Ich lebe weder im Osten, noch im Norden der Republik. Dennoch gilt meine Sympathie diesen Menschen, die gegen ungeeignete Atommüllhalden ankämpfen. Würde sich herausstellen, dass mein Heimatort eine gute Lagerstätte für Atommüll wäre, so würde ich dies (wenn auch schmerzhaft) akzeptieren müssen. Aber hierzu bedürfte es eines transparenten Verfahrens, welches uns die gegenwärtige Regierung verweigert, obwohl sie noch mehr Atommüll produziert und in ihren Reihen auch Befürworter neuer Kernkraftwerke hat.

    Sie pflegen auch die Mär vom randalierenden Castor-Gegner. Lesen Sie die Bild, so wie Herr Fuchs von der CDU? Die Mehrheit der Castor-Gegner war friedlich. Jeder aufgeklärte Bürger kann sich mittels Youtube darüber ein sachliches Bild machen. Auch zu der Demonstration am 30.9. im Schloßgarten in Stuttgart. Von daher verstehe ich nicht, dass sie eine absolute Minderheit in den Vordergrund stellen. Sie würden ja auch nicht wollen, dass man Sie mit den Verbrechen anderer in Verbindung setzt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service