Wikileaks Bundesregierung ist besorgt über außenpolitische Folgen

Die Bundesregierung bedauert die Veröffentlichung der Depeschen aus US-Botschaften durch Wikileaks. Die Beziehungen zu den USA seien aber in "keiner Weise" getrübt.

Der Regierungssprecher Steffen Seibert verwies auf die "in Jahrzehnten gewachsene tiefe Freundschaft, die auf gemeinsamen Werten beruht, dass sie durch diese Veröffentlichungen nicht ernsthaft beschädigt wird". Die von Wikileaks publizierten Dokumente , die unter anderem aus der Berliner US-Botschaft stammen, sollen jetzt im Auswärtigen Amt intensiv geprüft werden. Dessen Sprecher Andreas Peschke sprach von einem "gravierenden Vorgang von großer Tragweite". "Das ganze Ausmaß ist noch nicht absehbar", sagte er. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass dadurch auch Sicherheitsbelange Deutschlands oder von Verbündeten berührt würden.

Das gelte weniger für die internen US-Bewertungen von deutschen Politikern, sondern vielmehr für Vorgänge im Nahen Osten und in Asien . Was darüber bekannt geworden sei, könne möglicherweise "weltweite Bedeutung" bekommen und auch Auswirkungen auf die Arbeit der deutschen Diplomatie haben, sagte Peschke.

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Kanzleramt und Auswärtiges Amt wollten den Inhalt der Depeschen aus den amerikanischen Botschaften nicht kommentieren. Die Passagen über deutsche Politiker hätten eher das "Niveau des Lästerns", sagte Seibert. Peschke betonte, man erwarte auch von den deutschen Botschaften im Ausland ausführliche Berichte mit politischen Einschätzungen, etwa nach Regierungsbildungen. Mit Blick auf mögliche deutsche Informanten sagte Seibert, man werde nicht "detektivisch" nach diesen Quellen suchen. Ein Sprecher des Justizministeriums wollte sich nicht festlegen, ob es sich dabei um eine Straftat handeln könnte.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Wikileaks-Enthüllungen verurteilt. Der Vorgang sei "schlimm und unappetitlich", sagte er. Wikileaks werde viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. Persönlich habe er gar kein Interesse, die kritischen Kommentare von US-Diplomaten über Spitzenpolitiker zu lesen. "Ich hab's ehrlich gesagt nicht getan." Diese Haltung sei wohl Teil der ihm nachgesagten Sturheit. Er habe noch nicht einmal seine eigenen Stasi-Akten gelesen, sagte der CDU-Politiker.

In den elektronischen Depeschen der Berliner US-Botschaft ist auch davon die Rede, dass ein "junger, aufstrebender Parteigänger" der FDP die Amerikaner über Interna wie die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und FDP auf dem Laufenden gehalten habe. "Wäre dies der Fall, wäre das natürlich nicht in Ordnung", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU), im ZDF. Das sei dann weniger ein Problem der USA, sondern das einer Partei. Entwicklungsminister Dirk Niebel wies solche Verdächtigungen zurück. "Ich halte den Vorwurf für geradezu lächerlich. Ich bestreite, dass es einen Informanten gibt", sagte der frühere FDP-Generalsekretär in der ARD.

Der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, sprach von einem Vertrauensbruch in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Man müsse jetzt fast bei Null wieder anfangen, sagte er im ZDF. "Die Ära, wo man vertraulich miteinander spricht und sagt: Keine Sorge, das wird nicht in die Zeitung kommen, die ist vorbei."

 
Leser-Kommentare
  1. zurückhalten.

    "Schlimm und unappetitlich" war sein Verhalten gegenüber Herrn Offer, in der Pressekonferenz, in der Herr Schäuble uns seinen schlechten Charakter präsentierte.

  2. wenn der jedesmal in die USA reist? Ich bin umgeben von Leuten die mich für einen Vollidioten halten? Vielleicht sollte dann jemand anderes den Job als Außenminster übernehmen.

  3. Die Amerikaner haben ihre Augen und Ohren überall, werden aber auch selbst bespitzelt. Nutzen die Informanten anderer Regierungen haben aber ein eigenes Leck. Irgendwo kann hier keiner mehr keinem vertrauen.

    Mal die ganzen Äußerungen über unsere Politclowns beiseite, die wirklichen Informationen betreffend den Iran halte ich für reinen Zündstoff. Was nun der alte Mahmud wohl denken mag?

    • Jeppe
    • 29.11.2010 um 16:54 Uhr

    so wünschen sich die USA tatsächlich eine Führungsrolle von Deutschland:

    http://cablegate.wikileak...

    Beschämend ist die offenkundige Geschwätzigkeit deutscher Politiker gegenüber den USA, wie sie auch Herr Kornblum äußerte. Die USA erwarten auch mehr Rückgrat von den Deutsche, aber das Gegenteil ist zumeist leider der Fall. Dirk Niebel war bei Anne Will das "beste" Beispiel dafür: Keine Kritik an den FDP-Informanten und den anderen menschlichen Sicherheitslücken, stattdessen engagierter Einsatz für die USA.

  4. "Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Wikileaks-Enthüllungen verurteilt. Der Vorgang sei "schlimm und unappetitlich", sagte er. Wikileaks werde viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt. "

    Natürlich wird Wikileaks zuviel Aufmerksamkeit gescheckt. Und ich bin sicher, dass viele in- und ausländische Politiker diese Enthüllungen als "schlimm und unappetitlich" verurteilen.

    Tun die Bürger ja auch. Nur eben auf andere Art und Weise. Die Ansichten über Westerwelle, Merkel und andere sind ja nichts neues oder aufsehenderregendes. Das ist die Meinung, die ein großer Teil des Landes teilt. Westerwelle, der Nichtskönner mit dem großen Mund, Merkel, deren erster Wohnsitz die sonnenlosen Stellen bei den Amis (und der Wirtschaft) ist. Unsere Politiker sind eben nicht mehr als "arm weiß Pack" - und die Arroganz der Amerikaner zeigt sich auch nicht zum ersten Mal.

    Die politisch brisanten Informationen sind so brisant auch nicht. Und was soll man davon glauben? Vermutlich nicht mal Hälfte. Politker aller Länder machen den Mund auf und lügen. Den Bürger an und sich selbst in die Tasche.

    • xpol
    • 29.11.2010 um 17:31 Uhr

    ... schwer zu beschwatzen und Westerwelle eine Witzfigur ist, haben wir auch schon gemerkt. Guttenberg ein treuer Freund der USA - das sagt er selbst von sich. Alles höchst unspannend.

    Interessanter finde ich die Dokumentation der Achse Iran-China-Nordkorea in Sachen atomarer Brandstiftung. Das bereichert die aktuelle Diskussion wirklich - sollte es jedenfalls.

  5. Es bleibt ein "Sauhaufen", das Kabinett-Schwelb!
    Die Einschätzungen der US-Diplomaten decken sich mit den überwiegenden Kommentaren der Presse.
    Eins ist aber bemerkenswert:
    Nur Guttenberg kommt bei den Amis gut weg, "als verläßlicher Freund der USA"!
    Die Kampagne des Springer Konzerns ASV und der Bertelsmanns-RTL-Gruppe für den neuen Shooting Star und seine Frau zeigt hier, dass das vom Ausland mit initiiert wird, Karl Theodor langfristig als neuen Kanzler und bestimmende Perönlichkeit im US-Interesse aufzubauen!
    Vielleicht ist das sogar eine CIA-Kampagne Merkel durch Guttenberg zu ersetzen wie Gen. Musharaff gegen Zadari-Bhutto in Pakistan 2008.

  6. ... das Merkel sich opportun durch die politische Landschaft schlaengelt und Wellenwesti ein Komiker ist... wissen wir schon seit Jahren auch one NSA, CIA und FDH... ebenso das das peinlich ist fuers deutsche Volk...alles nur um vor den wahren Verbrechen der USA abzulenken.

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