Der ostdeutsche Rundfunkjournalist Roland Jahn soll nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition neuer Leiter der Stasiakten-Behörde werden. Das Bundeskabinett nominierte den 57-Jährigen, der nun noch vom Bundestag gewählt werden muss. Er folgt auf Amtsinhaberin Marianne Birthler , deren Amtszeit am 14. März 2011 endet und die nicht noch einmal gewählt werden kann.

Der aus Jena stammende Jahn engagierte sich in der DDR in Oppositionsgruppen seiner Heimatstadt und unterstützte die polnische Gewerkschaftsbewegung Solidarność. Mehrmals wurde er festgenommen. Wegen seines Protestes gegen die Ausbürgerung von Liedermacher Wolf Biermann wurde der Student der Wirtschaftswissenschaften 1977 exmatrikuliert. Jahn wurde 1983 gegen seinen Willen aus der DDR abgeschoben. Vom Westen aus unterstützte der Dissident weiter die Opposition und wurde einer der wichtigsten Kontaktstellen zwischen Bürgerrechtlern und West-Medien.

In seiner journalistischen Arbeit setzte er sich kritisch mit dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit auseinander. Seit 1991 arbeitet Jahn als Redakteur für das politische Magazin Kontraste . Bei dem RBB-Fernsehmagazin ist er seit 2006 stellvertretender Redaktionsleiter.

Jahn habe sich in der DDR "mutig gegen die Diktatur und gegen das Unrecht gestellt und sich für Freiheit und Demokratie eingesetzt", begründete Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) die Wahl des Kabinetts. Mit ihm sei es gelungen, "eine überzeugende Persönlichkeit mit hohem Ansehen und breiter Akzeptanz für die Nachfolge von Marianne Birthler zu gewinnen".

Auch die derzeitige Amtsinhaberin, die die Behörde seit zehn Jahren leitet, begrüßte den Vorschlag. Es sei gelungen, für dieses wichtige Amt jemanden zu nominieren, der über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg Akzeptanz und Unterstützung gewinnen könne. "Dies ist eine gute Voraussetzung dafür, die Aufarbeitung der SED-Diktatur auch künftig voranzubringen", sagte Birthler.

Sollte Jahn gewählt werden, würde er nach Birthler und dem ersten Chef Joachim Gauck dritter Leiter der Bundesbehörde. Sie beschäftigt derzeit rund 1600 Mitarbeiter und unterhält neben der Berliner Zentrale in Ostdeutschland zwölf Außenstellen. Im Vorjahr gingen insgesamt mehr als 102.000 Anträge von Bürgern auf Einsicht in Akten ein, die die DDR-Staatssicherheit über sie angelegt hatte.