Stuttgart 21Südwest-CDU arbeitet sich aus Umfragetief heraus

Das Ende der S-21-Schlichtung naht, die CDU in Baden-Württemberg verbessert ihre Umfragewerte. Wirtschaftsprüfer sehen das Projekt derweil als "optimistisch" kalkuliert. von dpa

Kurz vor dem Ende der Schlichtungsgespräche zum Bahnprojekt Stuttgart 21 macht die CDU in Baden-Württemberg in Umfragen Boden gut. Nach einer zwischenzeitlichen Schwäche in den letzten Monaten hat Schwarz-Gelb mit zusammen 44 Prozent stark aufgeholt und liegt nur noch hauchdünn hinter einer möglichen grün-roten Koalition, die zusammen auf 45 Prozent käme.

Viele Befragte erklärten in einem ZDF-Politbarometer, dass das Bahnprojekt für sie das wahlentscheidende Thema sei. Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) kündigte an, sich dem für Dienstag geplanten Schlichterspruch beugen zu wollen, solange er nicht das Aus von Stuttgart 21 vorsehe.

Anzeige

Bei der siebten Schlichtungsrunde zum Bahnprojekt haben Wirtschaftsprüfer die Kosten von 4,1 Milliarden Euro als "optimistisch" kalkuliert bezeichnet. "Die Chancen sind eingerechnet, die Risiken nicht wirklich erfasst", sagte Hans-Henning Schäfer, Geschäftsführer der Märkischen Revision, bei der Schlichtung. Es gebe allerdings bislang auch keine Hinweise, dass die von Bahnchef Rüdiger Grube als "Sollbruchstelle" für das Projekt genannte Maximalsumme von 4,5 Milliarden Euro überschritten werde.

Kurz vor dem Finale der Schlichtung sind die Baden-Württemberger gespalten , was das Projekt Stuttgart 21 angeht. 40 Prozent der Wahlberechtigten im Südwesten befürworteten es, 39 Prozent lehnten es ab. 21 Prozent hatten in der ZDF-Umfrage keine Meinung. Auch in der Region Stuttgart sprach sich mit 44 Prozent eine knappe Mehrheit dafür aus, 40 Prozent waren dagegen. Noch stärker wird die zum Gesamtprojekt gehörende Neubaustrecke nach Ulm begrüßt.

Vielen Wählern hat laut Umfrage die Haltung der Union zum umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 imponiert. 34 Prozent gaben an, dass die CDU am besten die eigene Meinung zu Stuttgart 21 vertritt, 28 Prozent nannten die Grünen und nur 5 Prozent die SPD. 38 Prozent der Befragten erklärten, dass Stuttgart 21 für ihre Entscheidung bei der Wahl "sehr wichtig" oder "wichtig" sei.

In der Sonntagsfrage des ZDF-Politbarometers kehrt die regierende CDU unter Mappus langsam zur alten Stärke zurück und käme auf 39 Prozent. Der Koalitionspartner FDP verharre laut Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen weiter bei 5 Prozent, teilte das ZDF mit. Konstant stark bleiben die Grünen: Wenn an diesem Sonntag Wahl wäre, würden sie mit 26 Prozent zweitstärkste Kraft. Ihr Wunschpartner SPD würde nur 19 Prozent erzielen. Die Linke verfehlte mit 4 Prozent den Einzug in den Landtag.

In den vergangenen Wochen hatte Grün-Rot in Umfragen einen deutlich größeren Vorsprung vor der Regierungskoalition gehabt. In einer Befragung für den Spiegel Anfang Oktober hatte Grün-Rot zusammen 51 Prozent erzielt, während Schwarz-Gelb nur bei 40 Prozent lag. Bei der Wahl 2006 hatten die CDU 44,2 Prozent und die SPD 25,2 Prozent erzielt. Die Grünen hatten 11,7 Prozent erreicht und die Liberalen 10,7 Prozent.

Viele Wähler fragen sich nun, wie es nach dem Schlichterspruch von Heiner Geißler weitergeht: 47 Prozent glauben, dass es zu einer Beruhigung der Lage kommt, 50 Prozent sehen das nicht so. Zum Thema Stuttgart 21 hatte sich in früheren Umfragen ein uneinheitliches Bild ergeben. Bei einer Befragung von Infratest dimap für den SWR und die Stuttgarter Zeitung Anfang September waren landesweit 35 Prozent dafür, 54 Prozent dagegen. In der Spiegel -Umfrage Anfang Oktober waren 46 Prozent dafür, 43 Prozent dagegen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • bumbum
    • 26. November 2010 20:25 Uhr

    Das überrascht mich aber!
    Die Berichterstattung der letzten Wochen hat doch ein ganz anderes Bild gezeigt: Das die Mehrheit dagegen ist.
    Allerdings kamen die Befürworter in der Bevölkerung auch nie vor in der Berichterstattung, sondern nur die Gegner.
    Vielleicht hat man die Befürworter einfach übersehen.

  1. Bezüglich S21 verweise ich nochmals auf die nicht minder aktuelle Forsa-Umfrage i.A. des Stern, die VÖLLIG andere Zahlen bringt:

    ZDF: pro 40%; contra 39%; k.A. 21%
    Forsa: pro 19%; contra 30%; k.A. 51%

    Quelle: http://www.stern.de/polit...

    Vielleicht gilt in diesem Zusammenhang ja "wes Brot ich ess, des' Lied ich sing". -Der Stern ist in den letzten Wochen besonders mit Stuttgart21-kritischen Artikeln aufgefallen. Wem widerum das ZDF mutmaßlich politisch näher steht muss man wohl nach der Affaire um die Absetzung des ehemaligen Chefs Nikolaus Brender und im Hinblick Herkunft des neuen Regierungssprechers nicht mehr extra erwähnen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bumbum
    • 26. November 2010 20:47 Uhr

    Ich finde es immer noch unverschämt, dass über die Befürworter in der Bevölkerung nicht berichtet wird, sondern nur über die Gegner. Man sollte auch die Befüworter auch zu Wort kommen lassen, und dazu gehören sicherlich nicht nur Herr Mappus und Frau Gönner sowie die FDP Hansel.

    über die Gegener und hierbei fällt auf, dass die pro-Demonstrationen nur eine Bruchteil an Menschen mobilisieren und mit einer deutlich niedrigeren Frequenz stattfinden.

    Wer auch immer behauptet, die Befürworter von S-21 würden in der Berichterstattung verschwiegen, verzerrt - ob absichtlich oder nicht - die Realität, wie sie von der Mehrheit der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

    Die Quelle dieses Berichtes (dpa) dürfte ebenfalls zum Grundtenor beigetragen haben.

    Im Übrigen ist es doch nachvollziehbar, dass der Mobilisierungsgrad der S-21-Gegener während der Schlichtungsgespräche ein wenig zurück geht und sich in den Umfragen widerspiegelt. Sobald die Öffentlichkeit erkennt, dass die Mappus-Mafia sich nur einem Schlichterspruch unterwerfen wird, der ihr Vorhaben nicht behindert, werden wir alle die Reaktionen auf der Straße und dann auch in den Umfragen sehen - und bei der Wahl selbstverständlich, denn wer Tränengas und Knüppel gegen seine eigenen Bevölkerung einsetzt gewinnt in diesem Land keine Wahlen.

    • Buh
    • 26. November 2010 20:44 Uhr

    Einmal ist ein Artikel, der lediglich Umfrageergebnisse nennt und diese mit Worten schmückt umständlich zu lesen. Aber gut, offenbar gehört sowas zum gehobenen Journalismus.

    Das Zweite ist, dass diese Interpretation, die CDU würde wieder Aufwind haben, reichlich Optimistisch. Die neuen Zahlen basieren auf anderen Meinungsforschungsinstituten, und dass die Umfragen je nach Institut immer anders aussehen ist doch logisch.

    Hat zb die "abs Marktforschung" vom 05.10.–06.10. für die CDU 28% ermittelt, fand die "TNS Forschung" vom 06.10.–07.10. für die CDU 34%

    Die Zahlen wanken daher enorm von Institut zu Institut und selbst das selbe Institut bekommt unterschiedliche Zahlen für Zeiträume die dicht beieinander sind ähnliche zahlen. Da sind 5% ein Pups.

    Und dem ZDF glaube ich ohnehin nichts. Das ZDF gehört mittlerweile in weiten Teilen der CDU, wie man vor kurzem erkennen konnte als der Intendant gegen einen CDU-Freundlichen Ausgetauscht wurde.

    Ich würde mir auch von der Zeit mehr kritische Auseinandersetzung mit Umfragen wünschen.

    • bumbum
    • 26. November 2010 20:47 Uhr

    Ich finde es immer noch unverschämt, dass über die Befürworter in der Bevölkerung nicht berichtet wird, sondern nur über die Gegner. Man sollte auch die Befüworter auch zu Wort kommen lassen, und dazu gehören sicherlich nicht nur Herr Mappus und Frau Gönner sowie die FDP Hansel.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Buh
    • 27. November 2010 1:23 Uhr

    Es wird sogar zuviel über die Befürworter berichtete. Diese sind nämlich im vergleich zu den Gegnern geringer und weniger aktiv. Schaffen die Gegner zehntausende zur Demonstration an, begnügen sich Befürworter mit einigen wenigen Hundert bis maximal sechststellige Zahlen.

    Das hindert aber nicht, besonders CDU-Nahe Blätter wie Die Welt zb die Befürworter immer wieder als ebenbürtig zu den Gegnern darzustellen, was einfach nicht der realität entspricht.

    zumindest in den Stuttgarter Zeitungen und im SWR 3. Weniger in der überregionalen Presse. Viele regionale Radiosender berichten auch einigermaßen ausgewogen, also lassen immer beide Seiten zu Wort kommen.Durch die öffentliche Präsenz der Befürworter jeden Donnerstag in der Innenstadt(Demo) und die entsprechende Berichterstattung darüber, hat sich in Stuttgart das Meinungsklima geändert. Sehr zum Verdruß der S21 Gegner, die feststellen mußten, daß sie nicht mehr alleine im Mittelpunkt des Interesses stehen. Es gab nach den Donnerstags Demos Gespräche am Bauzaun mit den Gegnern um die Konfrontation zu reduzieren. Nicht wirklich erfolgreich, aber ein Versuch war es wert.
    Auch die öffentliche Schlichtung hat seinen Zweck erfüllt. Jeder konnte sich ein Bild machen. Die zunehmende Akzeptanz des Projektes in der Bevölkerung ist auch darauf zurückzuführen, daß die S21 Gegner mit ihren Argumenten in der Schlichtung eben nicht überzeugen konnten.

  2. "Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) kündigte an, sich dem für Dienstag geplanten Schlichterspruch beugen zu wollen, solange er nicht das Aus von Stuttgart 21 vorsehe."

    Jetzt würde dieser Mann sich also sogar einer unabhängigen Meinung beugen, allerdings nur, wenn's seine eigene ist. TOLL! Der ist wirklich in der Demokratie angekommen.

    • Paula48
    • 26. November 2010 20:52 Uhr

    laut Umfrage sind 58 % für eine Volksabstimmung zu Stuttgart 21

    http://wahltool.zdf.de/Po...

    Also die Menschen wollen offenbar, dass jeder nochmal seine Meinung sagen kann egal ob man persönlich dafür oder dagegen ist.
    Dies ist meiner Meinung nach auch die einzige Möglichkeit die Situation zu befrieden. Ob der Schlichterspruch eine Grundlage für die Abstimmung sein kann wird man sehen.

  3. Alles andere macht keinen Sinn.

    Ich hoffte die Bahn könnte mich etwas mehr von S21 überzeugen.

    Stattdessen bin ich jetzt der Meinung das Planfeststellungsverfahren und überhaupt die Kalkulationen die solchen öffentlichen Großprojekten vorausgeht ganz großer Mist sind und schnellstmöglich in geordnete ökonomische und gesellschaftliche Verhältnisse überführt werden sollten. Kein Wunder kostet immer alles doppelt und dreifach soviel, wenn man so vorgeht. Mehr und direktere Bürgerbeteiligung ist sowieso der Auftrag für die Zukunft an die Politiker. Kann ja nicht sein das man am Ende nur über die Tapete im Bahnhof entscheiden darf, weil alles schon fest ist.

    Das Geld für die Wirtschaftsprüfer hätte man sich sparen können. Ausser Flirtattacken zwischen Price Waterhouse und Kefer gab es da keine neuen Erkenntnisse, im Gegenteil es wurde alles wieder unnötig verkompliziert, weil man auf Basis von ad hoc Zahlen rechnete und damit sowieso alles nicht bewertbar ist.

    Herr Arnoldi sagte wie es läuft: erst gibt man sich als Auftragnehmer nen billigen Kostenvoranschlag raus und am Ende holt man sich das dreifach über den Nachtrag. Und am Ende kostet ein Tunnel statt 1,5 Mrd plötzlich über 3 Mrd.

    Der Dumme ist der Steuerzahler, aber mit dem kann man es ja machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ribera
    • 26. November 2010 23:12 Uhr

    - zur Todesstrafe
    - zur Sofortausweisung veruteilter ausländischer Straftäter
    - zur rechtlichen Bewertung von Sitzblockaden als Nötigung
    - zur Einführung von Zwangsarbeit für Arbeitsunwillige
    Nein, ich möchte doch keine Volksbefragungen. Dann hebeln wir nämlich langsam die Grundsätze unserer parlamentarischen Demokratie aus, öffnen Populisten Tür und Tor und lähmen das Land.
    Wer würde darüber bestimmen, worüber abgestimmt werden darf?
    Über Todesstrafe nicht aber über Atomkraft? Oder umgekehrt?
    Und wer wird überhaupt befragt?
    Im aktuellen Fall die Stuttgarter? Alle Bürger BW' s oder alle Bundesbürger. Schließlich ist der Bahnhof Teil einer Internationalen Ost-West- Achse. Ist der bahnhof nich damit auch ein nationales Projekt? Dann will ich auch gefragt werden.
    Bei aller zu Recht geforderten besseren Bürgerbeteiligung.
    Bei den letzten Landtagswahlen haben mehr Bürger für Parteien gestimmt, die für Stuttgart 21 standen als für Parteien, die sich dagegen ausgesprochen haben.
    Dieses Mandat wird jetzt bis zur nächste Wahl wahrgenommen.
    Deshalb ist es auch falsch, wenn seitens bestimmter damals unterlegener Politiker heute so getan wird, als ob die aktuelle (angeblich) mehrheitliche Volksmeinung über die Regelungen des Grundgesetzes und abgeschlossenen Rechtsverfahren zu stellen ist.
    Sinnvoller als Volksbefragungen erscheint mir eine Änderung des Wahlrechtes:
    Nur Direktmandate, Abschaffung der Listenplätze.

  4. Ein Trost immerhin: Die Lobbyknechtstruppe um Homburger und Co krebst selbst in ihrem angeblichen Stammland um die 5 Prozent.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Antwort zu Zelenka:
    Volksbefragung bzw. direkte Demokratie in der Schweiz

    1992 erfolgte ein Referendum zur NEAT
    Alpentransversale mit Gotthard-Tunnelbau von ca. 57 km

    Wahlbeteiligung 45 %
    Pro 65 %
    Contra 35 %

    d.h. ca. 28 % der wahlberechtigten Schweizer haben der NEAT zugestimmt.
    damals Kostenberechnung ca. 10 Mrd. Franken
    heutige Kosten ca. das Doppelte

    Direkte Demokratie ?
    Sinnvoll ?

    Sind die Grünen nicht die Lobbypartei der Solarindustrie?
    Sind die Linken nicht die Lobbypartei der Arbeitslosen?
    Sind die Christdemokraten nicht die Lobby der Kirchen?
    Sind die Sozialdemokraten nicht die Lobby der Arbeiter?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle dpa
  • Schlagworte CDU | Grüne | SPD | FDP | Stefan Mappus | ZDF
Service