Die Journalisten in der Sicherheitsschleuse des Innenministeriums können nur spekulieren. Mit einer ungewöhnlichen E-Mail hat Thomas de Maizière für 12 Uhr zur außerordentlichen Pressekonferenz geladen ("EILT! Zur Sicherheitslage"). Nach den eher diffusen Terrorwarnungen der vergangenen Wochen und den sehr konkreten Paketbomben an Bord zweier Frachtmaschinen aus dem Jemen lässt dies nichts Gutes vermuten.

"Dieses Mal muss es etwas Ernsthaftes sein, sonst würde der Innenminister sich unglaubwürdig machen", sagt ein Kollege. De Maizière war zuletzt unter Druck geraten. Nach Meinung seiner Kritiker habe er angesichts der Terrorwarnungen der letzten Wochen zu vorsichtig agiert und die Gefahr heruntergespielt. Kurz nach den versuchten Paketbombenanschlägen waren zudem Kommunikationspannen im Innenministerium bekannt geworden.

Diesem Bild will der CDU-Politiker mit seiner Pressekonferenz offensichtlich entgegentreten. "Wir haben es mit einer neuen Lage zu tun", sagt der Innenminister gleich zu Beginn seines kurzen Statements. Es gebe "sehr konkrete Spuren und Ermittlungsansätze", denen zufolge "Ende November mit Anschlagsversuchen in den USA und Europa" zu rechnen sei. Es gebe "nachhaltige Bestrebungen islamistischer Gruppen für Anschläge in Deutschland".

Nach Informationen des Tagesspiegel liegen den Sicherheitsbehörden konkrete Hinweise aus den USA vor, dass zwei bis vier Mitglieder der Terrororganisation al-Qaida auf dem Weg nach Deutschland und Großbritannien seien, um dort Anschläge auf Weihnachtsmärkte oder andere Orte mit großen Menschenansammlungen zu verüben. Bereits vor einer Woche hätten die US-Partner für die Ankunft der Terroristen, deren Identität unklar ist, den 22. November genannt.

 Drahtzieher der Pläne soll laut Tagesspiegel der aus Pakistan stammende Mohammed Ilyas Kashmiri sein, eine der führenden Figuren von al-Qaida. Er soll die Terroristen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet rekrutiert haben. Die Zeitung zitiert Sicherheitskreise, laut denen die Männer vermutlich über Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)  einreisen werden. Das Bundeskriminalamt (BKA) prüfe schon seit Tagen sämtliche Visa-Anträge, die in deutschen Botschaften in Pakistan, Indien und den VAE eingereicht werden.

Der Minister hingegen beschreibt die Art der neu eingegangenen Hinweise nicht genau. "Wir haben Hinweise aus zwei Quellen", sagte de Maizière. Einer davon stamme aus dem Ausland und sei erst nach den Attentatsversuchen aus dem Jemen eingegangen. Der zweite stamme aus eigenen Ermittlungen des BKA. Diese seien unabhängig zu bewerten, "aber sie passen ins Bild, das wir bereits hatten".

Die Lage, so der Minister, sei vergleichbar mit der Situation vor der Bundestagswahl 2009. Vor einem Jahr wurden nach Terrorwarnungen wochenlang Bahnhöfe und Flughäfen von schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Diese Maßnahmen werden "ab dem heutigen Tage" wieder eingesetzt, so de Maizière. "Die Bürger sollen diese Maßnahmen sehen, darüber hinaus gibt es Maßnahmen, die sie nicht sehen können." An den Grenzen zu Schengen-Staaten könnte es Personenkontrollen geben. Außerdem sollte die Bevölkerung weiterhin wachsam sein und auf "herrenlose Taschen und seltsames Verhalten" achten.  

Zu konkreten Details äußerte sich de Maizière nicht. Dass Flughäfen und Bahnhöfe bewacht würden, lasse keine Rückschlüsse auf die vermuteten Terrorziele zu. "Es gibt weitere Objektlisten für Gebäude und Plätze" und weiter: "Die Maßnahmen beziehen sich auf ganz Deutschland" und gelten "bis auf Weiteres".