Verfassungsschutz-Tagung Wie die Terrorangst auf Muslime wirkt

Auf einer Tagung in Deutschlands größter Moschee in Duisburg-Marxloh ist die Angst allgegenwärtig. Die Muslime fürchten Islamfeinde und militante Islamisten zugleich.

Es klingt makaber, doch einen besser passenden Ort kann man sich in diesen Tagen kaum vorstellen, um über Islam und Islamfeindschaft und Terrorangst zu sprechen. Die Moschee des vom türkischen Staat dirigierten Vereins Ditib im Duisburger Stadtteil Marxloh, die größte in Deutschland, mit mächtiger Kuppel und 34 Meter hohem Minarett, ist ein Ort, der auf viele Menschen symbolisch wirkt, positiv wie negativ. Das hat sich am Dienstag schon gezeigt, bevor die Tagung beginnt, die Nordrhein-Westfalens Verfassungsschutz und die Ditib-Begegnungsstätte zum Thema rechtsextreme Islamfeindschaft veranstalten. Das provokante Motto lautet "WIR oder die Scharia?", denn so was propagiert die NPD, natürlich ohne Fragezeichen.

Anhänger der ultrarechten Gruppierung Pro NRW sind gekommen, sie recken Schilder hoch, auf denen eine rot durchgestrichene Moschee zu sehen ist. Die Polizei hält in beachtlicher Mannschaftsstärke die Islamfeinde auf Distanz zur Moschee und den Gegendemonstranten, vor allem Gewerkschafter und junge Linke. Und es bleibt friedlich.

Anzeige

Unterdessen sammeln sich im nüchtern-funktionalen Saal der Begegnungsstätte, im Erdgeschoss unter der eigentlichen Moschee, etwa 200 Kommunalpolitiker, Lehrer und Anwohner, deutsche wie nichtdeutsche. Der Andrang signalisiert bereits ein Bedürfnis nach Orientierung, nach Aufklärung und Austausch und Auswegen aus der Angst in einer prekären Zeit.

Die nichtmuslimischen Zuhörer erfahren, dass auch die Muslime nervös sind. Viele Mitglieder der türkischen Gemeinde hätten angesichts der massiv angerückten Polizei angerufen und gefragt, "ob an der Moschee eine Bombe hochgegangen" sei, sagt Zehra Yilmaz, Leiterin der Begegnungsstätte. Da ist zu spüren, wie die Terrorangst auf Muslime wirkt – sie könnten gleich doppelt ins Fadenkreuz geraten, bei durchdrehenden Islamfeinden und bei militanten Islamisten, denen Ditib nicht fromm genug erscheint. Obwohl hier die Musliminnen alle Kopftuch tragen, Zehra Yilmaz verhüllt ihre Haare mit viel silbrig-weißem Stoff und trägt ein langes Gewand.

Er sehe die Gefahr, dass in Teilen der Bevölkerung die Angst vor dem Terror auch ohne ein lange schwelendes Vorurteil "direkt zur Diskriminierung von Muslimen führt", sagt der Sozialforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Und er nennt beunruhigende Zahlen: In Deutschland stimmten mehr als 46 Prozent der Aussage zu, es gebe zu viele Muslime hier. Das sei sogar ein höherer Wert als in den Niederlanden, wo der islamfeindliche Populist Geert Wilders Erfolge feiert, von denen die Ultrarechten in Deutschland nur träumen können.

Experten vom Verfassungsschutz warnen anhand von Hetzvideos und Parolen, NPD und Pro-Bewegung wollten mit islamfeindlichen Kampagnen über rechtsextreme Milieus hinaus Anklang finden. Zur Sprache kommt aber auch, dass Teile der türkischen Gemeinde anfällig sind für Rechtsextremismus. Im Moscheekomplex fand im April eine Gedenkfeier für Alparslan Türkes statt, den 1997 gestorbenen Anführer der türkischen Nationalistenpartei MHP. Zehra Yilmaz verspricht, das komme nicht mehr vor.

 Erschienen im Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
    • lepkeb
    • 25.11.2010 um 10:32 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Zynismus und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ew

  1. Die Sorge vieler Muslime in Deutschland ist sicher nicht unberechtigt: zum einen gelten viele bei den religiösen Eiferern als nicht fromm genug - zum anderen steht zu befürchten, dass es im Falle eines Anschlags durch irgendwelche Islamisten schnell zu einer pogromartigen Stimmung hier im Lande kommen kann. Die Vorfälle nach dem Mord an dem Filmemacher Van Gogh im Jahre 2004 in den Niederlanden, als dort Moscheen angesteckt wurden, dürfte uns allen noch in Erinnerung sein.

    Eine Leser-Empfehlung
    • hthswa
    • 25.11.2010 um 10:39 Uhr

    besteht zwischen Islamisten und Islamfeinden.

    Ein richtiger Islamist ist ja zur Gewalt bereit. Was man bei Islamfeinden so nicht sagen kann.

    Der Islamist ist ja auch zur Gewalt gegenüber eigenen Gläubigen bereit, was die Brisanz erhöht.

    46% aller Deutschen sind der Ansicht, dass es zu viele Muslime in DE gibt. Die sind nicht alle Islamfeinde.

    Aber wenn die Regierung weiter so lasch gegenüber dem Zuzug und dem Ehefamiliennachzug bei Türken sich verhält, wird diese Zahl sich aber schnell in wesentlich größere Höhen bewegen. Und der Islamfeind kann dann etwas militanter werden. Was wohl niemand befürwortet.

    Sarrazins Thesen, auch wenn sie durch den Zeitherausgeber, Altbundeskanzler Helmut Schmidt, in Teilen bejaht werden, zeigen ihre Wirkung. Vor allem durch den türk. Familiennachzug und die hohe Fertilitätsrate der Anatolierinnen.

    Manche Innenstädte größerer Städte sind geprägt von kopftuchtragenden Müttern in langen Kleider und einem "Zwillingswagen" mit zwei Kindern und eine älteres (so ein bis zwei Jahre älter als die im Kinderwagen) sich am Kinderwagen festhaltend.

    Hier sieht man plastisch den Unterschied der Geburtenraten deutsch/anatolisch. Man merkt körperlich, dass sich da etwas anbahnt.
    Genau das, was Helmut Schmidt schon vor Jahrzehnten als gefährlich ablehnte.

    Solange die Muslime sich von Pseudo-Religionsvertretern wie ZMD, DITIB etc vertreten lassen, solange wird es keinen fruchtbaren Dialog zwischen Muslimen und Autochtonen geben.

    Gruß
    hthswa

    13 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Timo K
    • 25.11.2010 um 10:47 Uhr

    "die hohe Fertilitätsrate der Anatolierinnen"

    "Unterschied der Geburtenraten deutsch/anatolisch"

    Geburtenrate klingt soviel netter.

    Fertilität, ein medizinischer Begriff, Geburtenrate einer der der Demoskopie.

    Frauen aus Anatolien sind demnach ein medizinisch zu lösendes Problem?

    So Denkansätze kommen mir erschreckend bekannt vor.

    Du sprichst da richtiger Weise ein zentrales Problem an, dass nicht in Deutschland begründet ist, sondern in der Türkei: dort sind in den von den vielen türkischen Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten sträflichst vernachlässigten ländlichen Regionen hohe Analphabetenraten und exorbitant hohe Geburtenraten immer noch die Regel. Dieses Problem hat man bereits seit langem in der Türkei erkannt - nur löst man es auf eine ganz besondere Weise: man setzt diesen Leuten einfach den Stuhl vor die Tür. Die Probleme haben dann die anderen Staaten.

    Übrigens: nach meiner Erfahrung ist es für einen Türkischen Geschäftsmann oder Wissenschaftler unendlich schwieriger, für einen Kurzbesuch nach Deutschland zu kommen, als als Angehöriger einer anatolischen Großfamilie, der weder lesen noch schreiben kann.

    Was sehen wir? Die Türkei muss noch jede Menge Hausaufgaben machen, bis sie auch nur ansatzweise in die EU darf. Dazu gehört eben auch, die Analphabetenrate deutlich zu senken und den ländlichen Raum zu entwickeln. Bessere Lebensverhältnisse in den ländlichen Regionen und eine gut ausgebaute Infrastruktur - ganz besonders im Norden und Osten des Landes - würden den Islamisten dort den Boden unter den Füßen weg ziehen.

    Ich kann bei o.g. Anatolierinnen keine Integration erkennen.

    1. Sie haben (diejenigen die ich im Ruhrgebiet sehe) jeweils mindestens 3 Kinder. Doppelkinderwagen sind bei Kopftuchträgerinnen normal.
    2. Diese Frauen sprechen so gut wie kein deutsch. Deren Augen leuchten aber wie Taschenlampen, wenn man sich auf türkisch bedankt.
    3. Wieviele deutsche Männer haben diese Frauen mit Kopftuch? Ich kenne keinen einzigen. Es gibt so gut wie keine Mischehen.

    Es gibt noch sehr viel mehr Kriterien, an denen man Integration messen kann, die aber allesamt kaum erfüllt werden. "Zum Glück" braucht man in meiner Wohngegend kein deutsch, denn es gibt türkische Rechtsanwälte, Zahnärzte, Werbeagenturen, etc. Und ich wohne nicht in Duisburg, Dortmund oder Essen.

    Ich kenne keine Gegend in Deutschland, die segregierter ist als das Ruhrgebiet.[...]

    Anm: Bitte verzichten Sie auf Pauschalurteile. Danke. Die Redaktion/km

    • Timo K
    • 25.11.2010 um 10:47 Uhr

    "die hohe Fertilitätsrate der Anatolierinnen"

    "Unterschied der Geburtenraten deutsch/anatolisch"

    Geburtenrate klingt soviel netter.

    Fertilität, ein medizinischer Begriff, Geburtenrate einer der der Demoskopie.

    Frauen aus Anatolien sind demnach ein medizinisch zu lösendes Problem?

    So Denkansätze kommen mir erschreckend bekannt vor.

    Du sprichst da richtiger Weise ein zentrales Problem an, dass nicht in Deutschland begründet ist, sondern in der Türkei: dort sind in den von den vielen türkischen Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten sträflichst vernachlässigten ländlichen Regionen hohe Analphabetenraten und exorbitant hohe Geburtenraten immer noch die Regel. Dieses Problem hat man bereits seit langem in der Türkei erkannt - nur löst man es auf eine ganz besondere Weise: man setzt diesen Leuten einfach den Stuhl vor die Tür. Die Probleme haben dann die anderen Staaten.

    Übrigens: nach meiner Erfahrung ist es für einen Türkischen Geschäftsmann oder Wissenschaftler unendlich schwieriger, für einen Kurzbesuch nach Deutschland zu kommen, als als Angehöriger einer anatolischen Großfamilie, der weder lesen noch schreiben kann.

    Was sehen wir? Die Türkei muss noch jede Menge Hausaufgaben machen, bis sie auch nur ansatzweise in die EU darf. Dazu gehört eben auch, die Analphabetenrate deutlich zu senken und den ländlichen Raum zu entwickeln. Bessere Lebensverhältnisse in den ländlichen Regionen und eine gut ausgebaute Infrastruktur - ganz besonders im Norden und Osten des Landes - würden den Islamisten dort den Boden unter den Füßen weg ziehen.

    Ich kann bei o.g. Anatolierinnen keine Integration erkennen.

    1. Sie haben (diejenigen die ich im Ruhrgebiet sehe) jeweils mindestens 3 Kinder. Doppelkinderwagen sind bei Kopftuchträgerinnen normal.
    2. Diese Frauen sprechen so gut wie kein deutsch. Deren Augen leuchten aber wie Taschenlampen, wenn man sich auf türkisch bedankt.
    3. Wieviele deutsche Männer haben diese Frauen mit Kopftuch? Ich kenne keinen einzigen. Es gibt so gut wie keine Mischehen.

    Es gibt noch sehr viel mehr Kriterien, an denen man Integration messen kann, die aber allesamt kaum erfüllt werden. "Zum Glück" braucht man in meiner Wohngegend kein deutsch, denn es gibt türkische Rechtsanwälte, Zahnärzte, Werbeagenturen, etc. Und ich wohne nicht in Duisburg, Dortmund oder Essen.

    Ich kenne keine Gegend in Deutschland, die segregierter ist als das Ruhrgebiet.[...]

    Anm: Bitte verzichten Sie auf Pauschalurteile. Danke. Die Redaktion/km

  2. Ihr Kommentar ist nicht nur merkwürdig, wegen des kuriosen Inhalts, sondern auch voller Rechtschreibfehler. Sie müssen noch an sich in beiden Beziehungen arbeiten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/ew

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/ew

    • Timo K
    • 25.11.2010 um 10:47 Uhr

    "die hohe Fertilitätsrate der Anatolierinnen"

    "Unterschied der Geburtenraten deutsch/anatolisch"

    Geburtenrate klingt soviel netter.

    Fertilität, ein medizinischer Begriff, Geburtenrate einer der der Demoskopie.

    Frauen aus Anatolien sind demnach ein medizinisch zu lösendes Problem?

    So Denkansätze kommen mir erschreckend bekannt vor.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...irgendwelche Aussagen zu konstruieren und mit der Nazikeule zu wedeln.
    Das funktioniert mittlerweile nicht mehr.

    ...irgendwelche Aussagen zu konstruieren und mit der Nazikeule zu wedeln.
    Das funktioniert mittlerweile nicht mehr.

  3. Du sprichst da richtiger Weise ein zentrales Problem an, dass nicht in Deutschland begründet ist, sondern in der Türkei: dort sind in den von den vielen türkischen Regierungen in den vergangenen Jahrzehnten sträflichst vernachlässigten ländlichen Regionen hohe Analphabetenraten und exorbitant hohe Geburtenraten immer noch die Regel. Dieses Problem hat man bereits seit langem in der Türkei erkannt - nur löst man es auf eine ganz besondere Weise: man setzt diesen Leuten einfach den Stuhl vor die Tür. Die Probleme haben dann die anderen Staaten.

    Übrigens: nach meiner Erfahrung ist es für einen Türkischen Geschäftsmann oder Wissenschaftler unendlich schwieriger, für einen Kurzbesuch nach Deutschland zu kommen, als als Angehöriger einer anatolischen Großfamilie, der weder lesen noch schreiben kann.

    Was sehen wir? Die Türkei muss noch jede Menge Hausaufgaben machen, bis sie auch nur ansatzweise in die EU darf. Dazu gehört eben auch, die Analphabetenrate deutlich zu senken und den ländlichen Raum zu entwickeln. Bessere Lebensverhältnisse in den ländlichen Regionen und eine gut ausgebaute Infrastruktur - ganz besonders im Norden und Osten des Landes - würden den Islamisten dort den Boden unter den Füßen weg ziehen.

    12 Leser-Empfehlungen
  4. Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf Provokationen. Danke. Die Redaktion/ew

    Antwort auf "Zu "lepkeb""

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service