Landesparteitag Tschüssle, Opposition!

Die baden-württembergischen Grünen strotzen auf ihrem Basistreffen nur so vor Selbstbewusstsein. Mögliche Koalitionsoptionen werden bewusst offen gelassen.

Winfried Kretschmann auf dem Landesparteitag in Bruchsal

Winfried Kretschmann auf dem Landesparteitag in Bruchsal

Die jungen Grünen wollen ihren Spitzenmann in Baden-Württemberg gut ausgerüstet sehen. Ein Kletterseil, einen Rucksack, Fernglas und eine Thermoskanne überreichen sie Winfried Kretschmann bei der Landesdeligiertenkonferenz am Samstag in Bruchsal. Einer Konferenz, die so heiter, so spielerisch vonstatten geht wie noch nie in der dreißigjährigen Oppositionsgeschichte der Grünen im Südwesten.

Winfried Kretschmann guckt kurz überrascht, so wie jemand, der den Gipfel so gut wie erreicht hat und nicht recht weiß, warum er sich jetzt noch gegen einen Absturz sichern soll. Denn nie war Metaphorik, waren Bilder und Symbole, an denen sich geschundene Delegiertenseelen aufrichten könnten, weniger nötig als an diesem Wochenende.

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Nie wurden die heftiger werdenden Angriffe der CDU auf den stärker und stärker gewordenen Herausforderer genüsslicher zitiert als hier, im Bürgerzentrum von Bruchsal. Der "gutbürgerliche" Kretschmann habe "seine Maske fallen" lassen, keilte diese Woche der CDU-Generalsekretär der Thomas Strobl, nachdem der grüne Spitzenkandidat bei einem Fernsehauftritt nicht ausschließen wollte, notfalls auch mit den Linken über eine Regierungsbildung zu reden.

Kretschmann pariert den politischen Angriff in seiner Rede vor den 200 Delegierten mit sichtlichem Amüsement. Während der Schlichtungsgespräche zur Stuttgart 21 habe die ganze Zeit der junge Stuttgarter Stadtrat und stadtbekannte Aktivist Hannes Rockenbauch vom Personenbündnis Stuttgart ökologisch sozial neben ihm gesessen, "und ich habe nicht die Krätze gekriegt". Im Fünfparteiensystem könne es "immer Konstellationen geben, die das Regieren extrem schwierig machen".

Er sehe keinen Grund zur "Ausschließeritis", sagt Kretschmann mit Blick auch auf die Regierungspartei CDU und deren Ministerpräsidenten. Nein, er flötet es vielmehr: "Ich rede mit jedem, auch mit dem Kollegen Mappus." Schlichter Heiner Geißler (CDU) jedenfalls glaubt schon mal an ein mögliches schwarz-grünes Bündnis in Baden-Württemberg, wie er am Wochenende dem Spiegel sagte: "Die Rangeleien von heute sind doch alle Schall und Rauch in dem Moment, in dem erst ernst wird."

Der Rückenwind für die Grünen im Südwesten ist kein gefühlter, sondern ein gemessener, und ein Abflauen dieser Brise lässt sich nicht absehen. Auf den Tischen im Foyer des Bruchsaler Bürgerzentrums liegt in Stapeln die Stuttgarter Zeitung . Das Blatt hatte gemeinsam mit dem Südwestrundfunk erneut durch das Berliner Meinungsforschungsinstitut infratest dimap die Sonntagsfrage stellen lassen. Die Ergebnisse sind am Freitag veröffentlicht worden, danach bringt es das aktuelle regierende Bündnis von CDU und FDP auf 44 Prozent der Stimmen. Grüne (28 Prozent) und SPD liegen gemeinsam bei 46 Prozent. Das sind zwei Prozent weniger als bei derselben Umfrage im September dieses Jahres. Aber es ist immer noch genug für den Machtwechsel.

Wie sich die im Fernsehen übertragene Schlichtung zu Stuttgart 21 unter Heiner Geißler für die Grünen auswirkt, bilden die neuesten Umfragezahlen nicht schlüssig ab. Es überrascht jedoch, dass mittlerweile ein Viertel der befragten Grünen-Sympathisanten und eine klare Mehrheit aller Landesbürger sich jetzt für den Bau des Stuttgarter Tiefbahnhofs aussprechen.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 04.12.2010 um 17:58 Uhr

    ....sehr gut zum Lebensgefühl der Schwaben, wo doch Bescheidenheit und Fleiß dem Tüftler oder dessen Kind auf Mallorca eine Finca und in Gstaad ein Chalet zu halten. Was passt dazu besser als veganische Maultaschen und wärme Apfeltaschen aus dem Umland? Und höhere Strompreise? Man verdient doch daraus, dass man den Strom aus den Solaranlagen auf Dach und hinter den Häusern ins Netz füttert mehr, als man für den gekauften Strom zahlt. Das ist doch sparsam. Da kommt man zu was.

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    ...zu grünen Prinzipien? Selbst die Linken wissen schwäbische Automobilbaukunst aus Zuffenhausen zu schätzen. Ökologischer als mit einem 70er Jahre-Porsche kann man sich kaum bewegen.

    ...zu grünen Prinzipien? Selbst die Linken wissen schwäbische Automobilbaukunst aus Zuffenhausen zu schätzen. Ökologischer als mit einem 70er Jahre-Porsche kann man sich kaum bewegen.

  1. ...zu grünen Prinzipien? Selbst die Linken wissen schwäbische Automobilbaukunst aus Zuffenhausen zu schätzen. Ökologischer als mit einem 70er Jahre-Porsche kann man sich kaum bewegen.

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    • joG
    • 04.12.2010 um 21:22 Uhr

    ....mit grünen Prinzipien als die Wirklichkeit. Die schwäbische Wirtschaft läuft nur mit massiven Importen an Roh- und Zwischenprodukten. Diese müssen von weither bei geschafft werden. Die Prozesse sind CO2 intensiv und Maschinen sowie Autos sind das auch. Die Bevölkerung braucht Lebensmittel, Möbel, Baustoffe oder Kleidung, die ebenfalls in großer Menge importiert werden. Das ist alles sehr Energieintensiv. Auch sind regelmäßige Flüge nach Bali, Florida oder Mallorca CO2 intensiv.

    Das bedeutet nicht, dass man kein gutes Leben haben kann ohne diese Dinge; zumindest mit weniger davon. Doch ist die wunderbare Gemütlichkeit der heutigen Lebensführung zwar vom Gefühl her grün, aber sie ist es nicht wirklich, wenn man die Systeme, die das ganze tragen betrachtet.

    • joG
    • 04.12.2010 um 21:22 Uhr

    ....mit grünen Prinzipien als die Wirklichkeit. Die schwäbische Wirtschaft läuft nur mit massiven Importen an Roh- und Zwischenprodukten. Diese müssen von weither bei geschafft werden. Die Prozesse sind CO2 intensiv und Maschinen sowie Autos sind das auch. Die Bevölkerung braucht Lebensmittel, Möbel, Baustoffe oder Kleidung, die ebenfalls in großer Menge importiert werden. Das ist alles sehr Energieintensiv. Auch sind regelmäßige Flüge nach Bali, Florida oder Mallorca CO2 intensiv.

    Das bedeutet nicht, dass man kein gutes Leben haben kann ohne diese Dinge; zumindest mit weniger davon. Doch ist die wunderbare Gemütlichkeit der heutigen Lebensführung zwar vom Gefühl her grün, aber sie ist es nicht wirklich, wenn man die Systeme, die das ganze tragen betrachtet.

  2. Die baden-württembergischen Grünen strotzen auf ihrem Basistreffen nur so vor Selbstbewusstsein. Mögliche Koalitionsoptionen werden bewusst offen gelassen.

    Bei den Kehrwochen sollte das Unkraut weggeharkt werden

    Eine Leser-Empfehlung
    • formal
    • 04.12.2010 um 18:48 Uhr

    die letzte Umfrage (Dimap) sieht beide Lager gleich auf und die Linke gerade so bei der 5% Hürde.
    Statt einer unberechenbare chaostruppe mit Grünen und Linke, sollte die SPD darüber nachdenken, eine verläßliche, stabile Regierung zum Wohle des Landes mit einer schon längst sozialdemokratisierten CDU einzugehen.
    Das würde auch die Grünen wieder klein machen.

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    Wären die Menschen Computer, so würden diese vielleicht den Wahrheitsgahalt einer Aussage nach der Häufigkeit einer Aussage beurteilen.

    Aber diese Aussage ist so völlig daneben, dass Sie nur von wenigen Bewohnern geistiger Inseln als richtig angesehen wird.

    Wären die Menschen Computer, so würden diese vielleicht den Wahrheitsgahalt einer Aussage nach der Häufigkeit einer Aussage beurteilen.

    Aber diese Aussage ist so völlig daneben, dass Sie nur von wenigen Bewohnern geistiger Inseln als richtig angesehen wird.

    • 04.12.2010 um 19:22 Uhr

    Unsere neue "Volkspartei":
    http://www.youtube.com/wa...

    Um unser Volk sieht es düster aus.

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    Woah, was ein alter Hut. Die Hippies aus denen die Grünen mal hervorgegangen sind mit der "Volkspartei" von heute zu vermengen ist wie 40 Jahre alten Käse essen....
    Ich als 30 Jahre alter Neu-Grüner kann damit jedenfalls nichts anfangen.
    zum eigentlichen Thema: Ich würde mich natürlich freuen, wenn ausgerechnet DIESE Landesregierung die vorerst letzte mit CDU-Ministerpräsident sein würde, allerdings kann ich mit Kretsche nichts anfangen. Unfair ihm gegenüber, ich weiß - aber ungeachtet seiner evtl. Kompetenz und innerparteilicher Verdienste, bin ich unfähig ihm zuzuhören... ;)
    Ich hoffe, Herr Palmer wird in der nahen Zukunft eine überregionalere Rolle in der Partei/in der Politik übernehmen.-> Für mehr "Generationengerechtigkeit in den Führungsriegen deutscher Parteien... :)

    Woah, was ein alter Hut. Die Hippies aus denen die Grünen mal hervorgegangen sind mit der "Volkspartei" von heute zu vermengen ist wie 40 Jahre alten Käse essen....
    Ich als 30 Jahre alter Neu-Grüner kann damit jedenfalls nichts anfangen.
    zum eigentlichen Thema: Ich würde mich natürlich freuen, wenn ausgerechnet DIESE Landesregierung die vorerst letzte mit CDU-Ministerpräsident sein würde, allerdings kann ich mit Kretsche nichts anfangen. Unfair ihm gegenüber, ich weiß - aber ungeachtet seiner evtl. Kompetenz und innerparteilicher Verdienste, bin ich unfähig ihm zuzuhören... ;)
    Ich hoffe, Herr Palmer wird in der nahen Zukunft eine überregionalere Rolle in der Partei/in der Politik übernehmen.-> Für mehr "Generationengerechtigkeit in den Führungsriegen deutscher Parteien... :)

    • hthswa
    • 04.12.2010 um 19:35 Uhr

    ""
    In knapp zwei Stunden vier magere Kommentare. Offensichtlich ist das Interesse an Grüner Politik erlahmt.

    Bereits gestern hat ZEIT-Online einen Artikel über den grünen "David" als Sieger innert 24 Stunden noch magerere drei Kommentare eingefahren.

    • Evolux
    • 04.12.2010 um 19:54 Uhr

    oder Farbe bekennen-das ist hier die Frage.
    Also Kalkül,das heißt.die Grünen spielen auf Zeit,geben sich bewusst
    sehr schwammig,um für die ganze etablierte Mischpoke wenig bis gar keine Angriffsfläche zu bieten.

    Seltsames Verhalten-ist man gar nicht gewohnt,
    Die Grünen warten mal ab,denken an die Wahlen in Hamburg und BaWü und lassen fünfe gerade sein.

    Steht ja sonst nichts an,oder?
    Doch,eine Sache kann sie ins stolpern bringen.Das ist nämlich die in Kürze zu treffende Entscheidung zum Hartz4 Gesetz im Bundesrat.
    Da liegt es nun an den Saargrünen,nachdem der Austritt der GAL in Hamburg der schwarz-gelben Mischpoke sogar noch einen Vorteil verschafft hat.
    Also,Hosen runter

    Die Grünen sind endlich im Establishment angekommen und haben das Taktieren gelernt und kämpfen mit den gleichen Waffen

    @5 inkognito
    Lass stecken den plumpen Kram,darauf fällt keiner mehr rein

    Eine Leser-Empfehlung
    • Evolux
    • 04.12.2010 um 20:45 Uhr

    Hat er sich jetzt vorgewagt?

    Grünen-Chef Özdemir sagte auf einer Veranstaltung der baden-württembergischen Grünen, seine Partei werde den Spruch Geißlers akzeptieren, allerdings nur, wenn die Bahn die dort geforderten Auflagen erfüllt.
    Hat man ihm einen Beiratssessel bei der ECE-Stiftung versprochen?

    Heute nachmittag hat Bundesvorsitzender Özdemir auf dem Grünen-Parteitag in Karlsruhe gesagt, daß S21 nachgebessert werden müßte. Da hat er die Maske vor seiner Atlantiker-Fratze fallen lassen.

    Manche haben anscheinend lang vergessen:
    Er war schon mal käuflich, für den Hunzinger.
    Und die Baden-Württembergischen Grünen haben ihn schonmal davon gejagt, als er dort Landesvorsitzender werden wollte und bekannt wurde, daß er eine Zeitlang von dem Amis bei der Atlantik-Brücke als Trojaner geschult wurde.

    Anmerkung zum vorherigen Beitrag:
    Wie die Enstcheidung von Ulrich im Saarland kann man sich schon denken.
    "Parlamentarische Zwänge" und so.
    Jugendmedienstaatsvertrag-erst enstchieden dagegen und dann dafür stimmen.

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    • hthswa
    • 04.12.2010 um 22:01 Uhr

    "U-Boot Özdemir"

    """Und die Baden-Württembergischen Grünen haben ihn schonmal davon gejagt, als er dort Landesvorsitzender werden wollte und bekannt wurde, daß er eine Zeitlang von dem Amis bei der Atlantik-Brücke als Trojaner geschult wurde."""
    _________________________________________________________

    2009 erhielt Cem Özdemir die Ehrendoktorwürde der Universität Tonceli in Ostanatolien. Diese Universität war erst einige Monate zuvor in 2008 auf Anordnung von Herrn Tayip Erdogan gegründet worden. Tonceli hat 38.000 Einwohner.

    Am Tage der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Herrn Cem Özdemir war auch rein zufällig der türkische Staatspräsident Abdullah Gül in Tonceli und an der Universität.

    Also nicht nur Trojaner für die USA??

    Einige Politiker mit türkischen Migrationshintergrund sollen ja öfter Treffen mit ranghohen Politikern der Türkei dort haben.

    Honi soit qui mal pense.

    • hthswa
    • 04.12.2010 um 22:01 Uhr

    "U-Boot Özdemir"

    """Und die Baden-Württembergischen Grünen haben ihn schonmal davon gejagt, als er dort Landesvorsitzender werden wollte und bekannt wurde, daß er eine Zeitlang von dem Amis bei der Atlantik-Brücke als Trojaner geschult wurde."""
    _________________________________________________________

    2009 erhielt Cem Özdemir die Ehrendoktorwürde der Universität Tonceli in Ostanatolien. Diese Universität war erst einige Monate zuvor in 2008 auf Anordnung von Herrn Tayip Erdogan gegründet worden. Tonceli hat 38.000 Einwohner.

    Am Tage der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Herrn Cem Özdemir war auch rein zufällig der türkische Staatspräsident Abdullah Gül in Tonceli und an der Universität.

    Also nicht nur Trojaner für die USA??

    Einige Politiker mit türkischen Migrationshintergrund sollen ja öfter Treffen mit ranghohen Politikern der Türkei dort haben.

    Honi soit qui mal pense.

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