Die iranischen Behörden haben den beiden in Iran inhaftierten deutschen Journalisten ihr erstes Treffen mit Angehörigen gewährt. Das Wiedersehen habe nach Angaben des Auswärtigen Amtes in der vergangenen Nacht in Tabris begonnen und dauere zehn Stunden später noch an. Im Anschluss sollten die Angehörigen demnach nach Teheran zurückkehren. Vor dem Treffen hatte Berlin Druck ausgeübt und den iranischen Botschafter einbestellt.

Westerwelle dankte dem iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi "für seine Unterstützung" beim Arrangement des Treffens. "Die Bundesregierung dringt weiter auf die baldige Rückkehr unserer beiden Landsleute nach Deutschland", fügte der Außenminister hinzu.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna schrieb, gewährte der Generalstaatsanwalt von Tabris das Treffen aus "humanitären Gründen". Dabei sei das bevorstehende christliche Neujahrsfest berücksichtigt worden. 

Gleichzeitig dämpften die Behörden Hoffnungen auf die baldige Freilassung der Journalisten. Der Fall sei in den Händen der Justiz, die auch bestimmen werde, ob die beiden Reporter schuldig oder unschuldig seien.

Die Bundesregierung hatte am Montag Irans Botschafter in Berlin einbestellt und ihren "Unmut" über die Inhaftierung der beiden deutschen Journalisten geäußert. Die iranische Regierung habe über Weihnachten kein Treffen mit den eigens aus Deutschland angereisten Angehörigen zugelassen, obwohl es dazu "mehrfach feste Zusagen von iranischer Seite" gegeben habe, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts.

Nach Irna-Angaben dementierte die diplomatische Vertretung in Berlin, dass der Botschafter vom Auswärtigen Amt einbestellt worden sei. Es habe sich um ein Treffen gehandelt, das im Voraus geplant gewesen sei und "daher von Einbestellung keine Rede sein kann".

Die beiden Journalisten der Bild am Sonntag waren am 10. Oktober in Tabris festgenommen worden, als sie ein Interview mit dem Sohn der Iranerin Sakineh Mohammadi Aschtiani führen wollten. Sie war wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden, die Art ihrer Hinrichtung wird derzeit überprüft.

Den deutschen Reportern wird vorgeworfen, ohne Journalisten-Visum gearbeitet zu haben. Der zunächst von einem Justizvertreter erhobene Vorwurf der Spionage wurde bisher nicht weiter verfolgt. In Iran dürfen Journalisten nur ihrem Beruf nachgehen, wenn sie eine Akkreditierung vom Ministerium für Kultur und islamische Anleitung erhalten haben.