Biosprit wird die Welt nicht vor dem Klimawandel retten. So viel steht fest. Doch welchen Beitrag Biomasse leisten kann, damit weniger Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, darüber wird seit Jahren leidenschaftlich gestritten.

Erst war der Agrarsprit die Rettung für den Klimakiller Auto. Dann wurde er zu einer großen Gefahr für die Hungernden der Welt. Nun kommt zum 1. Januar 2011 der um zehn Prozent mit Bioethanol angereicherte Kraftstoff an die Zapfsäulen der Tankstellen. Das war für 2009 schon einmal geplant, wurde dann aber vom damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gestoppt. Autoimporteure hatten gewarnt, dass mehr als drei Millionen Autos den neuen Sprit nicht vertragen könnten.

Zum 1. Januar tritt nun auch eine Nachhaltigkeitsverordnung für Agrartreibstoffe in Kraft. Danach darf dem Benzin nur Bioethanol beigemischt werden, das über die gesamte Produktionskette hinweg 35 Prozent weniger Treibhausgase erzeugt als konventionelles Benzin, wenn es verbrannt wird. Diese Regeln gelten auch für Biodiesel, der schon länger zu sieben Prozent beigemischt wird.

Die Vorgaben sind nicht besonders ambitioniert. Schon bisher wird etwa ein Drittel des Biosprits für die Beimischung nach Deutschland importiert. Mit der Erhöhung der Quote wird der Anteil noch größer. Ausgeschlossen wird von der Verordnung lediglich, dass Urwälder gerodet oder Torfmoore trockengelegt werden, um Palmöl oder Zuckerrohr für die Agrartreibstoffe anzubauen. Allerdings verdrängt der Energiepflanzenanbau andere Nutzungen, beispielsweise den Nahrungsmittelanbau. Dadurch wird indirekt eine Abholzung der Regenwälder angeheizt. Dieses Problem der Landnutzungsänderungen wird von der Verordnung nicht berücksichtigt. Und es wäre auch schwierig, das zu tun.

Genau das ist die Schwäche der Agrartreibstoffe. Ihre Produktionskette lässt sich nicht so überwachen, dass die Frage Tank oder Teller gar nicht erst gestellt werden muss. Das Risiko, dass Energiepflanzen Nahrungsmittelpflanzen verdrängen, lässt sich kaum in den Griff bekommen. Schließlich sind Bauern freie (Klein-)Unternehmer und entscheiden selbst, was sie anbauen. Das zeigen schon die Erfahrungen mit dem Anbau von Futterpflanzen für europäische Kühe, Schweine oder Hühner. 

Der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltvorsorge (WBGU) schätzt das Potenzial für den Einsatz von Biomasse weltweit auf etwa zehn Prozent. Denn landwirtschaftlich nutzbare Flächen sind begrenzt und können auch nicht beliebig vergrößert werden. Zudem wächst die Weltbevölkerung. Für den WBGU liegt in dieser Tatsache eine Aufforderung, Biomasse nur dann einzusetzen, wenn davon ein hoher Nutzen für das Klima zu erwarten ist. Das ist jedoch bei Biosprit offensichtlich nicht der Fall. Die Regierungsberater plädieren deshalb dafür, Biomasse lieber in Großkraftwerken zur Stromproduktion als Ersatz für Kohle einzusetzen. So würde wirklich Kohlendioxid eingespart. 

Erschienen im Tagesspiegel.