NRW Wie die Opposition Kraft stark macht

Bei der Abstimmung zum Nachtragsetat wollten CDU und FDP die rot-grüne Minderheitsregierung in NRW zum Platzen bringen. Doch der Plan scheiterte kläglich.

Es wird gejohlt und gebuht, gerufen und gelacht. Die Abstimmung ist gelaufen, doch nun gibt es Ärger im Plenarsaal. CDU und FDP haben eine Sitzungspause beantragt. Alle anderen sind dagegen. Die Abgeordneten keifen sich an. "Sie wollen eine Pressekonferenz organisieren", ruft Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen. "Dafür gibt es aber überhaupt keinen Grund." Ein CDU-Mann springt auf und schreit zurück: "Nicht Ihre Sache, Priggen!" Doch der Antrag bekommt keine Mehrheit. Es gibt keine Pause. Fast alle CDU- und FDP-Politiker verlassen schimpfend den Saal. Ein Hauch von Italien im rheinischen Parlament. Doch die Sitzung geht weiter, als wäre nichts geschehen.     

Dabei hat der nordrhein-westfälische Landtag gerade einen beachtlichen Beschluss gefasst. Er hat einen Nachtragshaushalt beschlossen, der eine Neuverschuldung in Höhe von 8,4 Milliarden Euro vorsieht. Selbst für das chronisch klamme NRW ist das neuer Rekord. SPD und Grüne haben erwartungsgemäß geschlossen dafür gestimmt, CDU und FDP dagegen. Die Linke hat sich enthalten. So wie sie es angekündigte. Es genügte also für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Ihre rot-grüne Minderheitsregierung hat einen Sieg errungen.

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Selbstverständlich war das nicht. Seit Wochen hatte die Opposition diesen Tag fest im Blick gehabt. Er sollte zum Tribunal für die Rot-Grün werden. CDU und FDP hatten einen Tag der Abrechnung prophezeit. Keine Mehrheit bei der Abstimmung über den Nachtragsetat hätte Neuwahlen bedeutet. Darüber waren sich alle Parteien einig. Doch die Opposition hat ihr Ziel vorerst verfehlt. Und das hat sie sich vor allem selbst zuzuschreiben.

Vergeblich gab CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann im Düsseldorfer Landtag noch einmal alles. Der kantige Münsterländer kanzelte die rot-grüne Politik als desaströs und unverantwortlich ab. Eine derart hohe Neuverschuldung sei nicht notwendig in Zeiten des Aufschwungs; Frau Kraft eine "finanzpolitische" und "verfassungsrechtliche Geisterfahrerin", so Laumann.

Ohnehin halten die Christdemokraten den Nachtragshaushalt für verfassungswidrig. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie gegen den Etat klagen werden. Sollte der NRW-Verfassungsgerichtshof in Münster der Klage entsprechen, würde es zu Neuwahlen kommen. Das hat Rot-Grün bereits angekündigt. Für die CDU ist es dennoch ernüchternd: Nicht der politische, sondern der juristische Weg ist derzeit die einzige Chance, Krafts Minderheitsregierung beizukommen.

Tatsächlich hat die CDU an Rhein und Ruhr genug mit sich selbst zu tun. Von der Wahlniederlage im Mai und dem Ende der Regierung Jürgen Rüttgers’ hat sie sich noch nicht erholt. Sie muss sich noch finden, ist ziellos, unsicher und vielleicht am schlimmsten: untereinander zerstritten.

Zuletzt erwischte es den Parteifreund Eckhard Uhlenberg. Als Landtagspräsident hatte er vergangene Woche eine zweitrangige Abstimmung wiederholen lassen, weil ihm die Mehrheiten im Plenarsaal unklar waren. Damit war die CDU-Fraktion nicht einverstanden, fühlte sich benachteiligt und um die Mehrheit gebracht. Jetzt klagt sie gegen die Rechtmäßigkeit des wiederholten Votums, agiert also gegen den eigenen Mann, der schon jetzt durch den Vorgang massiv beschädigt ist.

Leser-Kommentare
  1. Das hört sich doch ganz so an, als ob es eine Wiederholung in Ba-Wü geben könnte. Ich kann mir gut vorstellen, dass die CDU in NRW in ein paar Jahren ein gerüttelt Maß an Arroganz sich zugelegt hat, die jetzt heftig durchgerüttelt wird. In Ba-Wü hat die Arroganz Methode, da reicht es schon, wenn schwarz nicht sicher mit dem Sieg rechnen kann. Und Mappus tritt jetzt so als König Ludwig auf und lässt sich nachträglich 6 Mia legitimieren, die er sich gar nicht hätte legitimieren lassen brauchen, da er nicht mehr zurück konnte; er nimmt das Land Ba-Wü praktisch in Geiselhaft, was wohl auch der mittelmäßige CDU-Wähler verstanden hat.
    NRW darf noch 100 Tage gespannt auf Ba-Wü sehen. Dann kann in beiden Ländern schwarz-gelb einpacken und im Bund dann etwas später auch, vorher geht schwarz in HH die Elbe hinunter ins Meer.

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    • Chilly
    • 16.12.2010 um 19:31 Uhr

    müssen wir nicht ein paar Jahre warten. Diese Arroganz hat die CDU schon seit vielen Jahrzehnten als die ewige Regierungspartei im Musterländle.

    Rot-Grüne-Minderheitsregierung geht in BW allerdings nach der Landesverfassung nicht. Ein MP muss dort mit Mehrheit der MdL gewählt werden und zwar mit absoluter. Eine relative Mehrheit bei Enthaltung etwa der Linken (wenn die es denn in den Landtag in Stuttgart schaffen, was sein kann, aber derzeit nicht sicher ist) würde nicht ausreichen. Schafft es der Landtag nicht innerhalb einer relativ kurzen Frist einen neuen MP zu wählen, gibt es Kraft Landesverfassung Neuwahlen.

    CHILLY

    • Chilly
    • 16.12.2010 um 19:31 Uhr

    müssen wir nicht ein paar Jahre warten. Diese Arroganz hat die CDU schon seit vielen Jahrzehnten als die ewige Regierungspartei im Musterländle.

    Rot-Grüne-Minderheitsregierung geht in BW allerdings nach der Landesverfassung nicht. Ein MP muss dort mit Mehrheit der MdL gewählt werden und zwar mit absoluter. Eine relative Mehrheit bei Enthaltung etwa der Linken (wenn die es denn in den Landtag in Stuttgart schaffen, was sein kann, aber derzeit nicht sicher ist) würde nicht ausreichen. Schafft es der Landtag nicht innerhalb einer relativ kurzen Frist einen neuen MP zu wählen, gibt es Kraft Landesverfassung Neuwahlen.

    CHILLY

    • Chilly
    • 16.12.2010 um 19:31 Uhr

    müssen wir nicht ein paar Jahre warten. Diese Arroganz hat die CDU schon seit vielen Jahrzehnten als die ewige Regierungspartei im Musterländle.

    Rot-Grüne-Minderheitsregierung geht in BW allerdings nach der Landesverfassung nicht. Ein MP muss dort mit Mehrheit der MdL gewählt werden und zwar mit absoluter. Eine relative Mehrheit bei Enthaltung etwa der Linken (wenn die es denn in den Landtag in Stuttgart schaffen, was sein kann, aber derzeit nicht sicher ist) würde nicht ausreichen. Schafft es der Landtag nicht innerhalb einer relativ kurzen Frist einen neuen MP zu wählen, gibt es Kraft Landesverfassung Neuwahlen.

    CHILLY

  2. und SPD und GRÜNE geschlossen abstimmen, reicht es immer für die Minderheitsregierung.
    Das haben sich wohl auch die 3 CDU Abgeordneten gesagt und etwas besseres vorgehabt.
    Für den Fraktionsvorsitzenden der CDU ist das kein Aushängeschild.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Die CDU kläfft zwar laut, aber im Grunde kann sie doch gar nicht an Neuwahlen interessiert sein. Das nächste Debakel wäre vorhersehbar in der gegenwärtigen politischen Stimmung.

    Das beste, was sie erhoffen können, ist doch, dass die Linken mit rot-grün stimmen, dann hätte man das Blockdenken wieder.

    Wollen wir wetten?

    Wenn es mal wirklich hart auf hart kommt und auch die Linken zusammen mit FDP und CDU gegen rot-grün stimmen wollen (wäre das nicht auch Kooperation?), dann kommt die Keule mit Neuwahlen ins Spiel und zufällig werden einige Abgeordnete der Opposition krankheitsbedingt verhindert sein.

  4. Ein seltsamer Artikel, der sich hauptsächlich mit der Opposition befasst. Die sehr bedenkliche zügellose Neuverschuldung durch SPD/Grüne/Linke wird nur im Nebensatz erwähnt. Die in Deutschland beispiellose Rekordverschuldung für 2011 zusammen mit mangelndem Sparwillen der neuen Landesregierung dürfte NRW analog zur europäischen Situation über kurz oder lang zum "PIIG" -Bundesland in Deutschland machen.

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    Die Rekordverschuldung ist ja auch ein Erbe, der alten CDU/FDP Regierung, warum sollte man die, neue Regierung für die Altlasten von Rüttgers und seinen Schergen verantwortlich machen.

    Die Rekordverschuldung ist ja auch ein Erbe, der alten CDU/FDP Regierung, warum sollte man die, neue Regierung für die Altlasten von Rüttgers und seinen Schergen verantwortlich machen.

  5. ... und vielleicht noch vor Spanien und Italien.

    Aber was soll`s - der Länderausgleich regelt dies.

  6. diese Rot-Grünen-Länder lustig Schulden machen.
    Ein Skandal sondergleichen.

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    • Pangea
    • 16.12.2010 um 21:47 Uhr

    Informieren und ereifern sie sich lieber über die CDU.

    Der Tigerente ist es zu verdanken, dass Frau Kraft diesen Nachtragshaushalt erst einreichen darf. Die heutige Abstimmung erfüllt mich mit vollster Zufriedenheit - am Ende bekommen doch die Richtigen ihr Fett weg.

    Ein Skandal sondergleichen ist vielmehr, daß BW und Bayern ihren Atommüll nicht selber lagern, sondern ihn gerne bei anderen verbuddeln.

    • mrk111
    • 17.12.2010 um 0:49 Uhr

    Informieren Sie sich lieber mal darüber wer im Länderfinanzausgleich zu den Geber- und wer zu den Nehmerländern gehört. NRW ist meist ein Geberland gewesen und ist es auch heute, weitaus öfter als Bayern z.B., also mal schön den Ball flach halten!

    • Pangea
    • 16.12.2010 um 21:47 Uhr

    Informieren und ereifern sie sich lieber über die CDU.

    Der Tigerente ist es zu verdanken, dass Frau Kraft diesen Nachtragshaushalt erst einreichen darf. Die heutige Abstimmung erfüllt mich mit vollster Zufriedenheit - am Ende bekommen doch die Richtigen ihr Fett weg.

    Ein Skandal sondergleichen ist vielmehr, daß BW und Bayern ihren Atommüll nicht selber lagern, sondern ihn gerne bei anderen verbuddeln.

    • mrk111
    • 17.12.2010 um 0:49 Uhr

    Informieren Sie sich lieber mal darüber wer im Länderfinanzausgleich zu den Geber- und wer zu den Nehmerländern gehört. NRW ist meist ein Geberland gewesen und ist es auch heute, weitaus öfter als Bayern z.B., also mal schön den Ball flach halten!

    • optun
    • 16.12.2010 um 21:32 Uhr
    8. Klasse

    Ich war von Anfang an der Meinung, dass die beiden Frauen das Rennen mit Intelligenz machen. Frau Kraft hat sich von dem Bundeshaufen der SPD auch nicht rein reden lassen, wie man das bei Ypsilanti getan hat. Ypsilanti hätte in Hessen denselben Weg gehen können, aber ihr hat wahrscheinlich doch die Intelligenz gefehlt.
    NRW wurden von dem Nonsens Rüttgers, den eigentlich keiner haben wollte, in Grund und Boden regiert. Rüttgers war Lehrer und ist Lehrer geblieben. Für diese Arbeit als Ministerpräsident hat ihm der Geist und dass Format gefehlt.

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