Ein Arbeiter misst die Strahlung im unterirdischen Atommülllager Asse © Tobias Schwarz / Reuters

Die Bundesregierung sieht keinen Zusammenhang zwischen dem maroden Atommülllager Asse und einem Anstieg von Krebsfällen in dessen Umgebung. Die erhöhten Krebsraten könnten "nicht durch die Strahlenbelastung aus der Asse erklärt werden", heißt es in der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Das Bündnis 90 bewertete diese Aussage als gewagt.

Um den beobachteten Anstieg der Krebsfälle durch Strahlung erklären zu können, müsse "die Dosis etwa 10.000 Mal höher sein als beobachtet", schrieb die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen-Esser (CDU), in ihrer Antwort auf Fragen der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Bärbel Höhn.

Eine Analyse seltener Krebserkrankungen in einer kleinen Region unterliege "zwangsläufig starken statistischen Schwankungen". Bei Auswertungen in einer bestimmten Anzahl von Gemeinden könnten höhere Erkrankungsraten "allein aufgrund des statistischen Zufalls" gefunden werden, hieß es in dem Schreiben weiter. Im Landkreis Wolfenbüttel selbst seien die Daten unauffällig, schrieb Heinen-Esser. Sie versicherte aber auch, die Bundesregierung sei "an einer schnellen Klärung der Sachlage interessiert" und bot dem Land Niedersachsen Unterstützung bei der Bewertung der beobachteten erhöhten Krebshäufigkeiten an.

Der Fraktionschef der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, kritisierte die Einschätzung der Regierung, die erhöhte Krebshäufigkeit habe nichts mit dem Atommüll in der Asse zu tun, als gewagt. "Das ist eine mutige Aussage", denn für die erhöhten Werte gebe es ganz eindeutige Belege, sagte Wenzel. Zwar gebe es auch keine Beweise dafür, dass Asse die Ursache für die höhere Zahl von Krebserkrankungen sei, "aber wer das Gegenteil behauptet, der muss auch den Beweis antreten". Wenzel forderte zunächst weitere Untersuchungen der nun bekannt gewordenen Daten und ihrer möglichen Ursachen.


Auch die Grünen-Bundestagsfraktion äußerte sich enttäuscht über die Haltung der Bundesregierung: Sie versuche die Sorgen der Menschen kleinzureden, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Dorothea Steiner. Ein Zusammenhang zwischen Atommüll und Krebshäufigkeit in der Umgebung liege sehr nahe. Ende November war bekannt geworden, dass in der Umgebung des Atommülllagers deutlich mehr Leukämie- und Schilddrüsenkrebsfälle als im statistischen Mittel aufgetreten sind.